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Christian Reinboth ist Wirtschaftsinformatiker und Mit-Gründer der HarzOptics GmbH - einem auf die Photonik spezialisierten An-Institut der Hochschule Harz - sowie einer der Manager des Telepflege-Netzwerks TECLA. Neben der Arbeit studiert er seit 2009 Umweltwissenschaften an der FernUniversität Hagen.
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07.12.10 · 10:33 Uhr
NASA: Wissenschaft wird nicht in Blogs diskutiert
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 11
Kurze Notiz am Rande: Die NASA will nicht auf Kritik am Arsen-Bakterien-Paper aus der Blogosphäre reagieren - und hält Wissenschaftsblogs grundsätzlich für den falschen Platz, um über wissenschaftliche Veröffentlichungen zu diskutieren.
Aus einem Bericht der CBC:
When NASA spokesman Dwayne Brown was asked about public criticisms of the paper in the blogosphere, he noted that the article was peer-reviewed and published in one of the most prestigious scientific journals. He added that Wolfe-Simon will not be responding to individual criticisms, as the agency doesn't feel it is appropriate to debate the science using the media and bloggers. Instead, it believes that should be done in
scientific publications.
Hintergrund ist die teils heftige Kritik der Blogosphäre am - von der NASA sicherlich nicht unerwünschten - medialen Hype um die Arsen-Bakterien aus dem Mono Lake, wobei es inzwischen nicht mehr nur um die Medienarbeit der Raumfahrtagentur geht. Regelrecht zerrissen hat das Paper beispielsweise Rosie Redfield, eine bloggende Professorin von der University of British Columbia:
NASA's shameful analysis of the alleged bacteria in the Mars meteorite made me very suspicious of their microbiology, an attitude that's only strengthened by my reading of this paper. Basically, it doesn't present ANY convincing evidence that arsenic has been incorporated into DNA.
Angeschlossen hat sich unter anderem Larry Moran, ein Professor für Biochemie:
I read the paper (Wolfe-Simon et al., 2010) and I can assure you that nothing in that paper is going into my biochemistry textbook. I predict that a year from now we'll have forgotten about this discovery. I'm not even sure it's going to be confirmed but, if it is, the result is pretty trivial.
Und auch die Kollegen der US-ScienceBlogs geben sich kritisch:
The study published in Science has a number of flaws. In particular, one subtle but critical piece of evidence has been overlooked, and it de-monstrates that the DNA in question actually has a phosphate - not an arsenate -backbone.
Inwiefern die Vorwürfe inhaltlich berechtigt sind, kann ich fachlich schlecht beurteilen - auf jeden Fall wirkt die Weigerung der NASA, auf derartige Kritiken überhaupt zu antworten, schon mal reichlich unsouverän - von daher schließe ich mich Florian vollumfänglich an und bin ebenfalls gespannt, was in den kommenden Tagen und Wochen so von der Mono Lake-Entdeckung zu hören sein wird...
Autor: Christian Reinboth· 11 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (11)
"[..]the agency doesn't feel it is appropriate to debate the science using the media and bloggers. Instead, it believes that should be done in
scientific publications."
Wo kämen wir denn da auch hin? Am Ende debatieren Wissenschaftler sogar noch mündlich miteinander!
Im Anschluss an einen Vortrag reiche ich meine kritischen Nachfragen schließlich auch immer in Form eines veröffentlichten Aufsatzes ein.
Wie kann so eine einflussreiche wissenschafltiche Institution nur so ein verqueres Wissenschaftsverständnis haben?
Ein gutes Paper braucht sich Kritik nicht zu entziehen.
Leider wird ein Grossteil der Wissenschaft heute noch über ein Medium kommuniziert, das eigentlich nicht dazu geeignet ist, richtigen wissenschaftlichen Diskurs zu führen. Es ist nämlich schlichtweg zu langsam.
Idealerweise bräuchte man eine Plattform, die es ermöglicht, zu jedem vollen Paper Fragen zu stellen, Kritik zu äussern, bestätigende oder widerlegende Experimente zu publizieren. Insbesondere aber auch die Papers zu reviewen.
Das wäre um einiges schneller, als dafür jeweils wieder volle Papers zu schreiben mit vielen Teilen, die üblicherweise redundant sind. Wissenschaft braucht Kontext, Anmerkungen und direkte Verbindungen vielfältiger Art. Dieser Teil der Wissenschaft findet heutzutage noch zu häufig nur in direkten Gesprächen statt.
AndreasM schrieb (07.12.10 · 11:09 Uhr):
> Idealerweise bräuchte man eine Plattform, die es ermöglicht, zu jedem vollen Paper Fragen zu stellen, Kritik zu äussern, bestätigende oder widerlegende Experimente zu publizieren. Insbesondere aber auch die Papers zu reviewen.
Das wäre um einiges schneller, als dafür jeweils wieder volle Papers zu schreiben mit vielen Teilen, die üblicherweise redundant sind. Wissenschaft braucht Kontext, Anmerkungen und direkte Verbindungen vielfältiger Art.
Richtig: offener, wissenschaftlicher Austausch braucht ein unverzügliches, enzyklopädisches und (selbst-)dokumentierendes Medium.
Man hätte ja meinen können, dass Wikipedia so etwas wäre (hätte werden können, oder noch werden könnte). Die aber ist ja leider eine Geisel der WasDasNichtIstas ...
Blogs sind für Fachdiskussionen tatsächlich ungeeignet.
Sie können natürlich Stellung dazunehmen, im Form von Blogeinträgen, in Form von Papers, in Form von Öffentlichkeitsarbeit, sie können auch alle ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse auf ihren Blog veröffentlichen (wüde mich als Anhänger einer Open Science sehr freuen) und können vorallem mit ihrem Blog (egal welche Meinung sie dabei haben) Wissenschaft "unter die Leute bringen".
Aber einerseits wird der NASA vorgeworfen einen Mediahype daraus zu machen und andererseits soll dann die NASA Blogs von einzelnen WissenschaftlerInnen aufwerten, in dem "die" NASA mit ihnen zu diskutieren beginnt? Das wünschen sich sicher einzelne BloggerInnen kann aber nicht deren Ernst sein.
Schön wäre es natürlich wenn es eine derartig offene Plattform gäbe, wie sie AndreasM vorgeschlagen hat.
Open Access und Open peer review sind schon mal gute Ansätze: http://en.wikipedia.org/wiki/Open_access_%28publishing%29 und http://en.wikipedia.org/wiki/Open_peer_review
@Anton:
Der eigentliche Vorwurf ist doch ein anderer: Wenn man ein Papier mit einer durchaus aufsehenerregenden Feststellung in die Welt setzt, muss man mit kritischen Fragen rechnen. Wenn die nicht von irgendwelchen Cranks kommen, sondern verschiedene ausgewiesene Fachexperten unabhängig voneinander die gleichen methodischen Aspekte kritisieren, kann eine angemessene Reaktion nicht nur daraus bestehen, sich auf den Standpunkt zurückzuziehen, dass die Kritikpunkte erst kommentiert werden, wenn sie ihrerseits in einem peer-reviewten Journal veröffentlicht wurden. Das ist eine zu hohe Hürde für ein paar Fragen zur Methodik, die ja eigentlich vergleichsweise einfach zu beantworten sein müssten...
@Christian: Das ist allerdings richtig. Die Öffentlichkeitsarbeit der NASA lässt zu wünschen übrig (war immer schon so) und dadurch tragen sie zu einem guten Teil dazu bei, dass es zu auch unschönen und vielleicht überzogenen Reaktionen kommt.
Ich vermute mal, dass die schwerfällige "NASA" noch nicht ganz in Web 2.0 und dessen Geschwindigkeit angekommen ist.
Schön wärs, wenn sie mit ihren Fähigkeiten und Mitteln dazu beitragen könnten, eine wie oben angesprochene offene Plattform einzurichten (weil ich eben denk, dass ein Bog dafür ungeeignet ist). Die Frage ist aber ob das in ihrem Interesse liegt, ich denke nicht, denn dann müssten sie auf solche Fragen anders antworten. ;-)
Naja, wenn man heutzutage schon sieht: Paper in "Science", Begleitartikel in "Nature", dicke Schlagzeile in den Nachrichten - dann ist schon fast klar, daß es sich wieder mal um substanzlosen Hype gekoppelt mit eklatantem Versagen des Reviewprozesses handelt.
Und der Mist wird dann auch noch zu Mondpreisen verkauft: http://libraries.ucsd.edu/collections/Nature_Faculty_Letter-June_2010.pdf
Da sind dann leider wir gefragt. Aber der Irrglaube, der impact factor eines Journals würde etwas über die Qualität der *eigenen* Arbeit aussagen, scheint sehr langsam zu sterben. Tatsache ist jedoch, daß PLoS so ziemlich abgeräumt hat, was die wirklich dicken Studien der letzten 5 Jahre angeht. Ein schöner Trend, den ich für voll unterstützenswert halte; für meine Daten werden jedenfalls PLoS und SciELO die ersten Anlaufstellen sein.
Wissenschaftliche Daten sind nicht dazu da, über den Mond gehyped zu werden von Publikationen, die sich bescheuert verdienen, aber dabei keinen ordentlichen peer review auf die Kette kriegen (die "Big 3" sind in der letzten Dekade lediglich im Feld "Retractions" und Fälschungsskandale führend gewesen...), und vorsintflutliche Lizenzbedingungen haben.
Forschungsdaten sind dazu da, gelesen zu werden. Umfassend.
Jede Woche erscheinen sicher 3-4 Artikel in Science/Nature, die dann entsprechend im anderen Magazin erwähnt werden.
PLoS würde natürlich NIIEEE irgendeinen Hype mitmachen. Ida war ein gaaaanz revolutionäres Tierchen, und das mit dem roten Meer ist auch endlich mal geklärt.
Nature und Science bringen Ergebnisse am Rande der Erkenntnis, liegen mal daneben und können sicher auch mal Kritik abbekommen. Insgesamt sind sie aber hochspannend und machen verdammt viel für Wissenschaftskommunikation. Dein Hervorbeschwören des kompletten Versagens des Peer Reviews ist hanebüchener Unsinn.
@Eike Wulfmeyer:
Ich vermute mal, dass das Paper im Grunde gar nicht so schlecht ist - nur eben ein wenig overhyped, was sich nun in besonders scharfen Kritiken niederschlägt...
Die NASA ist eine Behörde - die lassen natürlich nix gelten, wo kein Stempel drauf ist.
Ich bin auch der Meinung, dass wissenschaftliche Themen nicht in Blogs diskutiert werden sollen. Das Internet bietet weit aus andere Möglichkeiten zum kommunizieren und sich auszutauschen. Vor allem die Dokumentation spielt bei wissenschaftlichen Themen eine wichtige Rolle. Blogs dienen eher als Präsentationsfläche für Ergebnisse, Entwicklungen und News. Wobei die NASA Blogs so eine gute Qualität haben das man diese als Laie manchmal gar nicht versteht.