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Christian Reinboth ist Wirtschaftsinformatiker und Mit-Gründer der HarzOptics GmbH - einem auf die Photonik spezialisierten An-Institut der Hochschule Harz - sowie einer der Manager des Telepflege-Netzwerks TECLA. Neben der Arbeit studiert er seit 2009 Umweltwissenschaften an der FernUniversität Hagen.

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30.08.10 · 10:33 Uhr

Wie man sich die passenden Befragungsergebnisse sichert

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 8

In der aktuellen Bürgerbefragung der CDU Sachsen-Anhalt bin ich heute über ein schönes Beispiel für eine sogenannte "leading question" gestolpert, d.h. eine gebiaste Frage, die aufgrund ihrer Formulierung zu einer erwünschten Aussage verführt.

Wie aus dem Lehrbuch:

In wie weit ist es gerechtfertigt, dass Verbände und Einzelpersonen bei naturschutzrechtlichen Bedenken gegen Planungen von Bau- und Verkehrs- projekten klagen können und damit Verzögerungen und Mehrkosten des Projekts verursachen?

Man beachte, dass es dem Fragesteller nicht nur hervorragend gelingt, ausschließlich negative Folgen einer möglichen Klage in die Frageformulierung einfließen zu lassen, sondern auch noch die Verantwortung für mögliche Verzögerungen und Mehrkosten auf subtile Art und Weise auf den Klagenden abzuschieben - und nicht etwa auf den Planer,
der einen naturschutzrechtlich relevanten Umweltaspekt übersehen hat.

buergerbefragung.jpg

Für die nächste Bürgerbefragung der Grünen schlage ich daher vor:

Wie wichtig ist es Ihnen, dass die Möglichkeiten von Verbänden und Einzelpersonen, gegen naturschutzrechtlich bedenkliche Bauvorhaben gerichtlich vorgehen zu können, und damit lebensnotwendige Habitate
für geschützte Arten zu erhalten, keinesfalls eingeschränkt werden?

Von Sir Humphrey Appleby kann man eben immer etwas lernen...

 

Autor: Christian Reinboth· 8 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Trackbacks (1)

Kurz notiert: Atheismus-Frage im Zensus · Frischer Wind · 09.05.11 · 14:09 Uhr


Kommentare (8)

Author Profile Page Florian Freistetter· 30.08.10 · 10:48 Uhr

Meine Lieblingsfrage ist die der ÖVP, als die Studiengebühren in Ö abgeschafft wurden:

"Die Studienbeiträge von 363,- Euro pro Semester haben die Durchschnittsdauer um 1 Jahr verkürzt. Daher gibt es kaum noch Studierende die keine Prüfung ablegen. Rund jeder 3. Studierende an Fachhochschulen und jeder 5. Studierende an Universitäten bekommt durch eine Studienförderung die Studienbeiträge ersetzt. Was meinen Sie: Sollen die Studienbeiträge abgeschafft werden und der Steuerzahler für den Einnahmenausfall (150 Mio. Euro pro Jahr) aufkommen, oder sollen die Studienbeiträge erhalten bleiben, da sie ein moderater Beitrag zu den Kosten eines Studiums sind?"

Ganz überraschend waren dann 71% der Befragten GEGEN eine Abschaffung von Studiengebühren...

Author Profile Page Christian Reinboth· 30.08.10 · 11:05 Uhr

@Florian: Ein absolutes Paradebeispiel, dem man nur höchsten Respekt zollen kann!

Kommentar-Direktlink Andrea Thum· 30.08.10 · 11:50 Uhr

Ich wollte mir die Umfrage auch mal angucken (wohne ja auch in Sachsen-Anhalt), genau solche Fragen sind imemr interessant. Und die Umfrage von der Linken, die haben ja auch eine in Auftrag gegeben. Ach, keine Zeit, vielleicht hast du ja welche ;-)

Author Profile Page Christian Reinboth· 30.08.10 · 12:12 Uhr

@Andrea:

Ich wollte mir die Umfrage auch mal angucken (wohne ja auch in Sachsen-Anhalt).

Lass es lieber - Du ärgerst Dich nur. Das fängt an bei unscharfen Formulierungen wie "alles in allem" über Textfelder, in die man das "keine Angabe" tatsächlich händisch eintragen muss und tendenziöse Fragestellungen wie die oben aufgeführte und geht bis zu wirklich seltsamen Formulierungen wie "Verraten sie mir(!) doch bitte, welche der folgenden Berufsgruppen der Tätigkeit nach, die Sie überwiegend ausüben, am ehesten zutrifft." Handwerklich also bedauerlicherweise nicht gelungen - obwohl am Ende sicher dabei herauskommen wird, dass die Mehrheit der Sachsen-Anhaltiner dieses überflüssige Klagerecht bei Bau- und Verkehrsplanungen klar ablehnt :-D

Wobei ich aus der Erfahrung heraus schon mal die Voraussage wage, dass die Umfrage der Linken in der Umsetzung auch nicht besser werden wird...

Kommentar-Direktlink Webbaer· 30.08.10 · 13:02 Uhr

...keinesfalls eingeschränkt werden?
Besser: "vollumfänglich beibehalten werden?" Wir wollen immer positiv in den Markt. :)

HTH
Wb

Author Profile Page Christian Reinboth· 30.08.10 · 20:29 Uhr

In Sachsen-Anhalt werden Online-Umfragen in Goldbarren pro Frage verrechnet...

Die CDU-Fraktion bezahlt die 100.000 Euro teure Internet- und Telefonumfrage zu landespolitischen Fragen aus der Fraktionskasse. [...] Die Linke hat ihren Angaben zufolge ihre 30.000 Euro teure Umfrage aus der Partei- und nicht aus der Fraktionskasse bezahlt.

http://www.volksstimme.de/vsm/nachrichten/sachsen_anhalt/sachsen_anhalt/?sid=brtgi9bgv3vjl9336it61f6qm3&em_cnt=1795719&sid=brtgi9bgv3vjl9336it61f6qm3

Kommentar-Direktlink Andrea Thum· 31.08.10 · 09:09 Uhr

Wär doch 'ne tolle Geschäftsidee :-) Du würdest vielleicht auch die besseren Fragen stellen! ;-)
Habe mir Ausschnitte der Umfrage von den Linken angeguckt. Soweit wie es zu lesen war, waren die Fragen nicht so ... komisch gestellt. (http://www.dielinke-sachsen-anhalt.de/politik/themen/) - Wobei klar ist, dass die meisten Menschen lieber eine sozial gerechtere Welt möchten mit kostenlosem Mittagessen für alle Kinder, solange keiner fragt, woher das Geld dafür kommt.

Kommentar-Direktlink knorke· 06.09.10 · 17:26 Uhr

Es gab in Göttingen vor kurzem eine Abstimmung zu eine Umgehungsstrasse im Süden der Stadt.

Dort wurden (vermutlich aufgrund irgendeines Gesetzes) genauso viele Vor- wie Nachteile des Ausbaus eingearbeitet.

Ein Jammer, dass dieses Gesetz für Abstimmungen, jedoch nicht für Meinungsumfragen gilt.

Mir kräuselten sich jedenfalls hier herzlich die Zehennägel.,

Das allerschlimmste ist ja, dass diese Art der Fragenformulierung die Leute primed. Bei ähnlich gelagerten Folgefragen steigt dadurch die Wahrscheinlichkeit, dass man sogar neutral formulierte Fragen tendenziös beantwortet - wozu also Statsitiken zurechtbiegen, wenn man direkt bei der Erhebung anfangen kann.

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