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Christian Reinboth ist Wirtschaftsinformatiker und Mit-Gründer der HarzOptics GmbH - einem auf die Photonik spezialisierten An-Institut der Hochschule Harz - sowie einer der Manager des Telepflege-Netzwerks TECLA. Neben der Arbeit studiert er seit 2009 Umweltwissenschaften an der FernUniversität Hagen.

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27.11.09 · 15:03 Uhr

"Wünschen Sie eine radionische Besendung?"

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 17

Es gibt in diesem Land wirklich unglaubliche Geschäftsmodelle. In Stuttgart kann man sich beispielsweise sein Haus bestrahlen lassen, um in der Bausubstanz gefangene negative Energien aus dem Scheidungsverfahren des Vormieters loszuwerden.

Das Ganze nennt sich radionische Besendung und wird hier angeboten. Wenn ich den leicht verwirrenden Werbetext richtig verstanden habe, geht es im Kern darum, dass im Rahmen einer "Analyse" zunächst festgestellt wird, ob eine Immobilie durch Todesfälle, Insolvenzen oder Scheidungen sowie natürlich Bluetooth, WLAN oder Abweichungen im Magnetfeld der Erde "belastet" ist. Anschließend wird dann irgendwie die passende "Lösungsfrequenz" ermittelt und das Gebäude von Stuttgart aus vier Monate lang für 300 EUR "radionisch besendet". Danach ist dann wieder alles in bester Ordnung: Die Depressionen sind vergessen, die Schlafstörungen beseitigt und die Allergien verschwunden.

Außerdem findet Radionik Anwendungen in Wohnungen und Häusern, in denen Altlasten durch Vorbesitzer, zum Beispiel negative Energien aus Scheidung, unglücklichen Todesfällen, Insolvenz oder anderen
Problematiken, ebenfalls eine positive Entfaltung verhindert.
IMMOScanning einer Immobilie beinhaltet:

- Einstellung und Durchlauf des Generators der Analyse + Lösungsbesendung
- Ausdruck der Analyse- und Lösungs-Blätter
- eine 4-monatige Besendung der Immobilie mit der Lösungsfrequenz

geschaeftsmodell.jpg

Ich überlege ja, ob ich sowas in Zukunft auch anbiete. Wenn sich jeden Monat so fünf oder sechs Leute finden, die bei mir eine radionische Besendung bestellen, könnte ich mich glatt aus dem aktiven Berufsleben zurückziehen und endlich mal in Ruhe ausspannen...

Langsam aber sicher verfestigt sich bei mir die Erkenntnis, dass man bei bestimmten Geschäftsmodellen staatlicherseits einen Nachweis der Wirksamkeit einfordern müsste. Allein das Argument "es gibt eine Nachfrage und die Leute wollen dafür zahlen" kann im Grunde nicht ausreichen. Florians "Leber-Fall" aus der SZ ist ein weiteres Paradebeispiel.

Na ja, wenigstens kann ich endlich mal diesen schönen DS9-Facepalm anbringen...


animated-facepalm.gif

Mit Dank an Stecki für den großartigen Twitter-Linktipp.

 

Autor: Christian Reinboth· 17 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

Tags: · · · · ·

Trackbacks (3)

Einträgliches Geschäftsmodell: Online-Geisterversteigerung · Frischer Wind · 09.03.10 · 09:55 Uhr

Endlich: Schadensersatzpflicht für Astrologen · Frischer Wind · 04.01.11 · 19:55 Uhr


Kommentare (17)

Kommentar-Direktlink casismart· 27.11.09 · 15:10 Uhr

unbelievable.... :p

Kommentar-Direktlink paranoid android· 27.11.09 · 15:50 Uhr

Wer darauf reinfällt, ist doch eigentlich schon verstrahlt genug, oder?

Kommentar-Direktlink Radio· 27.11.09 · 16:52 Uhr

Die werd ich alle verklagen! Ich bin der einzige mit dem Radio-nick!

Kommentar-Direktlink kane· 27.11.09 · 17:38 Uhr

Unglaublich ... dass man gegen sowas nicht klagen kann. >:-( Ich warte schon lange auf ein Gesetz gegen pseudowissenschaftlichen Unfug im Dienstleistungsbereich (oder im Allgemeinen).

Kommentar-Direktlink Gunnar· 27.11.09 · 20:12 Uhr

Gegen Dummheit kämpfen selbst die Götter vergebens

http://esowatch.com/index.php?title=Radionik

Kommentar-Direktlink Dr. Glukose· 28.11.09 · 01:53 Uhr

der facepalm ist legen.....wait for it.....daryyyy

Kommentar-Direktlink sceptic· 28.11.09 · 16:06 Uhr

@kane: Man kann gegen solche Geschäftsmodelle klagen, denn was diese Seite betreibt, ist wohl eine irreführende geschäftliche Handlung, und die ist nach dem Gesetz über den unlauteren Wettbewerb verboten. Klagen können aber danach nur Wettbewerber (das könnte schwierig werden, klagewillige zu finden), Wettbewerbsverbände, die das aber meist nur dann tun, wenn eines ihrer Mitglieder sich beschwert, aber auch Verbraucherverbände.
Es gibt aber garantiert viele zufriedene Kunden, die nach der Geldextraktion sofort die bessere Ausstrahlung ihrer Immobilie bemerkt haben;-)

Kommentar-Direktlink Boson· 28.11.09 · 16:36 Uhr

Da kann man als Stuttgarter richtig wütend werden. Ich weiß ja nicht wie es in anderen Gegenden ist, aber hier in Stuttgart gibt es wirklich eine Menge Bullshit von allerlei Gruppen. Seien es nun christliche (oder sonstige) Kirchen/Sekten oder Esoteriker aller Art.

"Langsam aber sicher verfestigt sich bei mir die Erkenntnis, dass man bei bestimmten Geschäftsmodellen staatlicherseits einen Nachweis der Wirksamkeit einfordern müsste."

Dieser Schwachsinn sollte einfach als Betrug behandelt werden, denn genau das ist es ja auch. Gibts eigentlich nicht viel zu reden.

Kommentar-Direktlink AlteWeser· 30.11.09 · 07:26 Uhr

Welche Erfolgsaussichten hat man eigentlich, wenn man nach erfolgter Dienstleistung Klage wegen deren Wirkungslosigkeit erhebt?

Kommentar-Direktlink AlteWeser· 30.11.09 · 07:27 Uhr

Mist, zu früh abgeschicht, also Nachtrag:
Interessant wäre doch die Beweisführung des Anbieters, der muss doch eigentlich nachweisen können, dass seine Arbeit Erfolg hatte? Oder genügt die Durchführung der Arbeit an sich?

Kommentar-Direktlink Anhaltiner· 30.11.09 · 16:32 Uhr

@AlterWeser soweit ich das sehe reicht die Durchführung der Dienstleistung. Der Erfolg wird wohl nicht garantiert. Beim Autovermieter kannste dich ja auch nicht beschweren das du statt in Hamburg in München gelandet bist.

Kommentar-Direktlink Ronny· 30.11.09 · 21:03 Uhr

@AlteWeser
Die einzige Chance wäre vielleicht zu fragen ob alle Verkäufer ihr Haus auch schon entstrahlt haben. Ist einer dabei der nicht daran glaubt und es trotzdem verkauft könnte man ihm Betrugsabsichten unterstellen und ihn daraufhin verklagen.
Sonst sehe ich schwarz. Aber glaub mir, jeder der sowas macht ist so verdreht dass er sich nachher 100% besser fühlt.

Kommentar-Direktlink Wolfgang Flamme· 30.11.09 · 22:00 Uhr

"Man rächt die Klugheit, wenn man einen Dummkopf betrügt, und der Sieg lohnt sich der Mühe; denn der Dummkopf ist gepanzert, und man weiß oft nicht, an welcher Stelle man ihm beikommen soll. Mit einem Wort: einen Dummkopf zu betrügen, ist wohl eines klugen Mannes würdig."

Giacomo Casanova

Kommentar-Direktlink Markus· 07.02.10 · 01:01 Uhr

Warum verkaufen Sie Ihre Künste nicht gleich an das Finanzamt oder den Geheimdiensten. (lol) Die nennen das MK Ultra oder einfach nur Mind-Control.
Ich kann Ihnen auch einen 4 Sterne Staatschutzbeamten aus der hess. Röhn nennen.
Dieser Mensch hat keine Feinde mehr (lol)
PS: Nur wird dieser Sie mit Strahlen besenden und zwar direkt ins Gehirn.
Naja! Die Lebenserwartung ist dann zwar nicht mehr so hoch und um Ihre Pansion, brauchen Sie sich auch keine Gedanken mehr zu machen (lol)

Kommentar-Direktlink Peter· 09.03.10 · 11:05 Uhr

Immerhin, die Geister haben 2830 Neuseeländische Dollar gebracht. Das sind mehr als 1400 Euro.
Damit wäre dann auch ein Umrechnungskurs von Blödheit in Euro gefunden.

Kommentar-Direktlink Peter· 09.03.10 · 11:12 Uhr

Sorry, mein Kommentar gehörte eigentlich hier hin:

http://www.scienceblogs.de/frischer-wind/2010/03/spannendes-geschaftsmodell-onlinegeisterversteigerung.php

(Tab-Chaos)

Kommentar-Direktlink Rolf· 03.06.11 · 01:21 Uhr

Was mich daran fasziniert: Die können also von Stuttgart aus zielgerichtet jedes Haus in Deutschland (oder der ganzen Welt?) bestrahlen? Erstaunlich - würde mich interessieren, womit die ihr Ziel anpeilen.
Wenn ich so etwas anbieten würde, würde ich vermutlich mit einem Wohnmobil durch Deutschland fahren und den Leuten eine kleine Kiste in die Wohnung stellen, die nichts anderes macht als Strom verbrauchen und im Gegenzug ein bisschen brummen (und natürlich Unmengen Abwärme produzieren, an denen man dann die angesammelte Schlechte Energie™ erkennen kann).
Erstaunlich finde ich auch, dass das Ausdrucken der Ergebnisse extra in der Aufzählung der Leistungen erwähnt wird - ist anscheinend nicht üblich in der Branche.

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