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Christian Reinboth ist Wirtschaftsinformatiker und Mit-Gründer der HarzOptics GmbH - einem auf die Photonik spezialisierten An-Institut der Hochschule Harz - sowie einer der Manager des Telepflege-Netzwerks TECLA. Neben der Arbeit studiert er seit 2009 Umweltwissenschaften an der FernUniversität Hagen.
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05.08.09 · 10:43 Uhr
Grüne nun auch noch gegen "Killerspiele"?
Kategorie: Politik · Kommentare: 7
Ich bekomme ja zusehends den Eindruck als versuchten manche Grüne, sich der CDU so weit wie möglich anzunähern - nur leider nicht in Bereichen wie Wirtschafts-, Forschungs-, oder Bildungsspolitik, sondern eher hinsichtlich der leicht obskuren Unions-Positionen.
Anders kann ich mir jedenfalls diese Pressemitteilung nicht erklären:
„Wir haben große Bedenken gegen diese Art von Freizeitbeschäftigung. Spiele wie Counter Strike verherrlichen Gewalt und verletzen die Würde der Menschen. Sie können bei exzessivem Gebrauch abstumpfen und bergen dann ein enormes Gefahrenpotential. [...]
„Jeder und jede kann sich diese Spiele heute zu Hause auf den Computer laden, ganz ohne dass die Öffentlichkeit etwas davon mit bekommt." Deshalb halten die GRÜNEN eine auf Dauer angelegte kritische öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema Killerspiele für notwendig. [...] „Es muss deutlich herausgearbeitet werden, welchen gefährlichen Einfluss Killerspiele auf unserer Gesellschaft haben können. Wer in diesem Segment Geschäfte macht, handelt unverantwortlich."
Natürlich handelt es sich hier nicht um eine Pressemitteilung der Bundespartei, sondern um eine von der Karlsruher Grünen-Fraktion verfasste Erklärung. Auch auf Bundesebene gibt es jedoch bereits (vereinzelte) Stimmen bei den Grünen, die ein Totalverbot der sogenannten "Killerspiele" fordern, so z.B. die Grüne Bundestagsabgeordnete Sylvia Kotting-Uhl:
Bei den Ego-Shooter-Spielen haben wir auf der Seite der potentiellen Risiken die durch viele Studien (In Ba-Wü in Sonderheit Prof. Spitzer aus Ullm) belegte Absenkung der Hemmschwelle und Desensibilisierung gegenüber Gewaltanwendung - nicht aus Versehen nutzt die US-Army genau dazu solche Spiele. Was haben wir auf der anderen Seite? Spaß ist eine wichtige Sache, aber wäre Spaß nicht mehr möglich, wenn es solche Spiele nicht gäbe? Und eignet sich wirklich alles zum Spielspaß?
Ja, ich bin für ein Verbot dieser Spiele - wohl wissend, dass das Verbot allein nicht die vollständige Antwort auf das Problem ist. Wir brauchen eine gesellschaftliche Debatte - vor allem auch mit Jugendlichen - über Gestaltung und Grenzen von Freiräumen, über die Frage was attraktive Freizeitgestaltung sein kann, über Medienkompetenz uvm.
Hintergrund ist die Kontroverse um die für den Juli in Karlsruhe geplanten Intel Friday Night Games, die als Folge des Amoklaufs von Winnenden unter anderem auf Drängen der Grünen abgesagt wurden. Erstaunlicherweise gehörte ausgerechnet der CDU-Bürgermeister der Stadt - Heinz Fenrich - zu den wenigen Verfechtern der Veranstaltung, musste sich letztendlich aber dem Druck der Fraktionen - darunter auch seiner eigenen - beugen.
Autor: Christian Reinboth· 7 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (7)
Du hast's zur Zeit aber auch mit den Grünen. Schau dir zu diesem nun wirklich weit von der Wissenschaft liegenden Thema doch mal die Pressemitteilung der Bundestagsfraktion an, die ganz anders klingt - und zur Killerspieldebatte rund um Karlsruhe diesen Blogbeitrag eines lokalen BT-Kandidaten.
Ich habe jedenfalls keine Lust dazu, jetzt jeden CDUler, jede CDU-Bürgermeisterin und jede CDU-Stadtratsfraktion rauszusuchen, die zu irgendeinem Thema Mist erzählt hat.
@Till: Beides Artikel, die ich inhaltlich vernünftig finde, so hatte ich die Position der Grünen zu diesem Thema bislang auch eingeschätzt. Dass man auf die Pressemitteilung einer Ratsfraktion nicht zuviel Gewicht legen sollte, ist mir auch klar - in diesem Fall hat mich aber diese Mitteilung erst zur weiteren Recherche und damit zu den Aussagen von Frau Kotting-Uhl geführt, die mich dann doch verwirrt haben. Immerhin hat die Meinung einer Grünen MdB in solchen Fragen sicher mehr Gewicht als die eines BT-Kandidaten mit vermutlich eher geringen Wahlchancen...
Da hättest Du vermutlich auch viel zu tun. Die Aussagen von MdBs halte ich jedoch grundsätzlich für diskussionswürdig - und Frau Kotting-Uhl fordert hier nicht mehr und nicht weniger als ein Totalverbot (so liest es sich zumindest für mich).
Weiß auch nicht wieso. Ich denke aber das gibt sich wieder - die nächsten vier Artikel, die bei mir zur Zeit in Vorbereitung sind, haben jedenfalls mit den Grünen nichts zu tun...
Sieht so aus als ob die Grünen in Deutschland gerade dabei sind ihre meist jungen Stammwähler zu vergraulen. In Österreich haben sie es schon geschafft :)
Spaß ist eine wichtige Sache, aber wäre Spaß nicht mehr möglich, wenn es solche Spiele nicht gäbe?
Die Aussage finde ich besonders pikant denn dann müsste man zum Beispiel alle Ballspiele verbieten. Da schieße ich doch auch auf Gegner und bei Völkerball strebe ich einen vollständigen Genozid an! Im Zusammenhang mit Fußball z.B. gibt es mehr Tote und Verletzte zusammen als bei allen Amokläufen. Da könnte man doch effektiver ansetzen. Sex verbieten wäre auch gut, denn die meisten Morde passieren aus Eifersucht. Warum sucht man sich eine gaaanz kleine Nische um die Zahl der Getöteten zu reduzieren. Fangt bei den großen Sachen an.
Aber die Diskussion ist schon so alt und kocht immer wieder hoch. Ich finds nur bedenklich wenn der Staat auch meine Gedanken kontrollieren will und nicht nur meine Taten. Gesinnungsterror ist ja wohl eher ein Markenzeichen von totalitären Regimes und die gilt es in Europa mit allen Mitteln zu verhindern.
@Christian: wenn Sylvia Kotting-Uhl fachlich für "Killerspiele" zuständig wäre, würde ich dem Argument ja folgen wollen - aber die medien- und jugendpolitischen SprecherInnen, Kai Gehring und Grietje Staffelt, haben sich nun doch ganz anders geäußert.
Bin auf die nicht "grünen" Artikel gespannt.
Hallo sucht euch doch nicht immer das raus, was euch gerade in den Kram passt:
GRÜNE Fraktion fordert offene Auseinandersetzung zum Thema "Killer"-Spiele
In der Debatte um die Intel Friday Night Games in Karlsruhe fordert die GRÜNE Fraktion eine offene und sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema "Killer"-Spiele. „Das Thema eignet sich weder für emotionale Wortgefechte noch für allzu platte Wahlkampfparolen", so die Sprecherinnen der GRÜNEN-Gemeinderatsfraktion Bettina Lisbach und Anne Segor. "Wir schlagen uns deswegen weder auf die Seite des OB, der mit seiner Entscheidung die Fraktionen vor vollendete Tatsachen gestellt und ein besonnenes gemeinsames Vorgehen verhindert hat. Noch machen wir mit der CDU-Fraktion gemeinsame Sache, die mit der Forderung nach Verboten die Fronten nur zusätzlich verhärtet und eine umfassende Diskussion behindert."
Die GRÜNEN haben zwar einerseits Bedenken gegen bestimmte aggressive Computerspiele und befürchten deren möglicherweise negative Wirkung in Einzelfällen. Andererseits ist sich die Fraktion darüber im Klaren, dass für viele Jugendliche diese Art von Spielen zur Normalität gehört.
„Mit einem einfachen 'Weg damit' kommen wir deshalb nicht weiter. Wir verstehen aber auch die Sorgen der Eltern und Lehrer, insbesondere wegen der räumlichen und zeitlichen Nähe zu den Ereignissen in Winnenden“, so Lisbach und Segor.
In dieser aufgeheizten Situation hätte sich die Fraktion gewünscht, dass die Veranstalter das Ihre zur Deeskalation beitragen und die Intel Friday Night Games in Karlsruhe ohne Ego Shooter-Spiele stattfinden lassen. Sollte dies nicht möglich sein, müsste in der gegenwärtigen Situation nach Ansicht der Fraktion die KMK den Vertrag kündigen. "Wir wollen die Diskussion deeskalieren und in Ruhe mit den Betroffenen, aber auch mit Wissenschaftlern über den richtigen Umgang mit dieser Art von Veranstaltungen im besonderen und dem Konsum von ‚Killer‘-Spielen im allgemeinen diskutieren.“
„Ein bundesweites Verbot von zugelassenen Computerspielen wird weder von der GRÜNEN Fraktion noch von der GRÜNEN Partei befürwortet", stellen Lisbach und Segor klar.
http://www1.karlsruhe.de/Gemeinderat/Gruene-Fraktion/Presse/2009/0520pr01.htm
und
GRÜNE Fraktion:
Denkpause für Debatte zum Umgang mit Ego Shooter-Spielen nutzen!
„Die Absage der Intel Friday Night Games durch den Veranstalter ist eine Chance, zu sachlicher Auseinandersetzung mit dem Thema zurück zu finden“, stellen die Fraktionssprecherinnen Bettina Lisbach und Anne Segor fest. „Damit ist parteipolitischen Machtspielen und platten Wahlkampfparolen der Boden entzogen und wir können die von uns GRÜNEN geforderte Denkpause nutzen, um ein gesellschaftspolitisch brisantes Thema in Ruhe und sachbezogen zu diskutieren.“
„In Zukunft werden sich die Verantwortlichen der Karlsruher Kongress- und Messe-GmbH fragen lassen müssen, warum bei einem gesellschaftlich brisanten Thema die politische Ebene nicht frühzeitig eingebunden wurde. Grundsätzlich ist das operative Geschäft Sache der Gesellschaft. Die Vergabe der Hallen einer Stadt ist je nach Veranstaltungsart ein Politikum und kann nicht losgelöst von jeder gesellschaftlichen Problematik vorgenommen werden“, erklären Bettina Lisbach und Anne Segor.
Die jetzt vom Oberbürgermeister geplante Informationsoffensive begrüßen die GRÜNEN ausdrücklich, denn weder totale Ablehnung, noch ein „laissez-faire“ können eine realistische Alternative sein.
„Selbst bei Verboten kann sich – wie allgemein bekannt – jeder Jugendliche leicht aggressive Spiele aus dem Internet herunterladen. Dann wird eben hinter verschlos-senen Türen und ohne jede kritische Auseinandersetzung gespielt. Andererseits ist nicht alles, was zur Jugendkultur gehört, von Vornherein zu akzeptieren. Damit stiehlt man sich aus der Verantwortung für möglicherweise problematische Entwicklungen.“
Der jetzt eingeschlagene Weg, umfassende Information und Debatten mit Wissenschaftlern, Eltern, Lehrerinnen und Lehrern und Jugendlichen, kann alle Beteiligten zunächst auf den gleichen Wissenstand bringen und dann kritische Einschätzung und bewussten Umgang mit Computerspielen ermöglichen.
Medienkompetenz und nicht blinder Medienkonsum ist das Ziel der GRÜNEN.
http://www1.karlsruhe.de/Gemeinderat/Gruene-Fraktion/Presse/2009/0526pr01.htm
Gruß, mic
Äh, irgendwie verstehe ich den Post nicht. Da ist immer von 'Jugendlichen' die Rede. Also 18 jährige sind für mich keine Jugendlichen mehr sondern Erwachsene mit voller Verantwortung für ihre Taten und die meisten Egoshooter sind doch sowieso ab 18.
Jugendschutz mag ja noch in Ordnung sein, aber einem erwachsenen Menschen zu verbieten quasi mit Puppen zu spielen ist doch abartig. Nur weil einer von 80 Millionen der soziale Probleme und Zugriff und Übung auf Waffen hat ausflippt und sinnlos Leute umbringt jetzt erwachsenen Menschen ein Spiel zu verbieten, das geht doch total an der Realität vorbei.
Man muss sich hier immer die Frage stellen : Was kommt als nächstes ?
Also die wichtigste Lektion die ich durch das spielen sogenannter "Killerspiele" gelernt habe ist: Die Lebenserwartung ist in einem Krieg unfassbar gering.
"Killerspiele" spielen und Kriegsdienstverweigerer zu sein schliesst sich nicht aus, meiner Meinung nach ganz in Gegenteil!
Ich vermute eher dass sich die Regierung um ihre Bundeswehr sorgen macht, die ist ja schon seit Jahren unterbesetzt und suchen händeringend körperlich und geistig fittes Kanonenfutter. (Einfach mal nach dem Thema googeln)