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Christian Reinboth ist Wirtschaftsinformatiker und Mit-Gründer der HarzOptics GmbH - einem auf die Photonik spezialisierten An-Institut der Hochschule Harz - sowie einer der Manager des Telepflege-Netzwerks TECLA. Neben der Arbeit studiert er seit 2009 Umweltwissenschaften an der FernUniversität Hagen.
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11.02.09 · 13:33 Uhr
"Stiere stellen wir hier nicht ein"
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 16
Vor einer Woche erst hatte Florian über den Finanzdienstleister berichtet, bei dem die Jobs nur an Bewerber mit bestimmten Sternzeichen vergeben werden. Im Versicherungsjournal klärt das Unternehmen den Sachverhalt heute auf, außerdem outet sich gleich noch ein Softwarehersteller, der keine Stiere in der Belegschaft akzeptiert.
Wie man sich vorstellen kann, basiert die ungewöhnliche Personalentscheidung auf einer soliden Statistik, und keinesfalls auf irgendwelchem Hokuspokus. Der Regionaldirektor des Unternehmens, Robert Fletschberger, gibt Einblicke in die Methodik der Personalauswahl:
„In erster Instanz war dafür eine interne Statistik in unserem 200 Köpfe zählenden Team ausschlaggebend", erklärt Fletschberger gegenüber dem VersicherungsJournal. Der Auswertung zufolge waren Mitarbeiter mit den Sternzeichen Steinbock, Löwe, Wassermann, Zwilling, Stier und Widder beim Vertrieb von Versicherungen und Finanzprodukten am erfolgreichsten.
„Willensstark, begeisterungsfähig, kommunikativ und ausdauernd sind Eigenschaften, auf die es im Vermittlergeschäft ankommt", so Fletschberger. Gemäß astrologischer Lehre ist bei den genannten Sternzeichen tatsächlich zumindest je einer dieser Wesenszüge besonders ausgeprägt.
Bestimmt sind im Rahmen dieser Analyse auch andere Faktoren gründlich untersucht worden, die sich neben dem Geburtsdatum vielleicht ebenfalls auf die Arbeitsleistung der Mitarbeiter auswirken könnten. Der Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität wird in der Führungsetage eines Finanzdienstleisters sicher bekannt sein, so dass man sich darüber gewiß keine Sorgen zu machen braucht. Und da dank Barnum-Effekt gemäß astrologischer Lehre auch mindestens ein positiver Wesenszug pro Sternzeichen zugeordnet wird, passt doch im Grunde alles perfekt zusammen.
Mit seiner Ansicht steht Fletschberger nicht alleine da: Rund 30 Prozent der Österreicher sind der Ansicht, dass die Planeten-Konstellationen Einfluss auf ihr Leben nehmen.
Dieser Ansicht kann man nur beipflichten - immerhin braucht man sich mit der falschen Planeten-Konstellation im Geburtshoroskop bei manchen Firmen schon gar nicht mehr zu bewerben, wodurch ein "Einfluss auf das Leben" durchaus gegeben wäre. Die Astrologie bestätigt sich auf diese Weise quasi selbst - wenn nur genügend Leute daran glauben, dass z.B. Stiere für einen bestimmten Beruf nichts taugen, werden unter diesem Sternzeichen Geborene kaum noch eine Chance haben, sich in der Branche zu beweisen.
Dank des Versicherungsjournals durfte ich übrigens sogar über meine eigene Branche noch etwas Neues erfahren, denn während sich Stiere (laut Fletschenberger) offenbar gut für den Versicherungsberuf eignen, taugen sie als Programmierer leider gar nichts:
Nicht nur die Finanzbranche, auch IT-Firmen sind nicht immun gegen astrologische Befindlichkeiten. Eine Softwareschmiede, die Spezialprogramme für den gesamten deutschsprachigen Raum herstellt, achtet bei der Rekrutierung ebenfalls auf das Horoskop.
Und was zu einem Finanzvertrieb offenbar perfekt passt, findet in der Harmonie dieses IT-Unternehmens weniger Anklang. „Bewerber mit Sternzeichen Stier werden von uns nicht aufgenommen", erklärt der Geschäftsführer der erfolgreichen Firma im Brustton der Überzeugung.
Ist diese Selektion für einen Unternehmer, der in Bits und Bytes denkt, überhaupt als seriös anzusehen? Antwort: „Natürlich, das beruht auf langjähriger Erfahrung."
Autor: Christian Reinboth· 16 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (16)
Es kann mir niemand erzählen, dass das keine Diskriminierung ist...
Selbst bei Punkt 12 wurde heute darüber berichtet, habe ich beim zappen gesehen. Angeschaut habe ich mir den Beitrag aber nicht, da ich von diesen Sendungen sowieso nix halte...
@Florian: Man sollte es meinen, aber: Alter, Geschlecht, Herkunft, Hautfarbe, Behinderung und Religion - leider nichts von Sternzeichen zu finden. Hätte die Astrologie den Status einer Religion, könnte man vielleicht auf Diskriminierung aus religiösen Gründen plädieren, aber so...
Hmm... "Alter"... läßt sich da nicht was machen? Immerhin gehts ja um den Geburtszeitpunkt. Wäre ich ein paar Monate älter oder jünger, wäre ich kein Stier. Also werde ich irgendwie auch wegen meines Alters diskriminiert. Gibts irgendwo kreative Juristen, die da was draus machen können? ;)
The Stupid!
It Burns!
:))
Soweit ich weiß, sind "Geschlecht, Alter, Herkunft" etc. nur Anhaltspunkte für Diskriminierung - sozusagen ein paar Beispiele für Merkmale, auf die man keinen Einfluss hat. Könnten also beliebig viele weitere Merkmale sein. Was außerdem auch diskriminierend wäre, ist nur eine Frage der Auslegung - ich bin mir ziemlich sicher, dass Tierkreiszeichen auch darunter fallen würden.
Hier Könnte uns die EU helfen; (Quelle Wikipedia)
I
m Artikel II-81 sind mehr Gruppen aufgelistet, deren Diskriminierung verboten sind, als im Vertrag der EG, Artikel 13, welcher bisher Grundlage der nationalen Antidiskriminierungsgesetze ist. Wörtlich heißt es:
"Diskriminierungen insbesondere wegen des Geschlechts, der Rasse, der Hautfarbe, der ethnischen oder sozialen Herkunft, der genetischen Merkmale, der Sprache, der Religion oder der Weltanschauung, der politischen oder sonstigen Anschauung, der Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit, des Vermögens, der Geburt, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung sind verboten."
da sollte man es doch vllt mal auf einen versuch ankommen lassen, sich in den job hineinzuklagen. nicht dass es was brächte, weil, wenn man es schafft landet man mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit in einem untragbaren betriebsklima, aber trotzdem, aus prinzip.
denn so gehts ja wohl nicht!
@Ronny: Wohl wahr - aber gegen welche dieser Vorschriften verstößt denn der Unternehmer, wenn er über Sternzeichen auswählt? Mit Geburt ist meines Wissens nach nur die regionale Herkunft gemeint, wobei mir nicht klar ist, ob man das juristisch nicht auch anders interpretieren könnte. Eventuell hat Florian ja Recht, und man könnte wegen des Alters klagen. Sicher bin ich mir da aber nicht. Wenn es einen mitlesenden Juristen geben sollte...
Altersdiskriminierung. Ob selbige (klassisch) linear oder (astrologisch) zyklisch abläuft, wird jedem Gericht scheißegal sein.
Ich glaube es macht prinzipiell keinen Sinn eine kleine Firma zu verklagen weil sie mich nicht einstellt (warum auch immer). Das Klima wäre das von vornherein vergiftet. Das funktioniert nur bei sehr großen Firmen oder Staatsbetrieben.
Sonst sehe ich aber mehrere Möglichkeiten: Astrologie ist doch auch eine Weltanschauung (in dem Fall des Auftraggebers). Bei Geburt könnte man auch argumentieren, dass der Zeitpunkt der Geburt auch keine Diskriminierung darstellen darf. Und primär würde ich in keiner Firma arbeiten wollen die mich aufgrund meines Sternzeichens bewertet. Das spricht nicht gerade für die Intelligenz des Chefs :)
Solcher Schwachsinn kann auch nur in Zeiten von Überangebot an Arbeitskräften entstehen.
Es könnte auch ein Zeichen dafür sein, dass mehr oder weniger verzweifelt nach Entscheidungskriterien gesucht wird, um einen Bewerber aus der Masse zu fischen.
Wenn alle die gleichen fachlichen Qualifikationen haben (oder vergleichbare) und jede/r sich die gleichen softskills ins Profil schreib, so wie jobscout24 etc. es immer wieder vorbeten (Teamfähigkeit usw. usf.), dann ist die Auswahl über Sternzeichen doch erfreulich simpel.
Allerdings frage ich mich, nach welchen Kriterien dann aus den verbleibenden Sternzeichenträgern ausgewählt wird... Vermutlich dann doch wieder klassisch: Bauchgefühl + Gehaltsvorstellung.
Oder sie versuchen für ihre Betriebsgeburtstagsfeiern die leeren Monate zu füllen.
April, Mai ist schon voll, lass uns mal lieber keine Stiere einstellen, sonst drängt sich das mit den Feiern so..
also wenn schon so viele Rindviecher- und das muss ja so sein bei so einem Chef - dort arbeiten, würd ich auch keinen Stier mehr einstellen. Der Mann hat recht
Apropos "in den job hinein[zu]klagen". Das geht gar nicht so einfach auf dem Grundsatz der Diskriminierung. Der Job ist ja, wenn das Urteil ansteht schon eine Weile an jemanden vergeben, der auch nichts dafür kann das richtige Sternzeichen zu haben. Deshalb gibt es eher Schadensersatz.
Das ist aber eh viel besser, weil Kohlen ohne mit den Stieren zusammenarbeiten zu müssen. Als Kollengen sind die echt unerträglich ;o)
Mit Erfahrungen zu arbeiten macht eben Sinn. Wenn der Arbeitgeber mit bestimmten Menschen guten Erfolg oder eben auch Negativerfolg hat, dann sollte er / sie das doch auch zur Kenntnis nehmen und zu Konsequenzen werden lassen.
Im übrigen macht es astrologisch keinen Sinn einen Menschen nur auf das Sonnenzeichen (sog.Sternzeichen) zu beschränken. Menschen sind so vielfältig, auch innerhalb eines bestimmten Zeichens.