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Christian Reinboth ist Wirtschaftsinformatiker und Mit-Gründer der HarzOptics GmbH - einem auf die Photonik spezialisierten An-Institut der Hochschule Harz - sowie einer der Manager des Telepflege-Netzwerks TECLA. Neben der Arbeit studiert er seit 2009 Umweltwissenschaften an der FernUniversität Hagen.
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02.02.09 · 19:53 Uhr
Bodenleuchten und die Lichtverschmutzung
Kategorie: Naturwissenschaften·Umwelt · Kommentare: 3
Kann es sein, dass die Strompreise gesunken sind? Eigentlich nicht - aber wenn man sich einmal ansieht, wo überall Strom sinnlos verschwendet wird, könnte man es fast vermuten.
Da ich zur Zeit an einem Paper arbeite, in dem es unter anderem um die ökologischen Folgen der Lichtverschmutzung gehen wird (daher auch die wenigen Blogposts), habe ich mich auf der Suche nach einem dazu passenden Fotomotiv am Samstag Abend spontan mit meiner Gattin auf einen nächtlichen Spaziergang durchs malerische Wernigerode begeben.
Als wir eine Stunde später wieder durch die Haustür traten, war ich nicht nur um einige Fotos, sondern auch um eine Erkenntnis reicher: Wir beleuchten in der Tat viel mehr und oftmals auch sehr viel heller, als objektiv notwendig wäre.
Ein gutes Beispiel dafür sind die so genannten "Bodenleuchten", in den Boden eingelassene, meist runde Strahler, die zur indirekten Beleuchtung von Wänden eingesetzt werden, deren Licht aber zu großen Teilen direkt in den Himmel abgestrahlt wird:
Bodenleuchten wie diese sehe ich in letzter Zeit immer öfter. Sie werden in der nächtlichen Illumination offenbar nur als rein gestalterische Elemente eingesetzt, da das von ihnen abgegebene Licht in den meisten Fällen keinen Beleuchtungszweck zu erfüllen scheint. Rund um den Nikolaiplatz gibt es beispielsweise einen ganzen Ring solcher Bodenleuchten, deren Nutzen nur schwer nachvollziehbar ist, wie dieses Foto zeigt:
Wohin fällt beispielsweise das Licht des vorderen Spots im Bild? Wenn man einfach mal die Reflexionseffekte und die seitliche Abstrahlung direkt am Boden außer Acht lässt, dürfte die (zweidimensionale - den Rest bitte dazudenken) Lichtverteilung in etwa so aussehen:
(Diese Zeichnung erhebt - wie auch die folgenden - keinen Anspruch auf wissenschaftliche Genauigkeit)
Da der Bodenspot direkt "in den Himmel" zielt, fällt das Gros des Lichts auch dorthin und ist für Beleuchtungszwecke verloren, trägt jedoch erheblich zur Lichtverschmutzung bei:
Faktorisiert man ein, dass vermutlich nur ein Teil des Lichts die verständlicherweise bruchsichere und daher nicht optimal transparente Bodenplatte durchdringen dürfte, darf man wohl zu Recht vermuten, dass deutlich mehr als 50% des produzierten Lichts sinnlos verschwendet werden - unabhängig von der Effizienz des eigenlichen Leuchtmittels, die eigentlich auch noch zu beachten wäre. Insgesamt also keine besonders elegante Lösung.
Das Licht, welches nicht im Nachthimmel verschwindet, fällt unter anderem auf den Baum rechts und die Wand links neben der Bodenleuchte (ist übrigens kein historisches Gebäude, sondern die Rückseite einer öffentlichen Toilette). Das Problem ist nur, dass alle diese Bereiche bereits durch die vier Straßenlampen voll ausgeleuchtet werden, die sich jeweils direkt neben den Bodenleuchten befinden:
Selbst das Licht, dass von Wand und Baum reflektiert, fällt augenscheinlich nur in Bereiche, die bereits von den Lampen "abgedeckt" werden, oder die gar kein Licht benötigen. Mit anderen Worten: Würde man die Bodenleuchten abschalten, hätte dies keinerlei visuell erkennbaren Auswirkungen. Kein Wunder, ist doch eine Beleuchtung "von unten nach oben" so ziemlich die ineffizienteste Form der Lichtverteilung.
Was sollen also diese Bodenleuchten? Beleuchtungstechnisch betrachtet erfüllen sie keinen offensichtlichen Zweck, daher ist wohl anzunehmen, dass sie die künstliche Illumination des Platzes auf ästhetische Art unterstützen sollen. Ob dies gelungen ist oder nicht, mag jeder für sich selbst entscheiden. Vor dem Hintergrund der vielfältigen Probleme, die übermäßige Lichtverschmutzung (und übermäßiger Energieverbrauch) für Mensch und Natur mit sich bringt, ist der flächendeckende Einsatz von Bodenleuchten jedenfalls nicht vertretbar.
Wie ich auf nachtaktiv.ch gelesen habe, hat sich die schweizerische Dark Sky Association bereits erfolgreich für die Entfernung von Bodenleuchten eingesetzt. Vielleicht würde sich auch in Wernigerode mal eine diesbezügliche Eingabe lohnen - immerhin haben wir ja seit kurzem einen ziemlich grünen Bürgermeister...
Mal sehen, ob sich hier noch ein paar Mitstreiter finden lassen.
Autor: Christian Reinboth· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (3)
interessante frage mit der lichtverschmutzung in städten. gerne setzt man ja eben als "gestalterisches element" lämpchen ein. muss ich mal aufmerksam einen rundgang durch die stadt machen.
ein wenig offtopic aber passend zum licht und deinem gebiet: leds, hier eine projekt der TU Darmstadt, kennst du vllt schon: http://tinyurl.com/d9uex2
Ich denke, dass die Bodenleuchten zu erst da waren und ursprünglich die Bäume von unten beleuchten sollten. Im Sommer macht das auch Sinn, weil das Laub das Licht reflektiert und somit den Platz ausreichend ausleuchtet.
Im Winter wirds natürlich schwierig und weil sich garantiert Leute von der Stadtverwaltung aufgeregt haben, dass der Platz im Winter zu dunkel ist, wurden mal eben 4 Laternen nachgeordert.
Das macht aber die stromverschwendung und lichtverschmutzung nicht weniger unerträglicher.
@Martin Breuer: Das könnte durchaus so gelaufen sein. Die Leuchten und die Lampen gibt es meiner Erinnerung nach schon eine ganze Weile, und so genau habe ich die Entwicklung auf dem Platz nicht beobachtet...
Zum Thema Stromverschwendung: Ich vermute, dass zwei Lampen für eine sichere Nachtbeleuchtung ausreichen würden - und die Bodenleuchten braucht man im Grunde gar nicht. Die Stromkosten ließen sich also sicher um 60% allein durch Abschalten der überflüssigen Elemente reduzieren. Wenn man das mal auf eine ganze Stadt oder Gemeinde hochrechnet, kommen schnell ganz enorme Summen zusammen...