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Christian Reinboth ist Wirtschaftsinformatiker und Mit-Gründer der HarzOptics GmbH - einem auf die Photonik spezialisierten An-Institut der Hochschule Harz - sowie einer der Manager des Telepflege-Netzwerks TECLA. Neben der Arbeit studiert er seit 2009 Umweltwissenschaften an der FernUniversität Hagen.

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15.08.08 · 14:53 Uhr

Fremdschämen mit Johannes B. Kerner

Kategorie: Themenwoche  ·  Kommentare: 5

Investigativer Journalismus für Arme: Da will das ZDF in Peking schon mal ein heißes Eisen aufgreifen und über Doping berichten - und dann diese peinliche Veranstaltung...

SB_OlympischeSpiele_03.jpg

Manipulierte TV-Bilder, bezahlte Zuschauer, minderjährige chinesische Sportlerinnen, Unterdrückung von Protesten, Menschenrechtsverletzungen noch und nöcher - in Peking gäbe es ja viel Raum für kritische Fragen. Johannes B. Kerner wendet sich statt dessen dem zumindest nicht unwichtigen Thema Doping zu und versucht offenbar ernsthaft, dem Leichtathlethen Michael Johnson vor laufender Kamera ein Dopinggeständnis zu entlocken. Die versuchte Inquisition entwickelt sich zu einer peinlichen Vorstellung, wie man sie im deutschen TV selten zu sehen bekommt.

Eine journalistische Katastrophe. Warten wir mal ab, ob uns das ZDF noch ähnlich tiefe Einblicke in die Altersverfälschung bei den olympischen Turnerinnen liefert, oder ob nach diesem grauenhaften Beitrag der Stecker aus der kritischen Berichterstattung gezogen wird.

Ihre GEZ-Gebühren bei der Arbeit:


Vielleicht befragt Kerner ja bei Gelegenheit mal seine ZDF-Co-Moderatorin und ehemalige DDR-Leistungsschwimmerin Kristin Otto zum Thema Doping - immerhin haben die beiden Biologen und Doping-Jäger Franke und Berendonk schon vor Jahren die vermeintlichen DDR-Dopingunterlagen von Frau Otto veröffentlicht. Oder wäre das dann vielleicht doch wieder zuviel des investigativen Journalismus?

 

Autor: Christian Reinboth· 5 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (5)

Kommentar-Direktlink Thilo· 15.08.08 · 15:15 Uhr

Nach allem, was man hört, wußten die DDR-Schwimmer tatsächlich nicht, was die "Vitaminpräparate" etc. enthielten, die ihnen von ihren Ärzten und Trainern verabreicht wurden. Insofern weiß ich nicht, ob dieser Vorwurf an Kristin Otto fair ist.
(Um nicht mißverstanden zu werden: natürlich ist es lange bewiesen, daß die DDR-Schwimmer systematisch gedopt wurden. Aber das fing eben an den Sportschulen schon seit dem 12. Lebensjahr an und die Betroffenen haben das vermutlich wirklich nicht gewußt.)

Author Profile Page Christian Reinboth· 15.08.08 · 15:38 Uhr

@Thilo: Die Geschichte vom "heimlichen Doping" wird ja von vielen Sportlern seit dem Ende der DDR verbreitet. Ich kenne mich im Sportgeschäft nicht gut genug aus, um den Wahrheitsgehalt dieser Behauptungen abschließend beurteilen zu können, es gibt aber durchaus ernstzunehmende Stimmen, die das "heimliche Doping" als Märchen abtun:

Gedächtnislücken auch im eigenen Programm. Ausschnitt ZDF, 1997: "Das mir gegenüber geheime Dopingpraxen durchgeführt worden sind, kann sein. Ich selber habe keine Anhaltspunkte." Und dabei bleibt es bis heute. Kristin Otto die ahnungslos gedopte? Dopingexperten widersprechen. Hajo Seppelt, ARD-Dopingexperte: "Es besteht sporthistorisch nicht der geringste Zweifel, dass im Frauenschwimmsport der DDR flächendeckend und massiv gedopt worden ist. Und das alle Frauen daran mitbeteiligt waren."

http://www3.ndr.de/ndrtv_pages_std/0,3147,OID4024608,00.html

Kommentar-Direktlink Ludmila· 15.08.08 · 16:23 Uhr

Ich hab vor Jahren eine erschütternde Doku dazu gesehen. Eine Betroffene hat sich nachher beispielsweise einer Geschlechtsumwandlung unterzogen und etliche weitere konnten keine oder nur mit Mühen Kinder kriegen. Gerade die Frauen litten wohl am meisten an den hormonellen Behandlungen, die ja bereits vor oder während der Pubertät einsetzten.

Einige sagten: Dass sie wirklich einfach nur das genommen hätten, was ihnen verabreicht wurde. Ohne groß Fragen zu stellen. Weil es eben jeder nahm und wo hätten die sich denn kritische Gedanken erlauben können in dieser hermetisch abgeriegelten Welt, die nur aus Training und Schule bestand?

Es ist nur schwer nachzuvollziehen, wie entmündigt die Sportler in diesem System waren und einige haben auch zugegeben, dass sie zwar ein mulmiges Gefühl hatten, aber auch viel zu lange davor die Augen verschlossen. Als Weltklasse-Sportler war man auch etwas Besonderes und genoss Sonderrechte, die man natürlich auch nicht aufs Spiel setzen wollte. Bis es dann nicht mehr ging.

Ich wette in China läuft derzeit genau dasselbe traurige Spiel ab.

Kommentar-Direktlink sigrid wiederhut· 15.08.08 · 18:28 Uhr

GFür wen hält Herr Kerner sich eigentlich ? Ich wurde in meinem Sessel bei dieser
unmöglichen Befragung über Doping immer kleiner und habe mich furchtbar für uns Deutsche geschämt. Herr Johnson wäre besser gegangen (s.Eva Hermann). Es ist
wirklich an der Zeit, das die ZDF Verantwortlichen hier auf die Bremse treten.
Doping ist ein heißes Thema, was allerdings nicht von Herrn Kerner aufzuarbeiten ist
und vor allen Dingen nicht mit dem freundlichen Herrn Johnson zu diesem Zeit-
punkt. Stupid, Überhaupt wurden in dieser Sendung nur NEGATIV-Bericht ge-
bracht (singendes Kin Fußstapfen etc) Dieser Abend wurde uns total vermiest !
Herrn Kerner sei Dank. Er ist jetzt braungebrannd genuge- rufen Sie ihn bitte sofort
zurück !!!!!!

Kommentar-Direktlink Tobias· 15.08.08 · 21:41 Uhr

Zwei Anmerkungen zur gestrigen Sendung: Die angesprochenen Manipulationen bei der Eröffnungsfeier waren in der Tat ein Thema, ebenso die Unterdrückung von Protesten (Menschen, die eine Demo in einem der "Demoparks" anmelden wollten, wurden gleich an Ort und Stelle verhaftet).
Die Co-Moderatorin von Kerner ist Katrin Müller-Hohenstein, nicht Kristin Otto.

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