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Christian Reinboth ist Wirtschaftsinformatiker und Mit-Gründer der HarzOptics GmbH - einem auf die Photonik spezialisierten An-Institut der Hochschule Harz - sowie einer der Manager des Telepflege-Netzwerks TECLA. Neben der Arbeit studiert er seit 2009 Umweltwissenschaften an der FernUniversität Hagen.
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04.06.08 · 20:03 Uhr
Europaweiter Atom-Alarm ausgelöst
Kategorie: Umwelt · Kommentare: 5
Hoffentlich, hoffentlich, hoffentlich kein zweites 1986.....
Noch nichts genaues bekannt - es klingt aber auf jeden Fall ernst. Jetzt heißt es wohl fernsehen und hoffen....
Update I: Spiegel Online berichtet: "Die Informationen über den Unfall fließen bisher spärlich. Die EU-Kommission erklärte am Abend in Brüssel, im Hauptkühlsystem des Atomkraftwerks im Südwesten Sloweniens sei Kühlflüssigkeit ausgetreten. Das Atomkraftwerk werde in einen sicheren abgeschalteten Zustand gebracht, hieß es in der Erklärung weiter."
Von N24 heißt es: Das Kraftwerk arbeite derzeit noch auf 22 Prozent seiner Kapazität, hieß es in der Erklärung weiter. Auswirkungen auf die Umwelt seien derzeit nicht bekannt. Greenpeace stufte eine europaweite Warnung auf Anfrage als 'sehr ungewöhnlich' ein."
Update II: Nur ein mediales Missverständnis? Wäre das schön.... Während die Nachrichtenagentur AFP berichtet, die EU-Kommission habe europaweiten Atom-Alarm ausgelöst, spricht dpa inzwischen dagegen davon, dass lediglich Slowenien einen an die EU weitergegeben hat. Die bei Spiegel Online verfügbaren Informationen zum KKW stammen - welch Wunder - aus der Wikipedia: "Bei dem Meiler handelt es sich laut Wikipedia um einen Druckwasserreaktor der amerikanischen Firma Westinghouse mit einer elektrischen Bruttoleistung von 730 MW."
Update III: Inzwischen sind auch die ausländischen Nachrichtenagenturen an der Geschichte dran: The EU's executive body said the plant was implementing to a safe shutdown procedure and that no discharge into the environment has been immediately detected. Slovene authorities had reported a problem with the primary cooling system of the Krsko nuclear plant."
Nach dem momentanen Kenntnisstand in den Radio- und TV-Redaktionen ist der Zwischenfall offenbar weniger schlimm als die Meldung "EU-Kommission löst europaweiten Atom-Alarm aus" zunächst vermuten ließ. Das KKW ist inzwischen heruntergefahren, Auslöser für den Alarm war offenbar ein Versagen des Primärkühlsystems mit Austreten von Kühlflüssigkeit, was durchaus als äußerst ernster Zwischenfall zu werten ist. Abgesehen von der Kühlflüssigkeit scheint sonst nichts ausgetreten zu sein, einen Brand oder eine Explosion hat es offenbar ebenfalls nicht gegeben.
Gerade noch mal Glück gehabt möchte man meinen - ein ernsthafter Fehler im primären Kühlsystem hätte durchaus auch viel schlimmere Folgen haben können. Erstmal ist also Aufatmen angesagt - und abwarten, was in den nächsten Tagen an Informationen zu dem Zwischenfall veröffentlicht wird...
Update IV: Entwarnung. "Es ist nicht sehr schlimm", so die persönliche Einschätzung des Pressesprechers von EU-Energiekommissar Andris Piebalgs. Also kein Katastrophenalarm sondern "nur" ein lokal begrenzter Störfall offenbar ohne Konsequenzen. Mal abwarten, wie groß die Transparenz beim slowenischen Betreiber sein wird. Ich finde es jedenfalls sehr merkwürdig, dass ein Alarm bei einem Zwischenfall ausgelöst wird, der offenbar weniger schlimm ist als die sehr ernsten Zwischenfälle in Krümmel und Frosmark, bei denen es keinen ECURIE-Alarm gab (so heißt das Atom-Warnsystem der Europäischen Union).
Update V: Laut FAZ war der ECURIE-Alarm offenbar überflüssig und wurde trotz eines weniger schlimmen Zwischenfalls absichtlich ausgelöst um mal zu zeigen, das es noch funktioniert, obwohl schon seit Jahren kein Alarm mehr gegeben wurde: "Wir wollen ein Beispiel geben" wird der Sprecher des Energiekommissars zitiert.
Ich kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen. Wenn doch, müsste der oder die Verantwortliche dringend mal darüber aufgeklärt werden dass es kein "Beispiel" setzt, wenn man die Medien über so etwas informiert ohne gleichzeitig darauf hinzuweisen, dass der Zwischenfall nicht als ernst eingestuft wird. Unglaublich. Aber alles noch besser als ein echter Störfall...
Autor: Christian Reinboth· 5 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (5)
Um auf ein anderes Post hier hinzuweisen:
;)
Ups, war zu spät. :/
Btw. die mediale Berichterstattung wird wie üblich lausig sein. Bin mir von den Nachrichtenagenturenmeldungsverbreitern (was'n Wort) auch nichts anderes gewöhnt.
@student_b: Genau diese Beobachtung habe ich auch gerade in mein zweites Update aufgenommen. Es ist wirklich un-glaub-lich wo immer wieder die Wikipedia auftaucht...
Ich vermute, der "Alarm" kommt evtl. nur von der deutschen Übersetzung des Wortes "security alert" ... und vielleicht war die Meldung in Deutschland deshalb so schnell verbreitet.
@heiko: Das könnte in der Tat stimmen. Die erste AFP-Meldung: "EU-Kommission löst europaweiten Atom-Alarm aus: Primäres Kühlsystem in slowenischem Kernreaktor ausgefallen" klang jedenfalls äußerst bedrohlich, aber danach ging es ja Schritt um Schritt wieder zurück.
Mich irritieren momentan zwei Aspekte an dieser Geschichte:
1) Warum führt ein Kühlwasserleck zu einem ECURIE-Alarm während die schweren Zwischenfälle in Krümmel und Frosmark zu keinem solchen "security alert" geführt haben? In Frosmark war es immerhin fast soweit....und das kam erst Tage später über Presseberichte ans Licht - nichts mit "europaweitem Alarm".
2) Warum hat die slowenische Atomaufsicht "manuell" erst mal eine "Übung" an die EU-Automaufsicht gemeldet, bevor dann der ECURIE-Alarm "nachgeschoben" wurde? Der österreichische Umweltminister hat sich zumindest eben im Radio über diesen Vorgang ereifert und will morgen von der Atomaufsicht Aufklärung verlangen. Wird etwa vorsichtshalber immer erst mal eine "Übung" deklariert, solange noch nicht überschaubar ist, was passiert ist und wie schlimm die Havarie tatsächlich ist?