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Christian Reinboth ist Wirtschaftsinformatiker und Mit-Gründer der HarzOptics GmbH, einem auf die Photonik spezialisierten An-Institut der Hochschule Harz, an der er auch unterrichtet. Neben der Arbeit studiert er im Master-Studiengang Umweltwissen- schaften an der FU Hagen.
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24.03.08 · 18:34 Uhr
Flugreisen 2020: Schockarmbänder für alle Passagiere?
Kategorie: Politik·Technik · Kommentare: 3
Im Kampf gegen den internationalen Terrorismus sind bekanntlich auch "unkonventionelle" Ideen gefordert. Nun wurde jedoch in den USA eine neue Entwicklung vorgestellt, die geradezu bedrohlich wirkt: Ferngesteuerte "Schockarmbänder" für alle Passagiere.
Das besagte "Schockarmband" ist in den USA bereits zum Patent angemeldet (unter der Nummer 6,933,851) und erfreut sich, wenn man den einschlägigen Blogs Glauben schenken darf, größtem Interesse unter den Sicherheitsbehörden.
Die Idee ist ebenso simpel wie erschreckend: Jeder Flugpassagier wird verpflichtet, vor dem Betreten der Abfertigungshalle ein Armband anzulegen, das nur mit einem speziellen Schlüssel wieder entfernt werden kann. Das Armband enthält personenbezogene Informationen und soll auch das Flugticket ersetzen sowie das Einkaufen auf dem Flughafen einfacher gestalten. Abgesehen von diesen positiven Eigenschaften hat das Armband aber noch eine weitere, viel interessantere Funktion: Auf Knopfdruck kann der Träger mit einem sogenannten EMD-Signal (Electro-Muscular-Disruption) "ausgeschaltet" werden.
Die Technik ist vergleichbar mit der bekannten "Taser-Technologie", die teilweise bereits von Polizeikräften als nichttödliche Waffe bei Verhaftungen oder Unruhen eingesetzt wird, wobei es in der Vergangenheit auch bereits zu Todesfällen (plötzlicher Herzstillstand etc.) gekommen ist. Wer Schwierigkeiten hat sich vorzustellen, dass in zehn Jahren möglicherweise jeder Passagier seinen eigenen "Mini-Taser" um den Arm schnallen muss und von der Crew auf Knopfdruck mit einem EMD-Impuls in die Bewusstlosigkeit "getasert" werden kann, der möge sich den folgenden Werbefilm der Herstellerfirma Lampred Less Lethal ansehen (Firmenmotto: "Keeping the Situation under Control"):
Wie man sieht, wird zunächst einmal ordentlich Angst geschürt, bevor die ansonsten wohl unverkäufliche Idee präsentiert wird. Wie die Webseite der Firma verrät, ist das Unternehmen in Sicherheitsfragen kein Newcomer und produziert unter anderem sogenannte CCTs (Crowd Control Tanks - Umschnalltanks zum Versprühen von Tränengas) und Roboter, mit denen man aufmüpfige Gefangene aus ihren Zellen "extrahieren" kann.
Wenn die Idee tatsächlich umgesetzt werden sollte, dürften Flüge in Zukunft um eine unangenheme Erfahrung bereichert werden, denn so ein Armband ums Handgelenk zu tragen, wohl wissend dass damit jemand auf Knopfdruck das gesamte Nervensystem "unterbrechen" kann (wie es im Werbefilm so schön heisst) - darauf könnte ich gut und gerne verzichten. Vermutlich würde ich mich während des gesamten Fluges fragen, ob das "Sicherheitsarmband" (wie der Hersteller es euphorisch bezeichnet) auch wieder entfernt wird (denn selbst entfernen kann man es ja - logischerweise - nicht), ob vielleicht ein Defekt dazu führen könnte, dass mich das Armband zu Tode "schockt" oder aber ob ein cleverer Terrorist nicht vielleicht einen Weg gefunden haben könnte, die Fernsteuerung für die Armbänder selbst auszulösen und so die Passagiere effektiv zu Geiseln zu machen. Einen Laptop darf ja heute jeder ins Flugzeug mitnehmen, und ob der nun ein paar Komponenten mehr enthält dürfte auf dem Flughafen nur schwer feststellbar sein....
Grundsätzlich ist die Angst vor absichtlich herbeigeführten Flugzeugabstürzen ja berechtigt. Die Tatsache, dass es seit dem 11. September 2001 allerdings keinen weiteren Anschlag dieser Art mehr gegeben hat, gibt ja aber dennoch Anlass zu der Hoffnung, dass die bisherige Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen (Air Marshalls, bruchsichere Cockpittüren, verstärkte Kontrolle auf den Flughäfen) offenbar gut funktioniert hat. Auch angesichts dessen sind mandatorische, durch einen selbst nicht mehr zu entfernende Armbänder, mit denen "auffällige" Personen auf Knopfdruck "unschädlich" gemacht werden können meines Erachtens nach keine gute, sondern eine äußerst beunruhigende Idee, die eher an schlechte ScienceFiction-Filme aus den 70ern erinnert.
Denn: Das Wesen des Terrorismus ist es ja gerade, überall und jederzeit eine Bedrohungslage zu schaffen. In letzter Konsequenz müssten die "Sicherheitsarmbänder" dann ja auch bei Großveranstaltungen, auf Schiffen oder in Bussen getragen werden - oder vielleicht generell zur "Grundausstattung" jedes Bürgers gehören. Selbst für mich klingt dies noch während ich diese Zeilen in den Rechner tippe bereits ziemlich paranoid - ich hätte es aber auch nicht für möglich gehalten, dass jemand den Vorschlag macht, allen Flugreisenden solche Gerätschaften aufzuzwingen - und damit auch noch ernst genommen wird.
Bleibt nur zu hoffen, dass die Amerikaner sich diesen bedrohlichen Einschnitt in ihre Bürgerrechte nicht gefallen lassen und diese "unkonventionelle Anti-Terror-Technik" schnellstmöglich auf den Friedhof der schlechten Ideen verbannen.
Autor: Christian Reinboth· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (3)
Bleibt nur zu hoffen, dass die Amerikaner sich diesen bedrohlichen Einschnitt in ihre Bürgerrechte nicht gefallen lassen und diese "unkonventionelle Anti-Terror-Technik" schnellstmöglich auf den Friedhof der schlechten Ideen verbannen.
Klar. O_O
(Ja, ich bin ein pessimistischer Zyniker.)
Amerika wäre das Letzte wo ich hinfliegen würde ;-)
Guantanamo, erlaubte Foltermethoden (u.a.unter Wasser tauchen bis kurz vor der Ohnmacht), Irak-Kriegsbeginn mit unwahren Behauptungen... Ist es nicht schon längst ein Orwell-Land, bar der meisten uns bekannten Menschenrechte? ...
Aber auch Deutschland zieht nach. Wenn unser BVerfG immer wieder neue Gesetze stoppen muss und viele wg. Arbeitsüberlastung nicht gestoppt werden......Wenn Telefonate mit dem Arzt und Psychotherapeuten abgehört werden dürfen....
Ich finde die Amis sollten sich solche Geräte implantieren lassen und den Rest der Menschheit mit ihrer Hysterie in Ruhe lassen.