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Nils Cordes ist Entomologe an der Universität Bielefeld. Er arbeitet gerade an seiner Promotion zum Verhalten von Wachsmotten. Wenn er nicht gerade in Klimakammern oder am Computer sitzt, zeichnet, fotografiert und dokumentiert er die Welt der Insekten vor seiner Haustür.
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09.07.10 · 08:42 Uhr
Seemonster des Jahres
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 9
Irgendwie scheint es mir als bräuchten wir jedes Jahr einen riesengroßen, beeindruckenden archäologischen Fund, der unser Bedürfnis nach Monstern stillt. Die Entdeckung von unseren hominiden Vorfahren reicht für diesen Nervenkitzel nicht aus. Wir wollen etwas, das die Größe eines drittklassigen Hollywood-Films hat! Mega Shark Versus Giant Octopus!
Aber ehrlich, so etwas gibt es in echt. 2008 identifizierte man Skelett-Fragmente aus dem norwegischen Svalbard als das bis dahin größte Meeresreptil. Es war ca. 15 Meter lang, wog wahrscheinlich 45 000 Kilo und bekam den kreativen Spitznamen „Das Monster". Anscheinend handelte es sich dabei um einen Pliosaurier, was direkt übersetzt so viel heißt wie „Noch Saurier-artiger". Und wo wir schon bei Namen sind, ein weiteres Skelett, von dem angenommen wird, dass es auch ein Pliosaurier ist, bekam den vielsagenden Namen „Predator X".
Im nächsten Jahr war das aber vergessen. 2009 fand man an der britischen Küste den kompletten Schädel eines neuen Monsters. Das Wesen musste mindestens 16 Meter lang gewesen sein, und konnte laut Paläontologen Richard Forrest „einen Tyrannosaurus rex mit einem Biss verschlingen". Dabei handelte es sich übrigens wahrscheinlich auch um einen Plesiosaurier.
Jetzt, 2010, wurde wieder ein „Monster" identifiziert. Dieses ist sage und schreibe 17 Meter lang, vielleicht länger. Der drei Meter lange Schädel dieses Tieres wurde im südlichen Peru entdeckt. Dabei handelt es sich aber nicht um einen Saurier, sondern einen Wal. Laut einem aktuellen Artikel in Nature ist es ein Zahnwal, dem Pottwal ganz ähnlich. Die Zähne sind ungefähr doppelt so groß wie die moderner Pottwale. An der Abnutzung der Zähne erkennt man dass sie aneinander gerieben haben, was darauf schließen lässt dass sie Fleisch reißen konnten. Wahrscheinlich lebte er demnach räuberisch und könnte mittelgroße Bartenwale gefressen haben.
Das spannendste ist aber auch hier wieder der Name. Denn dieses Ur-Monster wurde nach dem berühmtesten Wal der Literaturgeschichte benannt: Leviathan melvillei in Anlehnung an Herman Melvilles Moby Dick. Leviathan ist der biblische Name, den der weiße Wal im Buch verpasst bekam.
So schön die Namensgebung der urzeitlichen Kreaturen auch ist, meistens fehlt uns genug Material (nicht zuletzt: DNA) um die Tiere richtig zuzuordnen. Aber es macht Spaß seinen neuen Funden einen Namen zu geben, und letztendlich bedeuten sie fast immer eine bisher unbekannte Tierart. Außerdem sind die Skelettfragmente, die in letzter Zeit gefunden wurden, nun wirklich furchteinflößend. Ich finde es nur bei weitem aufregender, wenn man bedenkt dass all diese „Monster" im Vergleich zu einem Lebewesen wie kleine Wölfe neben einem Bären aussehen. Der Blauwal kann bis zu 30 Meter lang werden!

Quelle: Nature 466, 105-108
Autor: Nils· 9 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (9)
Der Name ist wirklich klasse.
Sag mal Nils. Mit welchem Programm machst Du die Zeichnungen? Find ich klasse. Bringt mich direkt auf einige Ideen.
Denke auch gelegentlich (wenn wieder so eine riesengroße 15-Meter-Urzeit-Bestie vermeldet wird), daß auch heute noch doppelt so große Lebewesen durch die Meere schwimmen. Danke deshalb für die Visualisierung (die mal wieder spitzenmäßig ist).
Dass ein 16m langes Raubtier einen Tyrannosaurus, der laut Wikipedia knapp 13m lang wird, "mit einem Biss" verschlingen kann, halte ich für... weit hergeholt.
Redfox·
09.07.10 · 13:19 Uhr
Das ist Spock! ;-)@Thomas:
Ja, dass so ein Wal einen Tyrannosaurus verschlingen kann, fand ich auch eher amüsant. In einem Interview mit einem französischen Paläontologen habe ich gelesen dass der Wal damals "wahrscheinlich mit dem riesengroßen Ur-Hai gekämpft hat". Ich frage mich manchmal wieviel davon Fantasie ist. Spannend ist es ja, aber es ist immer schwierig von Skeletten auf Verhalten zu schließen.
@Ludmilla:
Ich habe lange gesucht bis ich eine gute Software gefunden habe. Mittlerweile benutze ich entweder Adobe Illustrator, Manga Studio Debut oder den Bleistift. Das Manga Studio ist besonders nett, da das natürliche Zittern der Hand ausgeglichen wird. Allerdings kann man damit lediglich Rasterzeichnungen machen (nicht Vektor).
Guter Artikel, wunderbare Zeichnung.
Aber dass du den armen Nicht Ich gleich zu den "Monstern" ins Wasser wirfst, nur damit wir einen Größenvergleich haben … ^^
hups einen tyro rex auf einen schmatz horror!
"Irgendwie scheint es mir als bräuchten wir jedes Jahr einen riesengroßen, beeindruckenden archäologischen Fund, der unser Bedürfnis nach Monstern stillt"
Du meintest wohl "paläontologischen Fund" ;-)