Blog durchsuchen
Profil

nils_cordes.jpg

Nils Cordes ist Entomologe an der Universität Bielefeld. Er arbeitet gerade an seiner Promotion zum Verhalten von Wachsmotten. Wenn er nicht gerade in Klimakammern oder am Computer sitzt, zeichnet, fotografiert und dokumentiert er die Welt der Insekten vor seiner Haustür.

17. Januar 2012

Wenn Evolutionsbiologen über Freien Willen plaudern ...

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 330

Ein "pet peeve" ist im englischen Sprachraum etwas, das für jemanden ein weit größeres Ärgernis darstellt als für andere, wobei es meistens kaum erwähnenswerte Kleinigkeiten sind. Zum Beispiel nerven mich Comics mit vierbeinigen Insekten und Kartenspiele, auf denen vierflüglige Mücken zu sehen sind. Und LOL-Cats, für die fehlt mir einfach die richtige Art von Humor. Das bringt mich zu Jerry Coyne. Aus irgendeinem Grund hat sich bei mir aber auch Jerry Coyne zu einer Art Pet peeve entwickelt. Während ich seine Arbeiten zu Drosophila, besonders die im "Insect Genomics"-Kurs erwähnten Sachen, ziemlich cool fand, stoße ich häufig auf seinem Blog auf Kommentare, die mich einfach nur nerven. Nicht ganz stark nerven, aber doch genug, damit ich mich hinsetze und ein paar Worte darüber verliere. Wie eben bei einem Pet peeve.

Das neue Jahr begann Mr. Coyne mit einem Artikel, den er für die Zeitung USA Today schrieb, und Artikel wie diese sind es, die mich ein ganz, ganz kleines Bisschen zusammen zucken lassen: Why you don't really have free will

Als Evolutionsbiologe muss ich von vornherein zugeben, dass ich von der Debatte zum Freien Willen keine Ahnung habe. Warum auch? Das wenige Wissen, welches ich zu diesem höchst philosophischen Thema habe, kommt aus ein paar Texten im Internet, dem gelegentlichen Podcast und dem einen oder anderen Interview in mehr oder weniger anspruchsvollen Illustrierten. Warum äußert sich also Jerry Coyne zu Wort? Entweder weil er schlicht als Experte in einem Feld eine Meinung zu einem Thema aus einem anderen Feld abgeben möchte (sein gutes Recht, warum er aber dann in die USA Today kommt und nicht ich, verstehe ich dann nicht). Oder aber er meint, dass sein berufliches Wissen ihn speziell dafür qualifiziert, darüber zu reden.

Und genau so ist es. In dem Artikel diskutiert er "Freien Willen" aus evolutionsbiologischer Sicht. Meines Erachtens macht er dabei aber keine gute Figur. Es fängt mit dem Problem an: Was ist freier Wille? Im Gegensatz zu Brustwarzen, die in der Regel eine Funktion erfüllen, evolutionsbiologisch erklärbar sind, und bei denen jeder weiß was damit gemeint ist, kann man freien Willen nicht einfach definieren. Es ist ein schwammiges Konzept, welches meines Erachtens höchstens für Gedankenexperimente nützlich ist. Um in irgendeiner Weise biologisch zu argumentieren, muss man sich schon auf eines dieser Konzepte konzentrieren. Aber dann zu behaupten, dass natürliche Selektion die Illusion eines freien Willens geformt haben könnte, "vielleicht weil unsere Vorfahren in kleinen, harmonievollen Gruppen ... nicht gedeihen konnten, wenn sie sich nicht für ihre Aktionen verantwortlich fühlten," ist (freundlich gesagt) doch etwas weit hergeholt.

...mehr


Autor: Nils· 17.01.12 · 07:42 Uhr· 330 Kommentare

23. Dezember 2011

Christmas Picks: What a Wonderful World

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften·Politik·Umwelt  ·  Kommentare: 1

Weihnachten steht vor der Tür, und für all die Leute die so etwas gerne feiern (und da zähle ich fraglos dazu) bedeutet das den Stress abschalten, Kekse und Schokolade essen und mit der Familie Weißwein trinken. Da es aber nun mal ein christliches Fest und dank der zunehmenden Kommerzialisierung mittlerweile in der Kritik von Nicht-Christen und Christen steht, versuche ich mal mit ein paar positiven Eindrücken eine Art Weihnachtsstimmung von Optimismus, Schönheit und Toleranz zu verbreiten.
Mal sehen ab wann ich scheitere ...




  • Hier sind 50 erstklassige Naturfotos, ausgewählt vom Blog The Big Picture. Fast alle Tierfotos sind in Zoos aufgenommen worden dabei, aber das ändert nichts daran, dass man einen tollen Einblick in das Leben von Lemuren, Löwen und Faultieren bekommt.
  • Ein Gerichtsgebäude in Tennessee, USA, ruft zur Toleranz auf, indem es dort jedem erlaubt ist, Kunst auf der Wiese vor dem Eingang zu präsentieren. Das reicht von Jesus bis hin zum Fliegenden Spaghetti-Monster.
  • Apropos Toleranz, in Australien läuft gerade ein Werbespot im Fernsehen, der zu Gleichberechtigung aufruft. Wofür genau? Das seht ihr hier:

  • Apropos Australien, da ich erst dieses Jahr den genialen Komiker Tim Minchin entdeckt habe, gehört es sich zum Jahresende auch, dass ich eines seiner Lieder hier berücksichtige - auch wenn Florian das bei Astrodicticum simplex schon mehrfach getan hat. "White Wine in the Sun," oder: "Wie und warum man in Australien Weihnachten feiert" ...

  • Wie würde eine Welt aussehen, in der es keine Werbung mehr in der Öffentlichkeit gibt? Auf jeden Fall besser, und es geht tatsächlich, wie São Paulo bewiesen hat. Vor 5 Jahren verboten sie Werbung in der Öffentlichkeit. Hier ein paar Eindrücke davon, wie so etwas aussieht.
  • The Beauty of a Second - Wieviel Schönheit kann man in einem 1-Sekündigen Video einfangen? Ich denke, sehr viel.

  • Und da ich es mit den Videos hier gerade eh übertreibe, noch einen Klassiker - in neuem Gewandt: What a Wonderful World, gelesen von Sir David Attenborough:

  • Doch alles zu sentimental? Na, dann kann man ja immer noch ein paar Schneemänner bauen gehen. Einen großen Dank an Bill Watterson ...

... und allen ein schönes Weihnachtsfest, oder zumindest ein paar entspannte Feiertage, und auf jeden Fall einen guten Rutsch ins neue Jahr. Bis 2012!


Autor: Nils· 23.12.11 · 07:42 Uhr· 1 Kommentar

20. Dezember 2011

Last-Minute Weihnachtsgeschenke für Evolutionsbiologen

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 2

There is grandeur in this view of life
Where one becomes many through struggle and strife
But the mother of mysteries is another man's call
Why is there something instead of nothing at all.

Diplomatisches Zitat aus Mother of Mysteries, Darwin Song Project

Ich weiß es wird langsam etwas spät, um Weihnachtsgeschenke zu kaufen, aber ich denke eh: Die besten Geschenke macht man selbst, sei es mit Mehl und Nüssen, Schere und Kleber oder Videokamera und Haustier. Für all diejenigen, die aber lieber doch etwas kaufen wollen, oder sich selbst einfach auch nach Weihnachten noch etwas gönnen möchten, habe ich hier ein paar Ideen rund um die Themen Naturwissenschaften, Evolutionsbiologie und, ohne besonderen Grund, Charles Darwin.


The reluctant Mr. Darwin: An intimate portrait of Charles Darwin and the making of his Theory of Evolution von David Quammen
Auf deutsch: Charles Darwin: Der große Naturforscher und seine Theorie der Evolution

the reluctant mr darwinIch weiß ja nicht wie Andere das sehen, aber für mich gehört dieser Mann einfach zu den ganz Großen in seinem Feld. Die wenigsten kennen seinen Namen, aber fast jeder hatte schon einmal seine Worte gelesen. Ich rede natürlich nicht von Mr. Darwin selbst, sondern von David Quammen. Ein großartiger Autor, der anfing Kolumnen über die Biologie zu schreiben, weil es ihn einfach interessierte und das Journal, für das er arbeitete, gerade Platz für einen Naturkolumnisten hatte. Seine Begeisterung für das Fach ist ansteckend, und seit er sich intensiver mit Naturhistorie auseinander setzt, sind seine Artikel (vielen aus National Geographic bekannt) ein Muss für jeden, der an Evolution und Zoologie seinen Spaß hat.

Das Buch hier ist eine Auftragsarbeit für eine Reihe von Biographien naturwissenschaftlicher Größen, bei der ein ganzes Leben in bitte nicht viel mehr als 300 Seiten gepackt werden sollte. Da es von Charles Darwin schon mehrbändige Erzählungen über sein Leben gab, war das schon eine gewisse Herausforderung, die Mr. Quammen allerdings mit Bravour erledigte. Man sollte wirklich keine detaillierte Biographie erwarten, sondern eine Art Abenteuerbuch eines Wissenschaftlers.

...mehr


Autor: Nils· 20.12.11 · 09:42 Uhr· 2 Kommentare

11. Dezember 2011

Ein Genom wie kein anderes

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 10

Das "Human Genome Project" war einst ein ambitioniertes Project mit dem Ziel, das menschliche Genom zu sequenzieren. Es dauerte zwar einige Jahre, genügend Genetiker dafür zu begeistern, aber als es 1990 begann fragte kaum jemand "warum?" Die Herausforderung alleine war schon faszinierend, ganz zu schweigen von den zu gewinnenden Erkenntnissen. Es dauerte über 10 Jahre, alle Chromosomen des Menschen zu sequenzieren. Während die Wissenschaftler langsam und mühsam nach und nach die einzelnen Chromosomen sequenzierten, wurden sie aber vom technologischen Fortschritt eingeholt. Gibt es da nicht eine Arthur C. Clarke-Geschichte, in der Astronauten 30 Jahre nach dem Aufbruch zu einem fremden Planeten von ihren Söhnen und Töchtern eingeholt wurden? So war es auf jeden Fall hier: eines Tages im Jahre 1998 hatte Craig Venter mit seiner Firma Celera die privat investierte Konkurrenz zum öffentlich finanzierten Humangenomprojekt ausgerufen. 2001 waren dann beide (mehr oder weniger) fertig und publizierten ihre Daten nebeneinander - einer in Science, die anderen in Nature.

Jetzt, 10 Jahre später, hört man ab und zu immer wieder Kritik an dem Mammutprojekt, denn die Ergebnisse fielen bescheidender aus, als man sich erhofft hatte. Die Entdeckungen lassen sich bei Wikipedia in 4 Sätzen zusammenfassen. Es ist zwar interessant zu sehen, dass nur knapp 2 Prozent des menschlichen Genoms für die Herstellung von Proteinen ist und dass die Hälfte all unserer DNA nichts weiter ist als Wiederholungen von Sequenzen sind, für die wir bislang keine wirkliche Funktion kennen. Aber abgesehen von diesen beschreibenden Datensätzen können wir mit Hilfe des Genoms immer noch keinen Krebs heilen, keine Trisomie 21 verhindern, und sowieso sind wir noch weit weg vom Szenario aus "Gattaca."

Zum Glück?

...mehr


Autor: Nils· 11.12.11 · 17:42 Uhr· 10 Kommentare

30. November 2011

Wie der Kuckuck die Pflegeeltern reinlegt

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 14

Ich schreibe diese Worte auf dem Rückweg von der Uni. Soeben hat Professor Nick Davies von der Universität Bielefeld einen Ehrendoktor erhalten. Grund dafür ist einerseits seine langjährige Kollaboration mit Kollegen aus der Verhaltensökologie hier, aber ganz ehrlich gesagt: Man braucht keine speziellen Gründe, um Nick Davies irgendeinen Titel zu geben. Dieser Mann liefert die Gründe ganz alleine. Es war das berühmte Verhaltensökologiebuch, das er mit seinem Kollegen John Krebs schrieb, welches mich zu einem Biologen gemacht hat. Seine Forschung zum Paarungs- und Brutverhalten von Vögeln ist wegweisend. Und wie heute Abend deutlich betont wurde: Nick Davies hat einen bleibenden Eindruck im Feld der Verhaltensökologie hinterlassen. Nicht zuletzt durch die unzähligen Doktoranden, Postdocs und auch Schüler, die er inspirierte.

In seinem Vortrag heute Abend fasste Prof. Davies die gesamte Geschichte der Verhaltensökologie zusammen, begonnen bei Aristoteles. An einem Punkt kam er zwangsläufig zu Charles Darwin. Dieser hatte Vermutungen aufgestellt warum Vögel Kuckuckseier in ihren Nestern duldeten. Bis dahin war eine populäre Annahme, dass es eine Ehre sei, wenn ein Vogel vom Kuckuck ausgewählt wurde. Die Adoption und Aufzucht seiner Jungen sei demnach eine Selbstverständlichkeit. Darwin vermutete jedoch, dass es ein fehlgeleiteter Instinkt war, der Vögel zu unfreiwilligen Zieheltern machte.

Kuckuckseier

...mehr


Autor: Nils· 30.11.11 · 12:42 Uhr· 14 Kommentare

10. November 2011

Picks: Wie wahrscheinlich ist unsere Existenz?

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 43

Hier ist ja mal wieder nicht so viel los. Zeit, für ein paar Anekdoten aus der Welt der Wissenschaft. Diesmal gibt es viele mit einem kleinen (ENG) dahinter, für die Links, die auf Englischsprachige Seiten führen ...


  • Science InkWissenschaftsblogger Carl Zimmer hat ein neues Buch (Science Ink). Es sieht spektakulär aus und ich würde es gerne mal durchblättern, aber kaufen werde ich es mir sicher nicht - es beinhaltet lauter Fotos von Tattoos aus der Welt der Wissenschaft, z.B. die Galapagosfinken, Einsteins berühmteste Gleichung oder eine Formel, die beschreibt welche Kraft ein Mensch braucht, um ein Fahrrad in Bewegung zu setzen - letzteres findet sich auf dem Bein eines Profi-Radfahrers. Hier ist eine schöne Diashow mit Kommentaren (ENG).
  • In den USA ist eine als ausgestorben angenommene Art wieder aufgetaucht (ENG): der Neunpunktige Marienkäfer, Coccinella novemnotata. Man hatte angenommen, dass er seit 1982 ausgestorben war ...
  • Das momentan größte Krokodil der Welt misst - wow - 6,20 Meter!
  • Ein neues Zeitraffervideo von Terje Sørgjerd: The Water. Als nächstes will er uns Aufnahmen vom Mt. Everest zeigen ...
  • Eine neue Studie zeigt, dass das Schauen der amerikanischen Fernsehserie "Lie to Me" ("Belüge mich," läuft momentan bei VOX), in der mit Hilfe von Psychologie Lügner entlarvt werden, dazu führt, dass man Lügen nicht mehr von der Wahrheit unterscheiden kann. Ehrlich! Hier ist die komplette Studie als PDF (ENG):
    Lie to Me viewers ... were more likely than control participants to misidentify honest interviewees as deceptive. Watching Lie to Me decreases truth bias thereby increasing suspicion of others while at the same time reducing deception detection ability.

  • Matt Ridley, Journalist und Autor mehrerer populärwissenschaftlicher Bücher, hielt vor kurzem die Angus Millar Lecture 2011 zum Thema "Wissenschaftliche Häresie." Darin erklärt er, wieso er die Gefahr von Globaler Erwärmung anzweifelt. Ich würde ihm zwar in den Details widersprechen, aber er hat ein paar gute Argumente und erklärt, wieso es so wichtig ist, wissenschaftliche Daten anzuzweifeln. Die Rede in ihrer Gesamtheit gibt es hier (ENG).
  • Wo wir gerade bei Pseudowissenschaften sind: Eric hat auf seinem Blog AFFE seine Gedanken zu den aktuellen Kreationismus-Debatten, die zunehmend auch in den deutschen Medien geführt werden, aufgeschrieben und ruft zur Diskussion auf.
  • Zu guter letzt, hier eine wirklich gelungene Infografik zur statistischen Wahrscheinlichkeit, dass gerade DU (genau, du, ich rede mit dir) existierst. Zwar eher unterhaltsam als 100%ige Mathematik (ich bin sicher, man hätte noch einen Haufen weitere Variablen dazu nehmen können), aber es ist spannend, eine Zahl zu sehen, die angibt, mit welcher Wahrscheinlichkeit jeder von uns auf diesen Planeten gekommen ist. (In dem Sinne hier auch eine nette Grafik, mit der man berechnen kann, als wievielter Mensch man auf diese Welt kam.) Die berechnete Wahrscheinlichkeit ist laut Autor Ali Binazir die gleiche wie die, dass "2 Millionen Menschen an einem Tisch sitzen und Würfel mit einer Billion Seiten werfen, und dabei alle die gleiche Zahl erwürfeln."

    Klick aufs Bild zum Vergrößern (ENG).

    WhatAreTheOdds
    Abbildung von visual.ly


Autor: Nils· 10.11.11 · 16:42 Uhr· 43 Kommentare

20. Oktober 2011

Buchkritik: "The Magic of Reality" von Richard Dawkins

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 22

Angenommen ich schriebe ein Kinderbuch. Eines, in dem ich all die großen Fragen von Kindern beantworte, zum Beispiel: Was sind Erdbeben? Woraus besteht eine Regenbogen? Und warum sind wir eigentlich hier? Und um dabei auch gleich zu erklären woher wir die Antworten auf solche Fragen wissen, erzähle ich nebenbei Geschichten, Mythen, die wir Menschen uns lange Zeit erzählten, um eben diese Fragen zu beantworten. Ich illustriere dann das Buch mit informativen Abbildungen und schreibe es so, dass jeder 12-jährige einerseits von der Thematik gefesselt ist, andererseits sein Interesse geweckt wird, den Sachen weiter auf den Grund zu gehen.

Gar nicht schlecht, oder? Ich würde es wagen, zu behaupten, dass, solange ich die ganzen biochemischen, physikalischen und astronomischen Fakten korrekt hintereinander kriege, jeder dieses Projekt sehr zu schätzen wüsste.

Doch ist das anscheinend eine andere Sache, wenn nicht ich sondern ein gewisser Richard Dawkins dieses Buch schreibt. Richard Dawkins ist durch seinem Bestseller "Der Gotteswahn" zu sehr unter das Label der "Radikalen Atheisten" geraten (nicht dass ihn das groß stören würde), als dass man ihm glauben könnte, er schreibe ein Buch lediglich aus einer Faszination heraus. Nein, da muss doch eine Agenda hinter stecken, oder?

Tatsächlich liest sich sein neues Buch so, als wollte er die jugendlichen Leser von den wissenschaftlichen Kenntnissen überzeugen, wollte ihnen deutlich machen, welchen Unfug die australischen und griechischen Mythen, die alten europäischen Legenden und vor allem natürlich die christliche Entstehungsgeschichte der Welt doch darstellen. Man könnte fragen, ist das denn so schlimm? Im Grunde finde ich, nein, es ist völlig in Ordnung. Das neue Buch von ihm, "The Magic of Reality," würde ich fraglos jedem Schüler der Sekundarstufe 1 weiter empfehlen. Es ist in vieler Hinsicht ein unterhaltsames, sehr persönliches Buch, aus dem Kinder und viele, viele Erwachsene jede Menge lernen können.

Wäre es nicht von Richard Dawkins geschrieben ...

MoR1

...mehr


Autor: Nils· 20.10.11 · 09:42 Uhr· 22 Kommentare

07. Oktober 2011

LUCA, der Vorfahre aller Lebewesen

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 12

Schaut man sich unser Genom an, also sämtliche vererbbare Information in unseren Körpern, lässt sich feststellen, dass wir viele Gene mit anderen Lebewesen teilen. Da liegt es nahe, anzunehmen, dass wir auch alle einen gemeinsamen Vorfahren haben, von dem wir abstammen. Dieser Vorfahre wird allgemein LUCA genannt, kurz für "Last universal common ancestor." Dieser muss so weit zurück liegen, dass sich aus ihm die drei großen Gruppen (Domänen) von Lebewesen entwickelt haben, die es heute auf der Erde gibt: Eukaryoten (das sind wir und alle anderen Lebewesen mit einem Zellkern), Bakterien und Archaea.

Arche-was? Wie auch Bakterien besitzt diese Gruppe keinen Zellkern, unterscheidet sich aber zusätzlich durch ein paar andere Merkmale, besonders in der ribosomalen RNA.

Hier sind alle drei Gruppen einmal schematisch nebeneinander aufgezeigt:

Stammbaum des Lebens

Uns findet man oben rechts. LUCA ist auf dieser Abbildung auch schon zu finden, und zwar in der Mitte unten, wo sich die schwarzen, blauen und roten Linien treffen. DAS ist unser letzter gemeinsamer Vorfahre mit Pflanzen, Pilzen, Protozoen, Bakterien und Archaeen.

Darf ich vorstellen, LUCA

Hypothetisch existierte unser letzter gemeinsamer Vorfahre ungefähr solange wie die Menschen wussten, dass wir mit anderen Lebewesen der Erde verwandt sind. Es ist aber schwieriger, direkt Hinweise darauf zu finden, wie LUCA ausgesehen hat. Es ist schon schwierig, einen Eindruck davon zu bekommen wie unsere Vorfahren vor ein paar Tausend Jahren aussahen, da ist es quasi unmöglich sich vorzustellen, wie Leben vor ungefähr 3,5 Milliarden Jahren aussah.

...mehr


Autor: Nils· 07.10.11 · 20:42 Uhr· 12 Kommentare

30. September 2011

Picks: Fotos, Dokus und viele wilde Tiere

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften·Technik·Umwelt  ·  Kommentare: 10

Was gab es spannendes im letzten Monat? Abgesehen von unglaublichen Ergebnissen aus der Physik, eigentlich gar nicht so viel. Trotzdem habe ich ein paar unterhaltsame und interessante Links zusammengetragen. Viel Spaß!
(Wie immer, einige Links davon sind ausschließlich auf Englisch und gesondert gekennzeichnet (ENG), um unnötiges Klicken und möglicherweise eine große Enttäuschung zu ersparen.)


Die Sieger der British Wildlife Photography Awards stehen fest. Meine Favoriten sind ja der äußerst lebendige Baum, der gähnende Fuchs, aber vor Allem der walisische See. (Hm, das waren schon fast alle.) Fotograf Alex Wild ist allerdings unzufrieden mit der Wahl zum besten Foto in der Kategorie "Verstecktes Großbritannien": Er findet die Spinne im Netz wesentlich gelungener. Seht ihr das auch so?

Eine Motte mit einem unfassbaren Gemälde auf den Flügeln: Zwei Fliegen, mit von den Flügeln reflektierendem Licht, fressen Vogelkot. Adaption oder Pareidolie?

Die Rettungsaktion eines kleinen Löwenjunges durch eine Löwenmama - festgehalten in einer Reihe toller Fotos.

Ein Fisch, der Werkzeuge benutzt? Tatsächlich, wie man in diesem Video sehen kann:

Bei dem Fisch handelt es sich um einen Lippfisch. Etwas mehr Details finden sich in dieser kleinen Publikation (ENG).

Obduktionen der größten Tiere dieses Planeten. Wer einmal einen Elefant, eine Giraffe, ein Krokodil oder sogar einen Wal von innen sehen will, der kann dies in diesen großartigen Dokumentation vom BBC Channel 4 tun: Inside Nature's Giants. Einige Folgen finden sich für uns Deutsche glücklicherweise auf Youtube (ENG).
Spiegel Online hatte derweil einst eine Fotostrecke dazu. Wann kommt diese Serie endlich nach Deutschland? Oder hat sie schon jemand gefunden?

Die Physik eines fallenden Slinkys (ENG). Was ist ein Slinky? Ein Spielzeug aus Philadelphia. Gibt's auch als Hund ...

Ein lehrreiches Video über das Fotografieren von Sternen (ENG). Nicht ganz einfach, erfordert eine teure Fotoausrüstung, aber die Ergebnisse sind einfach beeindruckend.

Und zu guter Letzt, eine Erfindung aus einem anderen Universum: Das sogenannte "Infinite Purpose Access Device." Es gibt nichts, was man damit nicht machen kann - außer Zeichnungen mit korrekten RGB-Werten anfertigen.

So, das reicht erst mal. Ich hoffe da war für jeden etwas dabei ...


Autor: Nils· 30.09.11 · 14:42 Uhr· 10 Kommentare

25. September 2011

Video: Wie unser Gehirn sieht

Kategorie: Naturwissenschaften·Technik  ·  Kommentare: 11

Was passiert in unserem Gehirn, wenn wir bewegte Bilder sehen? Hier bin ich auf ein wirklich beeindruckendes Computerexperiment gestoßen. Die Gruppe um Prof. Jack Gallant von der University of California in Berkely hat einen Computer die Filme, die Testpersonen gezeigt wurden, rekonstruieren lassen - nur durch deren Gehirnaktivität!

Das Experiment lief so: Die Testperson schaute in einem Kernspintomographen einige Kinotrailer und der Computer durfte die gemessene Gehirnaktivität und die gezeigten Videos analysieren. So konnte er eine Art Bibliothek aufbauen, quasi ein Wörterbuch, das zu bestimmten Bewegungen und Formen spezielle Reaktionen im Gehirn notierte. Dann, nachdem diese Bibliothek aufgebaut war, wurde der Testperson ein weiterer, unbekannter Kinotrailer gezeigt, und der Computer - jetzt wird's wirklich beeindruckend - sollte aus einer Datenbank mit 18 Millionen Sekunden aus zufälligen Youtubevideos (welche den Trailer aber nicht beinhalteten) nur an Hand der Hirnaktivität dieses Video rekonstruieren.

Hat er es geschafft? Seht selbst - links sind Ausschnitte aus den Original-Kinotrailern, rechts eine simple Rekonstruktion davon:

...mehr


Autor: Nils· 25.09.11 · 11:42 Uhr· 11 Kommentare

17. September 2011

Was ist falsch an der bekanntesten Grafik zur Evolution des Menschen?

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 46

Dies ist wahrscheinlich die berühmteste Abbildung zum Thema Evolution:
March of Progress

Fast jeder hat sie schon einmal irgendwo gesehen. Auf Buchumschlägen, in Zeitschriften, als Graffiti auf Häuserwänden oder als Logo von irgendeiner Stiftung. Und wenn nicht unbedingt in dieser vereinfachten Form, dann in einer ihrer endlosen Parodien, wie z.B. dieser hier:
March of Homer

Nur wenige wissen allerdings, woher diese Zeichnung eigentlich kommt. Die Originalzeichnung ist von Rudolph Zallinger und wurde unter dem Titel "The Road to Homo sapiens" in einem von Time-Life publizierten Buch zur Evolution des Menschen angefertigt. Bekannt wurde die Abbildung unter dem Titel "March of Progress" (in deutsch etwas salopp ausgedrückt: der Aufstieg des Menschen). Beide Titel sind sehr unglücklich gewählt und wahrscheinlich der Grund für die Unbeliebtheit der Abbildung. Ursprünglich waren 15 Vorfahren darauf zu erkennen:

...mehr


Autor: Nils· 17.09.11 · 15:42 Uhr· 46 Kommentare

08. September 2011

Twittern von der Zoologischen Jahrestagung

Kategorie: Kultur·Technik  ·  Kommentare: 1

Ich will jetzt mal etwas ganz Neues versuchen. Jahrelang habe ich mich darüber aufgeregt, manchmal darüber geschimpft aber meistens mich darüber amüsiert, dass nach Facebook jetzt Twitter als die neue große technologische Entdeckung gefeiert wurde. Dabei ist es doch nur eine neue Variante davon, Anderen seine Gedanken mitteilen zu wollen - egal wen es interessiert oder nicht.

Treffend auf den Punkt bringt meine Einstellung dieses Video:

Doch dann erklärte mir eine Kollegin die sogenannten Vorzüge dieser 140-Zeichen-Kommunikationsmethode und ich sah Twitter aus einem anderen Blickwinkel. Ich stellte fest, dass ich gerade eben zu Schritt 2 der "6 Schritte der Twitter Evolution" übergegangen war (Bonuspunkte für denjenigen, der mir erklären kann was das mit Evolution zu tun hat). Eh ich mich's versah, besaß ich ein Konto und folgte 10 Leuten und ihren alltäglichen Mitteilungsbedürfnissen.

Zugegeben, da werden ziemlich interessante Gespräche geführt. Man erfährt schnell, was man heutzutage wissen muss - wie sonst hätte ich vom Cat Scan erfahren können? Oder von der Seite, die einem hilft das Alter eines Globus zu bestimmen?) Aber ehrlich gesagt, was machen diese Leute den ganzen Tag?! Ed Yong zum Beispiel schreibt fast alle 5 Minuten irgendetwas. Ist das nicht etwas übertrieben?

Übertrieben vielleicht, aber wie sonst wäre ich auf diese wunderbare Sammlung von Insektenflügeln aufmerksam geworden? Sehr zu empfehlen!

"You seem like a normal guy. Why are you doing this?"

Ich sehe das jetzt mal als Experiment. Ich werde eine Zeit lang in die Twittersphere eintauchen und den Gesprächen über gescannte Katzen, spirituelle Atheisten, Streitereien zwischen Delfinforschern und betrügerische Naturfotografen lauschen.

Und da ich morgen Abend auf die Jahrestagung der DZG (Deutsche Zoologische Gesellschaft) fahre, habe ich mir vorgenommen - vorausgesetzt ich finde noch 5-6 Leute, die sich das anhören möchten - ein paar Anekdoten von dort zu berichten. Also - mal schauen ob noch jemand sich mit mir auf das Experiment einlässt.

Ich weiss, ich bin ein paar Jahre zu spät dran - aber für manchen Unsinn wird man einfach nie zu alt ...

@evolvimus


Autor: Nils· 08.09.11 · 19:42 Uhr· 1 Kommentar

07. September 2011

Was passiert wenn es keine Hummeln mehr gibt?

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 29

Die letzten paar Jahre habe ich mich ja damit auseinander gesetzt, wodurch die kritischen Schwankungen von Hummelpopulationen in den USA zu Stande kommen. Das ist zwar wichtig und wir haben auch ein paar ziemlich interessante Ergebnisse gefunden, aber spannend wird sowas eigentlich erst wenn man sich dazu ein Experiment ausdenkt. In der aktuellen Ausgabe von Evolution findet sich ein Artikel, in dem die Wissenschaftler genau das gemacht haben: Sie haben beobachtet, wie eine Pflanze evolviert, wenn die Hummeln plötzlich entfernt werden.

Bombus griseocollis in flight

...mehr


Autor: Nils· 07.09.11 · 09:42 Uhr· 29 Kommentare

04. September 2011

Der Weg zur wissenschaftlichen Publikation

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 4

Quasi das Brot und Wasser eines Wissenschaftlers sind die Publikationen. Ohne solche taugt auch der beeindruckendste Lebenslauf nichts. Neulich wurde bei uns in der Abteilung nach einem neuen Wissenschaftler Ausschau gehalten. Es gab Dutzende von Bewerbern. Doch eine Chance hatte man nur, wenn man sich entsprechend gut bewerben konnte. Dazu gehörte Erfahrung im Bereich Evolutionsbiologie, mehrjährige wissenschaftliche Arbeit und eine Publikationsliste. Diese Liste ist ab irgendeinem Zeitpunkt das Einzige was wirklich zählt. Denn dort finden sich im Idealfall Informationen zur Masterarbeit, zur Promotion, den folgenden Postdoc-Stellen, und letztendlich auch all den Projekten und Forschungsarbeiten, die man als Postdoc, Assistenzprofessor oder Professor mit eigenem Lehrstuhl betreut hat.

Wofür braucht man dann noch Informationen zum Abitur, Sprach- oder gar EDV-Kenntnisse? Für letztere hat man dann ja eh seine TA oder die Doktoranden, die sich um so etwas kümmern.

Aber ich greife voraus. Bis man an diesem Punkt angekommen ist, ist es ein weiter, mühsamer Weg. Fangen wir mal vorne an:

Die Masterarbeit

...mehr


Autor: Nils· 04.09.11 · 19:42 Uhr· 4 Kommentare

22. August 2011

Picks: Populationsentwicklung und sprechende Erdnussbutter

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften·Umwelt

Ein paar spannende Links für alle, die sich für die biologische Welt um uns herum und die großen Fragen dahinter interessieren; einige führen allerdings auf englischsprachige Seiten (ENG).


Der Sinn des Lebens mal wieder - Filmemacher Roger Nygard stellt uns 85 Fragen über die Natur unserer Existenz (ENG). Erschreckend viele Religionsfragen, aber die Kommentare sind z.T. ganz spannend zu lesen und es lohnt sich, mal über die eigene Antwort zu der einen oder anderen Frage nachzudenken. (Die mit dem Babelfish übersetze Fassung hier ist erstaunlich akzeptabel, wenn man kein Problem damit hat, sich zu fragen ob "eine Person Geschlecht vor Verbindung haben" sollte.)

Kann Leben in Erdnussbutter entstehen?(ENG) An diesem Video ist so viel falsch, dass man gar nicht weiß wo man anfangen soll. Und es ist egal wie ernst eine Stimme behauptet dass Evolution lehrt, dass Energieblitze Leben erschaffen können, ... nein, dass ist ganz sicher keine Evolution.

Fotos der Erde, aufgenommen von Astronaut Paolo Nespoli sind auf seiner Flickr-Gallerie zu bewundern. Die Welt von oben gesehen ist schlichtweg ... atemberaubend. (Danke an den Knackbockblog für den Link!) In diesem Zusammenhang: Wer hätte gedacht dass Phytoplankton aus dem All betrachtet so schön sein kann?

Weltbevölkerung im Jahr 2080

Die Weltbevölkerung im Laufe der Jahrzehnte: Im Rahmen eines Artikels im Magazin Science findet man online eine nette interaktive Grafik zur Entwicklung der Weltbevölkerung (ENG) zwischen 1950 und (voraussichtlich) 2100. Man kann wählen zwischen Total Fertility (Mittlere Anzahl Kinder pro Frau), Total Population (Weltbevölkerung), %60 und älter, und relative Urbanisierung.

Wer erinnert sich an das Seemonster des Jahres 2010? Dieses Jahr scheint das etwas ruhiger zu sein, also nominiere ich für 2011 den fossilen Wal Janjucetus hunderi . Zwar nicht gerade riesig, aber dafür hat er einen riesigen Mund. An dem schon 1970 gefunden Fossil wurde jetzt ein möglicherweise bedeutender Schritt in der Evolution der Bartenwale entdeckt.

Und zu guter letzt ein Hinweis: Jim Brandenburg, einer meiner Lieblingsfotografen aus National Geographic, hat gerade eine Ausstellung seiner Werke im Stadtmuseum Schleswig. Dort ist sie noch bis zum 30. Oktober. Danach findet man sie in der Städtischen Gallerie Iserlohn. Falls da jemand in der Nähe wohnt, eine einmalige Gelegenheit ...


Autor: Nils· 22.08.11 · 12:42 Uhr· 0 Kommentare

26. Juli 2011

WWF aus der Sicht des Boulevardjournalismus

Kategorie: Naturwissenschaften·Umwelt  ·  Kommentare: 6

Auch wenn es schon etwas länger her ist, die Brisanz mancher Themen lässt nicht nach. Und sollte sie das doch tun, ist es manchmal gut, ab und zu daran zu erinnern, damit ein Gesprächsthema nicht durch die nächste Fußball-WM wieder vom Tisch verschwindet. Ich will allerdings hier eigentlich nur mal meine Meinung los werden. Die Diskussion, die sich vor ein paar Wochen um den WWF drehte, ist zu komplex als dass wir ohne Mithilfe des WWF darauf eine klare Antwort finden könnten; doch während sich da zwei Seiten in den Medien zoffen, möchte ich ein paar Punkte einfach mal festhalten.

Nur ein blaues AugeAm 22. Juni zeigte die ARD eine Dokumentation zum WWF ("Der Pakt mit dem Panda", hier weiterhin auch online anzuschauen), in der u.a. die Stellung vertreten wurde, der WWF würde Gentechnik unterstützen, mit Monsanto kooperieren, die Rechte indigene Völker Asiens mit den Füßen treten und die Abholzung von Regenwald unterstützen, indem er mit der Palmölindustrie kooperiert. Der WWF hat dazu im Anschluss in einem "Faktencheck" umfangreich Stellung genommen.

Mich interessierte dabei zuerst einmal gar nicht, in wie weit die Anklagen alle stimmten. Denn die Dokumentation selbst bestand aus solch einseitiger Berichterstattung, dass man das Meiste nicht glauben konnte. Fast alle WWF-Mitarbeiter scheinen ganz plötzlich mit einem Mikrofon konfrontiert zu werden; die Interviews wirken beinahe wie Verhöre. Die Art und Weise wie Frau Bieler auf Schritt und Tritt sogar beim Essen gefilmt wurde ist ein Paradebeispiel für schlechten Boulevardjournalismus. Das anschließende Gespräch mit ihr besteht aus Fragen, die mit einzelnen kurzen Sätzen beantwortet werden bevor zur nächsten Frage geschnitten wird. Automatisch fragt man sich was in der Zwischenzeit besprochen wurde. Ähnliche Methoden benutzt Michael Moore in seinen Dokus um zu suggerieren, Gespräche hätten genau so statt gefunden wie wir sie erleben. Doch egal ob wir nun die Aussage einer Doku gut finden oder nicht, wenn das Gespräch so verzerrt und einseitig wieder gegeben wird, ist das Betrug am Zuschauer.

...mehr


Autor: Nils· 26.07.11 · 17:42 Uhr· 6 Kommentare

03. Juli 2011

Picks: Der Sinn des Lebens und andere Größenverhältnisse

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 5

Um zwischen Publikationen, Statistik und Mottenfutterrezepten so etwas wie einen Rhythmus in meinen Blog zu kriegen, will ich hier versuchen jeden Monat mehr oder weniger regelmäßig ein paar "Picks" vorzustellen. Das sind interessante Bücher, Webseiten, Videos, oder was ich sonst noch erwähnenswert finde. Die meisten Links führen leider auf englischsprachige Seiten, lohnen sich aber häufig auch für jeden, der kein Englisch kann. Ist das einmal nicht der Fall, kennzeichne ich den Link mit einem kleinen "(ENG)".



"Is there an answer?" Searching for the meaning of life in The Hitchiker's Guide to the Galaxy (ENG) ist ein kleiner Artikel von Journalistin Julia Galef (Bloggerin bei Rationally Speaking, von denen ich mir erlaubt habe die Idee und den Titel für diese Rubrik, "Picks", zu klauen) darüber, was uns die Romanreihe "Per Anhalter durch die Galaxis" darüber verrät, warum wir Menschen eigentlich hier sind. "Mäuse?"

Ein Gefühl dafür, wie groß Zellen eigentlich sind kann man sich auf der Seite der University of Utah verschaffen. Was ist kleiner, das Hepatitis- oder das Grippevirus?

Hochintelligente Affen: Zufällig stieß ich auf ein Video, das zeigt dass manche Affen nicht nur bis 10 zählen können, sondern sich diese Zahlen auch noch merken können, wenn sie nur eine Sekunde lang auf einem Bildschirm gesehen haben. Wow. Wenn wir nicht aufpassen, sperren die uns bald in Käfige ein ...

Sollte Mathe in der Schule unterrichtet werden? Drüben im Mathlog habe ich ein Video gefunden, auf dem die Kandidatinnen der Miss USA darüber diskutieren, ob Mathe ein Schulfach sein sollte. Im Anschluss zeigt Thilo noch ein Video, dass ich persönlich noch viel schrecklicher finde - ich musste mir tatsächlich die gesamten 14:48 Minuten anschauen.

Darwins persönliche Bibliothek (ENG) kann jetzt online angeschaut werden. Angeblich sind das alle Bücher, die bei ihm im Büro auch standen. Allerdings konnte ich bislang nicht das berühmte Vestiges of the Natural History of Creation finden, doch gelesen hatte das Darwin ganz sicher. Hat er es direkt weiter verschenkt?!
Und für alle, die es noch nicht wissen, Charles Darwins gesammelte Werke, inklusive Notizbücher, finden sich zum Lesen und Runterladen auf Darwin Online. Seine gesammelte Korrepondenz mit anderen Wissenschaftlern findet sich derweil beim Darwin Correspondence Project.

Zuletzt muss ich noch ein Buch empfehlen, das ich gerade zu lesen angefangen habe. Ich bin zwar erst bei Kapitel 6, aber ich wage es einfach und empfehle es jetzt schon. (Ich will nicht bis Seite 1157 warten, außerdem ist es noch gar nicht fertig und wer weiß wie viel noch kommt.) Harry Potter und die Methoden des rationalen Denkens ist ein Roman, der Harrys Geschichten nacherzählt - mit einer kleinen Änderung: Was wäre wenn Harry Potter nicht unter der Treppe seiner Tante und seines Onkels aufgewachsen wäre, sondern bei einen Biochemieprofessor und seiner Frau? Wenn Tante Petunia nicht einen Bohrmaschinenhersteller geheiratet hätte sondern einen Wissenschaftler, dann würde (laut diesem Buch) Harry schon mit elf Jahren wissen wie man Experimente durchführt, um etwas zu beweisen ("Nein," sagte Harry, "um die Nullhypothese zu falsifizieren!"), er könnte komplizierte Mathematik und würde ganz sicher nicht ohne weiteres glauben, dass ein Mensch sich einfach in eine Katze verwandeln könnte, nur weil er es mit eigenen Augen sieht:

Harry atmete stoßweise. "Das GEHT nicht!", keuchte er.

"Es ist nur eine Verwandlung", sagte McGonagall. "Eine Animagusverwandlung, um genau zu sein."

"Sie haben sich in eine Katze verwandelt! Eine KLEINE Katze! Sie haben gegen die Energieerhaltung verstoßen! Das ist nicht nur irgendeine Regel, es folgt aus der Darstellung des Hamiltonoperators in der Quantenphysik! Ohne Energieerhaltung kommt es zu Inkonsistenzen und Informationsübertragung mit Überlichtgeschwindigkeit! Und Katzen sind KOMPLIZIERT! Ein menschliches Gehirn kann sich nicht einfach die ganze Anatomie und biochemische Zusammensetzung einer Katze vorstellen, ganz zu schweigen von der Neurologie! Wie können Sie mit einem Katzenhirn denken?"

McGonagalls Lippen verzogen sich immer stärker. "Magie."

"Magie reicht dafür nicht aus! Sie müssten ein Gott sein!"

McGonagall blinzelte. "Das ist das erste Mal, dass jemand so etwas zu mir sagt."

Das Buch hat im Englischen bisher 72 Kapitel, ins Deutsche wird es relativ langsam übersetzt. Geschrieben wurde es übrigens von Eliezer Yudkowsky, ein Wissenschaftler aus Kalifornien, der Künstliche Intelligenz erforscht. Verschieden eBook-Varianten in verschiedenen Sprache gibt es hier runterzuladen.

So das war's. Eigentlich wollte ich jetzt mich mal hinsetzen und meine Meinung zu der ganzen WWF-Geschichte schreiben, aber bisher fehlen mir dazu noch die Worte ...


Autor: Nils· 03.07.11 · 20:42 Uhr· 5 Kommentare

05. Juni 2011

Aus Fehlern wird man klug ...

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 11

... deshalb ist einer nicht genug.

Diese alte Weisheit stammt noch aus den Zeiten, zu denen ich mir regelmäßig das Micky Maus Magazin gekauft habe. Und so albern dieser Gedanke erscheinen mag, er stimmt. Wir lernen (in der Regel) aus Fehlern, und statistisch gesehen sollten wir uns in einer bestimmten Situation umso besser verhalten, je mehr Fehler wir bisher gemacht haben.

Evolutionsbiologisch haben Fehler jedoch eine ganz andere Bedeutung. Sie sind eine Notwendigkeit. Hier ist ein Zitat von Charles Darwin aus seinem "On the Origin of Species":

When we no longer look at an organic being as a savage looks at a ship, as at something wholly beyond his comprehension; when we regard every production of nature as one which has had a history; when we contemplate every complex structure and instinct as the summing up of many contrivances, each useful to the possessor, nearly in the same way as when we look at any great mechanical invention as the summing up of the labour, the experience, the reason, and even the blunders of numerous workmen; when we thus view each organic being, how far more interesting, I speak from experience, will the study of natural history become!

...mehr


Autor: Nils· 05.06.11 · 21:42 Uhr· 11 Kommentare

28. Mai 2011

Video Selection: Gefangen im Netz

Kategorie: Kultur·Umwelt  ·  Kommentare: 3

LOOM ist ein bemerkenswerter Kurzfilm von den Regisseuren Jan Bitzer, Ilija Brunck und Csaba Letay. Produziert von der Filmakademie Baden-Württemberg, handelt er von der ältesten aller Geschichten, dem Kampf ums Überleben: Eine Motte verfängt sich in einem Spinnennetz, und je mehr sie in Panik gerät, desto unwahrscheinlicher ist ihr Entkommen.

Mir fällt nichts anderes ein als "Wow!" Der komplett animierte Film wirkt in jedem Detail so echt, dass man völlig vergisst, dass es nur ein Film ist. Bis er sich in abstrakte Kunst wandelt und illustriert, dass das Leben doch irgendwie einen Kreislauf darstellt.

Diejenigen mit einer gewissen Angst vor Spinnen seien gewarnt: So detailreich habt ihr eine Spinne aus der Nähe bestimmt selten gesehen ...

...mehr


Autor: Nils· 28.05.11 · 09:42 Uhr· 3 Kommentare

26. Mai 2011

Aus der Insekten-Presse

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften·Umwelt  ·  Kommentare: 6

Das war wohl doch eine längere Pause hier bei evolvimus. So lange, dass ich mich erst mal damit vertraut machen muss, was hier eigentlich los ist. Dafür habe ich Wordle entdeckt, ein JAVA-Applet im Internet, das die am meisten benutzten Wörter eines Blogs in eine nette Grafik verpackt. Also, laut Wordle geht es auf evolvimus um:
Wordle

...mehr


Autor: Nils· 26.05.11 · 07:42 Uhr· 6 Kommentare

ScienceBlogs.com

mehr auf www.scienceblogs.com »