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Forschung ist sexy! Zumindest wenn man verstanden hat, um was es geht. Wissenschaft und Forschung so zu vermitteln, dass es auch begriffen wird, ist Beruf(ung) von Christoph Larssen, Biologe und Wissenschaftsredakteur.
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21.12.10 · 13:18 Uhr
Science Slam und die Angst vor der Öffentlichkeit
Kategorie: Kultur · Kommentare: 5
Gestern Abend war ich beim ersten Science Slam in Bochum. Die alte Kirche war eine etwas ungewöhnliche, aber nette Location. Das Publikum war sehr gemischt, von einer siebten Klassen über die (üblichen) Studenten bis hin zu pensionierten Lehrern lauschte eine sehr bunt gemischt Gruppe von bestimmt 500 Zuhörern den vier Slammern.
André Posenau präsentierte einen Auszug aus den verschriftlichten Unterhaltungen von Pflegern und dementen Patienten.
Dr. Till Moritz Karbach gewährte einen kurzen Einblick in seine Arbeiten beim CERN und dem Mysterium der Antimaterie.
Dr. Elmar Diederichs , der übrigens auch blogt, führte die Zuschauer in die Welt der Schönheitsidealen von Hühnern und deren Anwendbarkeit auf Gene-Arrays.
Als Abschluss zeigte Daniel Weimar, dass auch BWL mal amüsant sein kann und berechnete den Wert eines fiktiven Fußballvereins.
Wer sich jetzt nicht wirklich vorstellen kann, was das alles zu bedeuten hat -> selber hingehen, amüsieren (und lernen). Denn um was es mir eigentlich geht ist eine Frage, die sich hinterher in den Gesprächen mit den Slammern ergab:
Warum trauen sich so viele Forscher/Doktoranden nicht, sich einem breiten, öffentlichen Publikum zu präsentieren?
Die bessere Hälfte eines nicht genannten Slammers meinte, er sei die letzten vier Tage vollkommen neben der Spur gewesen, so groß sei sein Lampenfieber gewesen. Dabei habe er schon viele, gute Vorträge auf Kongressen gehalten. Dabei, so meine Meinung, ist das öffentliche Publikum extrem dankbar und offen. Selbst, wenn sie nicht so wirklich wissen, was genau das gerade Präsentierte im Detail bedeutet (ich weiß immer noch nicht, was ein "Strafterm" ist), sie hängen begeistert an den Lippen des Vortragenden.
Einerseits gibt es keine bessere Übung, Vorträge zu halten. Andererseits halte ich es für notwendig, dass Wissenschaft als etwas Normales in der Öffentlichkeit präsentiert wird.
Wäre der Wissensstand über die rudimentären Grundlagen der Molekularbiologie und Genetik besser in der Bevölkerung verankert gewesen, hätte es kein genfreies Gemüse gegeben und Sarrazin hätte vielleicht ein paar Bücher weniger verkaufen können. Nur, wer die Grundlagen der heutigen Forschungsthemen versteht, kann auch über die Zukunft selbst mitentscheiden.
Also nochmal die Frage an die Forschenden, warum traut Ihr Euch nicht? Ist es wirklich die Angst, sein Ansehen vor den Kollegen zu verlieren? Oder ist es wirklich der fehlende Impact-Factor, der ein Engagement für das breite Publikum nicht lohnenswert macht?
Autor: Chris· 5 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (5)
hört sich gut an, gibts leider nicht in unserer stadt (schwerin bzw st. Gallen)
Vielleicht liegt's am Klima. In Deutschland macht man den Mund vor allem dann auf, wenn es darum geht, sich für wichtig gehaltenen Leuten als vollwertiges Mitglied einer Schafherde zu präsentieren. Das wird auch so erwartet.
Viele Wissenschaftler denken einfach nicht daran, diesen Weg in die Öffentlichkeit zu gehen, weswegen es selten über Pressemeldungen der eigenen Forschung hinausgeht. Ich denke es liegt keinesfalls an irgendeiner Angst oder am Impact-Faktor, sondern eben ganz einfach daran, dass sie nicht auf die Idee kommen. Das sieht man doch alleine daran, wie wenig Wissenschaftler und Forscher hier in Deutschland bloggen. Da können wir uns noch eine ordentlich Portion von den U.S.A. abschneiden. Ich denke aber, das wird sich über die nächsten Jahre ändern bzw. ich hoffe es. Vielleicht sollten Veranstalter mal direkt an Wissenschaftler herantreten. Ich glaube nämlich, dass durchaus viele bereit wären über Wissenschaft und Forschung zu berichten. Es muss halt nur der erste Schritt getan werden, in diesem Fall ein bischen Arschtreterei! Ein anderes Argument ist auch die Zeit, wir wissen ja, Wissenschaftler haben nie Zeit ;-)
Es gibt Hoffnung :-): In den Städten, in denen es schon länger Science Slams gibt (Braunschweig, Berlin, Münster), trauen sich immer mehr Nachwuchswissenschaftler auf die Bühne. Ich denke, es dauert einfach seine Zeit, bis eine derartige Bewegung bei allen angekommen ist. Dort ist dann auch zu merken, dass das Niveau steigt... Mittlerweile gibt es übrigens schon mehr als 20 Slams in ganz Deutschland (www.scienceslam.org).
Mir ging es eigentlich gar nicht vorrangig um die Science Slams. Das Problem, die Angst vor der Öffentlichkeit ist ja ein generelles. Die Resultate sind u.a. die relativ wenigen Blogger, wenige Science Slammer, wenig Präsenz in der Tages- und Regionalpresse ...