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Marc Scheloske ist Sozialwissenschaftler und Wissenschaftsjournalist. Nach dem Studium an der LMU München war er an einer Studie zur Risiko- kommunikation für die EU beteiligt. Heute lebt und arbeitet er als ScienceBlogs-Redakteur in München.
Er twittert als Werkstatt.

07. Februar 2010

Nebenfolgen der Schweinegrippe: Kinder-Impfstoffe ausverkauft

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Medizin·Politik  ·  Kommentare: 16

Impfung_2010.jpgEs klingt unglaublich und für viele junge Eltern wie ein schlechter Witz: in Deutschland sind derzeit insgesamt sieben Impfstoffe gegen Kinderkrankheiten nicht oder nur schwer lieferbar, darunter der Sechsfach-Impfstoff für Säuglinge "Infanrix hexa" von GlaxoSmithKline. Die Impfstoffhersteller haben offenbar seit letztem Herbst fast ihre gesamten Produktionskapazitäten für die Herstellung des Schweinegrippe-Impfstoffs reserviert. Wie man dabei vergessen konnte, daß andere Impfstoffe weiterhin nachgefragt werden und lieferbar sein müssen, ist rätselhaft.

Deutschland im Frühjahr 2010: Kinder-Impfstoffe werden knapp.

Wie man heute in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" nachlesen kann [Text von Volker Stollorz, leider nicht online], gibt es seit wenigen Wochen einen Lieferengpaß bei einigen Kinder-Impfstoffen. Die Vorräte bei den Apotheken sind aufgebraucht, GlaxoSmithKline aber kann keinen neuen Impfstoff mehr liefern. Die Kinderärzte müssen die Eltern also abweisen und vertrösten; nachvollziehbar, daß sowohl Ärzten, als auch den Eltern das Verständnis fehlt.

Sechsfach-Impfstoff "Infanrix hexa" derzeit nicht lieferbar

Denn unter den derzeit ausverkauften Impfstoffen ist auch der Sechsfach-Impfstoff Infanrix hexa®. Dabei handelt es sich um den einzigen zugelassenen hexavalenten Impfstoff, der zur Grundimmunisierung gegen Kinderlähmung, Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten, Haemophilus influenzae Typ b sowie Hepatitis B eingesetzt wird. Dieser Kombi-Impfstoff ist natürlich schon allein deswegen häufig nachgefragt, weil dadurch die Anzahl der Impftermine reduziert werden kann.

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Autor: Marc Scheloske· 07.02.10 · 14:00 Uhr· 16 Kommentare

29. Januar 2010

Nerd Nite: Wissenschaft, Kneipenkultur und Rock'n'Roll

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 3

IMG_7083_220.jpg"Die Großhirnrinde ist eine Verstehensmaschine", erklärt Tobias Hürter, als er aktuelle Studien von Neurowissenschaftlern vorstellt. In seinem Vortrag beschäftigt er sich mit der Frage, unter welchen Bedingungen wir uns an unsere Träume erinnern und was bei sogenannten Klarträumen passiert.

Die Ausführungen von Tobias werden von mehr als hundert Zuhörern aufmerksam verfolgt. Der Ort des Geschehens ist allerdings kein Hörsaal und keine Fachkonferenz. Das Publikum sitzt in bequemen Sesseln oder steht in Grüppchen beisammen, gelegentlich klirren Bierflaschen. Es ist Donnerstagabend in der Münchner "Repüblik" und heute findet hier wieder die "Nerd Nite" statt.

It's like Discovery Channel with beer

Patrick Gruban ist der Macher dieser spannenden Veranstaltungsreihe. Die Idee hat er sich aus den USA geholt: in New York findet seit 2006 regelmäßig eine Nerd Nite statt. "It's like Discovery Channel with beer", lautet das Motto. Und seit Juni 2009 versammelt sich dazu nun auch in München jeden Monat eine stetig wachsende Fangemeinde.

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Autor: Marc Scheloske· 29.01.10 · 14:30 Uhr· 3 Kommentare

25. Januar 2010

Die Zumutungen der digitalen Informationsgesellschaft und die Hilflosigkeit des Denkens

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur  ·  Kommentare: 5

Es ist ein ungleicher Kampf: auf der einen Seite steht das Internet, das universelle, global-vernetzte digitale Gedächtnis mit seinem unüberschaubaren Informations- und Wissensangebot. Auf der anderen Seite befindet sich der Mensch: begrenzt in jeglicher Hinsicht, je individuell mit Talenten ausgestattet und doch je limitiert in seinen Möglichkeiten. Und seine Verarbeitungskapazität für zeitgleich auf ihn einstürzende Informationen? Ach, reden wir nicht darüber...

IMG_6803_Schirrmacher.jpgDiese Grundkonstellation ist der Ausgangspunkt für Frank Schirrmacher, der in seinem Buch "Payback" die Schattenseiten des digitalen Informationsüberangebots beklagt. Vor ziemlich genau zwei Monaten war das Buch Schirrmachers erschienen, in dem er ein bisweilen recht düsteres Szenario entwirft: die Aufmerksamkeitsspanne der Mediennutzer schmilzt vermeintlich immer weiter dahin und der einstmals autonom denkende Mensch begibt sich mehr und mehr in Abhängigkeit von maschinellen Algorithmen.

Schirrmachers Befürchtungen und Thesen wurden zuletzt in Blogs und den Feuilletons recht anregend diskutiert. Vielversprechende Ausgangsbedingungen also für das Panel zum selben Thema auf der DLD-Konferenz - wobei die Diskussion letztlich doch deutlich hinter dem schon erreichten Reflexionsniveau zurückblieb.

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Autor: Marc Scheloske· 25.01.10 · 21:00 Uhr· 5 Kommentare

22. Januar 2010

Teures Armutszeugnis: Peter Sawicki muß Chefposten beim IQWiG räumen

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 18

Peter_Sawicki.jpgPeter Sawicki ist ein unbequemer Kerl. Das muß er freilich auch sein, sonst hätte er seine Aufgabe als Chef des „Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen" (IQWiG) auch verfehlt. Und an Selbstbewußtsein mangelt es Sawicki auch nicht. Was ebenfalls nicht schlecht sein muß. Und doch - oder gerade deswegen? - ist Sawicki nun vorläufig gescheitert. Sein Vertrag beim IQWiG wird nicht verlängert. Ein Armutszeugnis. Bei den Pharmaunternehmen dürften heute nachmittag die Korken knallen.

In den letzten Tagen war es bereits abzusehen: der Vertrag von Peter Sawicki, der seit 2004 Chef des Kölner Instituts war, wird am 31. August 2010 enden. Das hat heute der fünfköpfige Vorstand des IQWiG einstimmig entschieden. Sawicki, gern als Deutschlands oberster Pharmaprüfer tituliert, ist damit seinen Posten los.

Die Pharmaunternehmen frohlocken; ihnen war Sawicki, der sich an den Standards der "evidenzbasierten Medizin" orientierte, seit Jahren ein Dorn im Auge. Denn wirtschaftliche Erwägungen, das Interesse der Hersteller, war Sawicki vollkommen gleichgültig. Ihm ging es um eine nüchterne Bewertung des Nutzens von Arzneimitteln und Behandlungsmethoden. Welche Therapien sind wirklich sinnvoll? Sind neue Medikamente wirklich besser, als bewährte (und meist günstigere) Vorgängerpräparate? Das waren die Fragen, mit denen sich Sawicki und seine rund 100 Mitarbeiter beschäftigten.

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Autor: Marc Scheloske· 22.01.10 · 15:30 Uhr· 18 Kommentare

04. Januar 2010

Ginkgo-Präparate: Vergessen Sie es einfach

Kategorie: Kultur·Medizin  ·  Kommentare: 17

Ginkgo.jpgGinkgo-Präparate sind ein Klassiker der Naturheilkunde. Bereits seit den 60er Jahren sorgen Extrakte aus den Blättern und Samen des Ginkgobaums für fette Umsätze. Für ein besseres Gedächtnis sollen die Präparate sorgen, die Konzentrationsfähigkeit erhöhen und allgemein der Demenz vorbeugen. Doch eine neue Studie zeigt: gegen den geistigen Abbau im Alter ist - jedenfalls mit Gingko - kein Kraut gewachsen.

Zugegeben: der durchschnittliche ScienceBlogs-Leser gehört vermutlich nicht zur Zielgruppe für die verschiedenen Ginkgo-Produkte, dennoch ist die Geschichte interessant. Und "Geschichte" - soviel ist wenigstens sicher - hat Ginkgo biloba.

Die Heilkräfte dieses besonderen Baumes werden schon seit Jahrtausenden geschätzt. Das kennt man ja. Jedenfalls spielte Ginkgo biloba (vor allem seine Blätter und deren Wirkstoffe) bereits in der traditonellen chinesischen Medizin eine große Rolle. Und im Mittelalter wurden Ginkgoblätter zur Behandlung von Atemwegs- und Hauterkrankungen, Magenbeschwerden, Erschöpfungszuständen und anderen Leiden eingesetzt.

Gibt es überhaupt vernünftige Studien, die den Nutzen von Ginkgo-Präparaten belegen?

Das alles spricht durchaus nicht gegen Ginkgo. Interessant wird es dann allerdings in der Mitte des 20. Jahrhunderts, als man das pflanzliche Mittel im Hinblick auf seine positive Wirkung auf die Gedächtnisleistung entdeckt.

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Autor: Marc Scheloske· 04.01.10 · 17:00 Uhr· 17 Kommentare

26. Oktober 2009

Interphone-Studie: Mehr Tumore durch Handys?

Kategorie: Medizin·Politik  ·  Kommentare: 26

Handy.jpgErhöht die Handynutzung das Risiko an einem Hirntumor zu erkranken? Das ist im Kern die Forschungsfrage der sogenannten Interphone-Studie, die im Jahr 2000 gestartet ist. Inzwischen ist die Studie in allen Ländern abgeschlossen. Doch die Publikation der Ergebnisse lässt auf sich warten. Nun scheinen erste Befunde durchgesickert zu sein. Glaubt man der aktuellen Berichterstattung des "Daily Telegraph", so dürften die Resultate für viel Gesprächsstoff sorgen.

Die Forschung zu den Effekten von Mobilfunkstrahlung auf Mensch und Umwelt hat u.a. mit zwei großen Problemen zu kämpfen: zunächst machen fast immer zu geringe Fallzahlen die Ergebnisse fragwürdig. Wenn es um (glücklicherweise) verhältnismäßig seltene Erkrankungen wie etwa Tumorerkankungen im Kopfbereich geht, dann sind ein paar hundert Probanden einfach zu wenig. Zweitens ist häufig der Untersuchungszeitraum viel zu kurz.

Diese beiden Schwächen hat die Interphone-Studie nicht. Im Jahr 2000 begann man unter Regie des Internationalen Krebsforschungszentrums der Weltgesundheitsorganisation in Lyon (IARC) mit einer epidemiologischen Fallkontrollstudie in insgesamt 13 Ländern. Innerhalb der Studie (die von der EU finanziert wird) wurden die Daten von Hirntumorpatienten (hauptsächlich Gliome, Meningiome und Akustikusneurinome) erhoben und mit den Daten von gesunden Kontrollpersonen verglichen. Dieses Material wurde mit den Informationen über die Handynutzung der einzelnen Personen gekoppelt und nun untersucht.

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Autor: Marc Scheloske· 26.10.09 · 18:30 Uhr· 26 Kommentare

21. Oktober 2009

Risiko Nanotechnologie: Der Anfang vom Ende?

Kategorie: Naturwissenschaften·Politik·Umwelt  ·  Kommentare: 8

Risiko_Nanotechnik.jpgWie riskant ist Nanotechnik tatsächlich? Wurde das Risikopotential der winzig kleinen Teilchen in Lebensmitteln, Kleidung und dutzenden weiteren Produkten unterschätzt? Es ist durchaus möglich, daß der heutige Tag eine Trendwende in der Karriere der Nanotechnologie markiert. Denn heute sorgt eine aktuelle Überblicksstudie des Umweltbundesamts für Schlagzeilen. Dessen Experten weisen auf ungeklärte Risiken der Nanotechnologie hin und empfehlen schließlich sogar Nanoprodukte zu vermeiden.

Wer sich mit dem Risikopotential von Nanomaterialien beschäftigt, der kann über die Einschätzung der UBA-Experten kaum überrascht sein. Schließlich werden in Fachkreisen seit vielen Jahren mögliche gesundheitliche und ökologische Gefahrenpotentiale im Zusammenhang mit dem industriellen Einsatz von nanoskaligen Teilchen diskutiert. Überraschend ist vielmehr, daß die Nanotechnologie bis heute ein ausgesprochen positives Image genießt. Doch das könnte sich nun - nach solchen Berichten wie in der SZ - allmählich ändern.

Schließlich ist die aktuelle Studie in ihrer Schlußfolgerung durchaus klar formuliert; im Bericht ("Nanotechnik für Mensch und Umwelt") heißt es:

"Das Umweltbundesamt empfiehlt weiterhin, die Verwendung von Produkten, die Nanomaterialien enthalten oder frei setzen können, im Sinne eines vorsorgenden Umweltschutzes so lange zu vermeiden, als ihre Wirkungen in der Umwelt und auf die menschliche Gesundheit noch weitgehend unbekannt sind."

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Autor: Marc Scheloske· 21.10.09 · 15:15 Uhr· 8 Kommentare

16. Oktober 2009

Schulsport macht schlau: Die Korrelation von Körpergewicht und Schulleistung

Kategorie: Kultur·Medizin  ·  Kommentare: 4

Dickere Kinder sind schlechtere Schüler. Das ist eines der interessanten Ergebnisse einer aktuellen Studie. Allerdings wartet die Untersuchung auch mit einer hoffnungsvollen Botschaft auf: wenn Grundschüler gezielt in ein kontinuierliches Sportprogramm eingebunden werden, dann purzeln die Pfunde und die Noten werden besser.
Kindersport.jpg
Das ist - leicht verkürzt - das Fazit einer Längsschnittstudie, die Forscher der Deutschen Sporthochschule Köln im Auftrag des Vereins "Klasse in Sport" durchgeführt haben. Und die Bekanntgabe der (vorläufigen) Ergebnisse fällt in eine Zeit, in der viel darüber diskutiert wird, wie das Idealgewicht der Fetisch unserer Zeit wurde und wer davon profitiert.

Das Idealgewicht oder: Der Tanz um den goldenen Body-Mass-Index

Fest steht: noch nie zuvor wurde der Frage nach den Ernährungsgewohnheiten und dem Körpergewicht so viel Platz eingeräumt. Und fest steht auch, daß übergewichtige Menschen pauschal als undiszipliniert und Belastung für das Gesundheitssystem angesehen werden. Wer den BMI-Wert von 25 übertrifft, gilt vielen Gesundheitspolitikern schon als Problemfall.

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Autor: Marc Scheloske· 16.10.09 · 18:00 Uhr· 4 Kommentare

28. September 2009

Meilenstein? Durchbruch? Ist der Jubel über die AIDS-Impfstoff-Studie gerechtfertigt?

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 8

Man nehme zwei Verlierer und bastele sich daraus ein schlagkräftiges Team. Das hört sich verdächtig nach aktueller Politik an, es geht aber um Medizin. Noch genauer um den Kampf gegen AIDS. Letzte Woche schaffte es eine Studie in die Schlagzeilen, die teilweise als großer Durchbruch bejubelt wurde. Sind die Ergebnisse wirklich so überzeugend? Ist die Euphorie legitim?

Es ist die bislang größte Studie zur Wirksamkeit einer Impfung gegen den HI-Virus. Mehr als 16.000 Teilnehmer erhielten im Rahmen der Alvac-AidsVax-Studie (oder auch: RV144-Studie) in mehreren Intervallen eine Impfung mit zwei alten Bekannten aus der AIDS-Forschung. Die eine Hälfte der Studienteilnehmer erhielt eine Kombi-Impfung mit den Vakzinen "Alvac-HIV" und "Aidsvax". Die Kontrollgruppe erhielt ein Placebo.

Nun liegen die ersten Ergebnisse vor. Nach Ablauf von drei Jahren haben sich aus der Placebo-Gruppe 74 Teilnehmer mit HIV infiziert; aus der geimpften Gruppe waren es nur 51. In den Pressemeldungen reicht das, um von einem Meilenstein und Durchbruch zu sprechen. Bisweilen ist von einem 30%-Schutz die Rede. Obwohl ich einsehe, daß die Studie durchaus aufhorchen lässt, bin ich dennoch unsicher, ob die positive mediale Resonanz in diesem Fall wirklich positiv zu bewerten ist.

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Autor: Marc Scheloske· 28.09.09 · 18:00 Uhr· 8 Kommentare

04. August 2009

Guter Stress, schlechter Stress

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 1

Wir sind eine gestresste Gesellschaft. Da gibt es den beruflichen Stress, wenn uns die überzogenen Ansprüche des Chefs unter Leistungsdruck setzen und genauso den Freizeitstress, dem sich viele freiwillig aussetzen. Stress ist allgegenwärtig. Doch: ist Stress eigentlich immer schlecht oder kann er auch positiv wirken? Aktuell sind höchst widersprüchliche Meldungen zu lesen...

Ratte.jpgStress wird ja zunächst fast immer als unangenehm empfunden. Wie sollen wir nur die viel zu vielen Termine unter einen Hut kriegen? Wie sind die viel zu hohen Anforderungen zu meistern, die an uns gestellt werden? Wer wirklich gestresst ist, kann diesem Gefühl vermutlich wenig positives abgewinnen. Da paßt es ins Bild, wenn portugiesische Wissenschaftler jetzt berichten, daß Stress vor allem negative Effekte hat und - wenigstens bei Ratten - zu Hirnveränderungen führt.

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Autor: Marc Scheloske· 04.08.09 · 15:15 Uhr· 1 Kommentar

29. Juli 2009

Riskante Selbstmedikation: Tamiflu könnte zur Bildung von Resistenzen führen

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 16

Ente.jpgDie Infektionen mit dem Schweinegrippevirus H1N1 nehmen weiter zu. Aktuell sind mehr als 4.000 Grippefälle in Deutschland bestätigt, das ist (noch) überschaubar. In Großbritannien etwa sind die Krankheitszahlen in den letzten Wochen enorm angestiegen - die Urlaubssaison könnte auch bei uns zu einer rasanten Ausbreitung führen. Und möglicherweise droht Gefahr aus einer bislang kaum beachteten Richtung: ausgerechnet das Grippemedikament "Tamiflu" könnte zur Entstehung von resistenten Viren beitragen.

Bislang ist in Sachen Schweinegrippe sicherlich keine Panik angezeigt. Auch wenn die Fallzahlen kontinuierlich steigen und die Bundesländer nun eine großangelegte Impfaktion beschlossen haben: der Krankheitsverlauf nach einer H1N1-Infektion ist fast immer ziemlich mild. Allerdings sollte man sich eben nicht darauf verlassen, daß dies so bleibt. Grippeviren sind Wandlungskünstler. Deshalb sind die Vorsichtsmaßnahmen der Behörden (wenn etwa Schulen geschlossen werden) auch gerechtfertigt. Probleme könnte man sich allerdings einhandeln, wenn massenhaft das antivirale Medikament Tamiflu (Wirkstoff: Oseltamivir) zur Anwendung kommt...

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Autor: Marc Scheloske· 29.07.09 · 14:00 Uhr· 16 Kommentare

28. Juli 2009

Städtische Risikoschwangerschaften? Smog und Intelligenz

Kategorie: Medizin

Kleinkind.jpgSmog macht dumm. So könnte man die Ergebnisse einer aktuellen US-Studie zu den Auswirkungen von Luftverschmutzung auf die Intelligenzentwicklung von Kindern zusammenfassen. Die Studie legt nahe, daß bestimmte Parameter der Luftqualität bereits während der letzten Schwangerschaftsmonate entscheidend sind. Sind Stadtkinder also dümmer?

In ihrer Studie fokussierte Frederica P. Perera von der New Yorker Columbia-Universität vor allem auf die Rolle, die polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAKs) spielen. In früheren Studien hatte sie bereits festgestellt, daß hohe Belastungen der Atemluft werdender Mütter zu Entwicklungsverzögerungen bei Kleinkindern führt und auch mit geringerem Geburtsgewicht und Kopfumfang bei der Geburt korreliert.

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Autor: Marc Scheloske· 28.07.09 · 14:15 Uhr· 0 Kommentare

15. Juli 2009

Mikroskopische Pionierarbeit: Stefan Hell und neue Dimensionen der Lichtmikroskopie

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 2

Wissenschaftler müssen sich ein Bild von der Welt machen. Mit Teleskopen blicken sie in die Ferne des Weltalls, mit Mikroskopen beobachten sie die allerkleinsten Vorgänge des Lebens. Wobei die Grenzen unseres Wissens immer auch durch die technologischen Rahmenbedingungen der (Meß-)Instrumente vorgegeben sind.

Der Göttinger Physiker Stefan Hell hat in den letzten Jahren neue - bislang ungeahnte - Meß- und Beobachtungsmöglichkeiten eröffnet. Und mit der erfolgreichen Entwicklung des Fluoreszenz- bzw. STED-Mikroskops* hat Hell sogar ehernes Lehrbuchwissen obsolet gemacht.

Stefan_Hell_02.jpg

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Autor: Marc Scheloske· 15.07.09 · 19:45 Uhr· 2 Kommentare

13. Juli 2009

Desertec, oder: Über die Renaissance der Utopie einer solarthermischen Gesellschaft

Kategorie: Umwelt  ·  Kommentare: 12

Parabolrinne_02.jpg»Die Sonne schickt uns keine Rechnung.« So lautete das mantrahaft vorgetragene Glaubensbekenntnis des Journalisten Franz Alt. Und man darf vermuten, daß Franz Alt in den letzten Wochen die Berichterstattung über das Projekt "Desertec" wohlwollend beobachtet hat; die lange Zeit kaum diskutierte Solarthermie feiert derzeit eine glänzende Renaissance.

Heute haben sich in München zwölf namhafte Industrieunternehmen zur Desertec-Initiative zusammengetan, die binnen weniger Jahre in Nordafrika ein Solarthermie-Projekt realisieren will, das richtungsweisend sein könnte. Was steckt dahinter? Woher kommt die Begeisterung der Unternehmen für dieses Konzept?

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Autor: Marc Scheloske· 13.07.09 · 23:00 Uhr· 12 Kommentare

11. Juli 2009

EPO: Fluch für den Radsport, Segen für die Medizin?

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 3

Radfahrer01.jpgEpo wirkt! Das belegt nicht nur der Radsport, wo Epo seit den 90er Jahren zur unerlaubten Ausdauersteigerung eingesetzt wurde. Inzwischen sind die fragwürdigen Radhelden vermutlich auf andere Dopingmittel umgestiegen. Doch während die Popularität von Lance Armstrong* und seinen scheinheiligen Kollegen glücklicherweise schwindet, steht Epo möglicherweise erst am Beginn einer vielversprechenden Karriere.

Die Abkürzung EPO steht ja für das körpereigene Hormon Erythropoetin, das in der Niere gebildet wird. Als so genanntes Glykoprotein-Hormon ist Erythropoetin an zentraler Stelle bei der Bildung roter Blutkörperchen (Erythrozyten) beteiligt. Ursprünglich wurde EPO biotechnologisch synthetisiert, um Dialysepatienten (deren Nieren kein oder zu wenig Epo herstellen) zu behandeln.

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Autor: Marc Scheloske· 11.07.09 · 00:00 Uhr· 3 Kommentare

08. Juli 2009

Die Lindauer Nobelpreisträgertagung als Ereignis der Wissenschaft

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften  ·  Kommentare: 2

Wann ist Wissenschaft? So hatte Jörg Friedrich vor einigen Wochen gefragt. Man könnte die Frage auch etwas variieren und fragen: Wann reden wir von Wissenschaft? Oder: Wo findet Wissenschaft statt.

Es ist dabei letztlich immer die spannende Frage, welche "Form" sich ein soziales Ereignis geben muß, damit es als wissenschaftliches Ereignis zweifelsfrei erkannt wird. Dabei gibt es natürlich bestimmte Erkennungs- und Kennzeichen, die uns signalisieren, daß wir gerade einem wissenschaftlichen Gegenstand gegenüberstehen.

Wie erkennen wir eigentlich, daß es sich um ein wissenschaftliches Ereignis handelt?

Wenn wir uns in einem großen Saal mit abfallenden Sitzreihen befinden, so sollte es uns nicht überraschen, wenn das Licht erlöscht und ein Film an die Leinwand projiziert wird. Sollte stattdessen ein einzelner Mann oder eine Frau erscheinen und einen mit allerlei Fachterminologie aufgepeppten Vortrag beginnen, so sind wir nicht im Kino, sondern vermutlich im Hörsaal einer Universität gelandet.

Die Unterschiede zwischen diesen beiden "Darbietungen" sind gar nicht so groß. Doch erkennen wir zweifelsfrei, in welchem Fall es sich um Wissenschaft handelt. Vergangene Woche hatte ich die Gelegenheit, ein wirklich bemerkenswertes wissenschaftliches Ereignis aus der Nähe zu beobachten. Denn bei der 59. Tagung der Nobelpreisträger in Lindau ging es ganz ohne Zweifel um Wissenschaft. Aber: woher weiß ich das so genau?

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Autor: Marc Scheloske· 08.07.09 · 13:45 Uhr· 2 Kommentare

02. Juni 2009

Rekordjagd: Warum die chinesischen Keramikfunde nicht die ältesten der Welt sind

Kategorie: Kultur

Wissenschaft ist in den Medien häufig genau dann präsent, wenn sich Forschungsergebnisse in irgendeiner Weise mit Begriffen wie "Durchbruch", "Fortschritt" oder "Rekord" kombinieren lassen. Superlative machen jede Schlagzeile zum Hingucker. Das gilt natürlich auch für den Wissenschaftsjournalismus. Heute wurde wieder eine der bekannten Rekord-Meldungen verkündet: Archäologen haben die angeblich älteste Keramik der Welt gefunden. Doch so einfach ist es mit diesem vermeintlichen Rekord-Fundstück natürlich nicht.

Es wird der Fund der ältesten Keramik der Welt vermeldet. Wer recherchiert stellt fest, daß diese Behauptung nicht zutrifft...

Es ist keine der weltbewegenden Nachrichten, aber das ist auch nicht das Ziel von Forschung, die nach Spuren kultureller Zeugnisse frühester Gesellschaften sucht. In der chinesischen Yuchanyan-Höhle wurden jedenfalls bereits Mitte der 1990er Jahre verschiedene Knochen und auch Tonscherben gefunden. Nun konnte deren Alter mittels der Radiocarbon-Methode genauer bestimmt werden.* Die Datierung des Forscherteams um Elisabetta Boaretto von der isrealischen Bar-Ilan-Universität ergab ein Alter der Scherben von 17.500 bis 18.300 Jahren.

Rekord! So vermeldet etwa Spiegel Online. Strenggenommen stimmt das aber nicht...

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Autor: Marc Scheloske· 02.06.09 · 19:00 Uhr· 0 Kommentare

29. Mai 2009

Es werde weiß: Mit dem Malerpinsel im Kampf gegen die Klimaerwärmung

Kategorie: Politik·Umwelt  ·  Kommentare: 4

Griechenland01.jpgMit dem Malerpinsel gegen die Klimaerwärmung!? So ähnlich lautet jedenfalls ein Konzept, das US-Energieminister Steven Chu am Mittwoch in London vorstellte. Und Steven Chu, 1997 mit dem Physik-Nobelpreis dekoriert, meint es ernst: Hausdächer, Straßen und Plätze sollen mit weißer Farbe bemalt werden, um die Folgen des Klimawandels einzudämmen.

In den letzten Tagen war der ehrwürdige St. James's Palace in London Treffpunkt von rund 20 Nobelpreisträgern und einigen dutzend Klimawissenschaftlern. Auf Einladung von Hans-Joachim Schellnhuber (Direktor des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung) waren hochrangige Wissenschaftler zusammengekommen, um über Fragen des Klimaschutzes und Lösungsstrategien zu beraten. Als Schirmherr fungierte Prinz Charles, da konnte dann ja fast nichts mehr schiefgehen.

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Autor: Marc Scheloske· 29.05.09 · 15:00 Uhr· 4 Kommentare

27. Mai 2009

Fußball und Statistik: Welche Torhüter sind die besten "Elfmeter-Killer"?

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 6

Elfmeter_02.jpgJedes Fußballspiel ist längst zu einem Fest für Statistik-Freaks geworden: wieviele Ecken, Einwürfe oder Freistöße eine einzelne Mannschaft auf ihrem Konto hat, gehört zum Informations-Standard. Die Zahl der gewonnenen Zweikämpfe, die Länge des Ballbesitzes oder die Laufwege einzelner Spieler rundet das übliche Statistik-Angebot ab. Nun klären uns Dortmunder Forscher darüber auf, welche Torhüter als die wahren "Elfmeter-Killer" gelten können.

Die Fragen nach Anzahl der Torschüsse oder eben die Laufleistung eines Spielers lassen sich ja einfach beantworten. Da wird gezählt und addiert und damit ist die Sache erledigt. Auch die Tabellen und Punktstände sind ohne Mathematik-Studium nachzuvollziehen (es sei denn man stellt mit diesen Werten raffiniertere Analysen an, wie etwa Metin Tolan). Knifflig wird es allerdings, wenn man andere Parameter erfassen will. Wer ist denn nun wirklich der gefährlichste Stürmer? Wer der beste Torwart?

Die simple Rechenaufgabe, die einfach die Zahl der Tore durch die Anzahl der Spiele teilt, taugt dafür jedenfalls nicht. Für eine Analyse der besten Torhüter in Elfmeter-Situationen haben Statistiker der TU Dortmund nun eine kleine Tabelle erstellt. Mit verblüffenden Ergebnissen.

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Autor: Marc Scheloske· 27.05.09 · 12:40 Uhr· 6 Kommentare

24. Mai 2009

Aufmerksamkeitsökonomie: Die kurze Medienkarriere der Schweinegrippe

Kategorie: Kultur·Medizin  ·  Kommentare: 9

Vor gut 3 Wochen war die Schweinegrippe das alles bestimmende Thema. Als sich die neue Variante des A/H1N1-Virus binnen weniger Tage von Mexiko über die USA bis nach Europa ausbreitete, war die (mediale) Aufregung kaum zu übertreffen.

Inzwischen hat sich das Virus tatsächlich weltweit ausgebreitet, die Zahl der bestätigten Fälle ist auf über 12.000 angestiegen und die WHO sieht weiterhin ein "erhebliches Pandemie-Risiko". Für die Medien ist die Schweinegrippe freilich nur noch ein Randthema, in Blogs, Foren oder bei Twitter scheint sie inzwischen vollkommen irrelevant geworden zu sein.

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Autor: Marc Scheloske· 24.05.09 · 21:30 Uhr· 9 Kommentare

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