Blog durchsuchen
Profil
Joerg Rings versucht sich gerade in Davis, Kalifornien daran, einen ganzen Baum im Computer verdunsten zu lassen. Physik und Wissenschaft sind faszinierend - weil sie wissen dass man nichts glauben sollte, nur weil man möchte dass es wahr ist.
Kontakt
Letzte Einträge
Kommentare
- Explikianer · 03.02.12 · 18:50 Uhr Das war es dann für überlichtschnelle Neutrinos
- Bullet · 31.01.12 · 23:41 Uhr Politische Erpressung von Klimawissenschaftlern geht weiter
- BreitSide · 31.01.12 · 21:37 Uhr Stephen Schneider und die Realität des Klimawandels
- Daniel · 30.01.12 · 00:20 Uhr Das Netz der Wissenschaft
- peer · 21.01.12 · 13:22 Uhr Hans-Peter Uhl: Rechtsausleger
Kategorien
Archiv
- Januar 2012
- Dezember 2011
- November 2011
- Oktober 2011
- September 2011
- August 2011
- Juli 2011
- Mai 2011
- April 2011
- März 2011
- Februar 2011
- Januar 2011
- Dezember 2010
- November 2010
- Oktober 2010
- September 2010
- August 2010
- Juli 2010
- Juni 2010
- Mai 2010
- April 2010
- März 2010
- Februar 2010
- Januar 2010
- Dezember 2009
- November 2009
- Oktober 2009
- September 2009
- August 2009
- Juli 2009
- Juni 2009
- Mai 2009
- April 2009
- März 2009
- Februar 2009
- Frühere Beiträge
« vorheriger Beitrag · nächster Beitrag »
28.07.10 · 12:00 Uhr
Die nächste Hürde für den International Linear Collider
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 6
Planungs- und Bauphasen für Großprojekte sind lang. Sehr lang. Und so ist es wenig verwunderlich, dass während der LHC grad erst richtig losgelegt hat schon der nächste Beschleuniger geplant wird. Wie der Independent meldet, wird es im Rahmen der ICHEP in Paris ernst für den International Linear Collider (ILC). Jetzt geht es an die Finanzierung.
8,5 Milliarden Dollar soll er kosten, der 31 km lange Elektronenbeschleuniger. Man sieht aber auch Zahlen bis zu 20-25 Milliarden kursieren.
Der ILC soll aber kein Konkurrent zum LHC sein, sondern dessen Messungen verbessern und präzisieren. Denn er wird keine Protonen kollidieren, sondern Elektronen und deren Antiteilchen, die Positronen. So wie der Vorgänger des LHC im gleichen Tunnel, der Large Electron-Positron Collider (LEP). Nur, der LEP war eben ein Ringbeschleuniger, der um die 45 GeV erreicht hat. Das Elektron hat eine sehr viel kleinere invariante Masse, deswegen schafft der Ringbeschleuniger LHC bei gleicher Größe für Protonen die sehr viel höhere Energie von 7 TeV. Aber das Design des ILC ist von einem ganz anderen Problem bestimmt: Beschleunigte Ladungen strahlen Energie ab, und der Effekt ist für Elektron sehr (!) viel stärker als für Protonen. Daher lohnt sich ein noch größerer Ring für Elektronen einfach nicht - daher kehrt man zum frühen Beschleunigerdesign zurück, dem Linearbeschleuniger.
![]()
31 km lang wird die Kiste sein. Je eine Hälfte davon für Elektron und Positron. Diese werden dann in der Mitte in einem der zwei Detektoren zur Kollision gebracht. In der Mitte wird außerdem ein 6,7 km großer Ring stehen, der die Elektronenbündel zusammendrängt und bessere Kollisionen zu ermöglichen wenn die Teilchen erstmal durch die Beschleunigerstrecken sind. Denn das ist der große Nachteil des Lineardesigns - im Ring können Bündel gespeichert werden und vorbereitet werden. Sie kreisen einfach so lange bis man sie braucht. Nach einer Kollision - bei der ja nur einige der Teilchen im Bündel kollidieren, kann man im Ringbeschleuniger den Rest des Bündels weiter kreisen lassen.
Der ILC wird einen gewaltigen Sprung gegenüber dem LEP machen und Kollisionen bei 500 GeV ermöglichen - und bis zu 1 TeV nach einer möglichen Erweiterung.
Warum möchte man trotzdem nicht auf Elektronen verzichten? Bei der Kollision von Protonen kollidieren keine Punktteilchen. Es kollidieren vielmehr die Bestandteile der Protonen - Quarks oder Gluonen. Daher wird niemals die ganze Energie in die Kollision gesteckt (aber immer noch mehr als es beim ILC je der Fall sein wird). Es ist weniger Billard und mehr Suppenschüsseln gegeneinander schütten. Dadurch wird die Rekonstruktion der Kollision enorm schwierig und daher unpräziser. Elektron-Positron-Kollisionen sind dagegen geradzu chirurgisch, einfacher zu rekonstruieren. Sie würden ermöglichen, das Higgs genau zu vermessen und was sonst noch an neuer Physik auf der Teraskala wartet. Die Landkarte des Quantenuniversums hält noch einige Überraschungen bereitet.
![]()
Hier kann man sich noch ein Video zum (geplanten) Aufbau des ILC ansehen.
Wenn alles gut geht, könnte der ILC Anfang bis Mitte des nächsten Jahrzehnts an den Start gehen.
Der Independent-Artikel zeigt übrigens noch eins: wie ernst Berichterstattung über Physik genommen wird, nämlich grad gar nicht. Die Überschrift spricht von einem "new atom collider". Und von vorletzter Woche gleich nochmal: "atom smasher". Wie gesagt, das Teil kollidiert Elektronen und Positronen. Da von Atomen zu sprechen ist eine Berichterstattung die etwa so genau ist, wie wenn man berichten würde dass Fußball mit Melonen gespielt wird.
Autor: Jörg· 6 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
Trackbacks (1)
Neuer Anlauf für Internationalen Linearbeschleuniger ILC · ScienceBlogs · 29.07.10 · 06:30 Uhr
Kommentar schreiben
Top5
- John Asht und die organisierte Literatur-Kriminalität im InternetAstrodicticum Simplex· 23.01.2012
- Die größte Verschwörung aller Zeiten: In Wahrheit ist die Sonne kalt und dunkel!Astrodicticum Simplex· 26.01.2012
- Ein starker Sonnensturm trifft auf die ErdeAstrodicticum Simplex· 24.01.2012
- Realität und FiktionAstrodicticum Simplex· 23.01.2012
- Franz Hörmann und die Gaskammern: vom Wissen und vom GlaubenKritisch gedacht· 27.01.2012
Top5
- John Asht und die organisierte Literatur-Kriminalität im InternetAstrodicticum Simplex· 23.01.2012
- Die größte Verschwörung aller Zeiten: In Wahrheit ist die Sonne kalt und dunkel!Astrodicticum Simplex· 26.01.2012
- Abstimmung: Kernkraft, ja, nein, ein bisschen, vielleicht doch irgendwann malPrimaklima· 26.01.2012
- Franz Hörmann und die Gaskammern: vom Wissen und vom GlaubenKritisch gedacht· 27.01.2012
- Ein starker Sonnensturm trifft auf die ErdeAstrodicticum Simplex· 24.01.2012
ScienceBlogs.com
- Saturn's Super Storm Staggers Skywatchers!More days to come New places to go I've got ...Starts With A Bang· 03.02.2012 · 21:40 Uhr
- Making excusesThe editor of Life Shu-Kun Lin has published a rationalization ...Pharyngula· 03.02.2012 · 12:05 Uhr
- PopSci Returns as Valued Festival Media Partner!Popular Science one of the leading sources of news in ...USA Science and Engineering Festival: The Blog· 03.02.2012 · 10:00 Uhr
- Placebo effects are "proof" that God exists?A couple of weeks ago I made the observation that ...Respectful Insolence· 03.02.2012 · 09:00 Uhr
- How to Teach Relativity to Your Dog: Photoshop ContestIt's now officially February and the release date for How ...Uncertain Principles· 02.02.2012 · 11:58 Uhr




Kommentare (6)
Kann der LHZ Sachen, die ein ILC nicht könnte? wenn nicht, warum hat man denn nicht gleich eine Elektronenmaschine gebaut?
Klar, der LHC kann viele Sachen mehr: Kollisionen mit höherer Energie, und vor allem Kollisionen mit Protonen. Schließlich wollen wir ja mehr über Quarks und Gluonen lernen, und Quark-Gluon-Plasmas und B-Physik kann man halt nicht mit Elektronen machen. Außerdem vermute ich dass die Technik des LHCs auch zum Design des ILC notwendig war.
Danke fuer den interessanten Artikel und fuer den Vergleich zwischen e-e und p-p kollisionen... Genau so kann man komplizierte physikalische Zusammenhaenge einfach ohne Technogebubble unters Volk bringen.
Zum ILC, ich bin mal gespannt ob er gebaut wird oder das Schicksal vom SSC teilen wird. Ich denk viel haengt davon hab, ob Leute wie du Nichtphysikern einfach erklaeren kann, warum solche Maschinen eben erforderlich sind und eben keine Spielerei sind.
Cu Alex
@Jörg
" [...] B-Physik kann man halt nicht mit Elektronen machen."
Google liefert ungefähr 371.000 Treffer für "B physics with LEP" und die haben nichts anderes als Elektronen und Positronen zur Kollision gebracht (und nicht nur nebenbei Ergebnisse zur elektroschwachen Präzisionsmessung auch mit b-Quarks hervorgebracht) ;-) Das googlen nach "Babar" oder "Belle" überlasse ich Dir ...
Aber richtig ist natürlich, dass am LHC der b-Quarksektor bei höherer Schwerpunktenergie, mit außerordentlich hohen Statistiken auch in Hadronkollisionen getestet werden kann. Meiner Auffassung nach ist der fundamentale Unterschied zwischen LHC und einem Elektron-Linac ist, dass ich vereinfacht ersteren als Hadronkollider in die Reihe der "Entdeckungsmaschinen" und zweiteren als Maschine für Präzisionsmessungen (u.a. im Feld der Neuentdeckungen) einsortieren würde. Als historisches Beispiel würde ich den SPS- (z.B. Entdeckung des W-Bosons) und den nachfolgenden LEP-Beschleuniger (z.B. Präzisionsmessung der Zerfallsbreite des W-Bosons) erwähnen .... LHC könnte ein Higgs-Boson finden und am Linac könnte man evt. so etwas wie Higgs-Selbstkopplungen vermessen. Aber 'mal abwarten, was der LHC nun bringt.
Autsch, das mit der B-Physik hätte ich natürlich wissen müssen, ich hab ja sogar schon drüber geschrieben. Danke für den Hinweis!
Interessanter Artikel. Auch die Anmerkung von Tom. Jedoch sollte man für ein solches Projekt die Zielsetzung genauer erläutern, damit es nicht das Schicksal des Superconducting Super Collider (SSC) erleidet, der aufgrund übermäßiger Kostensteigerungen 1993 gecancelt wurde, nachdem schon 2 Milliarden US-Dollar verbaut worden waren. Der Internationale Thermonukleare Experimental Reaktor (ITER) hat auch Finanzierungsprobleme.