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16.06.10 · 06:30 Uhr
Social Lending für Bildung
Kategorie: Kultur · Kommentare: 9
Ein neues Internetprojekt ermöglicht es jedem, sich an Krediten zu beteiligen, die Menschen in ärmeren Ländern ein Studium ermöglicht.
Mikrokredite sind ein erfolgreiches Mittel im Kampf gegen Armut. 1976 begann Muhammed Yunus in Bangladesh damit, kleine Kredite an Frauen zu geben, die damit Geschäfte gründen konnten. Seine Regeln dafür stellte er quasi dadurch auf, sich von Banken auslachen zu lassen und dann das Gegenteil zu machen. Ich habe ihn einmal in einem Vortrag gehört, seine Geschichten sind gleichzeitig tief bewegend und inspirierend. Dass ein Mann so vielen Menschen geholfen hat! Es hat viel zum Erfolg beigetragen, dass die Kredite erst nur an Frauen gegeben wurden - am liebsten gab er sie den Frauen die überhaupt kein Geld annehmen wollten aus Angst damit nicht gut umzugehen.
Mikrokredite werden heute von Tausenden Organisationen vergeben. Die Zinsen sind normalerweise üppig und es gibt monatliche Zahlungspflicht, oft werden die Kredite auch an Gruppen von Kreditnehmern gegeben die gegenseitig füreinander haften. Aber dass überhaupt jemand ärmeren Menschen Geld gibt, und ihnen damit einen würdevollen Weg öffnet, sich ein eigenes Leben aufzubauen, macht diese Methode so wertvoll.

Eine bekannte Internetseite ist Kiva, die dieses Prinzip auf eine soziale virtuelle Kreditgeber-Basis stellt. Auf der Seite werden Projekte vorgestellt, die i.A. bereits von einer Mikrokredit-Organisation vorfinanziert sind. Jeder kann sich nun gezielt an einem Projekt beteiligen, in 25$ Schritten. Sein Geld wird er normalerweise in 6-18 Monaten zurückerhalten und kann es dann weitervergeben. Gerade der persönliche Bezug, dass man sieht wer das Geld wofür erhält, macht diese Seite so interessant.

Die neue Seite Vittana überträgt das Kiva-Prinzip jetzt auf den Bildungssektor, die Kreditnehmer sind junge Menschen die gerne studieren würden, sich aber die Studiengebühren nicht leisten können; und Studentenkredite gibt es in ihren Ländern nicht. Wie bei Kiva kann man hier in 25$-Schritten helfen und erhält das Geld in einigen Monaten nach Abschluss des Studiums zurück. Die Kredite erhalten hauptsächlich die Kreditnehmer hauptsächlich, wenn sie das Geld für die letzten Semester ihres Studiums brauchen oder eine Berufsausbildung machen und Aussicht auf einen Job haben; damit eine bessere Chance auf Rückzahlung besteht - dafür brauchen sie ja schließlich eine abgeschlossene Ausbildung und einen Job. Zusätzlich wird der Kreditvertrag zusammen mit der Mutter oder einem engen Verwandten des Studenten geschlossen. (Wieder die Frauen - Männer versaufen das Geld anscheinend zu oft - ernsthaft jetzt). Auch werden Kinder oder enge Verwandte von bestehenden Mikrokreditnehmern bevorzugt.
Kiva wie Vittana fragen übrigens zusätzlich zum Kredit nach einer Spende um die 10% für ihre Betriebskosten - das Kreditgeld geht immer komplett an die Menschen.
Autor: Jörg· 9 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (9)
Mikrofinanz-Systeme scheinen eine tolle Sache zu sein, aber irgendwie habe ich eine Abneigung gegen alle Organisationen, die Werbung machen mit "gib dein Geld für genau DIESEN Menschen". Das ist immer eine Illusion, genau wie bei sogenannten Kinderpatenschaften, die in Wahrheit Projektspenden mit Brieffreundschaft sind (und selbst die Briefe stammen oft nicht von den Kindern). Leider scheint diese Illusion nötig zu sein, um die Spender/Kreditgeber bei der Stange zu halten.
Hallo erstmal!
Ich hab mir mal die Webseite der Kiva angeschaut. Ich vermisse Angaben über die
Kredit-Zinsen, die von den Kreditnehmern bezahlt werden müssen und wo die Gewinne
aus diesen Zinsen landen.
Bei den Kreditgebern ja anscheinend nicht. Sieht mit einer
Rückzahlquote von >95% ja nach einem interessanten Geschäftsmodell aus...
@howie_:
siehe hier: http://en.wikipedia.org/wiki/Kiva_%28organization%29#Interest_rates
Ich hatte mich auch schon mit kiva beschäftigt, aber die diversen Kritikpunkte haben mich dann doch abgeschreckt. Da verteil ich mein Geld doch lieber hier: http://thelifeyoucansave.com/organizations
@RetroK:
So ähnlich hatte ich das befürchtet.
In der FAQ auf der Webseite wird ja schön beschrieben wo die Zinsraten herkommen:
1.) Die Kosten für das Geld. In der FAQ mit 10% angegeben, aber hier ja 0%, da gespendet.
2.) Kosten für Kreditausfall mit 1%, auch das Risiko trägt der Spender, oder?
3.) Dann einen festen Betrag für "Staff time" also Gehälter.
Sie lassen sich also von den Spendern für das Übermitteln der Kredite bezahlen und
kassieren die Gewinne aus dem Verliehenen Geld ein. Klingt für mich jetzt nicht so,
als wäre das ein Bankenmodel, das ich unbedingt unterstützen muß.
Tatsächlich, das ist ein Geschäftsmodell. Und tatsächlich, es sind Kredite und keine Almosen. Und tatsächlich, Kiva und Vittana haben auch Betriebskosten.
Aber das Geld kommt bei Menschen an, die willens sind sich etwas aufzubauen damit. Es ist keine Spende, aber das Geld nicht locker zu machen weil eine NPO Betriebskosten hat finde ich entsetzlich erbärmlich.
@Jörg:
Beruhig Dich mal wieder. Ich habe doch nichts gegen die Erstattung von Betriebskosten
und finde die Idee hinter den Krediten wirklich gut.
Nur würde ich gerne wissen in welche Taschen das Geld wandert und da ist die
Aufstellung zumindest bei Kiva doch eher dürftig.
Meine Punkte 1 und 2 haben nichts mit Betriebskosten zu tun und werden explizit in der FAQ erwähnt, das hat mich halt verwundert...
@Jörg:
Wenn ich an das DRK, Unicef oder die Ärzte ohne Grenzen spende, rechne ich auch damit, dass ein Teil davon für Verwaltungszwecke verwendet wird; damit habe ich grundsätzlich kein Problem.
Womit ich ein Problem habe, ist:
1. wenn absichtlich ein falscher Eindruck vermittelt wird (bei kiva landet das Geld eben NICHT bei den Personen, die ich eigentlich unterstützen will), damit mehr Menschen spenden
2. wenn die Bezieher meiner sogenannten Spende bis zu 70% Zinsen dafür bezahlen sollen
3. wenn das Geld teilweise in den USA landet und nicht in Entwicklungsländern, ohne dass ich darauf Einfluss nehmen könnte (Nicht, dass ich damit sagen will, dass es in den USA nicht genug Menschen geben würde, denen ein bisschen Startkapital enorm helfen könnte; aber ich finde, den Menschen in Entwicklungsländern sollte man vielleicht zuerst unter die Arme greifen).
Doch, das Geld geht an die Leute auf der Seite. Es wird nur vorgestreckt und dann von den Spendern erstattet. Das hat Kiva zuerst nicht gesagt, das war etwas unselig, aber jetzt haben sie es klarer dargestellt. Bei kurzem Nachdenken macht es auch keinen Unterschied.
Ja, die Zinsen sind teilweise gewaltig. Und? Stattdessen lieber nichts geben? So argumentiert ein satter, reicher Gutsherr.
Welches Geld landet in den USA??
@Jörg:
Hier ist einer der Artikel, die mich stutzig gemacht haben: http://www.nytimes.com/2009/11/09/business/global/09kiva.html?_r=2&scp=1&sq=Kiva&st=cse
Zitat: "The question is, does the lender understand that his money may not be supporting the loan he picked on Kiva’s Web site?"
kiva-Partner in den USA: http://www.kiva.org/partners/132 und http://www.kiva.org/partners/131
"Stattdessen lieber nichts geben? So argumentiert ein satter, reicher Gutsherr."
Zum zweiten Mal: ICH SPENDE, alllerdings nicht bei kiva. Jetzt kapiert?