Blog durchsuchen
Profil
Joerg Rings lebt in Oakland, Kalifornien, und ist Senior Quantitative Analyst in einem Start-Up, das Thermostate optimiert um Energie zu sparen.
Kontakt
Letzte Einträge
- Neue Grenzen um Stadtteile ziehen mit Foursquare4 Kommentare· 12.05.12
- Deepwater Horizon-Katastrophe: Nichts gelernt?8 Kommentare· 04.05.12
- Das Gefangenendilemma im Fernsehen6 Kommentare· 02.05.12
- Sam Harris Privileg fordert Profiling an Muslimen18 Kommentare· 30.04.12
- Graphen bekommt Gesellschaft: Zweidimensionale Silizium-Struktur erzeugt0 Kommentare· 29.04.12
Kommentare
- Kerstin Gauck · 22.05.12 · 12:43 Uhr Deepwater Horizon-Katastrophe: Nichts gelernt?
- Hagen Scherb · 22.05.12 · 10:25 Uhr Weniger Mädchengeburten um Gorleben und nach Tschernobyl?
- SimbaOderNala · 15.05.12 · 22:23 Uhr Neue Grenzen um Stadtteile ziehen mit Foursquare
- Karina · 08.05.12 · 02:18 Uhr Sam Harris Privileg fordert Profiling an Muslimen
- BreitSide · 03.05.12 · 20:16 Uhr Das Gefangenendilemma im Fernsehen
Kategorien
Archiv
- Mai 2012
- April 2012
- Februar 2012
- Januar 2012
- Dezember 2011
- November 2011
- Oktober 2011
- September 2011
- August 2011
- Juli 2011
- Mai 2011
- April 2011
- März 2011
- Februar 2011
- Januar 2011
- Dezember 2010
- November 2010
- Oktober 2010
- September 2010
- August 2010
- Juli 2010
- Juni 2010
- Mai 2010
- April 2010
- März 2010
- Februar 2010
- Januar 2010
- Dezember 2009
- November 2009
- Oktober 2009
- September 2009
- August 2009
- Juli 2009
- Juni 2009
- Mai 2009
- April 2009
- März 2009
- Februar 2009
- Frühere Beiträge
« vorheriger Beitrag · nächster Beitrag »
27.04.10 · 20:25 Uhr
The Lightness of Being Frank Wilczek
Kategorie: Naturwissenschaften·Themenwoche·Themenwoche · Kommentare: 6
Was wäre passiert, wenn Kurt Vonnegut ein Buch über das Universum verfasst hätte? Dann wäre es vielleicht fast wie dieses Buch, das u.a. erzählt, warum 95% aller sichtbaren Masse aus einem Kompromiss stammen zwischen der Heisenbergschen Unschärferelation und dem Energiehunger einer Kraft, die mit der Entfernung zunimmt.
Frank Wilczek ist einer der profiliertesten und "coolsten" Physiker unserer Zeit. Seinen Namen kann man auch als starker Raucher getrost in einem Satz mit u.a. Feynman, Dirac und Einstein unterbringen. Er hat bereits mit 21 als Doktorand seine Nobelpreis-Arbeit zur asymptotischen Freiheit mit David Gross abgeliefert und ist seitdem fleißig weiter tätig und hinter den entscheidenden Geheimnissen des Universums her. Er benennt neue hypothetische Teilchen als Axion oder Anyon, und arbeitet auch in der Festkörperphysik. Er bezeichnet auch das Universum als "vielschichtigen, vielfarbigen Supraleiter". Schließlich ist der Higgs-Mechanismus eng mit der Symmetriebrechung in Supraleitern verwandt, der dort die Magnetfelder verdrängt. Und wie man diesen Effekt durch Photonen mit Ruhemasse erklären kann, so ist auch der Higgs-Mechanismus der, der der Überträgern der Schwachen Wechselwirkung eine Masse verleiht und sie auf kleinste Skalen treibt. So kann man verstehen, dass Wilczek jetzt an den Phänomenen arbeitet die die Gitter der Festkörper auslösen um mehr zu erfahren über das "Grid", wie er es tauft, das das Universum und seine Felder trägt.

"The Lightness of Being: Mass, Ether, and the Unification of Forces" spannt einen Bogen von den Grundlagen der modernen Physik über die Teilchenphysik, verweilt vor allem bei der modernen Quantenchromodynamik, die Wilczek mitgeprägt hat und zeigt dann in die vermutliche Zukunft der Vereinigung der Elementarkräfte. Der Name des Buches spielt auf Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins von Milan Kundera an, und wo dieser in der Poetik nach der Welt sucht, sucht Wilczek in der Schönheit der Natur. Und vielleicht ist auch die Anordnung auf dem Titel kein Zufall, wie ich es auch in meinem Titel geschrieben habe. Wie leicht Wilczek hier die komplizierten Erkenntnisse mit unbedingtem Willen zum flockigen Bild darstellt, zeugt von einer unheimlichen, tiefgehender Intuition für die Physik. Ich hatte es im ersten Satz angedeutet, ich habe mich immer an die pragmatische heitere losgelöste Ernsthaftigkeit von Vonnegut-Romanen erinnert.
Die Darstellung der Komponenten des Universums befasst sich vor allem mit den Feldern. Die Beschreibung der elektromagnetischen Wechselwirkung liefert die klassische Feldtheorie, die Quantenelektrodynamik. Diese ist aber nur die kleine Schwester einer weitaus komplizierteren Theorie, der Quantenchromodynamik, die sich mit der Starken Kraft befasst, die Protonen und Neutronen aus Quarks bastelt. Diese Kraft ist ziemlich wunderlich: Während elektromagnetische Kraft und Gravitation fein, wie man es intuitiv erwartet, mit dem Abstand kleiner werden, nimmt die Starke Kraft zu! Die Teilchen, die diese Kraft übertragen, heißen Gluonen. Sie haben aber im Gegensatz zu Photonen die Fähigkeit, auch an anderen Gluonen anzukoppeln. Die Starke Kraft wirkt also so, dass man Quarks nicht einzeln beobachten kann, da sie "lieber" neue Teilchen formen (Quark confinement), aber auf kleinsten Skalen fast frei sind. Letzteres, die asymptotische Freiheit, hat Wilczek mitentwickelt und ist dafür 2004 mit dem Nobelpreis belohnt worden.
Wilczek beschreibt, wie sich daraus die Masse der Protonen und anderer Hadronen (Teilchen aus Quarks) ergibt. Auf der einen Seite haben wir eine Kraft, die mit der Entfernung zunimmt. Das bedeutet, dass sich ein freies Quark sofort mit einer Wolke aus Gluonen und weiteren Quarks umgeben kann. Aber das braucht Energie, also ist ein Zustand wünschenswert, bei dem die Energie minimiert wird. Das geht, wenn sich ein Quark mit einer umgedrehten Starken Ladung (die Farbladung heißt) in der Nähe befindet, sodass in einiger Entfernung die Ladung des Teilchens aufgehoben wird. Oder man bildet aus drei Quarks mit allen drei möglichen Farbladungen einen neutralen Kern.
Energetisch am günstigsten wäre es, alle Quarks an der gleichen Stelle zu positionieren - aber das verbietet die Unschärferelation. Und so entsteht in einem Gleichgewicht aus den beiden Seiten das Quark-Gluonknäuel das nach außen als Proton erscheint. Und jetzt weiß ich auch, was unsere Supercomputer zu oft belegt - man versucht diesen Vorgang nachzurechnen und schafft es in der Gitter-QCD schon ganz gut, aus den Gleichungen der Starken Wechselwirkung das Knäuel so zu simulieren, dass die korrekte Protonenmasse herauskommt - eine unwahrscheinlich große Leistung, und zugleich eine überzeugende Bestätigung der Theorie.

Wilczek weist dann weiter den Weg, der mit dem LHC hoffentlich weit beschritten werden kann - hin zur Vereinigung der drei Kräfte bei hohen Energien, dem Higgs-Boson, Dunkler Materie und der Vereinigung mit der Gravitation. Aber wisst ihr was, das erzähle ich euch jetzt nicht mehr. Das Buch ist nämlich einfach so toll, das solltet ihr selbst lesen. Ich kann es jedem, der mal ein Buch über Physik jenseits von Relativitätstheorie und Schwarzen Löchern lesen will, das vor Freude an den Fakten der Realität fast platzt, "The Lightness of Being" nur wärmstens empfehlen.
Photo v. Frank Wilczek: Amity Wilczek
Autor: Jörg· 6 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
Kommentar schreiben
Top5
- Liebe Piraten, lasst uns endlich vernünftig miteinander reden!Astrodicticum Simplex· 14.05.2012
- Risikowahrnehmung: Wenn man vor den falschen Dingen Angst hatAstrodicticum Simplex· 20.05.2012
- Dr. h.c. im Sonderangebot für 39 Euro[sic]· 14.05.2012
- Die Erde dreht sich nicht um die Sonne...Astrodicticum Simplex· 12.05.2012
- Pi auf dem Einrad!Astrodicticum Simplex· 20.05.2012
Top5
- Liebe Piraten, lasst uns endlich vernünftig miteinander reden!Astrodicticum Simplex· 14.05.2012
- Klimaschmock des Monats Mai 2012Primaklima· 20.05.2012
- Gibt es ein "generisches Maskulinum"?Hier wohnen Drachen· 11.05.2012
- Sollten wir auf Fleisch verzichten?evolvimus· 11.05.2012
- Die kalte Sonne von Vahrenholt/Lüning: Le Trend, c'est moi!Primaklima· 16.05.2012
ScienceBlogs.com
- Doubt and other products: The National Toxicology Program's Report on Carcinogens, bad for whose business?by Elizabeth Grossman As it pursues its anti-regulatory agenda the ...The Pump Handle· 22.05.2012 · 16:39 Uhr
- Weekend Recap: My Annular Eclipse Expedition!A little more persistence a little more effort and what ...Starts With A Bang· 22.05.2012 · 00:11 Uhr
- Water, waterThis image has been going around the intertubes recently I ...A Few Things Ill Considered· 21.05.2012 · 22:59 Uhr
- To be or not to be? The Prevention and Public Health Fundby Kim Krisberg We will pay for this by taking ...The Pump Handle· 21.05.2012 · 15:19 Uhr
- An important revelation regarding Heartland Gate (global warming denialism)Peter Gleick has been cleared of faking a key memo ...Greg Laden's Blog· 21.05.2012 · 12:52 Uhr





Kommentare (6)
@Jörg
Ists auch für Laien mit ein bisschen Vorkenntnis spannend?
@Thomas: Ja auf jeden Fall, grade auch für die. Ein wenig Vorkenntnisse sind vielleicht nicht schlecht, aber im großen und ganzen schafft Wilczek es, seine Intuition in guten Bildern auszudrücken.
Danke, Strandlecktüre gebucht :)
Schliesse mich ebenfalls an. Strandlektüre gebucht.
Für einen wirklich guten Buchtip bin ich ja immer dankbar - (fast) egal mit welchem Thema.
hmmm - so im Nachhinein scheint mit mein Text recht mißdeutbar. Die Einschränkung <(fast)> ist zwar wichtig, bezieht sich allerdings in keiner Weise auf Wilczeks Werk, sondern auf Sparten wie Arztromane und NeuesVonDenOrks oder dergleichen. Die können mir mit noch so leuchtenden Augen, mit noch so großem Enthusiasmus empfohlen werden, da bleibe ich ultrakritisch bis unbeugbar ;-)