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25.01.10 · 21:00 Uhr
Richard Dawkins: Geschichten vom Ursprung des Lebens
Kategorie: Naturwissenschaften·Themenwoche·Themenwoche · Kommentare: 7
Als ich dieses Buch zuerst bekommen habe, dachte ich noch es sei das neue Dawkins-Buch, und habe mich gewundert was "The Greatest Show on Earth" doch für einen lahmen titel auf deutsch bekommen hat. Aber weit gefehlt - nicht beim lahmen Titel, aber in Wahrheit ist "Geschichten vom Ursprung des Lebens" die Übersetzung des Buches "The Ancestor's Tale", das 2004 erschien aber erst 2008 übersetzt wurde. Und anscheinend letztes Jahr zum Darwin-Jahr nochmal neu als Taschenbuch erschien.
Aber wie scheinbar immer ist der deutsche Titel wieder einmal daneben. Es sind keine Geschichten vom URSPRUNG des Lebens, sondern von seiner Entwicklung, die Dawkins erzählt. EVOLUTION, Leute. Wirklich, ist es nicht möglich einen Titel zu finden der wenigstens zum Inhalt passt? Das Buch spricht zwar auch auf 20 Seiten über den Ursprung des Lebens oder was man dazu vermuten kann, aber die anderen 850 Seiten befassen sich mit Evolution.
Dawkins nimmt uns Leser mit auf eine Pilgerreise durch 37 Begegnungen mit unseren Vorfahren - genauer gesagt treffen wir an allen Stationen auf einen anderen Pilgerzug der sich mit unserem vereint bei einem gemeinsamen Vorfahren. Langsam geht es los - es schließen sich Homo Erectus, Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans hinzu. Dann werden es immer mehr Pilger die hinzukommen, und mit uns die gemeinsamen Vorfahren treffen. Affen, Lemuren, Hörnchen, Nagetiere. Kleinere Gruppen wie die Kloakentiere. Und später gibt es Riesensprünge. Da kommen alle Amphibien hinzu. Verschiedene Fischarten. Irgendwann die kleinsten, einzelligen Tiere. Und dann geht es plötzlich Schlag auf Schlag - Pilze, Amoeben, alle Pflanzen, Archea, Bakterien kommen in unermesslicher Zahl hinzu, und verweisen "uns" Tiere auf einen kleinen Nebenast einer Gruppe des riesigen Baumes des Lebens.
Dawkins führt uns erst einmal an das Thema heran - mit verblüffenden Gedanken. Ja, irgendwo da in der Vergangenheit lebte ein vorfahre, von dem wir ALLE abstammen. Und irgendwo zwischendurch in den Generationen hatten die Menschen eine 80 %-Chance, der Vorfahre aller Menschen nach ihm zu sein. Oder von keinem. Es ist so verblüffend - aber auch so logisch. Ich nehme einen anderen Menschen, oder auch eine Katze oder eine Palme oder ein Bakterium - irgendwann lebte ein Lebewesen das unser aller Vorfahr war.
Und diesen Weg beschreitet der Pilgerzug, hin zu diesen gemeinsamen Vorfahren. Da wir nicht viel wissen, wie diese Vorfahren aussahen, muss die Beschreibung, was heute aus diesem anderen Ast geworden ist. Welche verblüffenden Wege die Evolution beschritten hat. An vielen Stationen kommt dann ein Vertreter zu Wort und darf seine Geschichte erzählen.
Die Geschichte des Gibbons bei Begegnung 7.
Die Geschichte des Gürteltiers bei Begegnung 12.
Die Geschichte des Blattfetzenfisches bei Begegnung 20.
Die Geschichte des Neunauges bei Begegnung 22.
Die Geschichte des Blumenkohls bei Begegnung 36.
Aber nicht das Tier erzählt dann, sondern Dawkins greift nur einen Aspekt heraus um Aspekte der Evolution zu erläutern. Es kann ein besonderer Mechanismus sein, der dieses Lebewesen prägt. Es kann ein Ausflug in der Methode der Biologie oder Paläontologie sein. Es kann einfach nur ein Staunen über die Schritte der Evolution sein.
Ein gewaltiges Buch, ein faszinierender und umfassender Weg zurück in die Geschichte des Lebens, inspirierend und lehrreich. Das spannendste Buch das ich von Dawkins gelesen habe, und jede Seite wert.
Autor: Jörg· 7 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
Trackbacks (1)
"Die unheimliche Stille" und wer erlöst eigentlich die Aliens? · Astrodicticum Simplex · 26.01.10 · 17:58 Uhr
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Kommentare (7)
Ich kann dein Urteil nur unterstützen. Ich lese das Werk auch gerade und ich muss sagen, dass es sehr gut verständlich alles rüberbringt, ohne an Exaktheit zu verlieren (soweit ich das beurteilen kann).
Naja - Das erste und letzte Buch, das mir von Dawkins wirklich gefallen hat war das egoistische Gen. Durch die Delusion bin ich mit ein paar Schmunzlern gekommen, aber The Ancestors Tale konnte ich nach dem ersten Drittel nicht mehr in die Hand nehmen.
Ich weiß auch nicht, woran es liegt - ich glaube, ich habe mich an seinem Stil "überlesen". Daran, dass ich nichts draus gelernt hätte liegts jedenfalls nicht: Bis die Geschichte erstmal losgeht kommt eine Einleitung mit für mich bis dahin unbekannten Methoden, wie Biologen Abstammungen bestimmen. Eigentlich brandheißes Zeug, sehr ausführlich erklärt.
Naja, ein bisschen Dawkins-Müde bin ich wohl und hoffe, angesichts der eigentlich lesenswerten Bücher der Einzige zu sein :)
Das Buch habe ich letztes Jahr gelesen. Die zwei Schlußsätze oben im Artikel kann ich nur unterstreichen. Allerdings habe ich einige Zeit zum lesen gebraucht. Es ist schon eine gewaltige Informationsmenge die da verarbeitet werden will. Aber es macht Spaß und bereichert.
Ich hatte anfangs etwas Schwierigkeiten, die ganzen Homo-irgendwasus fand ich super oede. Danach hat das Buch aber an Fahrt zugenommen und mich immer wieder fasziniert. Die Raedertierchen mochte ich besonders...
Ich habe das Buch zwar noch nicht gelesen, aber den Titel finde ich jetzt nicht so abwägig, wenn es schließlich um Evolution geht, geht es ja um den Ursprung des Lebens. Besonders eben WEIL Dawkins auf die Archaeen zu sprechen kommt...kleinste einzellige Lebewesen, die unsere Vorfahren waren.
@Dr.Glukose:
Sehe ich nicht so. Dem Titel nach würde ich einen völlig anderen Inhalt erwarten. Die Archaea sind nur EINE Geschichte, ganz am Ende, auf 3 Seiten, und gerade deren Ursprung wird natürlich nicht geklärt.
"Geschichten vom Ursprung der Arten" würde viel besser aussagen, worum es geht - Darwin-Referenz inklusive.
Danke für den Tipp, das klingt interessant.
Mich hat übrigens shon lange die Vorstellung fasziniert, dass ein Archäologe, der einen versteinerten Trilobiten untersucht, dabei womöglich einen seiner eigenen Ahnen betrachtet.