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Joerg Rings versucht sich gerade in Davis, Kalifornien daran, einen ganzen Baum im Computer verdunsten zu lassen. Physik und Wissenschaft sind faszinierend - weil sie wissen dass man nichts glauben sollte, nur weil man möchte dass es wahr ist.
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05.01.10 · 18:45 Uhr

Impfgegner gehen den Weg aller Wissenschaftsfeinde...

Kategorie: Medizin  ·  Kommentare: 22

...vor Gericht.
Die vielen Arten anti-wissenschaftlicher Ideologie (Kreationismus, "Alternative" Heilmethode, Klimawandelleugner, Impfgegnerschaft) haben immer ähnliche Taktiken. Da sie keinerlei faktenbasierte Argumente aufweisen können, müssen sie auf andere Methoden zurückgreifen. Da gibt es Umettiketierung (Kreationismus => Intelligent Design, Global Warming Denialist => Skeptics, Impfgegner => "Wunsch nach sicheren Impfstoffen"), dann die effektive Kommunikation einfach Slogans ("natürlich", "ohne Nebenwirkungen"), die Vortäuschung einer Kontroverse ("Teach the controversy") und schließlich der Versuch, die Menschen mit der Evidenz mundtot zu machen, besonders gerne durch teure Gerichtsprozesse.

Seit dem letzten Jahr erregt der Fall Simon Singh die Skeptiker und Wissenschaftskommunikatoren weltweit. Die British Chiropracticer's Association BCA hat eine Schadensersatz-Klage vor englische Gerichte gebracht, weil Singh in einem Artikel Chiropraktische Eingriffe für alles außer Rückenproblemen als "bogus treatment" bezeichnet hat. Zu allem Überfluss hat der Richter dann - obwohl es aus dem Kontext des Artikels anders hervorgeht - befunden dass dies den Chiropraktikern mutwilligen Betrug unterstellt. Das englische Libel Law ist leider völlig mittelalterlich. Nicht nur ist es unfassbar teuer, sondern die Beweislast liegt beim Beschuldigten! Und es ist auch international relevant, weil immer wenn auch nur ein kleiner Zusammenhang zu England zu erkennen ist (der Cousin des Klägers hat einen Freund, dessen Bruder beim Urlaub in London eine Webseite gelesen hat, oder so), kann er vor englische Gerichte gebracht werden.
Jetzt gibt es einen neuen Fall, in dem Schadensersatzklagen (allerdings nach amerikanischen Gesetzen, also nicht ganz so mittelalterlich) eingesetzt werden, um Wissenschaftskommunikatoren anzugreifen. In diesem Fall geht es von einer Impfgegner-Organisation aus, dem National Vaccine Information Center (NVIC).

sas-libel-2.png
Impfgegner sind ein relativ neues Problem, das mit den (mutmaßlich gefälschten) Studien eines Andrew Wakefield abhob, durch die durch Bildung unbelastete Jenny McCarthy und ihre Multiplikatoren Jim Carrey und Oprah richtig an Fahrt gewann und jetzt zu einem weltweiten Problem auswächst. Man muss sich mal vorstellen, dass als ausgelöscht geltende Kinderkrankheiten zurückkehren, weil diese Leute wilde Behauptungen über die Gefährlichkeit von Impfungen verbreiten. Diese sind natürlich wissenschaftlich unfundiert, gerade zu Fakten unbeleckt. Im letzten Jahr hat die Bewegung mit der H1N1-Impfung dann auch in Deutschland richtig abgehoben, obwohl ich den Eindruck habe dass sie nicht so organisiert ist wie in anderen Ländern. Die Organisationen haben fast immer einen Namen, der keine Wissenschaftsfeindlichkeit suggeriert. In den USA geht es meistens angeblich um Aufklärung gegen Autismus (mutmaßlich durch Impfungen ausgelöst), oder es geht um sichere Impfstoffe oder im Information über Impfungen. So wie ja auch der Name "National Vaccine Information Center" unschuldig klingt. Sieht man aber mal hin, finden sich aber eigentlich nie Informationen für Impfungen, sondern immer nur Warnungen vor angeblichen gefährlichen Inhaltsstoffen. Ich will da nicht zu viel drauf rumreiten, ich bin kein Biologe oder Mediziner (aber es reicht kritisches Denken, um die Situation zu beurteilen), aber wer einen Eindruck davon gewinnen will, sollte sich die Diskussion um H1N1 bei Tobias ansehen.
Im Oktober erschien ein wirklich phantastischer Artikel von Amy Wallace bei WIRED, der wohlige Schauer über die geschundenen Seelen laufen ließ. Eine wirklich gute, faktenbasierte Auseinandersetzung mit Impfungen und der Anti-Impfbewegung, den jeder gelesen haben sollte. Darin sprach Amy Wallace auch ausgiebig mit Paul Offit, der unnachgiebig für Impfungen eintritt. Der Artikel und Amy Wallace persönlich gerieten unter Beschuss durch die Anti-Impfbewegung, und Amy Wallace musste zum Teil wüste Beleidigungen ertragen, die schon ein Teil des Lebens von Paul Offit geworden sind. J. B. Handley von Antiwissenschafts-Outlet "Generation Rescue" titelte einen Artikel "Paul Offit Rapes (intellectually) Amy Wallace and Wired Magazine."
Die Vertreterin des NVIC, Barbara Loe Fisher hat nun ein Zitat von Offit aus dem Artikel genommen, wegen dem sie Klage gegen Wallace, Offit und Wired eingereicht hat und das frappierend an das "bogus" erinnert:

Fisher, who has long been the media's go-to interview for what some in the autism arena call "parents rights," makes him particularly nuts, as in "You just want to scream." The reason? "She lies," he says flatly.

Das ist natürlich das Problem. Er sagt, Fisher lügt. Aber das weiß er nicht, und es steht zu vermuten dass die meisten der Wissenschaftsfeinde gar nicht mutwillig lügen, sondern ihr Gebäude aus dünnen Argumenten und Behauptungen tatsächlich glauben. Die Anti-Impfbewegung spricht natürlich fein immer nur von "mutmaßlichen Beweisen" für die Gefährlichkeit von Impfstoffen. Angebliche Studien, die nicht weiter ausgeführt werden, sind nicht als falsche Tatsachenbehauptung angreifbar. Die Aussage "Sie lügt" ist es leider, und so geht die Impfgegner-Bewegung den Weg aller Wissenschaftsfeinde...

Mehr bei Steven Novella.

 

Autor: Jörg· 22 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (22)

Kommentar-Direktlink Karsten· 05.01.10 · 20:01 Uhr

Was konkret das Thema Schweinegrippe angeht, so spricht die Impfquote beim Krankenhauspersonal Baende: Ich glaube es waren 8%, und selbst wenn es 40% waeren, da stimmt etwas mit der Aufklaerung nicht.
Die Pharmaindustrie war unglaublich schlecht aufgestellt was die Informationspolitik angeht, und der denkende Patient musste entscheiden ob nun Naivitaet oder Dreistigkeit dahinter stecken...
Schon der exclusive deutsche Begriff Schweinegrippe ist nicht besonders wissenschaftlich!

Kommentar-Direktlink Dr. Glukose· 05.01.10 · 20:04 Uhr

Also mir ist es bisher auch nur untergekommen, dass die "Impfgegner" nicht wirklich eine Ahnung haben woraus eine Impfung überhaupt besteht bzw. wie sie hergestellt wird. Das einzige Argument was man immer wieder liest, ist, dass "die Impfung Schäden verursacht hat"...Impfgegnger haben dann aber selbst keinen Peil wie und weshalb. Wenn man grundsätzlich ein Problem mit der Pharmaindustrie hat und solchen Firmen sogar vorwirft, sie würden Mikrochips den Impfungen zusetzen um die Menschen kontrollieren zu können, sollte man wegen Paranoia zum Psychologen gehen. Konstruktiver wäre es, sich mit so einem Thema richtig und fachspezifisch auseinanderzusetzen, statt irgendetwas zu schwaffeln von dem man keine Ahnung hat.

Kommentar-Direktlink Christian A.· 05.01.10 · 20:07 Uhr

Ich muss mal kurz korrigieren: Im Dover-Trial waren die Kläger die Gegner der Kreationisten. Die Klage ist gegen den Dover Area School District angestrengt worden, weil die ein Kreationistenbuch (ok, es war ein ID-Buch ... der Unterschied ist eher winzig) für den Biologieunterricht benutzen wollten.

Kommentar-Direktlink strappato· 05.01.10 · 21:39 Uhr

Die Pharmaindustrie war unglaublich schlecht aufgestellt was die Informationspolitik angeht

Vielleicht sollte das Werbe- bzw. Informationsverbot gelockert werden, dass Pharmaunternehmen nur die Kommunikation in Fachkreisen, nicht beim Konsumenten/Patienten erlaubt?

Übrigens wird das Pharmapaket, das die Neuregelungen zu Patienteninformationen über rezeptpflichtige Arzneimittel vorsieht, am 25. Januar im zuständigen Ausschuss des EU-Parlaments beraten. Bis Anfang Februar können die Ausschussmitglieder weitere Änderungsanträge einreichen. Anfang April will der Ausschuss über das Pharmapaket abstimmen. Im Parlament soll im Mai entschieden werden. Dann ist der Ministerrat dran.

Author Profile Page Jörg· 05.01.10 · 23:51 Uhr

@Karsten: Die Aufklärung wäre Aufgabe der Regierung gewesen, nicht die der Pharmaindustrie. Und da ist leider gar nichts gekommen, es wurde nur etwas bestellt und dann den Gesundheitsämtern überlassen. Aufklärung der Bürger, Fehlanzeige.

@Christian: Danke für die Korrektur, da hab ich was zu schnell getippt. Ich muss das mit irgendwas verwechselt haben, weiß aber auch nicht mehr was. Deswegen habe ich den Satz jetzt aus dem Artikel gelöscht.

Kommentar-Direktlink dumdidu· 06.01.10 · 01:12 Uhr

Ich würde mich auch als Impfgegner sehen, aber nicht, weil ich der Impfung eine direkte Gefahr entgegen stelle, sondern, weil mich die im Beitrag selbst als positiv empfundene kritische Grundeinstellung dazu bewegt hat zu hinterfragen, ob die Impfung überhaupt notwendig ist. Die Sterberaten der Schweinegrippe bewegen sich unterhalb der, der einer saisonalen Grippe, und gegen die lasse ich mich auch nicht impfen, wozu also jetzt? Vielmehr lies der Gedanke, dass eine Impfung das Immunsystem auch schwächen kann - und zwar langfristig - meine Skepsis nur reifen. So wurde beispielsweise in einem Artikel belegt, dass Impfungen bei Kinder zwar dafür sorgen gewisse teils bis tödliche Krankheiten schon im Keim zu ersticken, dafür ist deren Immunsystem nicht so breit aufgestellt, und diese Kinder werden häufiger krank.

Kommentar-Direktlink klaus· 06.01.10 · 05:36 Uhr

"ich bin kein Biologe oder Mediziner (aber es reicht kritisches Denken, um die Situation zu beurteilen)"

Aber Dein Blog macht immer sehr deutlich: kritisches Denken fehlt Dir.
Was ist eigendlich Dein Ziel hier? Dazuzugehoeren? Schalt doch mal das kritische Denken ein wenn es darum geht das gewisse Leute uns nutzlose Impfungen andrehen wollen. Ich kann kritisch denken, deswegen hab ich mich auch nicht impfen lassen!

Kommentar-Direktlink MartinB· 06.01.10 · 08:42 Uhr

@dumdidu
"So wurde beispielsweise in einem Artikel belegt, dass Impfungen bei Kinder zwar dafür sorgen gewisse teils bis tödliche Krankheiten schon im Keim zu ersticken, dafür ist deren Immunsystem nicht so breit aufgestellt, und diese Kinder werden häufiger krank."

Ja, die Autoren dieser Studie sagen aber selbst, dass aus dieser Korrelation nicht auf Kausalität geschlossen werden kann. Mögliche Gründe sind z.B.:

1. Kinder die häufiger krank sind, werden häufiger zum Arzt gebracht, so dass die Wahrscheinlichkeit, eine Impfung zu verpassen, kleiner ist.

2. Bei Kindern, die oft krank sind, ist die Sorge der Eltern, dass eine weitere Erkrankung hinzukommt, größer, so dass die Impfneigung größer ist.

Solche Effekte aus einer Statistik herauszurechnen ist nahezu unmöglich.

Und hier geht es ja nicht um die Impfung gegen Schweinegrippe, sondern um solche Krankheiten wie Polio, Diphterie, Röteln etc., bei denen der Impfnutzen unumstritten ist (oder nach wissenschaftlichem Ermessen sein sollte).

Kommentar-Direktlink YeRainbow· 06.01.10 · 09:09 Uhr

Klausi!
Ich bin begeistert - Du hier???

Was war doch gleich Dein Fachgebiet?
Nein, nicht Medizin, Biologie oder sowas...
Ich entsinne mich dunkel, was es war...

Aber nichtdestotrotz, schön Dich hier zu sehen.
Ehrlich!

Author Profile Page Marcus Anhäuser· 06.01.10 · 09:15 Uhr

@Dumdidu
dafür ist deren Immunsystem nicht so breit aufgestellt, und diese Kinder werden häufiger krank.
könntest Du mal verraten, wo Du das gelesen hast? Deine Argumentation bezgl. deines Impfung kann ich nachvollziehen, aber diesen letzten Punkt nicht.

Kommentar-Direktlink adenosine· 06.01.10 · 09:24 Uhr

Ich tippe eher darauf, dass es zwar viele sinnvolle Impfprojekte gibt, aber auch Impfgeschäftsmodelle, die nur den Investoren und Geschäftemachern nutzen. Denn wo Menschen handeln wird getäuscht, betrogen und verdreht.

Kommentar-Direktlink Denkfabrik· 06.01.10 · 09:57 Uhr

Blinde Wissenschaftsgeilheit hat nichts mit kritischem Denken zu tun. Insbesondere im Rahmen der H1N1-Impfung waren die kritischen Denker wohl eher diejenigen, die sich nicht haben impfen lassen und somit der Panikmache von Medien, Politik und Pharmaindustrie entzogen haben. Auch wenn für die Pharmaindustrie Direktwerbung verboten ist, nutzt sie viele andere Kanäle um für sich und ihre Produkte zu werben. Wie unnötig die H1N1-Impfung gewesen ist haben nicht nur zahlreiche Mediziner bestätigt, sondern auch die H1N1-Opferzahlen empirisch und wissenschaftlich nachweislich bewiesen. Das generelle Ablehnen von Impfungen ist selbstverständlich, ebenso wie die blinde Befürwortung, schädlich und blinder Fanatismus.

Kommentar-Direktlink YeRainbow· 06.01.10 · 10:17 Uhr

Es ist doch wohl IMMER eine Kosten-Nutzen-Abwägung, auch für das einzelne Individuum.
Natürlich sit es da hilfreich, wenn man genügend zutreffende Informationen hat, um zu einer vernünftigen Entscheidung zu kommen.

und was gibt es bessres, als ne ausgebliebene (wiewohl befürchtete) Katastrophe?
Das bedeutet nicht, daß das für immer und ewig vom Tisch ist. Die Mutationen sind durchaus wahrscheinlich, die sich äußerst ungut auswirken können.
Das Potential rechtzeitig zu erkennen ist sinnvoll fürs Überleben.
Selbst wenn es erst mal Potential bleibt...

Die Spanische Grippe Ende des 1.WK kam in 2 Wellen...

Kommentar-Direktlink Timmorn Gelbauge· 06.01.10 · 10:29 Uhr

Auf dem EsoBlog und jetzt auch hier kommen jetzt vermehrt Artikel über "die" $Gruppe und es werden wieder die größten Cranks herausgesucht und so getan, als wären diese exemplarisch.
Wo ordne ich mich ein, wenn ich die im Artikel beschriebenen Ansichten nicht teile, aber trotzdem den "Wunsch nach sicheren Impfstoffen" habe? Ich meine, von wem erfahre ich denn, ob die Impfung gegen Schweinegrippe ungefährlich ist?
Vom Hersteller? Hm...
Vom Bundesamt für Gesundheit? Vielleicht schon eher.
Von den Medien? Von welchen denn?
Von Scienceblogs - Bloggern?

Kommentar-Direktlink YeRainbow· 06.01.10 · 10:35 Uhr

Gute Frage.
Am ehesten von den Wissenschaftlern selbst, so ihre Daten korrekt sind...
Wie alles im Leben ohne vollständige Garantie.
Liegt aber an der Kultur, nicht an der Wissenschaft.

also, immer schön viele Wissenschaftspapers lesen.

Kommentar-Direktlink paraphen· 06.01.10 · 10:59 Uhr

Hallo Jörg,

auch in Deutschland gehen Impfgegner gerne den Weg vor die Gerichtsbarkeit bzw versuchen, jeden Rechtsstreit so auszulegen, als ginge es darum ihren Ideen Recht zu verschaffen. Lanka und Krafeld versuchen dies immer wieder und haben wohl nachdem Lanka angeblich wegen des Kurt'schen Meineides seinen Prozeß wegen Beleidung verlor (was zu erwarten war, wenn er Kurth noch während des Prozesses als Massenmörder bezeichnet) ... jedenfalls hat er dazu aufgerufen, gegen Kurth einen Strafantrag wegen Meineides zu stellen. Inwiefern das anhängig ist, müßte man mal von Kurth in Erfahrung bringen ... Aber Lanka sieht in Kurths Aussage zu HIV/AIDS einen Meineid und wenn dem Gericht dem folgte, dann sähe sich Lanka und die gesamte AIDS Denialist Riege bestätigt. Gott bewahre.

Author Profile Page Jörg· 06.01.10 · 14:20 Uhr

@klaus: Erstaunlich, kritisches Denken ist also, was deine Vorurteile bestätigt?
Durch kritisches Denken habe ich ermitteln können, dass die Impfung auf gut gesichertem Wissen basiert und vergleichbar mit der kritischen Impfung ist. Da ich keine Lust auf Grippe habe und zudem eine gewisse Verantwortung sehe, andere Menschen vor einer Ansteckung zu schützen. Zudem habe ich nichts dafür bezahlt, also habe ich mir nichts "andrehen" lassen. Es fällt mir sehr schwer zu glauben, wie jemand mit einem kritischen Denkprozess zu einer komplett gegenteiligen Schlussfolgerung kommt. Tipp: BILD dir deine Meinung ist kein kritisches Denken.

@Timmorn:

Von Scienceblogs - Bloggern?

Ja von ScienceBloggern. Die Artikelserie von Tobias war die fundierteste deutsche Informationsquelle.

@paraphen: Aber so eine Vereinigung die laut schreit gibt es doch nicht, so wie in den USA; Australien, Holland oder Schweden, wo die reihenweise dieses Jahr die "Goldenen Himbeeren" der Skeptiker gewonnen haben? Mehr so Einzelpersonen.

@all: Bei H1N1 hat sich gezeigt, was passiert wenn der Schatten der Anti-Impfbewegung ihren Stempel auf eine größere öffentliche Diskussion aufdrücken kann, mit potentiell verheerenden Folgen. Dass es diesmal keine schlimme Grippe war, ist unerheblich, hinterher ist man immer schlauer - abgesehen davon dass wir vielleicht noch nicht "hinterher" haben. Die Anti-Impfbewegung ist im Grunde (auf dem Niveau von Jenny McCarthy und leider auch ehemaligen SB-Bloggern) brandgefährlich und ist eine Ideologie die Menschenleben auf dem Gewissen hat. Die Diskussion über H1N1 trifft nicht den Kern meines Artikels, zeigt aber sehr schön die Auswirkungen.

Kommentar-Direktlink paraphen· 06.01.10 · 16:58 Uhr

Jörg,

sicher "unsere" Impfkritiker haben (noch) nicht so toll offiziell klingende Namen, aber Impfkritiker-Kritiker leben nicht minder ungefährlich.

Soweit mir bekannt ist, gibt es Impfkritiker-Kritiker, die gerne von den "Ärzten für eine individiuelle Impfendscheidung" (vgl. Auftritt Tolzin im ARD Morgenmagazin für das "Netzwerk für individuelle Impfentscheidung") verklagt / abgemahnt werden, wenn sie Aussagen von Mitgliedern öffentlich auseinandernehmen.

Und Lanka tritt natürlich gerne als Vorsitzender des Wissenschaft, Medizin und Menschenrechte e.V. auf. Hat halt einen offizielleren Anstrich.

Author Profile Page Jörg· 06.01.10 · 22:26 Uhr

@paraphen: Achso stimmt, du hast es sogar verbloggt, muss ich überlesen haben beim Feed-Reader-Jogging. Jedenfalls gut, wenn das ordentlich verbreitet wird.

Kommentar-Direktlink Karl Mistelberger· 08.01.10 · 20:51 Uhr

Das ist natürlich das Problem. Er sagt, Fisher lügt. Aber das weiß er nicht ...

Es scheint kein so großes Problem zu sein, denn:

"Even before knowing the outcome (which is almost certainly going to sting for Fisher), this case is a major victory for those who favor free speech and the role it plays in science. It highlights the desperation of those whose cult-like beliefs are being discarded by the reality-based community. As the foundations of their beliefs rot, they cling to the hope that the law will save them from the onslaught of science. But they are likely to discover a painful fact: just as you have a right to your own beliefs, others have the right to remark on their arbitrariness and idiocy. Science, like the law, allows us to have our own opinions, but not our own facts."

http://www.sciencebasedmedicine.org/?p=3326

Kommentar-Direktlink pause· 18.03.10 · 15:51 Uhr

Auf einen schweren Fehler muss ich leider hinweisen: "Impfgegner sind ein relativ neues Problem, das mit den (mutmaßlich gefälschten) Studien eines Andrew Wakefield abhob (...)".
Impfgegner sind genauso alt wie die Impfung selbst; schon Ende des 18. Jahrhunderts gab es öffentliche Anfeindungen des neuen Verfahrens. Im 19. Jahrhundert war die Impfgegner-Bewegung sogar wesentlich stärker, mächtiger und sozial präsenter als heutzutage: sie setzte sich v.a. in Großbritannien und Deutschland für eine Abschaffung der verpflichtenden Pockenimpfung ein. Es gab unzählige Verbände, Journale, Petitionen und Demonstrationen mit bis zu 100.000 Teilnehmern (!). Tatsächlich flaute die Impfgegnerbewegung erst ab (weshalb ihr Wiedererstarken manchen jetzt vielleicht als "Neuheit" vorkommen mag), als die gesetzliche Impfpflicht in den meisten Ländern weitestgehend abgeschafft wurde (meist Anfang des 20. Jahrhunderts)
siehe u.a. Wolfe, R. M. & Sharp, L. K. Anti-vaccinationists past and present. British Medical Journal 325, 430-432 (2002).

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