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15.09.09 · 17:55 Uhr
Nachtrag zum Hömopathie-Artikel, Teil 2
Kategorie: Medizin · Kommentare: 7
Ich habe mittlerweile noch 2 Antworten zu meinen Nachfragen an verschiedene Zeitungen erhalten, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Wer nicht weiß, worum es geht, ich hatte festgestellt, dass eine Umfrage die sehr nach Marketing-Vehikel der homöopathischen Arzneimittel-Herstellern aussah, von dpa aus einer Pressemeldung zu einer Nachricht geformt worden war, ohne dabei genau hinzusehen und festzustellen, dass die entscheidende Information fehlte, dass eigentlich nur 17% der Anwender wissen, was Homöopathie so ist.
BR 5 ist ebenfalls der Ansicht, dass der Hörer ja alt genug sei, sich solche Informationen selbst zu bewerten. Wie gesagt, man muss die Original Pressemeldung suchen und findet dort in einem von drei möglichen Dokumenten diese Frage. Ich finde es frech, es hinzustellen als sei der Leser/Hörer ausreichend informiert worden und könne sich selbst ein Urteil bilden.
bitte entschuldigen Sie die verspätete Antwort auf Ihre Anfrage, aber Sie wissen ja, in der Urlaubszeit ist es manchmal schwierig, alles unter einen Hut zu bringen. Aber nun zu Ihrer Anmerkung. Wie Sie richtig bemerkten, handelt es sich um eine Umfrage, die die Haltung verschiedener Bevölkerungsschichten zur Homöopathie analysiert. Wir haben die Ergebnisse dieser Befragung dargestellt, sie zu kommentieren oder die eine oder anderen Aussage kritisch zu beleuchten ist nicht unserer Aufgabe. Wir sind ein Nachrichtensender und die Nachricht war in diesem Fall die Umfrage selbst und nicht die Wirkungsweise der Homöopathie. Man mag zu dieser Therapieform stehen wie man will, sie zu kritisieren ist nicht unser Auftrag, schon gar nicht in einer Nachricht. Wir liefern die Information - Sie als Hörer ziehen daraus Ihre Schlussfolgerungen. Nur das ist unsere Aufgabe und die haben wir sicher erfüllt.
Sehr erfreulich ist dagegen die Antwort von der Lausitzer Rundschau.
vielen Dank für Ihre Anfrage, und Ihr Interesse an unserem Angebot. Leider kommen wir erst jetzt dazu, Ihnen zu antworten. Sie haben angefragt, warum wir die Meldung unverändert übernommen haben. Für unser Online-Angebot gilt, dass wir bestimmte Kanäle von dpa bestücken lassen - z.B. das Gesundheitsressort, da wir als Regionalzeitung unseren personellen Schwerpunkt nicht im Mantel haben. Das Material von dpa ist vollwertiges journalistisches Material, das ausgebildete Redakteure recherchiert und redigiert haben.Ihre Worten entnehme ich den Hinweis, dass sich in dem von Ihnen geschilderten Fall dpa eine Pressemitteilung zu eigen gemacht haben soll, ohne sie selbst zu recherchieren. Das wäre in der Tat nicht im Sinne des Erfinders - denn, wie Sie zurecht schreiben - müssen wir als Zeitungshaus mehr leisten als nur Pressemitteilungen wiederzugeben. Wir nehmen Ihren Hinweis daher sehr ernst, und haben den Vorfall zu Prüfung weitergeleitet. Bis zur Klärung ist der Artikel offline.
Insgesamt überrascht mich zum einen die Bandbreite der Antworten, aber vor allem (angenehm) dass tatsächlich Journalisten darunter sind, die die Anfrage ernst nehmen. Glücklicherweise hat auch dpa dazugehört. Ich ziehe daraus den Schluss, dass wir durchaus öfters zum virtuellen Stift greifen sollten und uns über allzu leichtfertige Berichte beschweren - es besteht eine Chance gehört zu werden!
Autor: Jörg· 7 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (7)
Das hat mich jetzt ganz angenehm überrascht. Manche nehmen Journalismus also doch noch ernst :)
Also beim ORF funktioniert es definitiv nicht :)
Wenn man da mal nachfragt ob es nicht zumindest fair wäre bei Diskussionen über alternative Medizin auch einen Kritiker einzuladen bekommt man nur einen nichtssagenden Serienbrief. Witzigerweise bekommt man denselben wenn man darauf hinweist, dass bei Sendungen über Homöopathie doch auch mal darauf hingewiesen werden sollte, dass es keinen Wirkmechanismus gibt.
Sehr schöne Artikelserie über Homöopathie, dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.
Einen Grund für den "Erfolg" der Homöopathie ist , dass viele Patienten bei leichten Befindlichkeitsstörungen mit dem Hinweis "Nicht schlimm, das geht auch ohne Therapie vorbei" nicht zufrieden sind und doch irgendeine Pille oder Pülverchen als Talisman wünschen. Da greift dann auch der nicht-homoöpathische Arzt gern mal zum Placebo, also einem Homoöpathikum.
Ein "Vorteil" dieser "Medikamente" ist, dass in den Beipackzetteln in der Regel kein Indikationsgebiet und auch keine schweren Nebenwirkungen angegeben sind, sie lassen sich somit für alles und jedes als universelles Placebo einsetzen.
@Hohenstaufen
seit wann haben Homöopathika Beipackzettel ?
Eben :)
Der Placebo-Aspekt bei homöopathischen Mitteln ist unbestritten, aber keine Rechtfertigung, dass einige es als "vollwertige" Medizin verkaufen. Sicher kriegt man kleinere Probleme damit in den Griff, aber diese Vermarktung führt dazu, dass zutiefst homöopathieüberzeugte Eltern ihre krebskranken Kinder mit einer D6 Calcium Carbonicum heilen wollen.
" Es besteht die Chance gehört zu werden." Bestimmt, aber nur wenn man ein Blog mit einer nennenswerten Anzahl lesern hat ;) .
@wolfgang:
Homöopathische Komplexpräparate (z.B. Vertigoheel, Traumeel e.t.c. ) haben BEIPACKZETTEL mal mit, oft ohne Indikationsangabe.
Ein Placebo mit schöner Verpackung und "geistigem Überbau" wirkt nun mal besser als der Verweis auf ein Hausmittel.
Besserer Vorschlag um die nicht zu unterschätzende Placebowirkung zu erzielen ?