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"Was ist schön?" In diesem Blog machen wir uns auf die Suche nach einer Antwort auf diese Frage, die so alt ist wie die Menschheit.
Welche Schönheitsideale prägten die Antike? Wie verändern sich die Vorstellungen von dem, was als schön gilt? Gibt es Konstanten, die unser ästhetisches Urteil bestimmen? Und wie erklärt die moderne Wissenschaft, weshalb es so menschlich ist, nach Schönheit zu streben?
Am Ende werden wir vermutlich nicht eine, sondern viele Antworten haben...
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25.11.10 · 12:06 Uhr
Zu schön, um wahr zu sein
Kategorie: Kultur · Kommentare: 2
Ein bisschen eitel ist doch jeder Mensch irgendwo. Wir möchten so gut aussehen wie möglich und uns von unserer schönsten Seite präsentieren. Auf Fotos ist das heute kein Problem mehr: Dank digitaler Fotografie und diversen Bearbeitungsprogrammen kann man kleine Schönheitsfehler im Handumdrehen verschwinden lassen. Manchmal wird dem Aussehen aber auch derart nachgeholfen, dass es schon zu schön ist, um wahr zu sein ...
Es gab sicher kaum eine Zeit, wo man der "Natur" (zumindest auf Fotos oder Portraits) nicht ein wenig nachgeholfen hat und den ein oder anderen Makel versucht hätte zu kaschieren oder verschwinden zu lassen. Früher hat man das noch mit dem Pinsel erledigt, heute gibt es dafür Fotobearbeitungsprogramme.
Die Versuchung des schönen Gesichts
Als Joseph Nicéphore Nièpce etwa 1826 die erste Fotografie anfertigte, handelte es sich um den Blick aus dem Fenster seines Arbeitszimmers. Was die Darstellung von Personen betraf, so wurden diese auf den früheren Fotografien meist im "Ganzen" abgebildet. Wie William Ewing in seinem Artikel "The shock of photography" in 100.000 Years of Beauty schreibt, war es den Menschen damals vor allem wichtig, ihren sozialen Status darzustellen.
Nicht das Gesicht stand bei einer Fotografie im Vordergrund -es war meist auch so klein, dass man ein wahre Schönheit darauf gar nicht erkannt hätte- sondern die Kleidung, Gesten und die Darstellung von Anstand und Schicklichkeit. Allmählich begann man die Gesichter jedoch immer erkenntlicher und größer darzustellen und der Körper verschwand bald vollkommen. Die Versuchung, das nun im Mittelpunkt stehende Gesicht zu verändern (verschönern), wurde einfach zu groß und somit die Retusche zu einem immer wichtigeren Bestandteil im Fotogeschäft.Digitale Schönheit
Seit die digitale Bildbearbeitung in der Fotografie Einzug gehalten hat, ist die Nachbearbeitung von Bildern quasi Standard und wird nicht selten wohl auch etwas übertrieben. Irgendwie sind wir heute überall mit besonders schönen Menschen konfrontiert. Sie lächeln uns an in den Hochglanzmagazinen und von den Werbeplakaten - mit weißen Zähnen, blitzenden Augen, vollen Haaren, einer reinen und ebenmäßigen Haut, endlos langen und schlanken Beinen, schmalen Hüften und straffen Oberarmen. Eine so perfekte Schönheit, die man allein mit Sport und Cremes wohl kaum erreichen kann -und gute Gene sind sicher auch nicht bei jeder Frau/Mann im Spiel.
Mit Photoshop zur Traumfigur
Für die perfekten Zähne, einen flachen Bauch und die langen Beine sind jedoch längst keine aufwendigen Schönheitsbehandlungen oder Operationen mehr notwendig, denn dafür gibt es Fotobearbeitungsprogramme. Da kann man retuschieren, wegschneiden, wegradieren und zusammenziehen - Verschönerungsaktionen per Mausklick. Auf Plakaten und in Magazinen bekommen wir wohl kaum noch ein Foto zu Gesicht, was nicht eine gründliche Nachbearbeitung hinter sich hat. Ein netter Artikel erschien hierzu beispielsweise im Berliner Tagesspiegel.
Verhungern für ein unerreichbares Ideal
So manches Mädchen würde scheinbar jedoch viel dafür geben, um so auszusehen, wie die Magazin- und Laufstegschönheiten. Denn nicht selten hungern sich junge Frauen einem vermeidlichem Ideal entgegen, was im Grunde nie erreicht werden kann. Denn auch diese Superfrauen sind sozusagen nachgeschönt und wurden künstlich abgespeckt. Vor allem im Modebusiness sind Essstörungen an der Tagesordnung. Immer wieder wurde in den letzten Jahren über Fälle berichtet, wo Fotomodelle für ihr Ideal quasi verhungert sind.
Mit Schock-Kampagne gegen Größe Null
Der israelische Modefotograf Adi Barkan äußerte einem Zeitungsartikel:
„Für Modeaufnahmen sind besonders dünne Mädchen gefragt. Das Model wird gut ausgeleuchtet, den Rest machen wir dann später mit Photoshop. Oft werden die Frauen noch um 35 Prozent dünner gemacht, als sie ohnehin schon sind. Kein Mensch kann so in Wirklichkeit aussehen."
Adi Barkan hatte genug vom "Runterhungern" auf Konfektionsgröße Null: Mit seiner 2009 gestarteten Kampagne „She is dying to look like her" was etwa soviel heißt wie „Sie würde dafür sterben, um so auszusehen wie sie - und sie stirbt auch." Kämpfte er gegen den Magerwahn. Seine Agentur beschäftigt nur Models, mit einen Body-Mass-Index (BMI) der mindestens bei 19 liegt.
Zudem fordert Israel ein Photoshop-Gesetz: Fotos und Werbeplakate, die bearbeitet Models abbilden, sollen demnach künftig gekennzeichnet werden.
Quellen:
- Azoulay, E.: 100.000 Years of Beauty. Gallimard, Paris 2009
- Fuest, Anne: Die Geschichte der Fotografie von den Anfängen bis zur modernen Digitalfotografie. Grin Verlag, München 2008
Autor: Liane Vorwerk-Gundermann· 2 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (2)
Hier ist es nicht ganz so krass, aber es zeigt schön, was wohl mit fast jedem veröffentlichten Foto passiert:
http://www.youtube.com/watch?v=zh96FJCmb3M
Ich finde es ja immer schön anzusehen, wenn die Retusche schiefgegangen ist:
http://www.psdisasters.com/
(Am deutlichsten sind die TOP10 unten links in der Seitenleiste)