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"Was ist schön?" In diesem Blog machen wir uns auf die Suche nach einer Antwort auf diese Frage, die so alt ist wie die Menschheit.
Welche Schönheitsideale prägten die Antike? Wie verändern sich die Vorstellungen von dem, was als schön gilt? Gibt es Konstanten, die unser ästhetisches Urteil bestimmen? Und wie erklärt die moderne Wissenschaft, weshalb es so menschlich ist, nach Schönheit zu streben?
Am Ende werden wir vermutlich nicht eine, sondern viele Antworten haben...
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17.08.10 · 21:30 Uhr
Handicap Schönheit: Don't hate me because I'm beautiful
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 2
Genau vor einem Jahr wurde die New Yorker Bankerin Debralee Lorenzana entlassen. Doch nicht etwa wegen schlechter Leistungen, riskanter Geldgeschäfte oder dergleichen. Die 33-jährige wurde (nach eigenen Angaben) gefeuert, weil sie zu hübsch und sexy sei. Ihre Kollegen hätten sich angeblich beschwert, dass sie sich nicht mehr auf ihre Arbeit konzentrieren könnten.
Jetzt klagt die Finanzexpertin gegen ihre Entlassung (rechts der Screenshot der Nachricht bei villagevoice.com). Das ist sicherlich ein kurioser Einzelfall*, aber wie sieht es denn generell aus mit der Schönheit in Beruf und Arbeitsleben?
Wenn man einigen aktuellen Studien glauben darf, so muss man sich eigentlich wundern, wie Frau Lorenzana überhaupt ihre Stelle bekommen hat. Denn gutes Aussehen ist (entgegen anderslautenden Meldungen) keineswegs immer ein Vorteil, wenn es um die berufliche Karriere geht.
Zu dem Thema gibt es ja wirklich unzählige Studien und wir werden zu einem späteren Zeitpunkt sicher nochmal ausführlicher darauf zurückkommen, aber eines kann man jetzt bereits festhalten: das pauschale Vorurteil, dass schöne Menschen quasi automatisch im Rennen um Jobs und Positionen bevorzugt würden, trifft nicht zu.
Schönheit: Nicht immer ein Vorteil bei der Jobsuche
Belege liefern u.a. zwei aktuelle Studien. Besonders gutaussehende Frauen haben es nämlich in manchen Berufsfeldern ziemlich schwer. Das ist zumindest der Befund einer kleinen Studie aus den USA. Die Forscher der Universität von Colorado/Denver hatten den 60 Probanden verschiedene Photos von Jobinteressenten vorgelegt. Die Studienteilnehmer sollten einerseits die (physische) Attraktivität der Kandidaten bewerten und beurteilen für welche Berufsfelder sie geeignet erschienen.
Das Spektrum der Berufe (insgesamt über 20) reichte von Verkäuferjobs über Vollzugsbeamte bis zum Bankmanager oder Ingenieur. In einem zweiten Teil der Untersuchung sollten die angeblichen Jobsuchenden hinsichtlich der Eignung für vier Berufe eingeschätzt werden (Sekretär/in, Sozialarbeiter/in, Autoverkäufer/in und Justizvollzugsbeamter/in).
Das Ergebnis ist jetzt nicht so wahnsinnig überraschend und evtl. hätte man weniger "eindeutige" Berufe für die Studie auswählen können. Die Autoren stellen jedoch fest, dass physische Attraktivität für Frauen genau dann ein Vorteil ist, wenn es sich um "typisch" weibliche Jobs handelt. Wenn sie allerdings eher einem Männerstereotyp (dem klischeehaften Verständnis zufolge) entsprachen, dann hatten die hübschen Frauen das nachsehen.
Was lernen wir daraus? Dass wir schönen Menschen technische Berufe oder solche bei denen man ggf. körperlich zupacken muß, nicht zutrauen oder zumuten?
Bewerberauswahl: Keine Konkurrenten
Interessanter und auf einer breiteren Datenbasis beruhend ist eine andere Studie. Insgesamt 2600 Studenten sollten anhand von Porträtphotos über die Vergabe von Stipendien entscheiden. (Es gab jeweils 3 Männerporträts und 3 Frauenporträts zur Auswahl). Zuvor hatte man die Porträtphotos verschiedenen Attraktivitätsgruppen zugeordnet (die Zuordnung kam auf Grundlage der Bewertung von 1000 anderen Probanden zustande).
Gutes Aussehen ist nur dann ein Vorteil, wenn wir bei der Jobsuche von Angehörigen des anderen Geschlechts beurteilt werden.
Der bemerkenswerte Befund: wenn jeweils die gegengeschlechtlichen Kandidaten bewertet wurden (Männer sollten also über die Stipendien für Frauen, die Frauen sollten über Stipendien für Männer entscheiden), so war die Schönheit ein absoluter Vorteil. Fast die Hälfte der Stipendienplätze wurde an die "schönsten" Bewerber vergeben, an die "unattraktive" Gruppe ging nur knapp 1/5 der Stipendienplätze. Dieser Vorteil der Schönheit war dahin, wenn gleichgeschlechtliche Kandidaten beurteilt werden sollten. Wenn Männer über die Vergabe der Stipendien an Männer befinden, dann waren die Chancen der Gruppen gleich verteilt. Bei den Frauen hatten die hübschen Bewerberinnen sogar einen leichten Nachteil.
Im zweiten Teil der Studie wurde das Design nochmal entscheidend variiert. Jetzt sollten mehr als 600 Probanden in die Rolle eines Personalchefs schlüpfen. Diesem wurden Jobkandidaten mit Photo und Qualifikationsprofil vorgelegt (das Profil blieb identisch, die Photos variierten). Die Auswertung zeigte: Personalchefs, die selbst als ausgesprochen gutaussehend einzustufen waren, verteilten die Jobs ohne erkennbaren Bias.
Durchschnittlich attraktive Personalchefs benachteiligen besonders hübsche Bewerber.
Gehörten die Personalchefs aber zur Gruppe mit eher durchschnittlichem Aussehen, so bevorzugten sie beim anderen Geschlecht eindeutig die Schönen. Wenn aber (durchschnittlich attraktive) Männer über Jobs für andere Männer entscheiden sollten, so hatten die schönen Bewerber schlechtere Karten. Frauen beurteilten vermeintliche Konkurrentinnen noch negativer (nur ca. 11% der Jobs ging an die "hübschen" Frauen; es gab jeweils drei Gruppen, es wären also 33% erwartbar gewesen).
Klar ist (das zeigen beide Studien), dass das Aussehen einen enormen Einfluß auf die Auswahl der Bewerber hat. Und die zweite Studie (von Maria Agthe von der LMU München) macht deutlich, dass ein entscheidender Faktor das Aussehen der beurteilenden Person ist. Und einen tollen Titel hat die Studie, die vor wenigen Wochen im "Journal of Experimental Social Psychology" veröffentlicht wurde, übrigens auch: "Don't hate me because I'm beautiful". Hübsch, oder? ;-)
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* Im Zshg. mit der Entlassung der Bankerin Debralee Lorenzana ist anzumerken, dass es sich offenbar (wenn man diesen Schilderungen glaubt) um einen ziemlich klassischen Fall von Mobbing handelt. Über die Frage, ob ihr Aussehen und/oder ihr Kleidungsstil der einzige Grund dafür war, dass Frau Lorenzana zum Mobbingopfer wurde, lässt sich nur spekulieren.
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Studien:
- Stefanie K. Johnson, Kenneth E. Podratz, Robert L. Dipboye, Ellie Gibbons. Physical Attractiveness Biases in Ratings of Employment Suitability: Tracking Down the 'Beauty is Beastly' Effect. The Journal of Social Psychology, 2010; 150 (3): 301 DOI: 10.1080/00224540903365414
- Agthe, Maria / Spörrle, Matthias / Maner, Jon K.: Don't Hate Me Because I'm Beautiful: Anti-Attractiveness Bias in Organizational Evaluation and Decision Making. Journal of Experimental Social Psychology, 2010. doi:10.1016/j.jesp.2010.05.007
Links:
- Zu sexy für den Job, Süddeutsche Zeitung, 4.6.2010
| Marc Scheloske fragt sich, wie man es wohl anstellt, vor dem Bewerbungsgespräch an ein Photo des Personalchefs heranzukommen... |
Autor: Marc Scheloske· 2 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (2)
Schöner Artikel, und danke auch für die Änderung in der Profilbeschreibung links.
Wahrscheinlich ist der tatsächliche Prozess der Rekrutierung neuer Angestellter in großen Firmen aber komplexer, so dass diesem Bias real keine allzu große Bedeutung beigemessen werden kann.
Aber es ist gut, sich dessen bewusst zu sein.
Hier findet sich übrigens die Hintergrundstory des Journalisten, der die Bankergeschichte geschrieben hat:
http://www.cjr.org/behind_the_news/watching_my_story_go_viral_in.php