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24.12.11 · 06:30 Uhr
Spanien schafft das Wissenschaftsministerium ab!
Kategorie: Naturwissenschaften·Politik · Kommentare: 21
Kurz vor Weihnachten gibt es noch einmal ein etwas wenig besinnliches Thema. Es geht um Politik... Politiker sparen ja gerne mal bei Universitäten und Forschung. Dass aber gleich das komplette Wissenschaftsministerium abgeschafft wird, kommt nicht so oft vor. In Spanien ist das leider gerade passiert. Christina arbeitet als Wissenschaftlerin in Spanien und hat einen Gastbeitrag über dies absurde politische Entscheidung geschrieben:
Manche Dinge sollte man nicht 2 Tage vor Weihnachten tun. Die Organisation eines gesamten Landes auf den Kopf zu stellen ist eines davon. Dabei auch noch einige zehntausend Leute vor eine ungewissen Zukunft zu stellen sollte man noch weniger tun - 2 Tage vor Weihnachten! Aber genau das ist passiert, im derzeit auch nicht so sonnigen Spanien. Die Menschen mit einer ungewissen Zukunft sind wir, die Wissenschaftler in Spanien.
Bevor ich weiter erzähle, möchte ich mich kurz vorstellen: Ich bin Deutsche, arbeite aber derzeit als Astronom/in und Postdoc am Instituto de Astrofisica de Andalucia (IAA) in Granada, Spanien. Und mit noch mindestens 2 Jahren Vertrag in der Tasche kann mich die Politik dieses Landes nicht ganz kalt lassen.
Spanien hat eine neue Regierung. Seit vorgestern früh. Den neuen Präsidenten, Mariano Rajoy, kannten wir schon eine Weile, genau genommen seit den Parlamentswahlen am 20. November. Den Rest nicht und was sonst noch kam, auch nicht. Rajoy fackelte nicht lange, er machte einfach Nägel mit Köpfen. Keine Gerüchte, keine langen Verhandlungen, als Mehrheitsregierung muss man das ja auch nicht.
Und so wurde am Morgen des 22. Dezembers ein BOE (boletin oficial del estado), auf Deutsch "Amtsblatt", veröffentlicht, das die neuen Ministerien und ihre Unterressorts auflistete. Kurz darauf gab es eine 1.5 minütige Pressekonferenz, in der die Minister nominiert wurden und nach der keine Fragen erlaubt waren, und um 12:00 wurde bereits die neue Regierung vereidigt. Die FAZ nannte das "Durchregieren", man könnte es aber auch als Schlag gegen die Demokratie bezeichnen. Die spanische Verfassung erlaubt ein solches Vorgehen, andere Regierungschefs haben das aber normalerweise offener gestaltet. Aber das war gestern. Heute gibt es nur noch "la crisis", die so ziemlich alles rechtfertigt. Leider.
Aber erst einmal zu besagtem BOE. Als ich so gegen 10.00 aufstand und nichtsahnend meine emails abfragte, fiel mir da eine email an user-all auf mit dem Titel "Pasamos a depender del MINISTERIO DE ECONOMIA Y COMPETITIVIDAD" (Wir gehen dazu über, vom Ministerium für Wirtschaft und Wettbewerb abzuhängen). Hä..??
Im Anhang befand sich dieses unsägliche BOE. Mein Spanisch ist nicht das beste, aber irgendwie gingen plötzlich die Alarmglocken los. Neue Ministerien?? Wo.. äh... *guck* *les* ... wo... *scroll*... ja wo kommt denn hier irgendwo das Wort "Wissenschaft" oder "Forschung" vor?? Wie, MICINN (Ministerium für Wissenschaft und Innovation) wurde aufgelöst?? Im WIRTSCHAFTSMINISTERIUM aufgegangen?!?? Das ist aber jetzt ein schlechter Scherz oder..?? Und sehr schnell wurde mir klar, das verheisst nichts Gutes...
Ein grosses Land wie Spanien schafft einfach das Wissenschaftsministerium ab! Von heute auf morgen! Dass Andorra kein eigenes Ministerium dafür hat, versteht man ja noch, aber Spanien? Es kommt noch schlimmer: Wissenschaft und Forschung ist jetzt eines von 3 Unterressorts des "Ministeriums für Wirtschaft und Wettbewerb". Und selbiges wird von einem hard-core Ökonomen und Anhänger des Wirtschaftsliberalismus geleitet. Was solche Leute gemeinhin von Grundlagenforschung, also beispielsweise so "unnützen" Dingen wie Astronomie, halten, ist wohl bekannt.
Forschung an sich hat in Spanien keinen hohen Stand, die Argumentationskette Forschung = neue Innovationen = Wirtschaftswachstum existiert in den Köpfen der wenigsten. Es gibt auch praktisch keine Forschung in der Privatwirtschaft. Erfindungen? Sollen doch die anderen machen ( ¡Que inventen ellos! ). Wer jetzt auch noch anfangen würde davon zu sprechen, dass Wissenschaft nicht unbedingt einen Zweck haben muss, zu Erfindungen führen muss, dass wir Wissenschaft aus reiner Neugier betreiben, wir als Spezies Mensch, um zu verstehen, wie die Welt funktioniert, der würde erst recht ausgelacht.
Der Wissenschaft in Spanien geht es schon eine Weile nicht gut. Nach einer sehr kurzen Blüte zwischen ab 2004 befindet sich die Forschungsfinanzierung seit "la crisis" in freiem Fall. Schon 2010 wurden wegen "la crisis" die schon vorher nicht üppigen Gehälter ("Hungerlohn" ist die bessere Bezeichnung) einfach mal um 12% gekürzt. Es gibt praktisch keine neuen festen Stellen mehr, dieses Jahr gab es genau EINE in Astronomie in CSIC (sowas wie die Max-Planck Gesellschaft, nur schlechter). Ausserdem wurde im Wissenschaftsresort wegen - genau! la crisis! - auch sonst an allen Ecken und Enden gekürzt, alleine CSIC bekam 2010 30% weniger Geld. 30%!
Die alte Regierung hat im März schliesslich ein neues Gesetzespaket verabschiedet. Gerüchte darüber waren schon länger im Raum und die vorhergehenden Entwicklungen verhiessen nichts gutes. So entschlossen sich eine Handvoll Leute eine Petition an das Ministerium zu schicken. Eine Internetplattform wurde erstellt und Unterschriftenlisten an den Instituten verteilt, die Plattform gab sich den Namen "Investigacion Digna" (würdige Forschung).
Manche fanden die Aktion toll, die meisten meinten es würde eh nichts nützen und manche haben sie sogar beschimpft. Trotzdem hatten am Ende 2500 Wissenschaftler unterschrieben. Mit einer Liste von Forderungen und 2500 Unterschriften in der Hand gingen sie ins Ministerium - und wurden erst einmal gefragt welche Partei sie denn geschickt hätte. Wissenschaftler? Ach, wer sind die denn? Noch so eine Lobby von Gemüsebauern??
Die Medien waren auf ihrer Seite. Sie wurden gehört, zu Diskussionen eingeladen und verfolgten die Entstehung des neuen Gesetzes. Am Ende wurde nicht viel von den ursprünglichen Forderungen umgesetzt, ausser den ordentlichen Arbeitsverträgen von Doktoranden und eine schwammige Zusicherung einer festen Stelle nach 5 Jahren befristetem Vertrag. Das Gesetz liegt bis heute verabschiedet, aber unangetastet in der Schublade, vorgezogene Neuwahlen kamen dazwischen.
Nach dem Wahlergebnis im November war Investigacion Digna schon wieder dabei eine neue Petition zu schreiben und an die künftige Regierung heranzutreten. Nun hat uns die Abschaffung des Wortes "Wissenschaft" in der Regierung mehr als kalt erwischt.
Danach konnte auch ich nicht mehr länger zusehen. Und so bin ich seit vorgestern aktives Mitglied dieser Plattform (eine von 6). Überall versuche ich Leute auf die Entwicklungen in Spanien aufmerksam zu machen, facebook, Medien, Freunde, Mailinglisten - und auch dieser blog (danke Florian!). Und wurde dafür schon wüst beschimpft, nicht in Deutschland, von meinen eigenen Kollegen in Granada! Als Ausländerin hätte ich ja gar nichts zu melden. Auch in Spanien selbst ist es nicht einfach, erst nach einigen Stunden kamen die ersten Artikel auf den Internetseiten der nationalen Medien - teilweise von uns selbst initiiert - über das verschwundene Ministerium.
Was wird jetzt aus uns? Wir hoffen das beste und befürchten das schlimmste. Wird es neue Stellen geben im nächsten Jahr, neue fellowships, feste Stellen, Beförderungen..? Wird das neue Gesetz umgesetzt, das zumindest auf dem Papier ein paar Verbesserungen verspricht? Was passiert mit all den Projekten an dem ein Grossteil der Finanzierung hängt? Wird es in naher Zukunft noch so "überflüssige Wissenschaft" wie Astronomie geben? Wir wissen es nicht.
Manche Dinge macht man nicht 2 Tage vor Weihnachten. Das Wissenschaftsministerium abschaffen ist eines davon. Vielleicht sollte Weihnachten dieses Jahr nicht zu besinnlich werden, denn sinnieren über die Zukunft will gerade niemand.
P.S. Bei Abschicken dieses Textes war noch nicht bekannt, wer Staatssekretär für das Ressort Innovation und Forschung werden soll, für einige andere Ressorts ist dies schon bekannt. Schliessen wir besser mal nicht davon auf die Prioritätenliste der Regierung...
Autor: Florian Freistetter· 21 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (21)
Wow - da ist man sprachlos...
Vielen Dank für die Hintergründe, und es hätte sicherlich sinnigere Sparmöglichkeiten gegeben. Das klingt ausnehmend mies ... Sparen am falschen Ende nennt man das m. E. und ich finde schon, dass man in D so einiges falsch macht, was Forschung angeht ... Trotzdem schöne Weihnachten, Christina.
TINA, die Spanier haben eben "über ihre Verhältnisse gelebt", würde unsere Kanzlerette sagen, sie müssen "den Gürtel engerschnallen".
Was machen eigentlich die Indignados?
http://de.wikipedia.org/wiki/Proteste_in_Spanien_2011
Die Abschaffung eines Ministeriums bedeutet ja nicht direkt die Kürzung der Ausgaben (ist aber im Falle Spaniens leider zu befürchten). Deutschland hat ja auch kein Wissenschaftsministerium...
Das ist eine traurige Nachricht... und das vor Weihnachten.
Nicht nur das die Regierung das Ministerium auflöst, sondern das dann einige Wissenschaftler sich wegen Cristina's Herkunft empören.
Ich wünsche Cristina viel Glück.
@AndreasA:
Also 1. hat Deutschland ein Ministerium für "Bildung und Forschung" (Forschung oder Wissenschaft ist jetzt nur ein Unterschied in der Wortwahl, die Spanier haben das auch mehrmals geändert über die Geschichte). Was ich noch vergessen hatte zu erwähnen, Spanien hat ein Ministerium für Bildung, Kultur und Sport, darin sind jetzt die Universitäten untergebracht, aber eben nicht die Forschung. Hier sieht man auch wieder die Prioritäten der Spanier: das Wort "Sport" kommt in einem Ministerium vor (in D ist das im Innenministerium untergebracht), irgendwas mit Forschung und Wissenschaft aber nicht.
2. Natürlich heisst das nicht automatisch Kürzungen. Leider war schon vor der neuen Regierung von Kürzungen die Rede und dass sich jetzt alles zum Guten wenden sollte, wo wir ein unwichtiges Unterressort im Wirtschaftsministerium sind, ist eher unwahrscheinlich. Bisher wurde auch weder aus Regierungskreisen noch vom Minister selbst (Luis de Guindos) irgendwas über die Zukunft der Forschung gesagt, oder irgendwelche Pläne, man hat ja wichtigeres zu tun (das Wirtschaftsministerium ist eines der neuen "grossen" Ministerien, ja auch klar, Wirtschaftskrise und so)... Es war eher so, dass wir sehr laut "hallo! uns gibts auch noch!!!" schreien mussten, ansonsten wären wir auch von den Medien glatt vergessen worden.
@SchmidtsKatze:
Das ist mal wieder die typische Einstellung hierzulande, oder soll ich die Anführungszeichen als Ironie deuten? Spanien hat nicht wirklich über seine Verhältnisse gelebt und sicher nicht in der Forschung. Gerade mal ein Jahr war Spanien auf dem Niveau der Forschungsausgaben in Europa, 1.8%, davor und bestimmt jetzt sind wir da weit darunter. Wenn ich mir unser eigenes Institut so ansehe, hat da bestimmt auch niemand Geld zum Fenster rausgeworfen, der alte Teil davon wurde seit vielen Jahren nicht mal geweisselt, der Boden besteht aus bemaltem Estrich, auf einen Tisch muss man ein halbes Jahr warten und als die Direktorin heuer beschlossen hat ein paar Sets Terrassentische und -stühle im Angebot zu besorgen weil mind. 50% der Leute im Büro kein Tageslicht haben, gab es einen riesen Aufschrei. La crisis!! Es mag andere Institute geben, denen es besser geht, bei uns ist definitiv kein Raum mehr zum Sparen.
Spanien ist auch nicht in die Krise geschlittert weil es über seine Verhältnisse gelebt hat. In Spanien gab es einen Bauboom (die Spuren davon sieht man heute noch), eine richtige Blase. Und den Leuten wurde erzählt, ein Haus verliert ja nie an Wert. Die Leute kauften die unmöglichsten Häuser zu den unmöglichsten Preisen an den unmöglichsten Orten. Die Kredite kamen - genau - von den Banken. Die Blase platzte mit der Wirtschaftskrise (kein Wunder wenn man jahreland 3x mehr Häuser produziert als gebraucht wird). Den Rest kann sich jeder selbst ausmalen.
Jetzt stehen hunderttausende von Häusern leer, deren Kredit aber auch noch abgezahlt werden muss (ich wohne in einem solchen das man nicht mehr verkaufen konnte, macht wenigstens die Miete billig), die Baubranche kollabierte, die leider in Spanien ein grosser Wirtschaftsfaktor war, viele Leute arbeitslos. Staatsausgaben steigen, Banken gehen pleite, und zieht den Rest mit hinunter. All das hat natürlich auch mit Misswirtschaft in der Regierung zu tun und mit Unfähigkeit. Und ein bisschen auch mit Korruption, die darf man in Spanien nicht unterschätzen (ein Bürgermeister ist noch nie arm nach Hause gegangen und seine Freunde auch nicht...).
Einige sollten sich bevor etwas sagen, mit Volkswirtschaft beschäftigen. Das ist ja fürchterlich!
Hab ich leider vergessen zu linken (Florian, kannst ja noch machen und dann den Kommentar hier löschen): Link zur Investigacion digna Plattform:
http://www.investigaciondigna.es/indexenglish.html
Da ist auch der Brief an die Regierung und einige nette Zahlen.
Danke für den Artikel! Wie überall in Europa dramatisch wie nicht verstanden wird, dass Sparen in der Wissenschaft langfristig der größte Schwachsinn überhaupt ist (auch personelles Sparen).
Bei Nature klingt das aber etwas weniger dramatisch oder zumindest relativierend; nur auf das Ministerium bezogen:
So hatte Spanien bis 2000 kein Wissenschaftsministerium & auch zwischen 2004-08 keines.
Wieso wurde es mit d Wirtschaftskinisterium zusammengelegt & nicht wie davor schon mit dem Bildungsministerium? Das ist tatsächlich eine zusätzliche Farce.
Vielleicht wäre es im Sinne der EU Wissenschaft irgendwo zu verankern um konkurrenzfähig zu bleiben? Nur mit Finanzspekzlationen und Rohstoffen macht auch Weltwirtschaft keinen Spaß.
"oder soll ich die Anführungszeichen als Ironie deuten?"
Ja, sollst du.
Und TINA heißt There Is No Alternative, bevor hier auch noch Missverständnisse auftauchen.
Wenn die Spanier keine ausgeürägte Forschung haben, dann ist das gut für Deutschland, denn WIR können dann in dieses primitive Land UNSERE Hochtechnologie exportieren :)
... oder die Chinesen :(
Also, so tragisch ist das nicht.
Beispiel aus meinem Bundesland: Früher hatten wir ein Bildungsministerium (für allgemeinbildende Schulen zuständig) und ein Kultusminiterium (u.a. für die Hochschulen und damit für die Forschung zuständig). Irgendwann wurden die beiden Ministerien zusammengelegt zum Bildungsministerium.
Als dann der Staatssekretär - ein Hochschulexperte - aus dem Bildungsministerium in das Wirtschaftsminsiterium gewechselt ist, hat er dann die Hochschulen quasi "mitgenommen", seitdem haben wir ein Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr. Da ändern sich nur die Namen und die Kopfzahlen der Mitarbeiter der Ministerien (und damit die Wichtigkeit), aber im eigentlichen Arbeitsbereich ändert sich nichts.
Also keine Aufregung....
@Dr. Moegebier:
1. Kein wirklich hilfreicher Kommentar, da ohne Substanz.
2. Auch kurze Sätze sollten vollständig sein ("Einige sollten sich bevor etwas sagen, mit Volkswirtschaft beschäftigen.").
3. Wer's besser weis, sollte nicht meckern, sondern für Klarheit und Aufklärung sorgen.
"denn WIR können dann in dieses primitive Land UNSERE Hochtechnologie exportieren :)
... oder die Chinesen :("
Ja, das haben wir die letzten Jahre gemacht.
Und jetzt merken wir, daß die nicht bezahlen können.
Haha, war alles auf Kredit!
Kennst du den Begriff "Aussenwirtschaftliches Gleichgewicht"?
Die entscheidende Frage scheint mir zu sein, mit welchen Kürzungen im Forschungsbudget eine derartige Umstrukturierung einhergeht - die Zusammenlegung des Wissenschafts- mit dem Wirtschaftsressort an sich halte ich für weniger gefährlich. Hier in Sachsen-Anhalt wurde beispielsweise der Wissenschaftsbereich nach der vergangenen Landtagswahl dem Wirtschaftsministerium zugeschlagen - und bislang gab es mit dieser neuen Aufteilung keine nennenswerten Probleme. Die für Wirtschaft und Wissenschaft zuständige Ministerin ist eine ehemalige Hochschulprofessorin unter anderem mit Harvard-Background und zehn Jahren Lehrerfahrung, die im Ministerranking des Deutschen Hochschul-Verbands dieses Jahr den ersten Platz belegt und das Forschungsbudget unseres Bundeslandes ab 2013 gerade vor drei Tagen nochmal um 8 Millionen Euro erhöht hat. Vor diesem Hintergrund halte ich eine Zusammenlegung von Ressorts (auch aus Sparzwängen, die ja in Spanien durchaus noch stärker gegeben sind als hier) für nicht unbedingt fatal - es kommt eben darauf an, wer eine solche Zusammenlegung wie und mit welchem Budget umsetzt...
Also ich muss hier der Christina wiedersprechen. Echte hardcore Ökonomen und Wirtschaftsliberale halten sehr viel von Wissenschaft und Forschung, auch der Grundlagenforschung. Denn Wirtschaftsliberale und zu denen zähle ich mich auch wissen, dass unser heutiges Wirtschaftswachstum fast ausschließlich auf den technisschen Fortschritt zurückzuführen ist.
Ansonsten ist das natürlich eine Frechheit, denn Forschung muss auch unabhängig von der Wirtschaft gemacht werden.
An alle, die meinen es sei ja nicht so schlimm mit der Zusammenlegung: Wenn das richtig gemacht wird, geb ich euch recht, kann es funktionieren. Dass einzelne Bundesländer so etwas tun, ist auch verständlich, man braucht ja nicht unzählige Ministerien. Aber wenn das eines der grössten Länder der EU tut, noch dazu nachdem zuvor schon radikal gekürzt wurde, ist das besorgniserregend.
Leider wissen wir noch immer nicht wer Staatssekretär wird, da lässt uns die neue Regierung über die Feiertage einfach in der Luft hängen (und ich erwarte da auch nichts vor Dreikönig). Das kann jemand qualifizierter aus der Forschung sein, oder wieder einer dieser Berufspolitiker, es wird wohl eher letzterer. In Spanien sind ja auch schon Forschungsinstitute von Leuten geleitet wurden, die gar keine Forscher waren.
@doublemouth:
Mag sein, aber nachdem, wie ich geschrieben habe, in Spanien generell die Bedeutung von Forschung nicht in den Köpfen der Leute ist, wird da auch ein Wirtschaftler (hatte ich noch vergessen zu erwähnen: selbiger war Manager von Lehman Brothers Spanien/Portugal als die kollabierten) nicht plötzlich die Partei ergreifen für die Forschung. Bisher hat er ja auch null verlauten lassen.
Wenn ich mir die amerikanischen Liberal-Konservativen (und de Guindos steht in deren Tradition) so ansehe, die möglichst wenig Eingreifen des Staates wollen und am liebsten Sozialsysteme, Steuern, u.ä. komplett abschaffen würden, so toll ist das für die Forschung nicht. Forschung wird dann nicht mehr als Aufgabe des Staates gesehen, sondern der Wirtschaft. Und was aus Forschung wird, die nur noch von der Wirtschaft gefördert wird, weiss man (z.B. Medizinforschung von Pharmakonzernen finanziert, etc.). Wissenschaft muss Aufgabe des Staates bleiben, zumindest die Grundlagenforschung! Und ein System aus Stiftungen, wie es in Amerika gibt, die ganze Einrichtungen finanzieren (z.B. die Keck Teleskope auf Hawaii, den Sloan Digital Sky Survey, SETI u.ä.) wird es in Europa und speziell in Spanien nie geben. So reich ist hier niemand und die Kultur dazu existiert auch nicht.
Ach ja, weil wir ja in "la crisis" sind und sonst nichts zu tun haben, wird als erstes gerade über die Reform des Abtreibungsgesetztes diskutiert. Und mit "Reform" ist da "Rückschritt" gemeint. Die Konservativen sind an der Regierung (PP ist sowas wie die CDU und die amerikanischen Republikaner zusammen, nur dass deren Oberhaupt keine Physikerin ist, sondern ein Jurist aus besserem Hause in Galizien, der ausserdem auch noch furchtbar nuSCHelt). Ja, so löst man die Probleme eines Landes in der Wirtschaftskrise. Dafür sind viele Dinge verantwortlich, nur die Abtreibungsgesetze sind es sicher nicht!
Das disqualifiziert ja eher, ich zitiere: "im Ministerranking des Deutschen Hochschul-Verbands dieses Jahr den ersten Platz belegt"
Ne, damit will ich nichts zu tun haben......
Blöd. Hat man dagegen mal okkupiert?
Hallo an alle, die gelegentlich noch in dem Artikel hier vorbeischauen.
Es gibt ein - wie zu erwarten - unerfreuliches Update. Die spanische Regierung hat mal wieder regiert, 1 Tag vor Neujahr, und heraus kam das:
1. Wir haben endlich eine Staatssekretärin für Wissenschaft und Entwicklung: Carmen Vela, Biotechnologin. Wenigstens eine Wissenschaftlerin, aber eben leider Bio und Technologie (beides ja auch sehr gefördert von der Wirtschaft, das is eben was anderes als Astronomie)
nur 2. Hat sie ein Ressort bekommen, das gleich mal um 600 Millionen Euro gekürzt wurde. So ganz klar sind die Zahlen nocht nicht, aber es sind wohl dann 30% weniger als die Wissenschaft 2009 bekam, das war bevor die Kürzungen losgingen. Damals waren wir aber noch Teil eines anderen Ministeriums, ist also nicht so ganz einfach mit der Rechnerei. Und wie jemand sarkastisch meinte, endlich werden wir mal ernstgenommen im neuen Wirtschaftsministerium, wir bekommen nämlich ganze 54% der Kürzungen, wir alleine!
Und als nette Dreingabe obendrauf hat Rajoy entgegen seiner Behauptungen noch vor ein paar Tagen einfach mal eine Steuererhöhung beschlossen. Von meinem Putzfrauengehalt darf ich jetzt dann auch noch so 200€ pro Jahr mehr Steuern zahlen.
Ich hoffe, ihr alle hier habt ein schöneres Neues Jahr. Mir ist irgendwie gar nicht nach feiern :(
Der Sparwahn in Spanien geht weiter und wird das Bildungssystem ebenfalls erodieren:
"Spanien will weitere 10 Milliarden Euro bei Bildung und Gesundheit sparen"
http://www.heise.de/tp/blogs/8/151770