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22.11.11 · 15:39 Uhr
Wenn die rote Sonne über dem Eisplaneten untergeht...
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 29
Wenn die rote Sonne über dem Eisplaneten untergeht, dann sehen ihr dabei vielleicht ein paar Lebewesen zu. Nein, nicht wir Menschen. Auf der Erde ist es zwar manchmal etwas kalt, aber abgesehen von den Polen ist ihre Oberfläche nicht dauerhaft mit Schnee und Eis bedeckt. Und unsere Sonne ist ein gelber Stern und nur manchmal aufgrund atmosphärischer Effekte etwas rot. Es geht um außerirdisches Leben. Es geht um die Frage, wo man es theoretisch finden könnte. Wir sind ja bei der Suche nach extraterrestrischen Leben in einer schwierigen Situation. Wir kennen nur das Leben auf der Erde. Wir wissen nicht, ob es auch noch andere Formen von Leben geben kann, dass sich unter anderen Bedingungen entwickelt. Deswegen ist eine wissenschaftliche Suche danach momentan auch nicht zielführend. Wir wüssten ja nicht, was wir suchen sollen und wie wir es erkennen, sollten wir es gefunden haben. Wir müssen uns also auf erdähnliches Leben konzentrieren und suchen deshalb im All auch nach erdähnlichen Planeten. Im Idealfall umkreisen sie einen sonnenähnlichen Stern. Aber Sterne gibt es in vielen verschiedenen Arten. 80 Prozent aller Sterne sind sogenannte Rote Zwerge. Sie sind kleiner als die Sonne, kühler und leuchten daher rötlich anstatt gelblich-weiß. Auf Planeten, die sie umkreisen, ist Leben kaum möglich. Dachte man zumindest bis jetzt...
Manoj Joshi von der University of Reading in Großbritannien und Robert M. Haberle vom NASA Ames Research Centre haben sich die Sache mit den M-Sternen noch einmal genauer angesehen. Ihre Ergebnisse werden demnächst in der Fachzeitschrift "Astrobiology" unter dem Titel "Suppression of the water ice and snow albedo feedback on planets orbiting red dwarf stars and the subsequent widening of the habitable zone" veröffentlicht werden. Sie haben die Ausdehnung der habitablen Zone um Rote Zwerge unter neuen Gesichtspunkten berechnet. Mit der "habitablen Zone" bezeichnet man den Bereich um einen Stern, in dem die Temperatur genau passend ist, um auf der Oberfläche eines Planeten Wasser in flüssiger Form vorfinden zu können. Leben wie wir es kennen, kommt ohne flüssiges Wasser nicht aus und daher ist es von Vorteil, wenn ein Planet in der habitablen Zone liegt, wenn sich auf ihm Leben entwickeln soll. Bei uns im Sonnensystem erstreckt sich die habitable Zone etwa von der Bahn der Venus bis zur Bahn des Mars. Die Erde liegt genau in der Mitte. Bei heißeren Sternen findet sich die habitable Zone weiter außen, bei kühleren rückt sie näher an den Stern. Rote Zwerge sind kühl. Im Gegensatz zu den knapp 6000 Grad, die es auf der Sonnenoberfläche hat, sind es bei M-Zwergen nur 3000 bis 4000 Grad. Ein Planet, der genug Wärme abbekommen will, muss also dicht an ihn heran rücken. Das ist aus zwei Gründen problematisch.
Der erste sind die Gezeiten. Der Mond verursacht Gezeiten auf der Erde. Die viel schwerere Erde verursacht aber natürlich auch - viel stärkere - Gezeiten auf dem Mond! Das geht auch, wenn dort kein Wasser ist. Die Gezeitenkraft wirkt sich immer auf den ganzen Himmelskörper aus. Das Wasser lässt sich nur leichter bewegen und deswegen sind die Flutberge dort leichter zu erkennen. Aber die Gezeiten heben auch den Boden unter unseren Füssen, wenn auch nur minimal. Die Gezeiten erzeugen auch
Gezeitenreibung. Die Flutberge bremsen die Rotation des Himmelskörpers. Das hat im Laufe der Jahrmillionen dazu geführt, dass uns der Mond immer die selbe Seite zuwendet. Die Rotation um seine eigene Achse wurde solange gebremst, bis sie genauso lange dauert wie ein Umlauf um die Erde. Erst dann bremst die Gezeitenreibung ihn nicht mehr. In ferner Zukunft wird der Mond auch die Erde soweit gebremst haben, dass man - vom Mond aus gesehen - immer die selbe Seite sieht. So etwas nennt man "gebundene Rotation" und es existiert auch bei extrasolaren Planeten. Auf der Erde übt nicht nur der Mond Gezeitenkräfte aus, sondern auch die Sonne. Und genauso wird ein extrasolarer Planet von den Gezeitenkräften des Sterns beeinflusst, den er umkreist. Ist er ihm sehr nahe, dann sind die sehr stark und die Gezeitenreibung hat ihn so weit abgebremst, dass er dem Stern immer die gleiche Seite zuwendet. Eine Hälfte des Planeten wird also ständig beleuchtet während auf der anderen ewige Nacht herrscht. Und da Planeten sehr nahe an Rote Zwerge rücken müssen, wenn sie es ausreichend warm haben wollen, ist die Chance gut, dass auch sie in ihrer Rotation an ihn gebunden sind und keinen normalen Tag-und-Nacht-Zyklus haben. Auch solchen Planeten kann sich vermutlich kein Klima entwickeln, dass der Entstehung von Leben förderlich ist.
Der zweite Grund ist die Aktivität des Sterns. Die Sonnenaktivität tut uns auf der Erde normalerweise nicht viel. Ab und zu schleudert die Sonne ein wenig Plasma ins Weltall. Aber da wir weit genug entfernt sind, trifft es uns selten und wenn, dann schützen uns Magnetfeld und Atmosphäre davor. Ein Planet, der sich dicht an einem Roten Zwerg befindet, hat es da weniger gemütlich. Er leidet wesentlich öfter und schwerer unter der Aktivität seines Sterns. Der Entstehung von Leben ist das auch nicht sonderlich zuträglich.
Aus diesen beiden Gründen hat man die Roten Zwerge bis jetzt eher nicht als Top-Kandidaten für die Suche nach Leben angesehen. Das ist schade, denn wie schon gesagt, gibt es von ihnen sehr viele. Sie stellen die Mehrheit der Sterne und sie leben enorm lange. Sie können einige Billionen Jahre alt und werden und die meisten der Roten Zwerge, die bisher im Universum entstanden sind, existieren heute noch immer. Joshi und Haberle haben nun herausgefunden, dass es dort vielleicht doch noch gute Möglichkeiten für habitable Planeten gibt. Die Frage nach der Habitabilität eines Planeten ist äußerst komplex. Es reicht nicht einfach nur, die Strahlung des Sterns zu berücksichtigen, auch viele andere Faktoren spielen eine Rolle. Zum Beispiel die Beschaffenheit der Oberfläche des Planeten. Ein hypothetischer Eisplanet wäre komplett mit Schnee bedeckt und würde alle Strahlung des Sterns ins All reflektieren. Er könnte sich also nicht mehr aufheizen, die Temperaturen blieben kalt und das Eis würde nicht schmelzen (vermutlich hat die Erde in ihrer Vergangenheit so eine Phase durchgemacht). Die Rückstrahlfähigkeit eines Himmelskörpers bezeichnet man als Albedo und Joshi und Haberle haben sie für spezielle Bedingungen berechnet. Ein Roter Zwerg strahlt viel stärker im langwelligen infraroten (für uns unsichtbaren) Bereich des Spektrums als es die Sonne tut. Die Albedo von Eis und Schnee hängt aber von der Wellenlänge des Lichts ab. Da wo sichtbares Licht hauptsächlich reflektiert wird, wird Infrarotstrahlung sehr viel stärker absorbiert. Es wäre auf dem Planeten als wärmer. Eine korrekte Berechung der habitablen Zone muss diesen Effekt berücksichtigen und das war bisher nicht der Fall.
Bezieht man die stärkere Absorption der Infrarotstrahlung bei Planeten mit teilweise vereisten Oberflächen mit ein, dann zeigt sich, dass sich die habitable Zone weiter nach außen erstreckt, als man bisher dachte. Je nach Grad und Art der Vereisung des Planeten reicht die habitable Zone nun bis zu 30 Prozent weiter nach außen als in den alten Modellen. Dort besteht kaum mehr Gefahr durch die Aktivität des Sterns und auch die gebundene Rotation spielt keine Rolle mehr. Die Bedingungen für Leben könnten also bei Roten Zwergen wesentlich besser sein, als man bisher dachte. Aber die Aliens sollten sich besser warm anziehen ;)
M. Joshi, & R. Haberle (2011). Suppression of the water ice and snow albedo feedback on planets
orbiting red dwarf stars and the subsequent widening of the habitable zone Astrobiology arXiv: 1110.4525v2
Autor: Florian Freistetter· 29 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (29)
@ FF:
Ich nehme an, das sollte eher "kommt ohne flüssiges Wasser nicht aus" heissen.
@Florian
Flüssiges Wasser kann es auch außerhalb der habitablen Zone geben, siehe z.B. Europa oder Enceladus. Was es für flüssiges Wasser braucht, ist eine Wärmequelle und der richtige Druck, der von einer Atmosphäre oder auch einer Eisschicht geliefert werden kann. Als Wärmequelle könnte auch die innere Wärme eines noch nicht komplett ausgekühlten Planeten in Frage kommen, oder eben Gezeitenwärme wie bei Europa oder Enceladus.
Ein zugefrorener Wasserplanet oder Bakterien im feuchten Gestein sind vielleicht nicht gerade das, was wir uns bei dem Gedanken an Außerirdische vorstellen, aber falls wir mal Bakterien auf Europa nachweisen sollten (man sollte mal eine Probe des z.T. rötlich gefärbten Eises zur Erde bringen), dann wäre das ein riesiger Wissensschritt. Vielleicht findet ja auch der Marsrover Curiosity nächstes Jahr die Überreste früheren Lebens auf dem roten Planeten. Für die Suche nach von Leben veränderten Isotopen ist er jedenfalls ausgestattet.
@noch´n Flo:
Im Artikel ist aber auch noch ein Wort zuviel, komm such mal. ;)
Die werden echt Billionen Jahre alt?
Oder sind das wieder mal die US-Billionen, also unsere Milliarden?
@Alderamin: Hab den Satz mal etwas umformuliert, der war etwas zu ausschließend installiert.
@ FF:
Im Satz steckt aber immer noch ein Fehler...
@Uli:
Billionen ist schon richtig.
Oha, man lernt nie aus... wusste gar nicht, daß das Universum sooo alt ist. Wurde das Alter nicht immer in Milliarden Jahren angegeben??
@Uli:
Das Universum ist ja auch erst ca 13,7 Milliarden Jahre alt, aber die roten Zwerge können halt Billionen Jahrec alt werden.
hab diese frage bereits im anderen blog eintrag gestellt - ist hier aber vlt. passender:
angenommen man findet jede menge planeten wo das leben möglich wäre, wie bestätigt man es dann aber definitiv?
@anfänger: "angenommen man findet jede menge planeten wo das leben möglich wäre, wie bestätigt man es dann aber definitiv? "
Da hab ich hier mal was dazu geschrieben_: http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2011/03/wie-man-leben-auf-extrasolaren-planeten-entdeckt.php
Kommunikation.
Boah, Billionen Jahre. Bis die durch sind ist das Universum an sich wahrscheinlich schon erkaltet. :-) (Darauf würd ich jedenfalls tippen, dass es erkaltet.)
@ anfänger:
Ein indirektes Anzeichen für Leben ist das Vorhandensein eines chemischen Ungleichgewichtszustandes in der Atmosphäre. Bei der Erde ist das das gleichzeitige Vorhandensein von Ozon bzw. Sauerstoff und Methan. Unter Normalbedingungen setzen sich beide Gase zu Kohlenstoffdioxid und Wasser um, da das Reaktionsgleichgewicht bei ca. 300 K in Richtung dieser Endprodukte verschoben ist.
Die Atmosphärenzusammensetzung tendiert im Falle eines chemischen Gleichgewichts bei terrestrischen Planeten zu einer Dominanz von CO2 und H2O, so wie wir das von Venus und Mars kennen (Allerdings findet sich nur noch ein geringer Rest von H2O in den Venuswolken, der Rest wurde durch die Sonneneinstrahlung zerstört, wobei der Wasserstoff ins All entwich und der Sauerstoff mit Schwefelgasen zu Schwefelsäure reagierte; auf dem Mars entwich das meiste Wasser infolge der Zersetzung ins All - als Wasserstoffgas - bzw. - der Sauerstoffanteil - in den Boden als Eisenoxid. Der Rest verblieb als Eis im Boden und an den Polkappen).
Bei einem Planeten mit Biosphäre müssten sich in der Atmosphäre also reduzierende und oxydierende Gase nebeneinander in einem chemischen Ungleichgewichtszustand finden.
Nachtrag: Hier ist noch ein Link zu einem Fachartikel, der die Detektion spektrographischer Fingerspuren von habitablen Planeten beinhaltet:
http://www.liebertonline.com/doi/pdfplus/10.1089/ast.2009.0381
Wir wollen auch nicht vergessen, dass starke Gezeitenkräfte dazu führen können, dass ein Himmelskörper ausreichend Reibungswärme entwickelt, um Wasser in flüssiger Form zu haben; siehe etwa Io. Bei den unangenehmen Aktivitäten roter Zwerge, von denen viele ja auch als Flare-Sterne bekannt sind, wäre zusätzlich in Rechnung zu stellen, dass abseits einer Planetenoberfläche durchaus geschützte Bereiche denkbar sind, etwa am Boden ausreichend tiefer Gewässer oder unter Gesteinsschichten.
Währen Planeten die die Wärme für flüssiges Wasser z.B. durch Gezeitenkräfte bekommen überhaupt lange genug Stabil das sich Leben entwickeln kann?
@klauszwingenberger
Io hat Wasser? Du meinst vermutlich Europa. Vielleicht auch Kallisto. Und definitiv Enceladus.
@ Alderamin:
Nein, ich dachte schon an Io, habe das aber wohl etwas verkürzt ausgedrückt. Deutlich machen woltle ich, dass Io durch die Gezeitenkräfte des Jupiter dermaßen durchgewalkt wird, dass die innere Temperatur viel höher ist, als sie es sonst wäre. Aber im übrigen gebe ich Dir natürlich Recht,
@ Alderamin:
Planeten oder Monde mit einem Ozean unter einer Eiskruste wären spektroskopisch von der Erde aus allerdings nicht als belebt auszumachen, da die allfälligen chemischen Nichtgleichgewichte unter der Eisdecke verborgen bleiben.
@Monod
Ja, das stimmt natürlich. Aber wir haben 1-3 Kandidaten im eigenen Sonnensystem, die wir untersuchen könnten. Ich habe in einem Artikel (vermutlich SpOn) mal ein Bild von einem Gletscher in der Antarktis gesehen, der braunrot verfärbt von eingeschlossenen Bakterien war. Die Farbe glich verblüffend den braunroten Streifen auf Europa. Vielleicht könnte man die mal spektroskopisch näher untersuchen. Oder eine Probe nehmen. Laut einem Artikel auf der Sky & Telescope Website scheint es einen Mechanismus zu geben, mit dem Wasser bis an die Oberfläche dringen kann. Wenn Bakterien im Ozean unter der Oberfläche leben, sollte man diese im Oberflächeneis wiederfinden. Man muss vielleicht gar kein U-Boot durch die Eisdecke schmilzen, wie mal vorgeschlagen wurde, vielleicht reicht es, eine Eisprobe von der Oberfläche zu kratzen und vor Ort zu untersuchen. Oder mit zur Erde zu bringen.
Ist aber fraglich, ob ich das noch erleben werde.
Ich weiß nicht, ob die Messgenauigkeit jemals so hoch wird, dass wir lokale Verfärbungen auf Eisoberflächen von Exoplaneten oder -monden spektroskopisch untersuchen könnten. Aber mit Bildern von der Europa-Oberfläche könnte man ja schon jetzt damit zu üben anfangen. Aufschlussreich wäre es allemal.
Ich denke, wir denken bei unserer Vorstellung von extraterrestrischem Leben viel zu kurz. Z.B. kennen wir selbst auf unserem Planeten Lebensformen, bei denen Arsen die Basis des Stoffwechsels bildet. Das ist für uns Menschen genauso undenkbar, wie ein Leben ohne Wasser. Und dennoch ist es Realität.
Leben ist meiner Meinung nach etwas, das mit der umgebenden Materie in Wechselwirkung steht, dabei zumindest in irgend einer Form Energie aus der umgebenden Materie aufnimmt um sich damit selbst zu reproduzieren.
Z.B. könnte ein im Weltall vagabundierender Festkörper Staub sammeln und diesen mit der von Sternen abgestrahlten Energie an seine bestehende Kristallstruktur andocken, bis er bei einer bestimmten Größe eine Korngrenze ausbildet, an der er sich letztendlich teilt. Außerdem könnte er nicht verwendbare Staubbestandteile mittels Elektrostatik an einem bestimmten Punkt seiner Oberfläche ansammeln um diese dann mittels einer elektrischen Entladung zu verdampfen. Das ergäbe einen Rückstoß für eine zielgerichtet Fortbewegung. Gesteuert würde das Ganze durch Vorgänge, die im Prinzip dem Streben von Pflanzen nach Licht entsprechen. Damit wäre eine Bewegung hin zu Energiequellen (Sternen) und weg von zu intensiven Energiequellen (Abstand / Umlaufbahn halten) möglich. Wenn sich in diesem Kristallgefüge auch noch Strukturen herausbilden, die Ladungsträger (Informationsträger) speichern und unter bestimmten Voraussetzungen auch weiterleiten können, wäre auch die Basis für eine kristalline Intelligenz gegeben. Und das alles im (nach unseren Vorstellungen) lebensfeindlichen Vakuum.
Das klingt erst mal alles nach verrückter Spinnerei. Aber erklärt mir doch mal, wie sich auf unserem Planeten in der Ursuppe erster Ozeane rein zufällig DNS-Strukturen gebildet haben, erste Einzeller usw.! Von den autofahrenden Zweibeinern will ich gar nicht erst reden. Ist das weniger verrückt? Oder war da etwa doch eine helfende Hand am Werk?
Eine entscheidende Rolle beim Erkennen von extraterrestrischem Leben spielt auch der Zeitfaktor. Was wir als Stunde definieren, könnte für eine andere Lebensform die Bedeutung von einer Sekunde haben oder aber auch von 100 Jahren. Entsprechend verschieden ist dann auch die Geschwindigkeit der Lebensabläufe und der evtl. vorhandenen Kommunikation. Und entsprechend schwierig ist es für uns in solche einem Fall, solch eine wahnsinnig schnelle oder auch wahnsinnig langsame Lebensform zu verstehen oder überhaupt erst einmal als solche zu erkennen.
Ich finde das ganze Thema unheimlich spannend.
Gruß, Manfred
@ Manfred:
"Z.B. kennen wir selbst auf unserem Planeten Lebensformen, bei denen Arsen die Basis des Stoffwechsels bildet."
Wobei die Interpretation der Daten durch Frau Felisa-Wolfe immer noch höchst umstritten sind. Bis jetzt konnte noch nicht bestätigt werden, dass im Genom der "Arsenbakterien" tatsächlich Phosphor durch Arsen ersetzt wurde.
"Z.B. könnte ein im Weltall vagabundierender Festkörper Staub sammeln und diesen mit der von Sternen abgestrahlten Energie an seine bestehende Kristallstruktur andocken, bis er bei einer bestimmten Größe eine Korngrenze ausbildet, an der er sich letztendlich teilt."
Da muss er ziemlich lange "vagabundieren", bis er zufällig den "passenden" Staub findet, der sich in die gegebene Kristallstruktur einfügen lässt. Außerdem sind Kristallstrukturen entropiereicher und somit gerade KEIN Kennzeichen von Leben, denn Lebewesen bewirken eine Entropieabnahme. Die spontane Teilung aufgrund der Überschreitung einer bestimmten Korngröße müsste unter Überwindung der elektrostatischen Anziehungskräfte stattfinden, was eine Energiezufuhr von außen bedingt, die geordnet so kanalisiert werden muss, dass sie in eine Kornteilung mündet. Das wiederum erfordert einen geordneten Energiefluss mittels irgendwelcher Stoffwechselprozesse, welche wiederum eine geordnete Struktur des Korns voraussetzen, die nichtkristallin ist. Unterkosmischen bedingungen nur sehr schwer vorstellbar und daher höchst unplausibel ...
"Außerdem könnte er nicht verwendbare Staubbestandteile mittels Elektrostatik an einem bestimmten Punkt seiner Oberfläche ansammeln um diese dann mittels einer elektrischen Entladung zu verdampfen. Das ergäbe einen Rückstoß für eine zielgerichtet Fortbewegung. Gesteuert würde das Ganze durch Vorgänge, die im Prinzip dem Streben von Pflanzen nach Licht entsprechen."
Auch dieses Szenario setzt einen geordneten Energiefluss voraus, der wiederum geordnete Strukturen voraussetzt - unter kosmischen Bedingungen wie gesagt höchst unplausibel.
"Wenn sich in diesem Kristallgefüge auch noch Strukturen herausbilden, die Ladungsträger (Informationsträger) speichern und unter bestimmten Voraussetzungen auch weiterleiten können, wäre auch die Basis für eine kristalline Intelligenz gegeben. Und das alles im (nach unseren Vorstellungen) lebensfeindlichen Vakuum."
Hier sind nach meinem Dafürhalten einfach zu viele "Wenns" enthalten, um das Ganze auch nur annähernd in den Bereich einer irgendwie realitätsnahen Wahrscheinlichkeit zu verorten.
"Das klingt erst mal alles nach verrückter Spinnerei. Aber erklärt mir doch mal, wie sich auf unserem Planeten in der Ursuppe erster Ozeane rein zufällig DNS-Strukturen gebildet haben, erste Einzeller usw.! Von den autofahrenden Zweibeinern will ich gar nicht erst reden. Ist das weniger verrückt? Oder war da etwa doch eine helfende Hand am Werk?"
Hier lässt Du also endlich die Katze aus dem Sack! Weil Deine unrealistische Spinnerei unrealistisch ist, schließt Du daraus, dass die Entstehung des Lebens auf der Erde mindestens ebenso unrealistisch gewesen sei. Kurze Frage, kurze Antwort: Ja, es ist weniger verrückt, anzunehmen, dass das Leben und die autofahrenden Zweibeiner auf der Erde entstanden sind. Und nein, es war dabei keine helfende Hand am Werk. Alles ging dabei naturgesetzlich mit rechten Dingen zu.
"Und entsprechend schwierig ist es für uns in solche einem Fall, solch eine wahnsinnig schnelle oder auch wahnsinnig langsame Lebensform zu verstehen oder überhaupt erst einmal als solche zu erkennen."
Entscheidend ist die Fähigkeit zur lokalen Entropieabnahme innerhalb des lebenden Systems sowie die Fähigkeit, weitere solche Systeme hervorzubringen. Wenn man das feststellen kann, dann spielt der Zeitfaktor eine untergeordnete Rolle.
Ich glaub ja sowieso das die Wissenschaftler viiiiel zu streng mit den Anforderungen an lebensfreundliche Planeten sind!
Von wegen das Leben auf der Erde konnte nur entstehen weil wir einen Mond haben der Gezeiten verursacht und weil die Erdachse gerade so gekippt ist das sie vier Jahreszeiten erzeugt, gebundene Rotation um den Stern macht Leben unmöglich usw. usf...
Nur weil die Dinge bei UNS an der Entstehung des Lebens mitgewirkt haben muss das ja woanders nicht auch so sein!
Ich denke mir das sehrwohl auch ein gebunden rotierender Planet der relativ nah um einen relativ kleinen Stern kreist relativ bekannt anmutendes Leben beherbergen könnte, wahrscheinlich sogar muss, wenn die nötigen Elemente dafür vorhanden sind.
Man geht ja auch davon aus (zumindest einige) das Leben bei uns in Gegenden entstand deren Bewohner wir heute "Extremophil" nennen weil es kein anderes Lebewesen dort aushält.
@frantischek
Ich sehe das ähnlich, aaaber, das Problem ist, dass niemand bisher genau weiß, wie Leben entstanden ist und was die tatsächlich nötigen Voraussetzungen sind. Wir haben halt nur einen einzigen Datenpunkt, die Erde. Alles, was wir wissen, ist dass die Erde, so wie sie war und sich entwickelt hat, mit Mond und Sonne und Ozeanen, Plattentektonik etc. Leben hervorgebracht hat. Ohne eine Vergleichsmöglichkeit mit anderen Welten oder künstlich generiertem Leben ist alles darüber hinausgehende nur Spekulation.
Das war übrigens für die Existenz extrasolarer Planeten nicht anders. Es hatte mal eine These gegeben, dass ein nahe an der Sonne vorbeigeflogener Stern Material aus dieser herausgerissen hätte, aus dem die Planeten entstanden seien, dann wären Planeten sehr selten. Das haben ernsthaft wohl die wenigsten Forscher geglaubt, eher dass Planeten um viele Sonnen kreisen und mit diesen entstehen. Man musste aber zuerst solche finden, bevor man sicher sein konnte, dass diese plausible Annahme tatsächlich korrekt war.
Übrigens: habe gefunden, dass es tatsächlich schon einen konkreten Vorschlag für einen Europa Astrobiology Lander gibt, der im Rahmen der vorgeschlagenen Europa Jupiter System Mission Laplace vielleicht in den 2020ern realisiert werden könnte - die Amerikaner haben allerdings für den geplanten Zeitraum bisher keine Gelder bewilligt. Wenn wir auf Europa Leben fänden, dann hätten wir einen zweiten Datenpunkt und wüssten viel mehr über die nötigen Voraussetzungen für Leben. Und wenn nicht, wären wir ebenfalls schlauer.
Ich frag mich ja die ganze Zeit warum da nix weiter geht. Die ersten Kryobotpläne hab ich glaub ich vor ca. Jahren gesehen. Die sollen sich gefälligst bald da durchschmelzen!
Und über die tatsächliche Entstehung des Lebens weiß man vielleicht nicht viel, wohl aber aus welchen Bausteinen es entstanden sein muss. Und das man die im ganzen Universum findet ist für mich ein ganz starker Hinweis das Leben ziemlich häufig vorkommen sollte.
...vor ca. 10 Jahren gesehen...
stillerleser·
28.11.11 · 18:25 Uhr
Ich finde auch dass so eine Raumfahrtmission (wenigstens ein Europa-Lander) innerhalb der Raumfahrtprogramme höchste Priorität haben sollte. Aber ich fürchte die nächsten 10-15 Jahre wird das nichts werden. Die Kosten sind einfach höher als die raumfahrenden Nationen bereit sind auszugeben. Außerdem sind die technischen Probleme immens. Da es fast kein Plutonium-238 mehr gibt hat man allein schon keine Energiequelle mehr mit der man so eine Sonde betreiben könnte. Solarzellen liefern dort draussen nicht mehr genug Strom. Und von einem Kryobot der sich durch kilomterdickes Eis schmilzt/bohrt würde ich nicht mal zu träumen wagen...Leider. Vielleicht gibts in den 2020ern (falls die Plutonium-Produktion wieder aufgenommen wird) mal einen Europa-Orbiter oder einen neuen Jupiter-Orbiter mit Europa-Flybys.