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27.05.11 · 09:55 Uhr
Die Supernova-Sonate
Kategorie: Naturwissenschaften·Technik · Kommentare: 14
Über Supernovae habe ich erst kürzlich geschrieben. Diese gewaltigen Explosionen am Ende eines Sternenlebens spielen eine wichtige Rolle in der Astronomie. Sie verraten uns etwas darüber, wie Sterne aufgebaut sind und funktionieren. Sie sind eines der wichtigsten Meßinstrumente um intergalaktische Entfernungen zu bestimmen. Es gäbe ohne Supernovae auch keine Menschen - denn all die schweren Elemente aus denen wir und unser Planet bestehen wurden erst bei Supernova-Explosionen ins All geschleudert bzw. sogar erst erzeugt. Und dann kann man mit ihnen auch noch tolle Musik machen.
Das haben Melissa Graham und Alex Parker wunderbar demonstriert. Dazu hat er Aufnahmen benutzt die zwischen 2003 und 2006 vom Canada-France-Hawaii Telescope (CFHT) gemacht wurden. Das hat den Himmel abgesucht um Supernovae zu entdecken und war dabei ziemlich erfolgreich. Man war speziell an Supernovae vom Typ Ia interessiert (hier hab ich genauer erklärt was das ist, die entstehen, wenn ein eigentlich schon toter Stern, ein weißer Zwerg, nochmal ein bisschen Masse auftreiben kann. Dann wird er schwerer und schwerer, solange bis er nicht mehr stabil ist und explodiert. Von Ereignissen dieser Art hat das CFHT 241 Stück gefunden und Alex Parker und Melissa Graham haben sie benutzt, um ein wenig Musik zu machen.
Jede Supernova stellt einen Ton dar. Die Lautstärke wird durch ihre Entfernung bestimmt; die Tonhöhe durch die Art und Weise wie sich die Helligkeit bei der Explosion verändert und das jeweilige Instrument wird durch die Eigenschaften der Galaxie bestimmt, in der die Supernova stattgefunden hat (Bass: schwere Galaxien, Piano: leichtere Galaxien). Das ganze klingt dann so (die Supernova-Explosionen selbst sind allerdings heller dargestellt als in der Realität - man würde sie sonst nicht sehen):
Klingt irgendwie sehr beruhigend... und das bei einem Lied, dessen Grundlage 241 der größten Explosionen sind, die unser Universum zu bieten hat.
Aber natürlich hat man die Supernovae nicht nur beobachtet, um ein nettes Lied zu basteln. Man hat daraus auch jede Menge spannende Wissenschaft gemacht. Denn beobachtet man eine Supernova, kann man einerseits herausfinden, wie weit sie weg ist und andererseits, wie schnell sie sich dank der Expansion des Alls von uns weg bewegt. Und da weit entfernte Objekte auch lange vergangene Zeiten darstellen (das Licht braucht ja einige Zeit um zu uns zu gelangen), kann man so nachsehen, ob sich das Universum früher schneller oder langsamer ausgedehnt hat. Auf diese Art hat man die dunkle Energie entdeckt. Damit beschreibt man die Beobachtung, dass sich das Universum immer schneller ausdehnt obwohl man eigentlich erwarten würde, dass die Expansion im Lauf der Zeit langsamer wird (weil sie von der Masse im Universum abgebremst wird). Es muss also irgendetwas geben, dass diese Beschleunigung hervorruft und um herauszufinden was dieses etwas ist, brauchen wir möglichst gute und viele Daten. Dann kann man sich Stück für Stück an die Eigenschaften der dunklen Energie herantasten. Spannende Wissenschaft und nette Musik - besser gehts nicht ;)
Autor: Florian Freistetter· 14 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (14)
Das erinnert mich ein wenig an das von dir bereits mal erwähnte Wheel of Stars.
Ja, das Wheel of Stars war auch sehr schön.
Ich liebe solcherlei Hörbarmachung von gänzlich wesensfremden Dingen. Ganz klasse fand ich auch: Klingeltöne aus dem schwarzen Loch
Und da vor allem das supermassive black hole!
Einfach nur lauschen und entspannen..
@Florian Wie viele Supernovae´ s pro Tag machen Musik im All?( Jeden 3. Tag? )
Diese Art von Musik kann ich natürlich auch mit ähnlichen Regeln auf die Grundlage von fallenden Blättern im Herbst machen... oder irgendetwas anderes. Finde das nicht sehr inspirierend. Dass das ganze nicht so kakophonisch klingt liegt nur an der Auswahl zulässiger Töne. Im Prinzip kann man aus jedem Mist mit den passenden Regeln schöne Musik machen.
Ohne Chuck Noris gäbe es keine Supernovae !
@Arnd
"im Prinzip kann man aus jedem Mist mit den passenden Regeln schöne Musik machen."
Du bist ja ganz Klug, natürlich ist das so!
Was ist also Mist? ein Ton. Wieso im Prinzip? Komponieren ist das ständige Anwenden von Regeln, die aus Tönen(also Mist) ein formales Werk entstehen lässt. Das war seit der Gregorianik, das hat Beethoven und Mahler so gemacht. Nichts anderes... Mann muss es nur können, das kann halt nicht jeder. Das künstlerische daran ist, auch noch einen inneren Ausdruck trotz der Regeln zu erreichen und damit auch die Regeln so zu erweitern, daß sie dennoch nicht gebrochen werden.
@Arnd: "Diese Art von Musik kann ich natürlich auch mit ähnlichen Regeln auf die Grundlage von fallenden Blättern im Herbst machen... oder irgendetwas anderes."
Und?
vielleicht meint Arnd, dass das Spielerei sei, die vorgaukelt schön(wertvoll?) zu sein.
wie rob schon sagte, das ist jede art von musik.
als ich diese animation vor ein paar tagen sah, stellte sich mir die frage, wie viele der sn, die tatsächlich "explodieren" sehen wir.
gibts da abschätzungen.
1) betrachten wir ja nicht immer jeden teil des himmels
2) gibts staub in galaxien, die uns die beobachtung erschweren (oder ist das nur in unserer galaxie ein problem, weil wir in ihr leben), daneben gibts jedoch intergalaktische staub/gas, der auch das eine oder andere lichtteilchen "schluckt"
3) ist ja die verteilung der instrumente ungleich, von bloßem auge bis hubble (langzeitbelichtung)
also jede sn in 500 lj entfernung würde wir mitbekommen (davon abgesehen, dass uns die vorgängersterne bekannt wären), auch wenn sie "gerade" in diesem 1°-Quadrat das die sonne einnimmt "passiert". spätestens nach ein paar tagen hätte sich die erde weit genug gedreht, dass man sie sieht.
wenn man die animation hernimmt, kommt man auf ca. 1 sn/minute.
@Christian - Danke - ich bin Platt!
@Christian:
Ich bezweifle, daß man jede SN in M31 "mitbekommen" würde. (Und die ist ja bekanntlich die Nachbar-Fullsize-Galaxie.) Klar, die Neutrinodetektoren würden da Alarm schlagen, aber auch wenn du einen Feldstecher hast und dir damit Andromeda ansiehst, ist nicht gesagt, daß du jene Supernova so sehen könntest.zum Thema "also jede sn in 500 lj entfernung würde wir mitbekommen":
@ W. L. Schuster ? Was willst mir damit sagen ?
@ Bullet. Hinsichtlich der Animation ist mir alles klar ;-). Meine Frage zielt eher dahin ab, welches Bild der "Wirklichkeit" diese Animation darstellt.
Ich hab dann selbst ne überlegung angestellt. Es gibt grob 100*10^9 Galaxien, eine Damen mal Pi Regel sagt, pro Galaxie und 100 Jahre eine SN. Also hätte man jede detektieren können (in diesem Ausschnitt (1/10000) des "Himmels"), dann hätte man in 3 Jahren ca. 300000
(oder 30000, weiß jetzt nicht meh genau ob der Himmelsausschnitt ein 1/10000 oder 1/100000 des ganzen "Himmelszeltes" war).
beobachten können.
Also doch, signifikant mehr als die tatsächlich 241 beobachteten.
Ad M31, das würde mich aber sehr sehr wundern. Siehe http://en.wikipedia.org/wiki/S_Andromedae. Die wird praktisch rund um die uhr mit (amateur)instrumenten beobachtet, die sicher alles unter mag 10 oder so, detektieren könnten.
Es sei, es kommt, dass "Staubproblem" zu tragen. Das kann ich aber überhaupt nicht abschätzen wie stark das ist.
@c
Du hast auf seine Frage geantwortet - jedenfalls verstand ich das ebenfalls so (auf meine auch, so gesehen).
Auf diese:
[ Schuster Wilhelm Leonhard· 27.05.11 · 12:59 Uhr
@Florian Wie viele Supernovae´ s pro Tag machen Musik im All?( Jeden 3. Tag? )]