Blog durchsuchen
Profil

Florian Freistetter promovierte am Institut für Astronomie der Universität Wien und hat danach an der Sternwarte der Universität Jena und dem Astronomischen Rechen-Institut in Heidelberg als Astronom gearbeitet. Zur Zeit lebt er in Jena, bloggt über Wissenschaft und schreibt manchmal Bücher:

krawummklein.PNG

2012klein.jpg


« vorheriger Beitrag  · nächster Beitrag »

20.04.11 · 10:45 Uhr

Astronomie in Niederösterreich

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften·Umwelt  ·  Kommentare: 13

500px-Niederösterreich_in_Austria.svg.pngIch lebe zwar schon seit 6 Jahren in Deutschland. Aber geboren wurde ich in Österreich. Genaugenommen in dessen größten Bundesland: Niederösterreich. Niederösterreich steht im Vergleich mit den anderen acht Bundesländer immer ein wenig isoliert da. Irgendwie fehlt es ihm ein wenig an Profil. So wie Berlin in Brandenburg sitzt auch die österreichische Bundeshauptstadt Wien (ebenfalls ein eigenes Bundesland) mitten in Niederösterreich und zieht alle Aufmerksamkeit auf sich (bis 1986 hatte Niederösterreich nichtmal eine eigene Hauptstadt). Und im Gegensatz zu den anderen Bundesländern fehlt Niederösterreich auch die eigene Geschichte. Seit es etwas gab, dass den Namen "Österreich" trug, war Niederösterreich immer ein Teil davon. Die anderen Bundesländer wurden erst im Laufe der Zeit erobert, gekauft oder erheiratet und das erklärt vielleicht auch, warum es im Gegensatz zu Ländern wie Salzburg, Kärnten oder Tirol kaum einen niederösterreichischen Lokalpatriotismus gibt.

Aber ok, dass soll jetzt hier keine historisch-soziologische Abhandlung über die Rolle von Niederösterreich werden ;) Mir geht es um die Astronomie und ich habe mir überlegt mal ein wenig zu recherchieren, ob das Bundesland hier irgendwelche spannenden Sachen zu bieten hat (für Thüringen, meine aktuelle Heimat hat das ja Johann Dorschner schon mit seinem lesenswerte Buch erledigt).

Natürlich ist es schwierig. Die ganze astronomische Prominenz sitzt in Wien und für Niederösterreich bleibt wenig übrig. Aber ganz so düster sieht es auch wieder nicht aus. In Niederösterreich befindet sich das Leopold-Figl-Observatorium das von der Universität Wien betrieben wird und in dem sich das größte Spiegelteleskop Österreichs befindet. Es gibt einige Volksternwarten und private Observatorien und ein Sternenlicht-Reservat. Und ich bin mir sicher, dass es noch jede Menge andere interessante astronomische Plätze gibt.

FOA_aussen_2.jpg

Leopold-Figl-Observatorium (Bild: Franz Kerschbaum, CC-BY-SA 3.0)

Hier würde ich mich über das Feedback der Leserinnen und Leser freuen. Was soll in einer Serie die sich mit der Astronomie in Niederösterreich beschäftigt auf jeden Fall erwähnt werden? Gibt es irgendwelche speziellen Aktionen über die man unbedingt berichten muss? Und ganz besonders interessiert mich die Geschichte: gibt es irgendwelche prominente Astronomen die in der Vergangenheit in Niederösterreich gelebt oder gewirkt haben oder zumindest dort geboren wurden?

Mein nächster Besuch in der alten Heimat ist für das zweite Wochenende im Mai geplant. Da werde ich auch probieren, ein bisschen vor Ort zu recherchieren. Passenderweise ist der 14. Mai ja auch der Österreichische Astronomietag und ich denke, ich werde die Gelegenheit nutzen und mal auf der Niederösterreichischen Volkssternwarte vorbeischauen.


Flattr this

 

Autor: Florian Freistetter· 13 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

Tags: · · · · · · · · · · ·

Kommentare (13)

Kommentar-Direktlink Dyrnberg· 20.04.11 · 10:54 Uhr

War leider noch nie dort, aber habe mal über die "astrostation hochbärneck" gelesen: http://www.astrostation.at

Kommentar-Direktlink Nairolf· 20.04.11 · 11:08 Uhr

Niederösterreich steht im Vergleich mit den anderen acht Bundesländer immer ein wenig isoliert da. Irgendwie fehlt es ihm ein wenig an Profil.
Liebe Gruesse aus dem zweitunscheinbarsten Bundesland (Oberoesterreich).

Kommentar-Direktlink frantischek· 20.04.11 · 11:53 Uhr

Die W.A.A. ist auch meistens in NÖ unterwegs soviel ich weiß. Hohe Wand und so...
http://www.waa.at/

Kommentar-Direktlink Richard· 20.04.11 · 12:09 Uhr

Hallo Florian!
Als regelmäßiger Leser Deines Blogs freue ich mich besonders Dich am 14.Mai in meinem Heimatort anzutreffen! Wenn ich Zeit finde schau ich auch vorbei und sag Hallo.
MFG
Richard

Kommentar-Direktlink Simon· 20.04.11 · 12:13 Uhr

Vielleicht ganz interessant:
http://de.wikipedia.org/wiki/Purgathofer-Sternwarte

Kommentar-Direktlink Florian Freistetter· 20.04.11 · 20:01 Uhr

@Simon: Danke!

@Alle: Hier gibts nicht zufällig Hobby-Historiker die Bescheid wissen, ob sich irgendwelche astronomisch relevanten Leute mal in NÖ aufgehalten haben?

Kommentar-Direktlink malefue· 20.04.11 · 21:05 Uhr

niederösterreich, dein profil heißt pröll.

: D

Kommentar-Direktlink Herbert Raab· 21.04.11 · 17:28 Uhr

Servus Florian,

in diesem Zusammenhang wären vielleicht die rund 30 Kreisgrabenanlagen, die in NÖ bisher bekannt sind, erwähnensert (Georg Zotti hat diesbezügliche astronomische Untersuchungen angestellt, siehe http://www.cg.tuwien.ac.at/research/publications/2005/zotti-2005-kat/).

Auch das Stift Melk könnte eine Erwähnung wert sein. Georg von Peuerbach und sein Schüler Regiomontanus haben dort 1457 eine Mondfinsternis beobachtet. Ausserdem verfügt das Stift über zahlreiche alte astronomische Handschriften. Im IYA gab es sogar eine Ausstellung dazu: http://www.der-orion.com/index.php?option=com_content&task=view&id=365&Itemid=139

Von den neuzeitlichen Astronomen fällt mir Johann Holetschek ein (geboren 1846 in Thuma, Gemeinde Karlstein an der Thaya), der insbesondere auf dem Gebiet der Kometen geforscht hat. Die Definition der absoluten Helligkeit von Kometen, die auch heute noch gebräuchlich ist, geht - zumindest so weit ich weiss - auf ihn zurück.

Kommentar-Direktlink Herbert Raab· 21.04.11 · 17:36 Uhr

Nicht zu vergessen Franz de Paula Triesnecker (geboren 1745 in Kirchberg am Wagram) , ehemaliger Direktor der Wiener Universität und unter Amateurastronomen hauptsächlich wegen des nach ihm benannten Rillensystems am Mond bekannt.

Author Profile Page Florian Freistetter· 21.04.11 · 18:42 Uhr

@Herbert: Wunderbar! Mit diesen Infos kann ich schon mal jede Menge anfangen!

Kommentar-Direktlink Tr· 22.04.11 · 23:40 Uhr

ist Victor Hess nicht ein Österreicher gewesen? Ich weiß jetzt nicht genau, aber seine Ballonflüge wären ein gutes Stichwort

Kommentar-Direktlink Christian U.· 26.04.11 · 09:03 Uhr

Als ich, geboren in Düsseldorf, NRW, einem ebenfalls irgendwie künstlich geschaffenem bundesland, das erste mal hier bei tulln (königsstetten) war, entdeckte ich mit freude einen "planetenweg". Offenbar hat dieser kleine ort etwas, was es in der weltstadt düsseldorf nicht gibt. ^^

Aber hier ist man nicht gerade auf dem neuesten stand:
http://www.mamilade.at/planetenwanderweg/koenigstetten/tulbinger/kogel/passauerhof/1006620-planetenweg.html
oder aber pluto ist doch ein planet. Ich will aber lieber einen planetenweg mit kompletten kuipergürtel haben. Wäre doch mal was. ^^

OT zur "soziologie":
Im übrigen hat landesfürst rüdgers/nrw bereits versucht lokalpatriotismus in NRW zu wecken. Ähnliche versuche entdecke ich auch hier in NÖ. Ich frage mich trotzdem immer und immer wieder was das soll...

Kommentar-Direktlink hofpower· 26.04.11 · 14:22 Uhr

"Nicht zu vergessen Franz de Paula Triesnecker (geboren 1745 in Kirchberg am Wagram) , ehemaliger Direktor der Wiener Universität und unter Amateurastronomen hauptsächlich wegen des nach ihm benannten Rillensystems am Mond bekannt."

Dazu gibt es ein zwar nicht mitreisendes, aber doch sehr informatives Buch.
http://www.edition-weinviertel.at/shop/catalog/product_info.php?cPath=44&products_id=230
(Triesnecker wurde übrigens nicht in Kirchberg am Wagram sondern in Mallon geboren, Kirchberg am Wagram ist nur die Gemeinde)

Kommentar schreiben

Netiquette·AGB

 

ScienceBlogs.com

mehr auf www.scienceblogs.com »