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18.02.11 · 18:31 Uhr
Mit Mathematik zum Kometen
Kategorie: Naturwissenschaften·Technik · Kommentare: 9
Vor ein paar Tagen hat die NASA-Raumsonde Stardust-NeXTden Kometen Tempel 1 besucht. Das vor allem deswegen interessant, weil dieser Komet 2005 schonmal Besuch von einer Sonde ("Deep Impact") bekommen hatte und man nun genau nachsehen konnte ob und wie sich Tempel 1 in der Zwischenzeit verändert hat.
Das Rendezvous hat am frühen Dienstagmorgen stattgefunden und war ein voller Erfolg. So sah Stardust den Kometen:
Mit den neuen Bildern kann man nun wunderbar Vergleiche anstellen und analysieren wie genau sich der Komet in den letzten 6 Jahren verändert hat:
Das sieht dann zum Beispiel so aus:
Oben rechts sieht man, wie Deep Impact den Kometen im Jahr 2005 gesehen hat. Der glatte Bereich ist eine höher gelegene Ebene und man erkennt im Vergleich mit dem aktuellen Bild unten deutliche Änderungen an den Klippen des rechten Randes. Die sind durch Erosion 20 bis 30 Meter abgetragen worden. Auch der Bereich im gelben Rechtecke hat sich verändert. Die Vertiefungen sind hier zusammengewachsen; ebenfalls durch Erosion.
Aber wie entsteht auf einem Kometen Erosion? Dort gibts ja weder fliessendes Wasser noch eine Atmosphäre, die das verursachen können? Nein, das nicht - aber so ein Komet ist trotzdem kein toter Körper. Er besteht nicht nur aus Fels und Stein sondern enthält auch viel Gas und Eis. Und wenn er sich der Sonne nähert - so wie er es in den letzten Jahren getan hat - dann kann das schmelzen und die flüchtigen Gase freisetzen. Dadurch entsteht die Erosion die man im Bild sieht. Und die ganzen Staubteilchen die dabei ins All entkommen können wir dann mit etwas Glück irgendwann später als Sternschnuppen an unserem Himmel verglühen sehen. Allerdings nur, wenn die Erde irgendwann die Bahn des Kometen kreuzt und durch seine Staubspur geht - was bei Tempel 1 nicht der Fall ist.
Früher oder später führt dieser ständige Verlust aber dann dazu, dass der Komet sich ganz auflöst. Oder, wenn er Glück hat bleibt ein bisschen übrig dass dann als inaktiver Felsbrocken seine Runden zieht und sich nicht mehr von den normalen Asteroiden unterscheidet. Tempel hatte noch extra Pech denn er muss sich nicht nur mit der durch die Sonne ausgelösten Auflösung herumschlagen. Er wurde auch noch von uns Menschen beschossen: Deep Impact hat ein über 300 Kilogramm schweres Projektil auf den Kometen geschmissen um zu sehen, was passiert und was sich so alles in der freigesetzten Staubwolke befindet. Und natürlich wollte man sehen, wie die Stelle wo der Einschlag stattgefunden hat heute aussieht. So:
Ok - die Auflösung im aktuellen Bild (rechts) ist nicht so gut wie die von Deep Impact (links). Aber man erkennt an der Einschlagsstelle doch einen Krater; etwa 150 Meter groß.
Besonders schön ist es aber mit anzusehen, wie sich die Wissenschaftler über den Erfolg der Mission freuen. Im Video von der Pressekonferenz kann man sich auch anhören, wie es klingt, wenn Stardust durch die Staubwolke fliegt die den Kometen umgibt. Klingt cool:
Embedded video from
NASA Jet Propulsion Laboratory California Institute of Technology
Und der Schlusssatz von Ed Weiler mit dem er sich an die Schüler wendet ist natürlich besonders gut:
""You might be wondering how NASA can send a spacecraft billions of miles through the solar system, and somehow wind up flying so close to a tiny comet with a few kilometers in diameter. It's done with MATH!"
Genau! Wenn man später mal coole Raumsonden durchs All steuern oder Kometen beschießen will, dann sollte man besser ein bisschen im Mathematik-Unterricht aufpassen ;)
Autor: Florian Freistetter· 9 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (9)
Na toll... das Video geht wohl nicht?
Bei mir funzt es. Klingt wie Popcorn in der Pfanne...^^
Bei mir geht es auch. Echt toll! :)
Ich dachte erst das etwas mit meinem Notebook nicht in Ordnung wäre als ich das Geknacke gehört habe. Vielleicht sollte man den Autostart abstellen?
Och nö, Redfox, so eine kleine Überraschung ist doch etwas Schönes... im Wortsinne Stardust :-)
Interessant ist ja, dass es überhaupt ein Geräusch gibt. Wenn man mit dem auto über die Autobahn hechtet und da ist mal Staub, dann hört man nix. Also muss der Staub auf die Sonde ja mit einem Mordstempo auftreffen.
Wenn die Staubteilchen mit einigen 10.000 km/h auf das Auto auftreffen, dann ist mit der Windschutzscheibe bald Essig. Deshalb hat Stardust ja an den Vorderkanten diese netten Rammschilde.
Abgesehen davon hat Stardust natürlich auch kein Motoren- und Reifengeräusch, sondern ist weitgehend still.
@TheBug: Naja gut, hätten wir solche Bedingungen auf der Erde, hätten Autos auch keine Gummireifen und keine Scheiben. Und immer still ist so eine Raumsonde bestimmt auch nicht (Stellmotoren, Steuerdüsen). Ok, die Düsen sind so gut wie nie an, aber Stellmotoren werden bestimmt doch das eine oder andere Instrument in Position bringen müssen. Wenn die denn dafür noch Stellmotoren haben. Ich weiss nicht, ob die zur Einsparung von mechanischen Teilen lieber die ganze Sonde schwenken.
Was mich jedes mal wieder erstaunt und hier ist das beste Beispiel dafür, sind die großen und schnellen Fortschritte die die Sonden innerhalb weniger Jahre machen, in Bezug auf Kameraauflösung und zusätzlichen Erkenntnissen. Die Missionen zu Jupiter und Saturn waren diesbezüglich sehr eindrücklich.
Ich hoffe wirklich INSTÄNDIG, dass endlich das James Webb Teleskop gebaut und in's All geschossen wird. Ich finde Europa sollte da ordentlich mit in den Topf zahlen.