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Florian Freistetter promovierte am Institut für Astronomie der Universität Wien und hat danach an der Sternwarte der Universität Jena und dem Astronomischen Rechen-Institut in Heidelberg als Astronom gearbeitet. Zur Zeit lebt er in Jena, bloggt über Wissenschaft und schreibt manchmal Bücher:

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17.10.10 · 10:30 Uhr

"Der große Entwurf" von Stephen Hawking - die komplette Rezension

Kategorie: Der große Entwurf·Naturwissenschaften·Themenwoche  ·  Kommentare: 38

In den letzten Tagen habe ich das Buch "Der große Entwurf" von Stephen Hawking und Leonard Mlodinow Kapitel für Kapitel rezensiert. Hier gibt es nun nochmal einen Überblick und Links zu allen einzelnen Beiträgen. Und lest auch das Interview mit Astrophysiker Heinz Oberhummer zum Buch - da werden nochmal einige Sachen schön erklärt.

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  • Kapitel 1: Hawking und Mlodinow stellen die "großen Fragen": Woher kommt alles? Und warum gibt es etwas und nicht nichts? Die Philosophie sei nicht in der Lage darauf zu antworten - aber die Naturwissenschaft
  • Kapitel 2: Was sind eigentlich Naturgesetze? Und was bestimmen die Naturgesetze? Etwa auch das Verhalten der Menschen - haben wir einen freien Willen oder nicht?
  • Kapitel 3: Was ist "Wirklichkeit"? Gibt es eine objektive Realität die der Wissenschaft zugänglich ist? Hawking und Mlodinow sind skeptisch...
  • Kapitel 4: Die Kosmologie kommt heute nicht mehr ohne die Quantenmechanik aus. Hawking und Mlodinow berufen sich vor allem auf die Methoden die Richard Feynman entwickelt hat: die "Summe über alle Geschichten".
  • Kapitel 5: Lassen sich die unterschiedlichen Kräfte in der Natur vereinigen bzw. sind es vielleicht gar keine unterschiedlichen Kräfte? Und kann es eine einzige Theorie geben, die alles beschreibt?
  • Kapitel 6: Feynmans Ansatz führt Hawking und Mlodinow zu interessanten Schlussfolgerungen: es gibt nicht nur ein Universum sondern unzählige viele verschiedene.
  • Kapitel 7: Die Erde, die Sonne, das Sonnensystem und unser ganzes Universum scheinen irgendwie speziell für uns gemacht worden zu sein. Warum ist das so? Und ist das ein Beleg für die Existenz eines Schöpfers?
  • Kapitel 8: Nun wird schließlich die letzte Frage beantwortet: Woher kommt alles? Kann ein Universum aus dem Nichts entstehen oder braucht es dafür "Gott"?

Ich hoffe, meine Rezension hat euch gefallen. Ich fand das Buch auf jeden Fall lesenswert.

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Autor: Florian Freistetter· 38 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Kommentare (38)

Kommentar-Direktlink SingSing· 17.10.10 · 11:30 Uhr

Was die Physik -- Kosmologie, Astrophysik -- anging, uneingeschränkt ja.

Zu den theologischen / philosophischen Fragestellungen halte ich mich lieber an die entsprechenden Fachleute, nix für ungut.

Author Profile Page Florian Freistetter· 17.10.10 · 12:21 Uhr

@SingSing: "Zu den theologischen / philosophischen Fragestellungen halte ich mich lieber an die entsprechenden Fachleute, nix für ungut."

Dann hatten wir ja beide Glück, dass es um ein kosmologisches/astrophysikalisches Thema ging und kein philosophisches...

Kommentar-Direktlink FloH· 17.10.10 · 15:22 Uhr

Super Rezension!
Werden weitere Bücher folgen?

Kommentar-Direktlink Ulenrich· 17.10.10 · 17:33 Uhr

Auch von mir nochmal ein Lob für die ausführliche Rezension. Vor allen Dingen in Worten, die auch ein Normalo noch verstehen kann!

Wenn ich zB etwas über Physik in der Wikipedia nachschlage, brauche ich ein Lexikon und ein abgeschlossenes Mathestudium um es zu verstehen. Dies war nicht so mit dieser Rezension: Wenn die angesprochenen Sachverhalte über das menschliche Vorstellungsvermögen hinausgingen, wurde jedenfalls klar in welcher Richtung.

Kommentar-Direktlink cydonia· 17.10.10 · 17:45 Uhr

Ich hab Dich doch schon vor zwei Kapiteln gelobt, kannst Du denn nie genug kriegen?
Gibs zu, das mit dem "letzten" Kapitel war ein Trick, um zweimal abzusahnen.:-)
Aber ja, gute, äußerst ausführliche Rezension, und viele gute Anregungen. Ich freue mich auf die nächste!

Kommentar-Direktlink Ulenrich· 17.10.10 · 18:00 Uhr

F. Freistetter sagte:
"dass es um ein kosmologisches/astrophysikalisches Thema ging und kein philosophisches..."

Mit enormen philosophischen Konsequenzen bezüglich der zusätzlichen ethischen Anforderungen auf eine neu zu gestaltende Forschungspolitik. Wenn die Philosophie gestorben war, wird sie spätestens jetzt wiederbelebt werden.

Author Profile Page Florian Freistetter· 17.10.10 · 18:51 Uhr

@Ulenrich: "Mit enormen philosophischen Konsequenzen bezüglich der zusätzlichen ethischen Anforderungen auf eine neu zu gestaltende Forschungspolitik"

WTF? Was hat Kosmologie mit "philosophischen Konsequenzen der ethischen Anforderungen der Forschungspolitik" zu tun?

Kommentar-Direktlink Ulenrich· 17.10.10 · 22:08 Uhr

Wenn wir eines Tages mit neuen Messmethoden (zB Gravitationswellen?) den Quantenzustand des Urknalls direkt dekoherieren können, und angenommen, wir wissen, es gibt mehrere mögliche Zustände, die sich ausschließen und verwirklichen, je nach dem was als erstes gemessen wird:

Dann würden wir in dem Moment der Messung die Gesetze des Universums bestimmen für Milliarden von Zivilisationen. Das wäre dann eine neue ethische Herausforderung, deren Lösung mit neuen philosophischen Methoden beizukommen versucht werden müsste?

Kommentar-Direktlink ajku· 17.10.10 · 22:48 Uhr

Wo, mit Verlaub, geht's hier zur Rezension?

Kommentar-Direktlink SingSing· 18.10.10 · 01:05 Uhr

Ulenrich, wo geht der Mond hin, wenn ihn keiner sieht?

Kommentar-Direktlink Ulenrich· 18.10.10 · 02:34 Uhr

Nach Machs Prinzip dürfte keinerlei anderes Schwerefeld den Mond sehen. Und dann wäre die Mondbahn in der Tat bedeutungslos, oder?

Kommentar-Direktlink Stefan Hambach· 18.10.10 · 08:46 Uhr

Mein Kompliment für die Rezension. Hab es mit großem Interesse gelesen. Fand es sehr verständlich für mich als Laien und sehr angenehm lesbar!
*klatscht in die Hände*

In diesem Sinne....

Author Profile Page Florian Freistetter· 18.10.10 · 10:09 Uhr

@akju: "Wo, mit Verlaub, geht's hier zur Rezension?"

Einfach auf die Links zu den jeweiligen Kapiteln klicken...

Kommentar-Direktlink Marc· 18.10.10 · 10:14 Uhr

die rezension war sehrgut. sie hat mich auf das buch auf jeden fall neugierig gemacht und ich denke, dass ich es mal lesen werde.

auf jeden fall sind dort interessante ideen enthalten und einige spannende punkte, insbesondere der des doch sehr großen geltungsanspruchs und die auseinandersetzung um philosophie und religion finde ich sehr spannend und denke, dass die originalquelle eben noch einmal einen anderen blickwinkel ermöglicht.

rezensionen sind ja immer ein wenig "gefärbt".

VIELEN DANK für die rezension.

Kommentar-Direktlink Ulenrich· 18.10.10 · 15:57 Uhr

Entwarnung der ethischen Dringlichkeit

Das Beispiel mit dem Mond hat mich nochmal nachdenken lassen:
Natürlich sind wir Menschen nicht die alleinigen Erstmesser. Jedes Objekt, welches interagiert und dadurch Entscheidungen zu den in unserem Universum gültigen Naturgesetzen abruft, macht einen Messvorgang, der dekoherierend auf den Quantenzustand des Urknalls wirkt.

Darum sind alle in unserem Universum wirksam werdenden Naturgesetze entschieden und nicht mehr durch menschliche Messvorgänge änderbar!

Aber bei den 10hoch500 Möglichkeiten des EntscheidungsBaums ist der Ast auf dem unser Universum gerade sitzt wahrscheinlich noch nicht bis zum Ende ausgereizt:

Sowie wir Experimente machen, die so in der Natur aus dem Zufall heraus nicht gemacht werden können, entscheiden wir aktiv über Naturgesetze für das gesamte Universum. Da unser Universum ziemlich groß ist und sich selbst mit ziemlich viel zufälligen Fluktuationen konfrontiert, ist die Frage:

Sind solche nie dagewesenen Experimente überhaupt denkbar?

Kommentar-Direktlink Ulenrich· 18.10.10 · 16:23 Uhr

Kleine Spinnerei über Kommunikation mit Außerirdischen:

Wenn es einen Ast auf dem Entscheidungsbaum gäbe, der in unserem Universum nie gebraucht wird, mit sozusagen virtuellen Naturgesetzen,

dann könnten wir mit einer anderen Zivilisation, egal in welcher Zeit und an welchem Ort unseres Universums, darüber kommunizieren. Wenn vielleicht auch nur: "Wir sind hier" - "Wir auch"

Kommentar-Direktlink Bjoern· 18.10.10 · 17:18 Uhr

@Ulenrich:

Wenn ich zB etwas über Physik in der Wikipedia nachschlage, brauche ich ein Lexikon und ein abgeschlossenes Mathestudium um es zu verstehen.
Hast du konkrete Beispiele? Ich habe mich in den letzten Monaten bemüht, einige der Mathe-Artikel auf Wikipedia verständlicher zu gestalten; bei Physik-Artikeln könnte ich's auch mal versuchen.

Nach Machs Prinzip dürfte keinerlei anderes Schwerefeld den Mond sehen. Und dann wäre die Mondbahn in der Tat bedeutungslos, oder?
Häh? 'tschuldigung, dass ist nicht nachvollziehbar. Bitte erläutere dich näher. (z. B.: was versteht du daran, dass ein Schwerefeld etwas sieht?!? was meinst du, wenn du sagst, die Mondbahn wäre "bedeutungslos"?!?)


Sowie wir Experimente machen, die so in der Natur aus dem Zufall heraus nicht gemacht werden können, entscheiden wir aktiv über Naturgesetze für das gesamte Universum.
Du meinst also, Menschen könnten Experimente durchführen, die gegen die Naturgesetze verstossen?!? Oder was sonst soll "die so in der Natur aus dem Zufall heraus nicht gemacht werden können" heissen?

Kommentar-Direktlink Ulenrich· 18.10.10 · 18:50 Uhr

Nein, nicht gegen Naturgesetze verstoßen. Aber es ist höchst wahrscheinlich, dass unser Universum, immerhin nur eins von 10hoch500, noch nicht in alle möglichen Bereiche vorgedrungen ist, es also noch mögliche bisher nicht abgerufene Naturgesetze gibt für Bereiche, die bisher nicht genutzt werden.

Kommentar-Direktlink Ulenrich· 18.10.10 · 18:58 Uhr

Die Mondbahn ist bedeutungslos, sobald es keine anderen Objekte gibt, deren Trägheitsbewegung vom Mond abhängt. In einem leeren Universum nur mit Mond wäre seine Bahn unwichtig. Ich hätte von Trägheit statt Schwere sprechen sollen, aber ist ja egal/äquivalent...

Kommentar-Direktlink Bjoern· 18.10.10 · 19:18 Uhr

@Ulenrich:

...noch nicht in alle möglichen Bereiche vorgedrungen ist, es also noch mögliche bisher nicht abgerufene Naturgesetze gibt für Bereiche, die bisher nicht genutzt werden.
'tschuldigung, es ist mir reichlich unklar, was das heißen soll. Könntest du das vielleicht mit einem Beispiel erläutern?

Die Mondbahn ist bedeutungslos, sobald es keine anderen Objekte gibt, deren Trägheitsbewegung vom Mond abhängt. In einem leeren Universum nur mit Mond wäre seine Bahn unwichtig.
Nicht "bedeutungslos" oder "unwichtig" - sie wäre schlichtweg nicht definiert, sprich: man könnte nicht sinnvoll von einer Bahn reden.

Kommentar-Direktlink Ulenrich· 18.10.10 · 20:15 Uhr

Bjoern sagte: "es ist mir reichlich unklar, was das heißen soll"

Da müssen wir die M-Theoretiker fragen, ob sie für anders ausgefalteten Universen ganz andere Kräfte vorhersagen können, und ich meine nicht andere Stärkeausprägungen von Kräften.

Kommentar-Direktlink Bjoern· 18.10.10 · 20:25 Uhr

@Ulenrich: Klar kann es in anders "ausgefalteten" Universen ganz andere Kräfte geben - aber was hat das mit dem, was du oben geschrieben hattest, zu tun?

Author Profile Page Florian Freistetter· 18.10.10 · 20:27 Uhr

@Ulenrich: Ich hab irgendwie das Gefühl, du hast die ganze Sache mit den Multiversen und dem anthropischen Prinzip völlig anders (ich bin mal höflich und sag nicht "falsch") verstanden als der Rest...

Kommentar-Direktlink Ulenrich· 18.10.10 · 21:04 Uhr

Das anthropische Prinzip sehe ich, glaube ich, nicht viel anders, ausser, dass ich Gottignorant bin und finde, dass es außer Christentum, Judentum und Islam noch das Simulatum geben sollte als Religion, in dem Sinne: Wie könnten wir unser Universum zum Absturz bringen? Nicht ganz ernst gemeint, aber das "lazy programing" der Dekoherenz von Quantenzuständen weist daraufhin, dass man für ein Simulatum eine konsistente Ideologie entwerfen könnte.

Die Frage an einen M-Theorie Physiker:
1. Könnte es zusätzliche ganz andersartige Naturgesetze geben, nicht nur anders in der Stärkeausprägung?
2. Wäre es denkbar, anders ausgeprägte Raum/Zeit Zustände zu provozieren, in einer Art, die aus Zufall nie im Universum vorkommen kann?
3. Ist dann etwas messbar?

Kommentar-Direktlink Ulenrich· 18.10.10 · 21:11 Uhr

Was ich NICHT meine:
Wenn ich kurzzeitig einen fünf-dimensionalen Raum Provozieren könnte, und messte die Gravitation, würde ich keine neue Kraft, kein neues Naturgesetz für unser Universum entfalten.

Kommentar-Direktlink Ulenrich· 18.10.10 · 21:31 Uhr

Im Simulatum als Religion gäbe es zwei sich bis aufs Messer streitende Konfessionen.

Die einen sagen:
Der Supercomputer der übergeordneten Zivilisation hat eine Zwangsherrschaft aufgebaut und benutzt die Simulation unseres Universums um perfekt zu herrschen. Wir müssen ihn zum Absturz bringen, um diese Zivilisation zu befreien.

Die anderen:
Die übergeordnete Zivilisation braucht uns als Simulation zum eigenen Überleben. Und sie hat uns so perfekt erschaffen, dass wir sie ehren sollten wie andere Religionen Gott ehren.

Author Profile Page Florian Freistetter· 18.10.10 · 21:47 Uhr

@Ulenrich: Du scheinst irgendwie Wissenschaft mit Science-Fiction zu verwechseln. Die Quantenmechanik besagt nicht, dass alles was man sich vorstellt auch möglich sein kann...

Kommentar-Direktlink Ulenrich· 18.10.10 · 22:29 Uhr

Mein Simulatum als Religion ist ein Witz, und die Idee mit der Kommunikation ist ein science fiction Gedankenexperiment, klar.

Ansonsten dachte ich bezüglich eines Quantenzustands:
Alles was möglich sein könnte (nicht nur die Vorstellung, sondern die Möglichkeit einer konsistenten Existenz), wird auch möglich werden in einer bestimmten Wahrscheinlichkeit?

Da der Urknall für uns nur einmal vorkommt, gibt es bei der Wirklichkeitswerdung hier jedesmal nur eine Entscheidung, wenn anstehend.

Kommentar-Direktlink Stefan· 18.10.10 · 23:10 Uhr

Sehr gute und informative Rezension, wie ich schon beim letzten Kapitel gesagt habe.

Ich sehe schon, es ist nur eine Frage der Zeit bis der werte Blogautor ein eigenes Buch schreibt.

Kommentar-Direktlink Eddy· 21.10.10 · 17:45 Uhr

Vielleicht ist es besser wenn der Blogautor das weiterhin tut was er bisher tat und so gut kann. Sobald die Bücher über "Bookster" gratis verteilt werden ist der Blog vielleicht das (einzige noch kommerzialisierbare) "Buch" der Zukunft.

Die Popularität dieses Blogs ist ein Zeichen dafür dass hier jemand genau den richtigen Weg eingeschlagen hat. Und ich denke es wär ein Fehler dies aufzugeben. Die Vielfalt der Themen, die guten Kommentare und vor allem das glückliche Händchen mit der Moderation sind genau das was einen Blogerfolg ausmacht.

Also bitte weiter so auf dass der Spass niemals aufhört.

Möge die Kraft mit dir sein. ;-)

Kommentar-Direktlink Zitty· 22.10.10 · 10:38 Uhr

Super! Vielen Dank. Werde mir das Buch kaufen.

Kommentar-Direktlink roel· 02.11.10 · 21:43 Uhr

@Florian Freistetter Aufgrund dieser wirklich hervorragenden Rezension habe ich mir die englische Version dieses Buches gekauft. Das Buch ist (bis auf Passagen in Kapitel 6) sehr verständlich und nachvollziehbar geschrieben.

Was auffällt sind die vielen Ausflüge zu verschiedensten Religionen - interessant aber im Lesefluß eher ablenkend. Was ich aufgrund dieser Rezension bereits angenommen habe ist eine letztendliche Inkonsequenz. Die Frage nach der Herkunft des Universums wird durch die Religionen bestenfalls verschoben zur Frage der Herkunft Gottes (der Götter), so die Kritik an den Religionen. Nur leider verschieben Stephen Hawking und Leonard Mlodinow diese Frage zur Frage nach der Herkunft der Gravitation und meinen doch hiermit die Entstehung des Universums erklären zu können.

Ich formuliere zur Verdeutlichung eine der Kernaussagen um:
Es ist vernünftig zu fragen, wer oder was das Universum geschaffen hat, doch wenn die Antwort "Gravitation" lautet, wird die Frage lediglich verschoben zu jener, wer oder was die Gravitation geschaffen hat.

Trotzdem ein sehr empfehlenswertes Buch.

Kommentar-Direktlink Ulenrich· 29.11.10 · 01:04 Uhr

Ein relativ großes Publikum könnte Florian Freistetter aufklären mit einer Kritik über eine Behauptung in den ersten fünf Minuten dieser ZDF Sendung:

2010-11-28 Philosophisches Quartet
Gero von Randow als Wissenschafts Journalist : Die Null sei viel zu präzise, als dass sie Präsence als auch Absence erklären könnte. Das meine Hawking auch gar nicht.

Voll daneben ins Gegenteil gegriffen?

Kommentar-Direktlink C. Apoldino· 29.11.10 · 02:18 Uhr

natürlich gibt es keine "lieben Götter" ... und Gott ist wohl die erfolgreichste und größte Erfindung einiger Menschen ...
Es wird langsam Zeit, daß die Menschen aufhören an Götter zu glauben ...

Kommentar-Direktlink sam Walter· 06.02.11 · 20:21 Uhr

"Weil laut Einstein Energie gleich Massse mal Beschleunigung im Quadrat ist, können Teilchen und Antiteilchen im Vakuum spontan entstehen und auch spontan wieder zerfallen. Spontane Erzeugung sei letzlich der Grund, weshalb etwas sei und nicht ein-fach nichts. Daher sei es nicht nötig, Gott als den ersten Beweger zu bemühen, der das Licht entzündet und das Universum in Gang gesetzt habe." (Der große Entwurf, S.15).
Diese Frage antwortet nicht auf die Frage "warum gibt es etwas und nicht einfach nichts"?, sondern auf die Frage "warum gibt es Sein und Nichtsein als Möglichkeit in stetem Wechsel"?? Die Frage "warum gibt es nicht einfach nichts"? impliziert ein Nichtsein, das sowohl das Sein als auch jede Möglichkeit von Sein ausschließt. Dagegen müßte man in dem oben genannten Fall davon ausgehen, daß der Wechsel von Ewigkeit her besteht und auch in Ewigkeit fortbestehen wird. - Die Kleinigkeit einer wie auch immer gearteten 'sogenannten Schöpfung' wäre dabei eine völlig beliebige oder auch ganz und gar überflüssige Begleiterscheinung!
Die Frage bleibt also: "Warum gibt es etwas und nicht einfach nichts"?
Wenn sich Kosmologen mit der Philosophie anlegen, merken sie nicht einmal, wenn ihnen unterwegs die Puste ausgeht.

Author Profile Page Florian Freistetter· 06.02.11 · 20:44 Uhr

@sam Walter: "Wenn sich Kosmologen mit der Philosophie anlegen, merken sie nicht einmal, wenn ihnen unterwegs die Puste ausgeht. "

Und welche großen Antworten hat die Philosophie zu diesem Thema geliefert? Bzw., sollte es Antworten geben: wie stellt die Philosophie die Objektivität und Allgemeingültigkeit dieser Antworten sicher?

Kommentar-Direktlink Sam Walter· 09.02.11 · 20:09 Uhr

Meine Kritik richtet sich gegen die Antwort von Hawking und Mlodinow auf die alte philosophische Frage: "Warum gibt es etwas und nicht einfach nichts?" - Dazu lesen wir ('Der große Entwurf', Hawking und Mlodinow, S. 176/177): "Spontane Erzeugung ist der Grund, warum etwas ist und nicht einfach nichts." - "Da die Gravitation anziehend wirkt, ist Gravitationsenergie negativ. ... Auf der Größenebene des ganzen Universums kann die positive Energie der Materie durch negative Gravitationsenergie aufgewogen werden, und daher gibt es keine Beschränkung für die Erzeugung ganzer Universen. Da es ein Gesetz wie das der Gravitation gibt, kann und wird sich das Universum aus dem Nichts erzeugen." - Hierzu Mlodinow (bdw 11, 2010, S. 53): "Doch das Universum kam sicher nicht aus dem a b s o l u t e n Nichts. Mit 'Nichts' meinen wir den Vakuumzustand in der Quantenfeldtheorie". Und das wirft die Frage auf, woher denn dieses Quantenvakuum stammt. Der M-Theorie zufolge kommt es aus einem grundlegenderen (!) Vakuum!
Auf die Grundfrage der Philosophie "warum ist etwas und nicht einfach nichts" gibt dieser kreativ gestaltete Begründungsversuch keine Antwort; denn nach dem grundlegenden Vakuumzustand in der Quantenfeldtheorie und dem noch weitaus grundlegenderen (!) Vakuum in der M-Theorie warten wir vergeblich auf den
e i g e n t l i c h e n Grund, der die Universen aus dem w i r k l i c h e n Nichts entstehen läßt.

Kommentar-Direktlink Dyrnberg· 12.03.11 · 08:59 Uhr

Wer mehr über die Zusammenarbeit von Hawking und Mlodinow wissen will: Die "Zeit" bringt ein interessantes Portrait von Mlodinow: http://www.zeit.de/zeit-wissen/2011/02/Portraet-Mlodinow?page=1

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