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08.09.10 · 15:30 Uhr
Zwei harmlose Asteroiden kommen zu Besuch
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 19
Nur für den Fall das irgendjemand in irgendwelchen dunklen Ecken des Internets was aufschnappt und Angst bekommt: die beiden Asteroiden, die heute ganz nah an der Erde vorbeifliegen sind völlig ungefährlich!
Es geht um zwei kleine Himmelskörper mit den Namen 2010 RX30 und 2010 RF12. Sie wurden am Sonntag im Rahmen des Catalina Sky Survey entdeckt und wie sich bald zeigte, bringen sie ihre Bahnen sehr nah an die Erde heran. Ziemlich nah:
Beide Asteroiden sind uns also näher als der Mond. Aber es besteht trotzdem keine Gefahr die RX und RF sind klein. RX ist höchstens 20 Meter groß und RF nur 14 Meter. Selbst wenn sie mit der Erde kollidieren sollten - was sie ja aber eh nicht tun - dann würden sie den Erdboden nicht erreichen sondern uns höchstens mit einem spektakulären Feuerwerk erfreuen. Es ist ja auch nicht das erste Mal das sowas passiert. Im Januar passierte ein Asteroid die Erde innerhalb der Mondbahn und letzes Jahr im März ebenfalls. Solche kleinen Brocken kommen quasi ständig vorbei und kollidieren sogar ständig mit der Erde! Meistens passiert das in der oberen Atmopshäre und wir kriegen nichts davon mit. Nur wenn das Ding dem Boden nahe genug kommt, sehen wir einen spektakulären Feuerball am Himmel.
Insofern ist es sogar eine gute Nachricht, dass wir die beiden Asteroiden entdeckt haben. Immerhin hat die erste Beobachtung schon drei Tage vor der Passage stattgefunden. Ok - wenn das wirklich ein großer Brocken wäre, dann nützen uns drei Tage Vorwarnzeit auch nicht viel. Aber die großen Asteroiden sind ja auch wesentlich heller und wären deutlich früher gefunden worden. Die Zahl der Asteroiden wächst ja immer weiter und immer schneller und da wir die großen schon größtenteils alle kennen werden nun zwangsläufig auch viele kleine dabei sein, die der Erde nahe kommen und die wir früher einfach übersehen haben. Wenn also in Zukunft immer mehr Meldungen der Art "Asteroid kommt der nahe" publiziert werden, dann steht nicht der Weltuntergang bevor sondern es zeigt nur, dass wir immer besser werden bei der Suche nach den kleinen Asteroiden ;)
Übrigens: 2010 RX30 ist schon an der Erde vorbei; heute um 11:51 hat er uns im Mindestabstand von 248000 km passiert. 2010 RF12 wird dann heute abend um 23:12 in 80000 Kilometer an uns vorbei ziehen. Wer kein großes Teleskop hat, der wird leider nicht viel sehen - dafür ist er viel zu klein (und außerdem regnet es sowieso überall).

Autor: Florian Freistetter· 19 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (19)
Interessant, ab welcher größe können Asteroiden denn den Erdboden erreichen? Ich glaube du hast das schonmal bei CRE erwähnt, ich kann mich aber gerade nicht erinnern.
Ach und noch eine Frage: mit was für einer Geschwindigkeit sind Asteroiden ungefähr unterwegs wenn sie uns passieren?
LG Frithjof
@Frithjof: Die beiden Asteroiden sind etwa 10 und 6 km pro Sekunde schnell, im Vergleich zur Erde (http://neo.jpl.nasa.gov/ca/). Und damit sie bis zum Boden durchkommen, sollten sie schon so mindestens 50 bis 100 m groß sein. Hängt aber natürlich auch vom Material ab.
Also das war also das mysteriöse Heulen gegen Mittag... ;-)
Hm - ist da irgendwo eine Kommastelle verrutscht, oder ist das NASA-Bild nicht maßstäblich? Oder ist mein Augenmaß dejustiert? Weil: wenn man von 380.000km Radius für die Mondbahn ausgeht, scheinen die eingezeichneten Bahnen bzw. Mindestabstände um einiges zu nahe an der Erde zu liegen.@Slammer: Also der Mindestabstand ist der 0,6fache Mondabstand. Könnte hinkommen mit dem Bild, würde ich sagen.
Habs eben bei SPON gelesen. Mein erster Gedanke beim Lesen des Teasers: "Die müssen aber recht klein sein, wenn die erst jetzt entdeckt wurden"
Toll, dass die mittlerweile so gut detektiert werden können.
laut Turiner Skala wirds ab 100m aufwärts richtig gefährlich. Geht die Größe(Durchmesser) eigentlich linear in die Zeit von Entdeckung bis Ankunft Erde ("Vorwarnzeit") ein? Bei gleichem Albedo sollte die absolute Helligkeit quadratisch vom Radius abhängen und die relative dann linear, oder nicht? Sprich hätte der Asteroid nicht 20 sondern 100m Durchmesser, hätten wir nicht 3Tage sondern 2Wochen um die Köpfe einzuziehen. Also ich finds beruhigend das zu wissen. (Wenns denn so stimmt.)
Du weißt aber schon, daß 2 Wochen absolut nix sind, wenns - wie bei einem 100-m-Brocken - ernst wird, oder?
@Slammer: Ich würde vermuten, dass man hier nicht die richtigen Bahnen sieht, sondern nur die Projektionen in die Erde-Mond-Ebene; die richtigen Bahnen werden wohl etwas "über" oder "unter" dieser Ebene an der Erde vorbei laufen. Deshalb sind die tatsächlichen kürzesten Abstände also wohl größer als die, die man in dem Bild hier ablesen kann.
Mal ne blöde Frage weil ich dazu gerade keine Zahlen gefunden habe.
Was ist den der maximale Abstand von Satelitten in unserer Umlaufbahn, und können die durch solche nah vorbeifliegenden Asteroiden beschädigt werden, oder ist da immer noch genügend Luft dazwischen?
@roude: Gute Frage! Also die normalen Satelliten sind recht nah an der Erde; einige hundert bis 1000 km hoch. Die geostationären sind schon weiter weg; ca 35000 km.
Prinzipiell sind die Satelliten natürlich durch Asteroidentreffer gefährdet obwohl hier eher die Mikrometeoroide gefährlich sind die da rumschwirren und noch mehr der ganze Weltraumschrott den wir da selbst hochgeschossen haben. Solche vorbeifliegenden Asteroiden sind da eher wenig gefährlich. Da müsste ein Satellit schon großes Pech haben, wenn er da erwischt wird.
@roude
Die am weitesten entfernten Satelliten sind glaube ich die geostationären Satelliten mit einer ungefähren Flughöhe von 35000 km. Da dürfte also noch genug Platz sein.
Mist, ich war wohl zu langsam, sry für den sinnfreien Beitrag...
Sollten wir denn nicht Vorkehrungen treffen und mit diesem "Adam Bernau" aus "Kamenice" Verbindung aufnehmen, falls da doch mal was größeres kommt?
Wissenschaftler glauben durch die Untersuchung von Lavaströmen im US-Bundesstaat Nevada Hinweise dafür entdeckt zu haben, dass sich das Magnetfeld der Erde vor rund 16 Millionen Jahren innerhalb von weniger als vier Jahren umgepolt hat. Eigentlich nimmt man an, dass dieser Prozess mehrere Tausend Jahre dauert.
http://www.astronews.com/news/artikel/2010/09/1009-007.shtml
@2012: "dass sich das Magnetfeld der Erde vor rund 16 Millionen Jahren innerhalb von weniger als vier Jahren umgepolt hat. Eigentlich nimmt man an, dass dieser Prozess mehrere Tausend Jahre dauert."
Und? Also ne schöne Story und wenns stimmt sicher ein Ergebnis, dass die Geophysiker recht interessant finden werden. Aber deinem Nickname entnehme ich, dass das irgendwas mit dem angeblichen Weltuntergang 2012 zu tun haben soll, nicht wahr? Naja - eine Umpolung des Magnetfeldes hat in der Vergangenheit der Erde schon sehr oft stattgefunden und wir haben es bis jetzt jedes Mal überlebt; auch die Tiere und Pflanzen. Was während der Umpolung passiert, ist, dass das Magnetfeld zuerst schwächer und dann wieder stärker wird. Während es schwach ist, kann der Sonnenwind mehr Schaden anrichten als sonst. Wenn die Umpolung also kürzer dauert - umso besser! Abgesehen davon geht es um ein Ereignis, das 16 Millionen Jahre in der Vergangenheit liegt und ist keine Prognose für die nahe Zukunft. Und es hat nichts mit Asteroiden zu tun...
Erdmagnetfeld... vielleicht etwas Off Topic zum Blogartikel hier, aber ich hab auch noch mal ne Frage. Laut Harald Lesch ist es wohl so dass die obere Erdatmosphäre, sollte das Erdmagnetfeld plötzlich "ausfallen", mit dem Sonnenwind wechselwirkt und umgehend ein eigenes Magnetfeld (unabhängig vom Erd-Dynamo im Erdinneren) aufbaut, welches uns immer zur Sonnen gewanten Seite schützt. Kannst du, Florian, Lesch´s Aussagen bestätigen? Konnte im Netz so nichts weiter konkretes drüber finden. Finde das Thema aber sehr interessant.
@Marco
Ja aufgrundd es sonnenwindes wird sich ein neues schutzfeld sofort aufbauen. Das ist auch bei anderen planeten ohne eigenes magnetfeld in unserem sonnensystem der fall - glaube bei der venus war das - deren atmosphäre wird auch nicht weggeblasen.
Ich glaube im dt wiki unter erdmagnetfeld ist da was.
OT, aber immerhin Asteroiden-Bezug: Benennung von (5656) Oldfield
Hallo!
Über den zufälligen Artikel in der allwissenden Müllhalde bin ich auf diesen Asteroiden gestossen:
http://de.wikipedia.org/wiki/(5656)_Oldfield
Entdeckt "am 8. Oktober 1920 vom deutschen Astronomen Walter Baade". Benannt nach Mike Oldfield.
Kann man also doch durch Himmelsbeobachtung auf die Geburt außergewöhnlicher Menschen schließen? :)
In dem Artikel sind aber noch andere Bezeichnungen des Asteroiden verzeichnet: A920 TA, 1978 WW 18 und 1981 JZ 5. Nebst eines Links zur Namensvergabe bei Asteroiden und Kometen. Das habe ich mir mal angeschaut und komme zu folgendem Ergebnis:
Meine Annahme ist, daß Baade das Objekt 1920 als Komet (A920 TA) entdeckt hat, dann ist das irgendwie in Vergessenheit geraten. In der zweiten Novemberhälfte 1978 und Anfang Mai 1981 wurde der Asteroid nochmals entdeckt. Wurde anscheinend
wieder vergessen, der Arme! Einer der Entdecker (oder die Entdeckerin) war zumindest zu der Zeit von Mike Oldfield sehr angetan. Deshalb hat 5656 einen schicken Namen.
Nun würde ich gerne wissen, ob das so hinkommt.
Was mich aber wundert, wieso haben die "Zweitentdecker" dann das Benennungsrecht? Müßte der Asteroid dann nicht auf ewig A920 TA heißen, weil Baade keinen Namen vorgeschlagen hat? Oder hat man erst später herausgefunden, daß es sich um das selbe Objekt handelt? Und kann die IAU einen Namen nicht
zurückziehen? Wobei man aber auf die Relation achten sollte und es wahrscheinlich "einfacher" ist, den Namen beibehalten zu lassen.
Was so ein kleiner zufälliger Artikel so alles nach sich zieht...
Liebe Grüße!
Markus
@antapex: Wie das mit den Namen läuft ist bei Wikipedia gut erklärt http://de.wikipedia.org/wiki/Benennung_von_Asteroiden_und_Kometen
Wenn man so einen Asteroiden findet, bekommt er erstmal eine provisorische Bezeichnung. Das sind diese Zahlen/Buchstaben-Kombinationen. Wenn dann genug Beobachtungen vorliegen so das man sicher sein kann, die Bahn genau zu kennen und das man den Asteroid nicht mehr verliert, bekommt er eine offizielle Nummer (das ist einfach eine fortlaufende Nummer die 1801 mit (1) Ceres begonnen hat) und der Entdecker darf dem Ding einen Namen geben. Es kann natürlich vorkommen, dass solche provisorischen Objekte mehrmals entdeckt werden und man erst später herausfindet, dass es sich um das selbe Objekt handelt. Wenn der Erstentdecker dann schon tot ist, kommt der nächste mit der Namensfindung an die Reihe.