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03.09.10 · 10:28 Uhr
Die Supernova und die Perlenkette
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 17
Die Supernova 1987A gehört wohl zu den bekanntesten Objekten ihrer Art. Dabei gibt es jede Menge davon; Sterne die am Ende ihres Lebens in einer großen Explosion vergehen findet die Astronomen ständig. Aber die sind alle weit weg; in anderen Galaxien. Aber 1987 fand so eine Supernova in der Großen Magellanschen Wolke statt und mit einer Entfernung von knapp 150000 Lichtjahren ist das die erdnächste Supernova die wir derzeit beobachten können. Und beobachtet wurde sie! Supernovae sind enorm wichtig, wenn man z.B. besser verstehen will, wie Sterne mit ihrer Umgebung interagieren; wie sie die Eigenschaften einer Galaxie beeinflussen und natürlich auch, wie Sterne generell funktionieren. Also wurden seit 1987 jede Menge Teleskope auf die Supernova gerichtet - darunter natürlich auch das Hubble-Teleskop, dass ja schon 1990 im Orbit war und somit nur die ersten drei Jahre von SN 1987A verpasst hat. Mit tollen Bilder hat Hubble das aber schnell wieder aufgeholt und gestern wurde nun ein neues Bild veröffentlicht, aus dem sich interessante Rückschlüsse auf die Dynamik der Supernova ziehen lassen.
So sieht es aus:
Der tote Stern selbst befindet sich in der Mitte des roten Rings. Der wurde schon vor der Supernova erzeugt. Denn so ein Stern explodiert ja nicht einfach plötzlich ohne Vorwarnung - schon lange vor seinem Tod wird er immer heißer und die starken Sternwinde tragen Teile seiner Atmosphäre davon. Etwa 20000 Jahre vor der eigentlichen Explosion hat Sanduleak (so heisst der Vorläuferstern von SN 1987 A) jede Menge Material ausgestoßen, dass sich seitdem vom Stern weg bewegt und diesen Ring gebildet hat. Gas und Strahlung von der eigentlichen Supernova ist ihm aber dicht auf den Fersen und hat ihn nun langsam eingeholt. Und wenn die Strahlung der Supernova auf den Ring trifft, dann beginnt er zu leuchten. Das sieht man in diesem Video wunderbar, dass die verschiedenen Bilder zeigt, die man im Laufe der Zeit von SN 1987 A gemacht hat:
Sehr cool!
In ihrem Artikel mit dem Titel "Observing Supernova 1987A with the Refurbished Hubble Space Telescope" haben Kevin France von der Universität Boulder in Colorado und seine Kollegen aber noch andere interessante Beobachtungen beschrieben.
"Es ist wie ein sich bewegender Spiegel, der Blitze aus Ultraviolettstrahlung zu uns schickt"
beschreibt zum Beispiel Roger Chevalier die Supernova. Denn die Messungen der Astronomen zeigen, dass es dort im Vergleich zum sichtbaren Licht zuviel ultraviolette Strahlung gibt. Man geht nun davon aus, dass der Ring durch die Supernova nicht nur einfach leuchtet sondern auch selbst UV-Strahlung erzeugt die durch das Gas der Supernova zu uns gestreut wird.
Kevin France fasst nochmal zusammen, warum die Forschung an SN 1987 A so wichtig ist:
"Mit diesen Forschungergebnissen können wir nun beginnen, die chemischen und physikalischen Auswirkungen der Supernovae zu verstehen. Und wir können das alles tatsächlich auf menschlichen Zeitskalen beobachten. Das ist wirklich cool, denn normalerweise passiert in der Astronomie alles in enorm viel längeren Zeiträumen."
Ja, so eine Supernova kann tatsächlich richtig cool sein ;)

Autor: Florian Freistetter· 17 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (17)
Hallo Florian, tolle Bilder haste wieder einmal rausgesucht. Allerdings ist Dir ein kleiner Schreibfehler unterlaufen.
"Also wurden seit 1987 jede Menge Teleskop auf die Supernva gerichtet"
nur so am Rande... klingt allerdings ganz witzig
Eine OT Frage führt mich allerdings zu diesem Kommentar (und meinem Thesaurus).
Habe gestern abend meine "gute-Nacht-Zigarette" unter dem wunderschönen Mecklenburger Sternenhimmel verdrückt, als ich am Himmel ein recht helles (im Gegensatz zu den Sternen) Objekt sah, das von W nach O recht zentral (ein klein wenig südlich) über den Himmel zog. Ein Flugzeug wird's nicht gewesen sein, dafür war es etwas zu schnell, blinkte nicht sondern gab ein konstantes weißes Licht ab, zu hören war auch nix. Als das Ding dann gerade über mich hinweg flog wurde es immer leuchtschwächer bis es verschwand. Was könnte das gewesen sein? Sternschnuppen sind viel schneller und weniger hell. War's vielleicht die ISS? Verschwand es, weil es vorher in einem speziellen Winkel das Licht reflektiert hat? Ach ja, das ganze fand Punkt 21:57 statt, falls Dir das helfen könnte.
Danke und ein schönes Wochenende im voraus!
@tomW: War ziemlich sicher die ISS. Laut www.heavensabove.com ist die etwa um die Zeit gestern über den Himmel gezogen, mit einer Helligkeit von -3.4 (also etwa so hell wie die Venus).
genaue Daten (für Schwerin) hier:
http://www.heavens-above.com/PassSummary.aspx?satid=25544&lat=53.633&lng=11.383&loc=Schwerin&alt=61&tz=CET&Date=55431.9166666667
Und das Licht verschwand wohl deswegen recht plötzlich, weil die ISS da in den Erdschatten eintauchte, also kein Sonnenlicht mehr reflektieren konnte...
@Bjoern
Cool! Ich hab die ISS gesehen! (und sogar richtig geraten...)
Bin schwer beeindruckt, als wäre der Sternenhimmel nicht schön grandios genug...
Danke für die Antwort und den Link, dann kann ich demnächst meine Gute-Nacht-Kippen auf die passende Uhrzeit legen.
Ob man mit nem Fernglas mehr erkennen kann? Ein Teleskop besitze ich ja leider nicht. Hmmm...
Ich denke, mit einem Teleskop wird man sich bei der ISS schwer tun. Schon "gewöhnliche" Objekte wie z.B. der Jupiter wandern ziemlich schnell aus. Wenn man das Teleskop mal auf die ISS ausgerichtet hat und durch's Okular schaut, wird die schon wieder weg sein.
Hat's schon mal jemand probiert?
"dass es dort im Vergleich zum sichtbaren Licht zuviel und zuviel Ultraviolette Strahlung gibt."
zuviel und zuviel?
Da fehlt doch was, oder? ;>
Florian scheint's eilig gehabt zu haben... *g*
Bringt denn eigentlich ein Fernglas was oder wird aus nem kleinen hellen Punkt ein etwas größerer heller Punkt? Es wird wohl ne Weile dauern bis ich's ausprobieren kann, da ich meine nächsten Tage in Berlin verbringe, wo man am Himmel höchstens Flugratten sehen kann.
Es ist immer wieder amüsant wenn ein Großstädter auf Land kommt und mir begeistert davon berichtet, wieviele Sterne man hier doch sehen kann und er/sie zum ersten mal die Milchstraße in all ihrer Pracht bestaunen konnte...
Schon nicht schlecht, dafür fehlen aber die Späties (ugs. für Läden, die auch Nachts noch Bier, Kippen und lange Blättchen verkaufen) *g* und die nächste Tanke ist 25km weit weg...
@ Volschaf:
Das fiel mir auch auf. Der Link unmittelbar davor macht mir die Sache auch nicht klarer: von der UV-Strahlung sei nicht nur zu viel da, sie sei auch noch "zu schnell" ?! Ich kann mir nur denken, dass ihre Ausbreitung an einer bestimmten Stelle früher als das sichtbare Licht eingesetzt haben soll. Oder wie muss man Chevalier da verstehen?
@mi fhèin: Prinzipiell ist es möglich, die ISS mit dem Teleskop zu beobachten - man muss halt ständig von Hand nachführen. Dazu gibt's ein paar geniale Bilder von Hobby-Astrofotografen; auf Bad Astronomy wurden schon einige davon gezeigt... (find' sie leider gerade nicht mehr).
@volschaf: "zuviel und zuviel? Da fehlt doch was, oder? ;>"
Ne - da ist nur ein zuviel zuviel ;)
Bjoern·
03.09.10 · 15:13 Uhr
Was ist denn der Unterschied zwischen "durch die Supernova nur einfach leuchtet" und "auch selbst UV-Strahlung erzeugt"? Meintest du im ersten Fall "nur einfach das Licht der Supernova streut/reflektiert"? Oder meintest du im zweiten Fall, dass die Erzeugung der UV-Strahlung auch ohne die Supernova abläuft / ablaufen würde?@Bjoern: "Oder meintest du im zweiten Fall, dass die Erzeugung der UV-Strahlung auch ohne die Supernova abläuft / ablaufen würde? "
So hätte ich es jedenfalls verstanden. Ich muss aber dazu sagen, dass ich die Originalarbeit nicht gelesen habe; ich habe momentan keinen Zugriff auf Artikel in Science.
@Florian: Das Paper ist im ArXiv erhältlich:
http://arxiv.org/PS_cache/arxiv/pdf/1009/1009.0518v1.pdf
Die relevante Erklärung steht wohl auf Seite 3. Allerdings kann ich der Erklärung leider nicht folgen... :-( Die Autoren reden da seltsames Zeug wie "the radiation is at zero velocity" - Strahlung hat ja wohl immer die Geschwindigkeit c und nicht Null! Vom Zusammenhang her meinen sie vielleicht, dass die Quelle der Strahlung die Geschwindigkeit Null hat... ist IMO sehr verwirrend geschrieben.
@bjoern
ich habs mir auch mal angeschaut und kann da nix seltsames entdecken
der ring ist eine (relativ) ruhende strahlungsquelle, er hat knoten die vor der supernova stehen und welche die hinter der supernova stehen, von der supernova aus fliegt wasserstoff nach außen
der knoten der von uns aus gesehen weiter vorn ist strahlt in alle richtungen ab, seine ruhende ausstrahlung können wir nicht sehen weil er zu langsam relativ zum galaktischen medium ist (lmc und die milchstraße bewegen sich recht langsam und das gas dazwischen macht auch keine zu absurden sachen) um nen ausreichende dopplerverschiebung zu erreichen, dass die strahlung nicht resonant absorbiert werden würde
aber das licht was direkt in der umgebung auf das expandierende gas der supernova trifft wird gestreut und dank der sehr hohen relativgeschwindigkeit zwischen (fast) ruhendem knoten und ankommendem gas wird es enorm dopplerverschoben
in der einen richtung (vorderer knoten -> gas -> erde) verdoppelt sich die dopplerverschiebungen in der anderen richtung (hinterer knoten -> gas -> erde) heben sie sich auf
deswegen sehen die beiden kurven in figure 4 so unterschiedlich aus
aso und warum das ganze leuchtet (worum es hier ja eigentlich ging)
der ring wurde 20.000 jahre vor der supernova von dem stern emittiert.. und wurde vom interstellaren medium der umgebung immer weiter abgebremst, und er fing an zu leuchten als der gasauswurf (also die schockfront) der supernova ihn traf, er reflektiert also nicht licht von der supernova sondern wird durch "sonnenwind" aufgeheizt.. so oder so leuchtet er nur wegen der supernova.. und trotzdem von allein ;)
und als letzte ergänzung: http://www.mikesalway.com.au/wp-content/uploads//2009/03/20090320-iss.jpg als amateur kann man die iss also wunderbar abbilden
@perk: Danke! Ja, das wird mit dem Text wohl gemeint sein (und ich find' die Formulierung der Autoren trotzdem weiterhin seltsam ;-) ).
Mal eine blöde Frage. Man macht doch von Zeit zu Zeit Versuche Sendungen an andere Zivilisationen zu schicken. Wäre es denn dann nicht sinnvoll nach einer solchen Supernova genau in die Gegenrichtung zu senden? Falls dort Astronomen sein sollten, so ist es deutlich wahrscheinlicher dass sie das empfangen können als wenn wir einfach so senden.