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14.05.10 · 14:37 Uhr
GWUP-Konferenz 2010 - Warum Menschen Unfug glauben (Tag 1)
Kategorie: Kultur·Medizin·Naturwissenschaften · Kommentare: 15
Als Vertreter der Jahrtausende alten Erfahrungswissenschaft Sheng Fui (Ein erfülltes Leben dank fernöstlicher Leere), weiß ich nur allzu gut um die Existenz der unzähligen Scharlatane, Quacksalber und Irrgläubigen auf dieser Welt. Diese Verbreiter des Irrationalen schaden unserem Ruf und sind auf dem spirituellen Marktplatz zugleich unsere hartnäckigsten Mitbewerber, können sie doch, im Gegensatz zu uns, nahezu unbehelligt das Blaue vom Himmel herunter lügen. Da trifft es sich gut, dass es eine "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V." gibt, die sich die Aufklärung über derlei Irrationales auf ihre Fahnen geschrieben hat. Diese Gesellschaft (abgekürzt "GWUP") hat nun ihre Mitglieder und andere Besucher zur 20.ten GWUP-Konferenz mit dem Titel "Warum Menschen Unfug glauben" nach Essen gerufen. Das Preisgeld, das ich im Bilderwettbewerb von Astrodicticum Simplex und SPIEGEL Online mit dem besten Bild eines UFOs gewonnen hatte, ermöglichte mir nun den Besuch dieser Konferenz. Gleichzeitig ein Beleg für die Wirkkraft von Bestellungen beim Universum, denn ebenda hatte ich den Konferenzbesuch in Auftrag gegeben. Bereits der erste Tag meiner Astralreise zu den Skeptikern sollte ein spirituell intensives Erlebnis werden. Nicht jedoch für mich, sondern für die katholische Kirche. Durch den Ascheregen des isländischen Vulkans musste der Flugverkehr gesperrt werden und die für diesen Donnerstag vorgesehene Christi Himmelfahrt auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Selbst die vielen beherzten Kirchenaustritte, die dafür sorgen, dass weniger Asche vorhanden ist, konnten daran nichts ändern. Und so ist dies, nach den Misshandlungs- und Missbrauchsvorfällen der Vergangenheit, wohl der schlimmste Imageschaden, den die katholische Kirche jemals hinnehmen musste. Aber auch unser weltliches Reich gerät ins Wanken. Die Wirtschaft ist durch die Griechenland-Krise schwer angeschlagen und die zahlreichen Hilfsaktionen klingen unausgegoren und wenig Erfolg versprechend. So hörte ich während meiner Astralreise zur GWUP-Konferenz wie sich im Autoradio zwei Rundfunksprecher über den heutigen Feta-Tag unterhielten... Das üppige Preisgeld ermöglichte mir die Buchung des besten Hotels am Platz. Ein Ort, der die Verbindung von Parkhaus und Hoteleriebetrieb mit einer architektonisch reizvollen Klammer gewürdigt hat. Mit viel Liebe zum Detail hat man ein Themenhotel vom Typ "heruntergekommene 60er-Jahre" geschaffen. Leider habe ich nicht den Platz und die Gelegenheit, die vielen innenarchitektonischen Elemente zu würdigen wie das in einem aufwändigen Alterungsprozess überarbeitete Retro-Mobiliar, die dem Anspruch des multikulturellen Hauses folgend auch von vielen Kulturen besiedelten Teppichböden und die Eingangssituation, welche harmonisch zwischen Justizvollzugsanstalt und öffentlicher Bedürfnisanstalt pendelt. Starten wir stattdessen mit dem Bericht über den 13. Mai, den ersten und sogenannten Publikumstag der 20. GWUP-Konferenz mit dem Thema "Warum Menschen Unfug glauben".
Als Konferenzort hat man sich mit dem Unperfekthaus in Essen eine spannende Location ausgesucht. Das Haus bietet die unterschiedlichsten Konferenz- und Besprechungsräume, unterscheidet sich jedoch von den üblichen Businesslocations, denn man fühlt man sich hier wie zu Gast bei Freunden einer liebenswerten Künstler-WG: Das Haus ist vollgestopft mit Ateliers und man kann den Künstlern teilweise sogar bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen. Selbst die Flure des mehrstöckigen Hauses werden genutzt: Vitrinen beherbergen Kunstwerke, Regale mit Büchern laden zum Stöbern ein, Arbeitsplätze mit PCs stehen bereit und in einem Flur wird sogar Tischtennis gespielt. Auch die Verzehrregelung ist sympathisch: Mit einer Eintrittsgebühr von 5,50 € erwirbt man eine Flatrate nicht-akoholischer Getränke. An verschiedenen Orten stehen Kühlschränke mit gekühlten Softdrinks bereit. Wer es heiß mag, nutzt die verschiedenen Automaten, welche die unterschiedlichsten Kaffeespezialitäten ausspucken. Die Konferenz bietet ab 14.00 Uhr im Stundentakt jeweils drei verschiedene Veranstaltungen. Im großen Saal macht Patrick Pricken mit seinem Vortrag "Ein Tag im Leben eines Skeptikers" den Anfang. Der angehende Lehrer fürs Berufskolleg bloggt unter p-pricken.de. Er hat das Thema kurzfristig variiert und stellt seine Argumente für skeptisches Denken vor. Wobei er schmunzelnd voranschickt, dass jeder Skeptiker seine verborgenen esoterischen Eigenschaften habe...
- Skeptiker sind Besser-Wisser
- Skeptiker sind Träumer
- Skeptiker sind bescheiden
- Skeptiker sind Realisten
- Skeptiker haben das Staunen nicht verlernt
- Skeptiker denken selbst
- Skeptiker sind offen für alles
- Skeptiker werden gebraucht
- Skeptiker sind die besseren Liebhaber
- Die derzeit wohl ungewöhnlichste Verschwörungstheorie nach Aussage des Promovierenden: Die Sonne ist kalt!
- Am erfolgreichsten seien Verschwörungstheorien, wenn sie bekannte Themen aufgreifen (Mondlandung) oder politisch argumentieren.
- Es sei sinnvoll Verschwörungstheorien entgegenzutreten und diese nicht zu ignorieren. Als Beispiel könne die sog. "Auschwitz-Lüge" angeführt werden, deren Ausbreitung man durch Gegenargumente weitgehend gestoppt hätte.
- "Ein prominentes Leben kann nicht trivial enden.", sei der Leitsatz, der hinter all den Verschwörungstheorien über den Tod von Kennedy, Lady Di etc. stehen würde.
- Verschwörungstheorien seien kein Randgruppenphänomen, sondern seien in allen gesellschaftlichen Gruppen anzutreffen.
- Je gläubiger jemand im religösen Sinne sei, desto anfälliger sei er auch für Verschwörungstheorien und desto hartnäckiger würde er diese verfolgen.
- Frauen würden weniger Verschwörungstheorien kennen, Männer weniger Verschwörungstheorien glauben.
Autor: Florian Freistetter· 15 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (15)
Super Veranstaltung gestern gewesen, das Unperfekthaus ist wirklich eine spannender und aufregender Ort www.unperfekthaus.de
Außerdem hatten wir gestern THE MAGIC MAN und Mark Benecke in Action siehe:
http://www.facebook.com/l.php?u=http%3A%2F%2Fwww.badische-zeitung.de%2Fwaldkirch%2Fzauberer-sagt-boersenkurs-voraus--31040131.html&h=aa778
Mein Vater ist zur Zeit in Essen. Ich hoffe, er bleibt diesen Veranstaltungen fern.
@ vizioon
aha!
und was hat es nun mit diesem yogi auf sich???
der hat sicher ein loch in der gaumenplatte durch das ein nährendes sekret aus einer anderen göttlichen dimension in seinen körper rinnt
@ Vizioon,
es macht auch keinen Sinn, solche Veranstaltungen zu besuchen.
Klasse Gastbeitrag! Weiß jemand, ob einige der Vorträge auch aufgezeichnet und online verfügbar gemacht werden?
Danke @Lorenz Meyer!
Für den kurzweilig zu lesenden Bericht, als auch besonders herzlich für die energetischen Grüße aus Essen (ich bin aus Zeitgründen den ganzen Tag nicht in die Kantine gekommen und hatte schon ein schwarzes Loch im Magen).
Gibt es denn auch etwas über Peter Brugger zu berichten? Wäre toll.
Schön, daß sich auch heuer jemand zum Berichten fand - wg anderer Verpflichtungen bleibt es mir diesmal versagt...
Hey,
ein paar Ergänzungen: laut meines Vortrags sind Skeptiker nicht nur offen für alles, sondern auch für alle – sonst wären es ja nicht 10 Punkte geworden *g*
Der Verschwörungs-Mann heiß Bartoschek.
Ich glaube, 8 oder 9 Vorträge wurden von verschiedenen Kamerateams gefilmt, vier oder fünf werden davon mindestens in voller Länge online gelangen; es kann sein, dass die anderen nur zusammengeschnitten werden. Ich weiß allerdings nicht, wie lange das dauert – am Besten abonniert man mein Blog (he he), ich werde das sicher bekannt geben. Danach kann mans ja wieder abbestellen...
Herr Brugger hat heute jedenfalls den m.E. interessantesten Vortrag gehalten, obwohl ich (wie sicher viele Anwesende) den einleitenden Teil mit Schafen und Ziegen und paranormalen Überzeugungen usw. bereits kannte.
@perk: Das ist viel komplizierter, als es sich anliest....
Frage:
der genannte Prof. Dr. Martin Hermann: wer ist gemeint ? Es gibt verschiedene. Ich hätte nämlich eine konkrete Frage an ihn bzgl dieses Yogi.
jo, schoen war der Publikumstag. Und das im Unperfekthaus mit seiner toleranten Grundidee - es lagen sowohl flyer von linuxhotel als auch von Reiki-Lebensberatern herum, klasse.
In der Ausstellung unterm Dach hat mich als Chemiker das Todeswasser der Morbidium AG in den Ampullen am meisten beeindruckt. Leider war es recht teuer, aber die Herstellung ist ja auch wirklich aufwendig. Und zur Zeit hab ich sowieso keine Verwendung dafuer.
Freue mich auf naechtes Jahr, in Wien.
Hallo, Prof. Hermann findest du hier
http://www.gwup.org/ueber-uns-uebersicht/regionalgruppen/rhein-ruhr/711-gwup-rhein-ruhr-team
ansonsten stell die Frage doch im GWUP-Blog unter dem yogibeitrag hier:
http://blog.gwup.net/2010/04/29/prahlad-jani-isst-nie-da-sind-wir-skeptisch/
Bist Du Dir sicher, dass das "Bielefeld-Verschwörung" heißt? Ich habe mal erfolglos Bochum gesucht.