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Florian Freistetter ist Astronom. Er promovierte am Institut für Astronomie der Universität Wien und forscht zur Zeit in Jena und Heidelberg über die Dynamik extrasolarer Planeten und die Probleme virtueller Observatorien.

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14.04.09 · 14:42 Uhr

Planet X ist weit weg

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 20

Schon lange bevor die Esoteriker Unsinn über einen angeblich gefährlichen Planeten X ("Nibiru") erzählt haben, haben sich Wissenschaftler ernsthaft Gedanken darüber gemacht, ob es in den äußeren Bereichen des Sonnensystems noch weitere, unentdeckte Planeten geben könnte.

Gefunden hat man nichts. Bzw. man hat jede Menge gefunden! Keinen Planeten - aber immerhin einen gewaltigen Asteroidengürtel. Die Entdeckung des Kuipergürtels in den 1990er Jahren war eine große Sache und der Kuipergürtel wird immer noch intensiv erforscht und untersucht. Große Objekte gibt es dort allerdings nicht (einige Zwergplaneten ausgenommen). 

Wenn es in unserem Sonnensystem tatsächlich noch weitere Planeten gibt, müssen die sehr weit entfernt sein. Aber auch sie könnten sich finden lassen. Ein Planet verrät seine Anwesenheit nämlich nicht nur durch das von der Sonne reflektierte Licht, das wir im Teleskop sehen können, sondern auch durch seinen gravitativen Einfluss. Der Planet Neptun wurde genau so entdeckt: lange bevor man in im Teleskop gesehen hatte, hat man gemerkt, dass irgendwas die Bahn des Uranus beeinflusst. Daraus errechnete Urbain Le Verrier die Bahn des Neptun

Lorenzo Iorio vom Istituto Nazionale di Fisica Nucleare in Pisa hat nun die Bahnen der inneren Planeten in unserem Sonnensystem auf solche Störungen hin untersucht. Denn wenn es weit draußen im Kuipergürtel noch Planeten gibt, dann müsste man das hier merken können.

Bei arXiv ist vor einigen Tagen seine Arbeit "Constraints on Planet X and Nemesis from Solar System's inner dynamics" veröffentlicht worden.

Basierend auf Beobachtungsdaten der letzten 100 Jahre hat Iorio versucht, herauszufinden, ob es in der Drehung des Perihels von Venus, Erde und Mars einen Effekt gibt, der auf den Einfluss eines unbekannten Planeten zurückzuführen ist.

Gefunden hat er nichts. Allerdings ermöglicht es diese Untersuchung, die mögliche Bahn eines unbekannten Planeten einzugrenzen. Ein Planet mit der Masse des Mars muss mindestens 250 astronomische Einheiten (also 250 Mal weiter von der Sonne entfernt als die Erde) entfernt sein - ansonsten würde man seinen Einflussen in den Beobachtungsdaten sehen. Ein Planet mit der Masse der Erde dürfte seine Bahn nicht näher als 750 astronomische Einheiten an der Sonne haben.

In beiden Fällen würden sich die Planeten weit hinter dem Kuipergürtel befinden - ein Bereich, über den wir heute noch kaum etwas wissen. Man vermutet dort einen Übergangsbereich zwischen Kuipergürtel und der das Sonnensystem kugelförmig umgebenden Oortschen Wolke. Das einzige Objekt, das wir bisher in dieser hypothetischen "inneren Oortschen Wolke" gefunden haben, ist der Asteroid Sedna der eine große Bahnhalbachse von 500 astronomischen Einheiten hat (sich der Sonne auf seiner Bahn aber bis auf 76 astronomische Einheiten annähert).

Hätte ein unbekannter Planet eine Masse wie der Jupiter, dann müsste er sich weit in der Oortschen Wolke befinden und müsste auf jeden Fall 13500 astronomische Einheiten entfernt sein. Handelt es sich gar um einen braunen Zwerg (ein Mittelding zwischen Planet und Stern), dann dürfte der sich nur außerhalb der Oortschen Wolke befinden, bei einem Abstand von 1.8 Lichtjahren. Ein hypothetischer Begleitsstern der Sonne müsste sich ebenfalls mindestens 2 Lichtjahre entfernt befinden, um bisher unbemerkt geblieben zu sein.

Solche Planeten zu finden wird nicht einfach werden. Aber es spricht eigentlich nichts dagegen, dass sie existieren. In der Frühzeit des Sonnensystems ging es ziemlich chaotisch zu. Damals wurden wahrscheinlich einige Protoplaneten aus dem System geworfen - und irgendwo müssen die ja nun sein ;) Vielleicht befinden sie sich ja nun irgendwo in der Oortschen Wolke und warten auf ihre Entdeckung.

Und den Panikmachern und Weltuntergangspropheten von der esoterischen Planet-X-Fraktion konnte wieder mal nachgewiesen werden, dass sie keine Ahnung haben, wovon sie reden.


Ähnliche Artikel: Kein Weltuntergang am 21.12.2012, Die Jagd nach Planet X, Weltuntergang 2012: bald auch im Kino

 

Autor: Florian Freistetter· 20 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Trackbacks (5)

NASA und Nibiru · Astrodicticum Simplex · 25.06.09 · 19:42 Uhr

Warum es Planet X nicht geben kann · Astrodicticum Simplex · 28.09.09 · 06:50 Uhr

Nicht jeder Planet X ist gefährlich · Astrodicticum Simplex · 11.10.09 · 22:15 Uhr

Der Kuipergürtel gibt neue Rätsel auf · Astrodicticum Simplex · 15.10.09 · 07:40 Uhr

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Kommentare (20)

Kommentar-Direktlink Herr Lebeks Geist· 15.04.09 · 08:16 Uhr

Das wäre schon eine interessante Forschungsaufgabe. Gibt es in der theoretischen Astronomie/Astrophysik oder anderen relevanten Forschungsrichtungen eigentlich Menschen, die sich mit der Frage der Wahrscheinlichkeit, der Existenz beschäftigen? Damit meine ich nicht allein die Suche nach möglichen Orbits, sondern die Frage nach der isolierten Wahrscheinlichkeit der Existenz eines bekannen möglichen Orbits.

p.s.
Ich fand den Artikel sehr interessant und überzeugend, aber die Bezeichnung "Nachweis" verdient er m.E. nicht. Ohne den letzten Satz, der irgendwie auch nichts zur eigentlichen Sache tut, würde mir das Ganze noch besser gefallen. Den Schluß, daß die Nibiru-Panik bisher jeder Grundlage entbehrt, kann man doch ohnehin ziehen.
:-)

Author Profile Page Florian Freistetter· 15.04.09 · 09:17 Uhr

"Damit meine ich nicht allein die Suche nach möglichen Orbits, sondern die Frage nach der isolierten Wahrscheinlichkeit der Existenz eines bekannen möglichen Orbits."

Hmm - ich versteh nicht ganz, was ein "bekannter möglicher Orbit" sein soll. Es gibt sehr wenig Beispiele, wo so eine Rechnung sinnvoll wäre. Meistens hat man einen großen Bereich und will wissen, wo es dort stabile Bahnen gibt.

"Den Schluß, daß die Nibiru-Panik bisher jeder Grundlage entbehrt, kann man doch ohnehin ziehen."

Leider nicht - und vermutlich wird auch die Arbeit von Iorio viele Nibiru-Anhänger nicht überzeugen :(

"aber die Bezeichnung "Nachweis" verdient er m.E. nicht"

Warum nicht? Gäbe es eine Planeten wie Nibiru, dann hätte er sich bemerkbar gemacht. Der Artikel zeigt, dass das nicht der Fall ist.

Kommentar-Direktlink Ronny· 15.04.09 · 09:56 Uhr

@Florian
Du schreibst: es spricht nichts dagegen, dass er existiert.

Ich frage mich nur, wie ein wirklich großer Planet dort eine stabile Bahn erreicht haben könnte. Die Gravitation der Sonne ist schon zu klein um ihn 'einzufangen' und entstanden kann er dort vermutlich nicht sein aufgrund der großen Abstände.

Author Profile Page Florian Freistetter· 15.04.09 · 10:55 Uhr

@Ronny: Ach, er kann schon dort entstanden sein. Im Moment haben wir immer noch kein eindeutiges Bild der Planetenentstehung; Entstehung weit draußen ist durchaus im Bereich des möglichen. Man hat ja sogar schon extrasolare Planeten entdeckt, die sich einige hundert AU vom Stern entfernt befinden. Und wenn ein Planet früher aus dem inneren Bereich des Sonnensystems rausgeworfen wurde, dann kann er auch weiter draußen wieder ne stabile Bahn kriegen.

Kommentar-Direktlink Herr Lebek· 15.04.09 · 11:26 Uhr

@ Florian Freistetter

sondern die Frage nach der isolierten Wahrscheinlichkeit der Existenz eines bekannen möglichen Orbits.

Das kann man auch so nicht verstehen, da sind mir ein paar Wörter abhanden gekommen.

Die Frage nach der isolierten Wahrscheinlichkeit, der Existenz eines Planeten in einem bekannten möglichen Orbit. So etwa in der Art, wars gedacht...

Kommentar-Direktlink Jonas· 15.04.09 · 20:54 Uhr

Sind Doppelsternsysteme, bei denen die beiden Sterne mehr als 2 Lichtjahre auseinander sind, "normal" oder wäre das eher exotisch?

Author Profile Page Florian Freistetter· 15.04.09 · 22:04 Uhr

@Jonas: Das würde ich eher als normal einstufen. Die meisten Sterne befinden sich in Doppel- oder Mehrfachsystemen - und die Komponenten können da auch sehr weit auseinander sein.

Kommentar-Direktlink Jonas· 15.04.09 · 22:24 Uhr

@florian: Vielen Dank.

Kommentar-Direktlink klaus· 16.04.09 · 09:04 Uhr

@Herr Lebek:
Diese Wahrscheinlichkeit strebt m.E. gegen null, und zwar einfach deshalb, weil es ohne Rücksicht auf die Umgebungsparameter jeweils fast beliebig viele mögliche Orbits gibt. Als simples Zweikörperproblem - so verstehe ich Ihre Frage jetzt - hat es praktisch unendlich viele Lösungen.

Oder stehe ich da auf dem Schlauch?

Kommentar-Direktlink Herr Lebek· 16.04.09 · 10:00 Uhr

@ Klaus
Klar, im Prinzip gibts fast beliebig viele Orbits im Zweikörperproblem, zumal mit m=0. Wahrscheinlich ist es noch zu früh, um zu sagen, die größte Menge Planeten ist so-und-so beschaffen, um den Suchbereich einschränken zu können.

Author Profile Page Florian Freistetter· 16.04.09 · 11:08 Uhr

@Herr Lebek, Klaus: So ganz verstehe ich immer noch nicht, um was es hier gehen soll. Aber wie man die Bereiche bestimmt, in denen Planetenbahnen existieren können, habe ich hier und hier beschrieben (die Serie wird aber noch fortgesetzt).

Kommentar-Direktlink klaus· 16.04.09 · 11:26 Uhr

So wird man das vermutlich nur grob abschätzen können, und auch das nur, wenn man sehr viele Planetensysteme vollständig überschauen kann, um Erfahrungswerte zu gewinnen. Davon ist man heute noch sehr weit entfernt. Was hat man nicht schon für Überraschungen erlebt - heiße Jupiter, heiße Neptuns auf extrem engen Bahnen.... Dabei liegt die Nachweisgrenze noch lange nicht so tief, dass erdähnliche Trabanten sicher nachgewiesen werden könnten. Solange das nicht der Fall ist, weiß niemand, wie Planetensysteme überhaupt aussehen können - dass sie sicher nicht sämtlich unserem Sonnensystem ähneln, gehört zu den wenigen bekannten Fakten.

Und noch zwei Dinge:
Wie ein Planetensystem anfänglich aussieht, hängt mit den Verhältnissen in der protoplatetarischen Staubscheibe ab - und da geht es vermutlich schon recht chaotisch zu.
Wie es sich entwickelt, ist eine ganz andere Frage - Planetenbahnen unterliegen Migrationsvorgängen. Durch Resonanzen mit Nachbarplaneten können an sich stabile Bahnparameter sehr dynamische Züge annehmen. Die Angabe einer Wahrscheinlichkeit müsste aber auch solche Einflüsse mitberücksichtigen, und deren Entwicklung in der Zeit.

Kommentar-Direktlink klaus· 16.04.09 · 11:32 Uhr

@Florian:
Ich hatte die Frage so verstanden, dass Herr Lebek wissen will, mit welcher Wahrscheinlichkeit man einen Planeten vorfindet, wenn man die wesentlichen Parameter vorgibt - Massen, Bahnneigung, Exzentrität, mittlere Entfernung...

Kommentar-Direktlink Herr Lebeks Geist· 16.04.09 · 15:42 Uhr

@ Florian
Ich hatte beide "Ordnung und Chaos" Artikel gelesen und in einem Moment geistigen Driftens (es ist heiß hier...) fiel mir die Frage ein, ob es wohl jemanden gibt, der wenn man die Bereiche ermittelt hat in denen Planeten existieren können (stabile Orbits), sich die Frage stellt wo in all den möglichen Bereichen, wohl der WAHRSCHEINLICHSTE ist.
Na ja, man soll halt bei 36 Grad C nicht denken...
:-)

Author Profile Page Florian Freistetter· 16.04.09 · 16:29 Uhr

@Herr Lebek: Ja, solche Wahrscheinlichkeiten man durchaus rechnen. Meistens wird es aber nicht gemacht, weil man viel zuwenig genaue Parameter hat, um auch verläßliche Werte zu bekommen.

Kommentar-Direktlink michael davies· 29.08.09 · 08:56 Uhr

die menschheit ist in meine augen bild warum,glauben sie nicht an der wahrheit.aber wenn es zu spät ist bekommen die menschheit grosse angst wenn dieser planet x auf uns zu kommt. wenn mann darüber sprät,glauben viele leute das mann ein lügner ist die wahrheit ist die erde die wir kennen wird nicht mehr so friedlich sein warum machen die menschheit kriege und sich gegendseidlich töten auch wir werden das ende mit bekommen das ist sicher.

Kommentar-Direktlink pat· 29.08.09 · 10:40 Uhr

@michael davies
["...glauben sie nicht an der wahrheit.aber wenn es zu spät ist bekommen die menschheit grosse angst wenn dieser planet x auf uns zu kommt. wenn mann darüber sprät,glauben viele leute das mann ein lügner ist"]


a) Do you speak English?
b) Welche Wahrheit meinen Sie bitte?
c) Eris = Planet x, da gibt es kein Nibiriu, wovon sprechen Sie?
d) Ihr Glauben an Nibiriu- den ich Ihnen einfach mal unterstelle, ist durch Tatsachen wiederlegt.

Kommentar-Direktlink steffen· 31.12.09 · 07:40 Uhr

Hallo guten Tag,
das Thema macht einem schon Angst vor allem wenn man Kinder hat. Nun frage ich mich aber die ganze Zeit, warum soll man einem Volk wie den Mayas glauben ? Diese dachten das wir auf dem Rücken einer Schildkröte leben welche im Wasser schwimmt. Also so schlau konnte das Volk also nicht sein.
Weiterhin haben die Mayas tausende von Menschen abgeschlachtet um sie ihren Gott zu opfern.
Weshalb um Gottes willen soll man also diesen Kalender für ernst nehmen?
MfG

Kommentar-Direktlink petra· 31.12.09 · 09:45 Uhr

lieber florian,
zum jahresende nochmal ein danke an deine artikel...
ich hatte dieses jahr ziemlich probleme mit dem thema, weil es mir schon auch sehr angst machte.. bis ich auf deine blog gestossen bin...
(wenn mir auch der ton hier drinnen nicht immer gefällt---- aber super aufklärungsarbeit!!!))

guten rutsch an alle!!

Kommentar-Direktlink Sissymaus· 31.12.09 · 13:11 Uhr

@ Florian: Also,da muss ich mich der Petra anschließen. Bevor ich auf diesen Blog stieß,war ich sehr beunruhigt wegen der ganzen WU- Theorien,aber nach den guten Erklärungen deinerseits, hat sich das gelegt.Ich wurde zwar etwas rau behandelt und der Umgangston ist nicht der Beste hier,aber denoch kann ich jetzt denjenigen die mir und Anderen mit 2012 Angst machen wollen,etwas entgegensetzen. Ich wünsche Euch Allen ein gutes neues Jahr!

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