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Florian Freistetter promovierte am Institut für Astronomie der Universität Wien und hat danach an der Sternwarte der Universität Jena und dem Astronomischen Rechen-Institut in Heidelberg als Astronom gearbeitet. Zur Zeit lebt er in Jena, bloggt über Wissenschaft und schreibt manchmal Bücher:

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06.03.09 · 07:12 Uhr

Astrologische Beratung für Banken - der Weg aus der Finanzkrise?

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 24

In den Banken überall auf der Welt wurden ja in letzter Zeit einige unvernünftige Entscheidungen getroffen und jede Menge Geld verspielt. Man sollte meinen, dass man dort nun probiert, ein bisschen vernünftiger zu sein, um wieder halbwegs gut aus der Finanzkrise herauszukommen. Und was tun die Banken jetzt? Sie lassen sich von Astrologen beraten...

Im Schweizer Tagesanzeiger wurde am Mittwoch ein Interview mit Monika Kissling veröffentlicht. Besser bekannt ist sie als "Madame Etoile" (Meine Leserinnen und Leser kennen sie vielleicht noch von meinem Artikel über die Fussball-EM. Madame Etoile gab damals den Schweizern gute Chancen für einen Finaleinzug - stattdessen ist das Team in der Vorrunde ausgeschieden).

Nun berät sie also Banken. Und da scheint Bedarf zu bestehen. Frau Kissling meint:

"Anfragen aus der Wirtschaft, speziell von Banken, nehmen im Moment stark zu, denn in der Krise sind Unternehmen offener für eine neue Sichtweise."

"offen für eine neue Sichtweise" - oder "jetzt stecken wir sowieso schon in der Scheiße, jetzt können wir es auch mit Astrologie probieren"?

Welche Banken den Rat der Astrologin suchen, will sie allerdings nicht sagen:

"Darauf kann ich aus Diskretionsgründen keine Auskunft geben. Referate habe ich zum Beispiel bei Kundenanlässen der Glarner und Obwaldner Kantonalbank gehalten. Weitere Kundenanlässe zum Thema «Globaler Ausblick/Finanzmärkte» sind für Privatbanken in Planung."

Die Bänker wollen aber im Prinzip auch nichts anderes wissen, als die Leute, die bei Astro-TV anrufen:

"Was bringt die Zukunft? Man kann sie aus verschiedenen Perspektiven zu beantworten versuchen. Bis jetzt waren es vor allem die Wirtschaftsfachleute, die Antworten auf diese Frage gaben, inzwischen sind es auch Astrologen."

Madame Etoile war sich übrigens über die "Tragweite der Ereignisse sehr früh im Klaren", denn sie "kannte die astrologischen Zyklen". Sie wünscht sich auch ein "Forschungsteam von 10, 20 professionellen Astrologen" um die vielen Anfragen besser beantworten zu können - da scheint ja wirklich Bedarf zu bestehen.

Das Interview endet dann mit ein paar schönen Binsenweisheiten. Der Frühling bringe uns "neue Liebe. Es ist eine Zeit des Um- und Aufbruchs". Und "Männer, sagen wir Banker, die von dieser Krise betroffen sind, fallen oft in ein grosses Loch". Danke, Frau Kissling - ohne Astrologie hätte ich das wohl nicht rausbekommen ;)

Das sich vielen Banken und große Firmen astrologisch beraten lassen, ist ja ein offenes Geheimnis. Bis jetzt haben aber weder Firmen noch Astrologen gerne öffentlich darüber gesprochen. Da scheint sich die Meinung langsam zu ändern. Erst vor kurzem ging ja die Meldung der österreischischen Firma um die Welt, die ihre Mitarbeiter nach Sternzeichen auswählte. Und auch die Astrologen scheinen weniger Hemmungen zu haben, zuzugeben, dass sie in der Wirtschaftsberatung kräftig mitmischen.

Man kann nur hoffen, dass in den Banken zumindest noch ein paar Leute sitzen, die wissen, wie man vernünftige Entscheidungen trifft. Obwohl die Astrologen die aktuelle Situation vermutlich auch nicht mehr verschlimmern können...


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Autor: Florian Freistetter· 24 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Trackbacks (2)

Warum die Astrologie ein guter Ratgeber auf dem Weg zum neuen Arbeitsplatz ist · Astrodicticum Simplex · 09.03.09 · 17:08 Uhr

Astrologie und Schädeldeutung: Unseriöse Methoden bei der Personalauswahl · Astrodicticum Simplex · 04.05.10 · 19:27 Uhr


Kommentare (24)

Kommentar-Direktlink Dr. E. Berndt· 06.03.09 · 07:46 Uhr

Die führende Tageszeitung Österreichs "Die Presse" unterhält schon seit Jahren eine Kolumne namens Jobscope. Astrologische Beratung für Arbeitssuchende, Manager etc.
Die Chefredaktion hält daran trotz Kritik eisern fest!!
Das nenne ich aufgeklärte Information.
Der Pressejournalist Scheidl wird von BM Hahn mit derselben Auszeichnung geehrt wie der Wasserscharlatan Johann Grander. Überglücklich nimmt erden Orden entgegen und freut sich!. Ob auch ihm der Herr Jesus seine Kolumnen diktiert!

Kommentar-Direktlink Sceric· 06.03.09 · 07:51 Uhr

na, obwohl ja Astrologie ähnlich blödsinnig ist wie z.B. Homoepathie, geben ich den Astrologen gute Chancen genauso gut/schlecht zu raten, was als nächstes auf dem Wirtschaftssektor passiert, wie es die Analysten auch getan haben...vielleicht sogar besser, weil die nicht auf die Idee kämen, sich auf die Aussagen von Vorständen und in Quartalsberichten zu verlassen...

Kommentar-Direktlink Tim· 06.03.09 · 08:02 Uhr

Ist doch ein uralter Marketingtrick: Wer in irgendeinem Bereich Kunden gewinnen willt, posaunt einfach heraus, daß er in genau diesem Bereich schon Kunden hat.

Kommentar-Direktlink Ronny· 06.03.09 · 08:05 Uhr

Ironiemode an --
Super, denn Astrologen als Analysten würden Fokusbildungen die zu Krisen wie der jetzigen führen durch ihre statistisch absolut gleichmäßig verteilten Prognosen verhindern. Keine hohen Risken zur Gewinnoptimierung, kein -1000Arbeitsplätze = +1% Börsenwert kein Verschieben der europäischen Intelligenz nach Fernost usw.
Sehe schon die Schlagzeile: Jupiter befiehlt Aktien der Firma sounso zu kaufen, hmm, da tut sich doch ein anderes Geschäftsfeld auf ...
Ironiemode aus --

Kritisiert nicht die Verkäufer sondern die Kunden. Wenn kein Kunde einen Astrologen befragen würde, gäbs das nicht mehr.
Eine Liste wäre toll. So etwas würde ich mir auch für die derzeitige Wirtschaftkrise wünschen, dann könnte man Firmen die reflexartig Leute kündigen mal von der Einkaufsliste streichen. Der Kunde hätte es in der Hand den Markt zu regulieren, nur er tuts nicht weil billig ist doch super :)

Kommentar-Direktlink Micha· 06.03.09 · 08:13 Uhr

Gut dass Frau Kissling zumindest eine Bank aus ihrem Kundenkreis nennt (vielleicht ist es ja die einzige ...): Damit wissen die Kunden schon mal ein INstitut, dem sie ihr Geld vorenthalten sollten.
Als Bankmanager würde ich mir übrigens die Nennung meiner Bank durch den Astrologen/die Astrologin verbitten - das könnte ja schlechte Presse geben.

Kommentar-Direktlink klaus· 06.03.09 · 08:47 Uhr

Interessanter Nebenaspekt: geht es in der Astrologie also doch - entgegen allen relativierenden Behauptungen der M. Termins dieser Zunft - um konkrete Zukunftsvorhersagen? Oder gilt diese Dame nun unter Astrologen als Scharlatan? Kann mir einer weiterhelfen, der meint, er verstehe mehr von Astrologie als ich?

Kommentar-Direktlink UMa· 06.03.09 · 08:55 Uhr

Ich glaube ich habe den Code durchschaut.
"offen" oder "offen für eine neue Sichtweise" bedeutet "lässt sich reinlegen"
"dogmatisch" bedeutet "lässt sich nicht reinlegen"

Kommentar-Direktlink Natalie· 06.03.09 · 08:59 Uhr

Mir als Schwäbin fällt dazu nur ein: "Oh Herr, wirf Hirn ra (herunter).

Kommentar-Direktlink walim· 06.03.09 · 10:25 Uhr

Das demonstriert doch sehr schön, welche Rolle derartige Ersatzwissenschaften in der menschlichen Praxis spielen: irgendwelchen Entscheidungen, die aus zufälligen, schlechten oder garkeinen Gründen gefällt wurden, eine scheinbare Begründung zu geben, damit sie mit Entschlossenheit vertreten werden können (wenn auch bloss vor einem selbst).

Kommentar-Direktlink GeMa· 06.03.09 · 10:52 Uhr

"bei Kundenanlässen der Glarner und Obwaldner Kantonalbank gehalten."
WTF sind Kundenanlässe?
Wenn ich mit meiner Freundin zusammen in die Bank gehe, ist das ein Kundenanlaß und wenn die sagt : "nee, nimm keine Aktien von Achterbahn, der hat immer so Biertrinker im Trickfilm" ist das dann ein Referat bei einem Kundenanlaß?

Oder wie?

Kommentar-Direktlink Gluecypher· 06.03.09 · 11:02 Uhr

GAb's da nicht mal ein Experiment, bei dem ein Schimpanse einfach durch deuten auf bestimmte Aktien über "kaufen, verkaufen oder halten" entschieden hat und damit auch nicht schlechter lag als hochbezahlte Fondsmanager oder ist das "urban legend"?

Kommentar-Direktlink Ronny· 06.03.09 · 11:08 Uhr

Seit ich von einer Bekannten gehört habe, dass sie ihre Hochzeit abgesagt hat, weil ihr eine Astrologin abgeraten hat, überrascht mich nichts mehr. Ich kam aber ncht umhin dem Bräutigam eine Glückwunschmail zu schicken. Seine Antwort war: Bin ich froh !

GeMa: WTF sind Kundenanlässe?
Ich vermute mal so ein Abend mit betuchter Kundschaft wo normalerweise irgendein Thema behandelt wird. Allein die Tatsache, dass sich der Saal nicht binnen Minuten geleert hat gibt mir zu denken. Ich hatte mal einen Versicherungsvertreter der immer Kundenevents organisierte, aber wenn der einen Astrologen mitgebracht hätte ... das wäre lustig gewesen :)

Kommentar-Direktlink b-age· 06.03.09 · 11:14 Uhr

knapp am thema vorbei, aber wirklich nur ganz knapp und echt einen blick wert: 1-bild-cartoon zum thema "alternative und komplementärmedizin" http://cimddwc.net/?p=1788

Kommentar-Direktlink Nico· 06.03.09 · 11:20 Uhr

Soll mir Recht sein. Sind beim nächsten Crash wenigstens nicht wieder "wir Mathematiker" die Dummen.

Kommentar-Direktlink Anhaltiner· 06.03.09 · 11:41 Uhr

In Zukunft überweisen dann die Banken Millionen an Bonifikation an den Mann im Mond und Marsianer (falls man sie doch mal findet) können dann 1 Mrd Euro an Gewinnausschüttung von Großbanken einklagen !? Ich hoffe nur das Merkur günstig steht - sonst wird er gesprengt. (oder wie Pluto einfach herabgestuft)
(ich nenn das mal Astrologische-Optimierung)

Ich persönlich bevorzuge bei Aktienkursprognosen ja die Affe-Dartscheibe-Methode (wenigstens ein intelligentes Lebewesen)

Kommentar-Direktlink Micha· 06.03.09 · 11:48 Uhr

Wenn man auf ihrer Seite "Events" den Auszug aus ihrer Kundenliste anschaut wird's richtigl ustig. Es ist noch eine Bank darunter (Neue Aargauer Bank, Brugg) und ein paar Unternehmen, die mit Sicherheit keinen Wert darauf legen, hier genannt zu werden. Wahrscheinlich wissen sie auch gar nichts davon, dass sie bei einer Astrologin in der Kundenliste stehen:
IBM Schweiz, Zürich
KPMG Fides Management AG, Zürich
Price Waterhouse, Zürich
Zürich Versicherung, Bern & Zürich

Ich vermute mal, dass Frau Kissling hier maßlos übertreibt - mich wundert nur, dass die Unternehmen ihr das nicht verbieten. Normalerweise wollen die Unternehmen auf der Referenzlist nämlich vorher gefragt werden.

Kommentar-Direktlink GeMa· 06.03.09 · 11:52 Uhr

@Ronny
Verstehe. Schnittchen und Prosäkkoh zwischen schlechtsitzenden Anzügen inne Sparkasse.
Na dann ... :-D

Author Profile Page Florian Freistetter· 06.03.09 · 12:23 Uhr

@Micha: Interessant. Man sollte diese Firmen mal anschreiben und nachfragen, wie genau sie sich astrologisch beraten habe lassen...

Kommentar-Direktlink Anhaltiner· 06.03.09 · 12:44 Uhr

@Florian und frag gleich mal nach ob sie schon eine Bilanzposition "Astrologische Sondereffekte" gebildet haben. (ein neuer Weg zum Anhübschen der Bilanz) :-D

Kommentar-Direktlink christian· 06.03.09 · 12:50 Uhr

Also hier liegen die Astrologen nicht schlechter als die sogenannten Experten. Da diese jetzt nicht mehr ein und aus wissen, empfehlen einige von denen ein Blick in die Sterne. Folglich sind die Experten nicht besser oder schlechter als Astrologen!

Meine Prognose:
Nach dem totalen Zusammenbruch der Finanzmärkte - Ende 2009 - Anfang 2010, werden die Sozialversicherungssyteme hier bei uns und anderswo zusammenbrechen. Als erstes dürften hier die Renten betroffen sein.
Die Massenarbeitslosigkeit wird ein nie da gewesens Ausmaß erreichen. Hierdurch enstehen gewaltige Unruhen in der Bevölkerung.
Global kommt es zu Konflikten zwischen den Staaten. Es geht um die Sicherung und "Eroberung" von Ressourcen, an derem Ende auch Kriege stehen.

Auslöser dieser Misere sind weder Astrologen noch Experten, sondern diejenigen die auf Teufel komm raus, mit dem Bruttosozialprodukt der Länder wild spekuliert haben. Als erstes ist hier die FED mit ihren Handlangern zu nennen.

Milton Friedmann und seine Chicago - Boys, haben fertig. Gier frisst eben doch Hirn.

Und ehrlich gesagt mir isses scheißegal ob sich von diesen Verbrechern irgendwer Astrologisch oder sonst Esoterisch beraten lässt.
Die haben das ganze Ding ob mit oder ohne Astro an die Wand gklatscht.
Und wer jetzt noch meint, dass es sich hier um ein zyklische Krise handelt, hat keine Ahnung von Wirtschaft - Ökonomie.
C.

Kommentar-Direktlink GeMa· 06.03.09 · 12:51 Uhr

Die Kantonalbanken sind übrigens öffentlich-rechtliche, wie in D die Landesbanken und Sparkassen ;-)

Kommentar-Direktlink Micha· 06.03.09 · 14:07 Uhr

@Florian
Bei den beiden schweizer Dependancen ehemaliger Arbeitgeber habe ich das auch getan. :-)))

Kommentar-Direktlink adenosine· 06.03.09 · 16:03 Uhr

Ich schätze mal, die systematischen Entscheidungen der Badbanker in den letzten Jahren waren schlechter als zufällige Entscheidungen. Astrologische Entscheidungen könnten dagegen genau so gut sein wie zufällige Entscheidungen, damit könnte also die Entscheidungsqualität der Finanzexperten deutlich verbessert werden.

Kommentar-Direktlink Florian Freistetter· 06.03.09 · 19:29 Uhr

@Micha: Ich bin gespannt auf die Antworten!

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