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Florian Freistetter promovierte am Institut für Astronomie der Universität Wien und hat danach an der Sternwarte der Universität Jena und dem Astronomischen Rechen-Institut in Heidelberg als Astronom gearbeitet. Zur Zeit lebt er in Jena, bloggt über Wissenschaft und schreibt manchmal Bücher:

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Archiv Dezember 2008

31. Dezember 2008

Ein KABOOM zum Jahreswechsel

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 4

Ich hoffe ja, dass heute Abend die meisten meiner Leserinnen und Leser irgendwo nett feiern oder sich sonstwo amüsieren. Sollte doch jemand vor dem Computer sitzen, dann habe ich hier ein kleines Video zur Aufheiterung. Passend zur heutigen, wohl sehr lauten Nacht, heisst es "Kaboom".

"The Big Bang Band Travelling Star Show" singen ein Lied über den Tod der Sterne:

"The stars go nova one by one KABOOM, KABOOM.
  Nucleosynthesis is done KABOOM, KABOOM
  The supernovas dissipate what fusion energy helped create
  And the stars go nova in the galaxy"


Eignet sich auch hervorragend zum mitsingen (und man lernt auch noch gleich was dabei).

Ich wünsche noch viel Spaß heute Abend beim feiern! Und aufpassen: 2008 dauert ein klein wenig länger als normal: kurz vor Jahresende (um 23:59:59 UTC) wird noch eine Schaltsekunde eingefügt. Schuld ist der Mond, der mit seiner Gezeitenkraft die Erdrotation abbremst. Deswegen muss die offizielle Zeitmessung immer wieder mal ein bisschen korrigiert werden. Also heute Nacht darauf achten, dass man beim Countdown um Mitternacht nicht bis 0, sondern bis -1 zählt ;) Das gilt allerdings nur für diejenigen, die eine Zeitzone weiter westlich feiern. Für uns in Mitteleuropa erfolgt der Wechsel erst um 00:59:59 MEZ - also dann, wenn die Silvesterparties gerade ihren Höhepunkt erreichen und sich niemand mehr für Schaltsekunden interessiert ;)

Ich wünsche allen ein frohes neues Jahr 2009!


Autor: Florian Freistetter· 31.12.08 · 14:32 Uhr· 4 Kommentare

30. Dezember 2008

Suspended: No Astrology Allowed

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 2

Den meisten regelmäßigen Lesern von wissenschaftlichen Blogs dürfte der Film "Expelled: No Intelligence Allowed" ein Begriff sein. Dieser Propaganda-Film amerikanischer Kreationisten wurde in diversen Blogs ausreichend behandelt und mittlerweile sollte klar sein, dass dieser Film weder eine auf Fakten basierende Dokumentation, noch auf irgendeine Art und Weise wissenschaftlich ist (nachzulesen unter anderem bei JLT von Evil under the Sun)

Bei meiner Suche nach interessanten/lustigen Videos für ein eventuellen Silvesterbeitrag bin ich heute auf folgenden Trailer gestoßen: Suspended: No Astrology Allowed. Hier geht es um die armen Astrologen, die aus dem wissenschaftlichen Betrieb ausgeschlossen werden...
Der Name der Macher des Videos (rationalentertainment.com) deutet aber schon an, dass das Video nicht wirklich als Verteidigung der Astrologie gedacht ist - ganz im Gegenteil ;)



Autor: Florian Freistetter· 30.12.08 · 23:35 Uhr· 2 Kommentare

29. Dezember 2008

Neptun, Vulkan und die dunkle Materie

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 11

Was haben der Planet Neptun, der (nicht existierende) Planet Vulkan und dunkle Materie gemeinsam? Eigentlich nichts - aber die Geschichtem, die hinter der Entdeckung und der Suche nach den Planeten bzw. der dunklen Materie stehen, sind ziemlich interessant. Und sie erklären, wie die Wissenschaft reagiert, wenn eine Theorie nicht mehr so funktioniert, wie sie eigentlich sollte.

Die Sternstunde der Himmelsmechanik

651px-Neptune_storms.jpgUrbain Jean Joseph Le Verrier war einer der größten Astronomen des 19. Jahrhunderts. Er war Theoretiker und beschäftigte sich ausführlich mit der Bewegung der Himmelskörper und der Berechnung ihrer Positionen. Probleme hatte er dabei mit Uranus. Die berechnete Werte wichen immer von den beobachteten Positionen des Planeten am Himmel ab. Das lag nicht an ungenauen Beobachtungen oder an fehlerhaften Rechnungen - die Diskrepanz zwischen Theorie und Beobachtung ließ sich nicht eliminieren.

Wenn eine Theorie nicht mit Beobachtungen übereinstimmt, gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten: 1) die Theorie ist nicht richtig und muss modifiziert oder ganz verworfen werden. 2) Es sind nicht alle Parameter bekannt - nicht berücksichtigte Einflüsse sind der Grund für die Diskrepanz.

Le Verrier war völlig von der Richtigkeit der Newtonschen Gravitationstheorie überzeugt. Er fand sie überall im Sonnensystem bestätigt und die Theorie zu verwerfen wäre für ihn nur der allerletzte Ausweg gewesen. Stattdessen vermutete er, dass ein bisher unbekannter Planet die Bewegung von Uranus beeinflusst. Diesen gravitativen Einfluss hatte man bisher nicht berücksichtigt und deswegen stimmten Beobachtung und Theorie nicht überein.

Le Verrier begann nun, aus den Abweichungen des Uranus von der vorhergesagten Position, die Parameter des noch unbekannten Planeten zu berechnen. Dabei konkurrierte er mit dem Engländer John Couch Adams, der ebenfalls solche Berechnungen anstellte. Die ewige Rivalität zwischen Frankreich und Großbritannien setzte sich auch hier fort: die Suche nach dem unbekannten Planeten war eine Sache von nationaler Wichtigkeit; die Zeitungen berichteten ständig über die jeweiligen Fortschritte. Le Verrier und Adams und ihre Suche nach dem neuen Planeten waren damals allen gebildeten Leuten bekannt (heute sind ihre Namen außerhalb der astronomischen Kreise eher in Vergessenheit geraten).

Schließlich übermittelte Le Verrier 1846 seine Ergebnisse an deutschen Beobachter Johann Gottfried Galle in Berlin und bat ihn, an der von ihm berechneten Stelle am Himmel nachzusehen. Und tatsächlich fand sich dort ein unbekannter Planet - der Neptun! Natürlich war hier auch ein wenig Glück im Spiel. Heute wissen wir, dass sowohl Le Verrier als auch Adams etwas ungenaue Annahmen über den unbekannten Planeten getroffen haben. Sie hätten Neptun sicher auch so gefunden - dass aber Galle den Himmelskörper tatsächlich genau dort fand, wo Le Verrier ihn vorhergesagt hatte, ist auf eine große Portion Glück zurückzuführen.

Noch ein neuer Planet?

Bei Neptun hatte Le Verrier recht. Nicht Newtons Gravitationstheorie war falsch - es waren einfach noch nicht alle Einflüsse bekannt. Mit der Entdeckung des Neptun demonstrierte Le Verrier eindrucksvoll, wie mächtig die Theorie tatsächlich war: vom Schreibtisch aus, nur mit Bleistift und Papier, fand er einen neuen Planeten.

Darum war Le Verrier auch sehr optimistisch, als er sich einem neuen Problemfall zuwandte. Denn auch der sonnennächste Planet Merkur hielt sich nicht an die Vorhersagen der Theoretiker. Die berechnete Bewegung stimmte nicht mit der beobachteten überein. Wieder stand man vor der Wahl, entweder die Theorie zu verwerfen oder nach bisher unbekannten Einflüssen zu suchen. Und wieder entschied sich Le Verrier für Newtons Gravitationstheorie. Basierend auf seinem Erfolg mit Neptun, vermutete er auch hier einen unbekannten Planeten, der die Bahn des Merkur beeinflusste. Diese Planet sollte noch näher an der Sonne liegen und bekam den Namen "Vulkan".

Watsons-Vulkan-SoFi1878.gifLe Verrier war ein berühmter und geachteter Astronom und hatte seine Fähigkeiten durch die Erklärung der Bahnabweichungen des Uranus eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Deswegen ist es auch nicht verwunderlich, dass sich seine Vulkan-Hypothese schnell in der wissenschaftlichen Welt verbreitet hatte. Leider schaffte es aber niemand, diesen Planeten auch wirklich zu beohachten. Zuerst vermutete man, dass es an den schwierigen Beobachtungsbedingungen lag: so ein sonnennaher Planet ist enorm schwer zu entdecken. Man nutze Finsternisse, um die Umgebung der Sonne zu untersuchen; man probierte, einen Transit des Vulkan vor der Sonnenscheibe zu beobachten - alles ohne Erfolg. Sichtungen des Planten (siehe das Bild oben rechts, das eine "Beobachtung" des Vulkan während der Sonnenfinsternis 1871 von James Watson zeigt) stellten sich als Fehler in der Optik heraus oder konnten nicht reproduziert werden - trotz aller Bemühungen blieb der Vulkan unentdeckt (Wer mehr über die Suche nach dem Vulkan erfahren will, dem kann ich das hervorragende Buch "In Search of Planet Vulcan: The Ghost in Newton's Clockwork Universe" empfehlen).

Gelöst werden konnte dieses Rätsel erst 1915, als Albert Einstein seine allgemeine Relativitätstheorie veröffentlichte. Diesmal hatte sich Le Verrier falsch entschieden: Newtons Gravitationstheorie war tatsächlich nicht in der Lage gewesen, die Bewegung des Merkur ausreichend gut zu erklären. Kein unbekannter Einfluss war für die Diskrepanz zwischen Beobachtung und Theorie verantwortlich sondern es war nötig gewesen, eine neue, verbesserte Theorie zu finden. Dies hat Einstein mit seiner Relativitätstheorie getan und mit ihr ließ sich auch die Bewegung des Merkur zufriedenstellend beschreiben - ganz ohne den Einfluß eines hypothetischen Vulkan.

Aber auch später noch wurde die Astronomie vor die Wahl gestellt, eine Theorie zu verwerfen oder nach unbekannten Einflüssen zu suchen. Wieder lag das Problem bei der Bewegung von Himmelskörper.

Dunkle Materie

691px-Comasluster_nasajpl.jpg1933 untersuchte der Schweizer Astronom Fritz Zwicky die Bewegung von Galaxien im Coma-Haufen (rechts). Er fand, dass diese Ansammlung von etwa 1000 Galaxien eigentlich gar nicht existieren dürfte. Die einzelnen Galaxien bewegten sich viel zu schnell, um in einem Haufen organisiert zu bleiben. Die gravitativen Kräften der Gesamtmasse des Haufens ist zu gering, um die Galaxien daran zu hindern, einfach "wegzufliegen". Dort muss sich entweder mehr Materie befinden, als man beobachten kann - dann würde deren zusätzliche gravitative Wirkung für den Zusammenhalt sorgen. Oder die Theorie ist falsch.

Zwicky postulierte damals zusätzliche, unbeobachtete Materie im Coma-Haufen. Seine Hypothese setzte sich allerdings in der wissenschaftlichen Welt nicht wirklich durch. Einige Jahrzehnte später stieß allerdings die amerikanische Astronomin Vera Rubin auf das gleiche Problem.

Sie beobachtete die Sterne in einer Galaxie. Auch hier hängt die Geschwindigkeit, mit der sich die Sterne um das Galaxienzentrum bewegen, von der in der Galaxie enthaltenen Gesamtmasse ab. Rubin fand nun, dass sich die Sterne nicht so bewegen, wie sie es laut theoretischer Vorhersage tun sollten. Wieder gab es zwei Möglichkeiten, die Diskrepanz aufzulösen: entweder es existiert mehr Masse in den Galaxien, als man sehen kann. Diese Masse würde dann mit ihrer Gravitationswirkung die beobachtete Geschwindigkeit erklären. Oder es gibt Probleme mit der Theorie.

Nun begann man das Problem ernst zu nehmen; besonders dann, als es später auch noch bei Galaxiensuperhaufen (also Anhäufungen von Galaxienhaufen) auftrat. Überall im Universum - von Sternen in Galaxien bis hin zu Galaxienhaufen - schienen sich die Himmelskörper nicht so zu bewegen, wie sie es sollten. Sie bewegten sich so, als stünden sie unter dem Einfluß einer größeren Menge von Materie, als wir beobachten können. Neben der "normalen" Materie schien es also eine Art "dunkler Materie" zu geben. Etwas, das zwar eine gravitative Wirkung ausübt - aber keine elektromagnetische Strahlung (also auch Licht) aussendet bzw. reflektiert.

Auch die Kosmologen stellten fest, dass ihre Theorien besser mit der Realität übereinstimmten, wenn sie davon ausgingen, dass große Mengen dieser dunklen Materie im Universum existieren.

Die dunkle Materie repräsentiert den Weg, den Le Verrier 1846 einschlug: nicht die Theorie ist falsch, sondern es existiert ein bisher unbekannter Einfluss. Damals war es Neptun, heute ist es die dunkle Materie. Aber es könnte auch genauso gut sein, dass der Unterschied zwischen Beobachtung und Theorie auf die gleiche Art gelöst wird, mit der Einstein 1915 das Problem der Merkurbewegung löst: mit einer neuen Theorie.

MOND?

Auch das wurde versucht. 1983 schlug der israelische Physiker Mordehai Milgrom die MOND-Hypothese vor. MOND steht hier für "Modifizierte Newtonsche Dynamik" und postuliert eine Änderung des newtonschen Bewegungsgesetzes. Newton sagte, dass eine Kraft gleich dem Produkt von Masse mal Beschleunigung ist. Normalerweise ist das auch richtig, meinte Milgrom. Geht es allerdings um sehr kleine Beschleunigungen - wie eben bei der problematischen Bewegung der Sterne und Galaxien - dann könnte die Formel anders sein. Seine modifizierte Version des newtonschen Bewegungsgesetzes stimmt bei den alltäglichen Beschleunigungswerten mit der bisher bekannten Theorie überein. Bei kleinen Werten weicht sie allerdings davon ab und könnte so den Unterschied zwischen Beobachtung und Theorie erklären.

Aber was ist nun richtig? Ist die Theorie falsch, die wir zur Beschreibung der Bewegung der Himmelskörper verwenden? Sollte statt der Newtonschen Theorie bzw. statt Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie die MOND-Theorie (bzw. ihre relativistische Entsprechung, die Tensor-Vektor-Skalar-Gravitationstheorie) verwendet werden? Oder stimmt die Theorie und die Unterschiede werden durch den Einfluss der noch nicht direkt beobachteten dunklen Materie erzeugt?

Hinweise

Zur Zeit stehen die Karten für die MOND-Theorie eher schlecht. Mittlerweile häufen sich die Anzeichen, dass tatsächlich dunkle Materie für die Abweichungen bei den Beobachtungsdaten verantwortlich ist.

Spätestens seit 2006 der Bullet-Cluster beobachtet wurde, hat die MOND-Theorie mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. In diesem Galaxienhaufen beobachtete man die Verteilung der einzelnen Galaxien. Man konnte aber auch das Gravitationspotential des Haufens bestimmen (durch Ausnutzung des Gravitationslinseneffekts).
Hier sah man zum ersten Mal deutlich, dass sich auch dort Materie befinden muss, wo wir nichts sehen können! Wegen des Gravitationslinseneffekts weiß man, dass sich in bestimmten Bereichen Materie befinden muss, die eine gravitative Wirkung erzeugt (ansonsten würde man den Gravitationslinseneffekt nicht messen). In diesen Bereichen sind allerdings keine Galaxien zu sehen. Es muss sich also tatsächlich um "dunkle Materie" handeln.
Die folgende Aufnahme zeigt die Situation noch einmal grafisch. In rot sind die Bereiche dargestellt, in denen sich sichtbare Materie befindet, blau zeigt die Regionen dunkler Materie an:

bullet.jpg
Diese Beobachtung lässt sich mit der MOND-Hypothese nicht erklären. Das muss nicht bedeuten, dass der Ansatz falsch ist. Es kann gut sein, dass sich die Bewegungsgleichung für kleine Beschleunigungen wirklich anders verhält, als wir bisher gedacht haben. Aber die Beobachtungen am Bullet-Cluster zeigen, dass auf jeden Fall dunkle Materie vorhanden sein muß. Ob zusätzlich auch noch die Theorie geändert werden muß, ist eine andere Frage.

Beweise

Die Beweislage ist mittlerweile so dicht, dass kaum noch an der Existenz dunkler Materie gezweifelt werden kann. Die Beobachtungen, die man beim Bullet-Cluster machte, konnten bei anderen Objekten bestätigt werden. Auch die Teilchenphysiker haben mittlerweile gute Ideen entwickelt, um was sich bei der dunklen Materie handeln könnte (Ich habe darüber einen eigenen Artikel geschrieben).

Dunkle Materie ist also nichts, das sich Astronomen einfach so aus den Fingern gesaugt haben. Ihre Existenz kann mittlerweile fast schon als belegt angsehen werden. Wir haben sie zwar noch nicht direkt beobachtet (wie denn auch ;) ). Aber "sehen" (bzw. eine Detektion im elektromagnetischen Spektrum) ist ja bei weitem nicht die einzige Möglichkeit, auf die Existenz von Dingen zu schließen. Dunkle Materie wechselwirkt gravitativ - und diese Wirkung wurde gemessen!

Satelliten, Teleskope und Teilchenbeschleuniger sind gleichermaßen daran beteiligt, auch die letzten Geheimnisse der dunklen Materie zu lösen. Jetzt, am Ende des Jahres, wird ja überall wieder fleißig prophezeit und prognostiziert. Wenn ich auch eine Vorhersage abgeben müsste, dann diese: Innerhalb der nächsten 10 Jahre werden wir die dunkle Materie endgültig dingfest gemacht haben. Wir werden dann wissen, aus was sie besteht und ihre Eigenschaften genau kennen.

Und wenn nicht? Nun - es würde mich sehr überraschen, wenn sich die dunkle Materie doch noch als Sackgasse herausstellen würde. Aber falls doch, dann wird die neue Theorie, die an die Stelle der dunklen Materie rückt mindestens genauso faszinierend sein - wenn nicht gar noch mehr!


Ähnliche Artikel: Neues aus der Forschung: dunkle Materie entdeckt?, Wissenschaft am LHC: Die Suche nach dunkler Materie, Kollidierende Galaxienhaufen und Dunkle Materie, Die dunkelste Galaxie, Hinter die Grenze des beobachtbaren Universums

Autor: Florian Freistetter· 29.12.08 · 21:30 Uhr· 11 Kommentare

28. Dezember 2008

Blog-Teleskop #16

Kategorie: Blog-Teleskop·Naturwissenschaften

Das Blog-Teleskop #16 steht diesmal bei Begrenzte Wissenschaft von Sven Keßen (Kamenin). Er hat sich damals auch den Namen für diese Aktion ausgedacht - also ist es nur gerecht, dass er das Blog-Teleskop auch einmal ausrichten darf. Auch wenn in den letzten Wochen feiertagsbedingt etwas weniger los war als sonst, hat Sven noch jede Menge interessante Beiträge entdeckt.

blogteleskop.jpg


Und wer auch mal eine Ausgabe des Teleskops beherbergen möchte, der soll mir Bescheid sagen.

Autor: Florian Freistetter· 28.12.08 · 20:28 Uhr· 0 Kommentare

27. Dezember 2008

Seltsame Welten: Wechselplaneten

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 8

Vor 2 Wochen habe ich über die Trojanerplaneten berichtet, die sich ihre Bahn mit einem anderen Planeten teilen. Aber es gibt eine noch außergewöhnlichere Möglichkeit der stabilen Planetenbewegung: zwei Himmelskörper, die in regelmäßigen Abständen ihre Bahnen tauschen.

Zwei besondere Monde

Der Saturnmond Epimetheus wurde am 18. Dezember 1966 von Richard Walker entdeckt. Bereits 3 Tage vorher, am 15. Dezember hatte Audouin Dollfus ebenfalls einen neuen Saturnmond - den er Janus nannte - entdeckt. Man vermutete, das es sich bei dem von Walker beobachteten Mond um den selben Himmelskörper handelte. Die Bahn dieses neuen Mondes war allerdings ziemlich seltsam und Berechnungen und Beobachtungen stimmten nicht wirklich überein. 1978 kam man zu dem Schluß, das die Beobachtungen viel besser erklärt werden können, wenn man von zwei Monden und nicht von einem einzelnem Objekt ausgeht! Diese beiden Monde wurden nun Janus und Epimetheus genannt - und 1980 bestätigte die Raumsonde Voyager 1 bei ihrem Saturnvorbeiflug, das es sich tatsächlich um 2 verschiedene Objekte handelt.

Die Geschichte wird allerdings noch seltsamer. Betrachtet man die Bahnen von Epimetheus und Janus, stellt man folgendes fest: Die Bahnen der Monde liegen beide fast in der Äquatorebene des Planeten; Janus umkreist den Saturn in einem Abstand von 151472 km; der Abstand von Epimetheus zu Saturn beträgt 151422 km. Die Orbits der beiden Monde haben also einen Abstand von nur 50 km! Epimetheus hat aber nun eine Ausdehnung von etwa 115 km; Janus ist sogar noch größer und durchmisst etwa 190 km. Eigentlich wäre also gar kein Platz mehr übrig: die beiden Himmelskörper müssten schon längst miteinander kollidiert sein! Da sie aber offensichtlich immer noch existieren, muss es irgendeine Lösung für dieses Problem geben.

Und die sieht so aus: Janus und Epimetheus befinden sich auch sogenannten "Austauschbahnen" bzw. exchange orbits. Alle 4 Jahre nähern sich die beiden Monde sehr stark aneinander an - und beeinflussen sich gegenseitig durch ihre Schwerkraft. Der äußere Mond beschleunigt dabei den inneren Mond der dadurch auf eine höhere Umlaufbahn gehoben und dadurch wieder abgebremst wird. Der innere Mond bremst den äußeren Mond durch seine gravitative Anziehung der dadurch auf eine niedrigere Umlaufbahn fällt und dann wieder beschleunigt wird. Die beiden Monde haben also ihre Umlaufbahn getauscht! Dieses Wechselspiel wiederholt sich alle 4 Jahre - zuletzt haben die Monde ihre Bahnen am 21. Januar 2006 gewechselt.

Die Raumsonde Cassini hat vor einigen Jahren beeindruckende Bilder der beiden Monde gemacht:

ep_jan_anim.gif
Credit: NASA / JPL / SSI / Emily Lakdawalla

Zu wenig Platz im Planetensystem

Ich persönlich halte die beiden Wechselmonde des Saturn für eines der faszinierendes Phänomene der Astronomie. Außerdem bieten sie ein Beispiel für eine weitere mögliche Konfiguration von Planeten.

In der Anfangszeit der Suche nach extrasolaren Planeten konnte man wegen der technischen Einschränkungen nur sehr große Gasplaneten (ähnlich dem Jupiter) finden, die sich sehr nahe an ihren Sternen befanden (das ist teilweise auch heute noch so). Viele dieser Gasriesen entdeckte man in oder in unmittelbarer Nähe der sg. "habitablen Zone" um einen Stern: also der Bereich, in dem die Temperatur gerade richtig ist, um Leben auf einem erdähnlichen Planeten entstehen zu lassen. Allerdings sind Gasriesen ungeeignet für Leben wie wir es kennen. Und durch ihre gravitative Wechselwirkung würden sie einen eventuell noch in der habitablen Zone vorhandenen kleineren, erdähnlichen Planeten ziemlich schnell aus dem System rauswerfen.

Es ist allerdings noch nicht alles verloren: eine Möglichkeit, wie sich ein erdähnlicher Planet dennoch in einer schon von einem Gasriesen besetzten habitablen Zone halten könnte, habe ich im letzten Beitrag vorgestellt. In einer Trojanerkonfiguration können sich Gasriese und erdähnlicher Planet gemeinsam eine Umlaufbahn teilen.

Saturns Wechselmonde Janus und Epimetheus zeigen uns eine weitere Möglichkeit. Vielleicht könnten zwei Planeten sich in einer ähnlichen Umlaufbahn befinden?

Gibt es Wechselplaneten?

Wäre es möglich,.dass sich ein Gasriese und ein erdähnlicher Planet auf Austauschbahnen bewegen? Wäre so eine Kombination stabil? Meine ehemaligen Kollegen von der Astrodynamik-Gruppe der Universitätssternwarte Wien haben sich mit dieser Frage beschäftigt. Die überraschende Antwort ist: Ja, das würde funktionieren.

Man könnte beispielsweise Jupiter und die Erde nehmen, und beide in die habitable Zone der Sonne setzen. Wenn sie dann sehr eng beieinander liegende Bahnen haben, würden Jupiter und die Erde, genauso wie Janus und Epimetheus, bei jeder nahen Begegnung ihre Orbits tauschen! So eine Konfiguration ist für sehr lange Zeiträume stabil und es funkioniert auch, wenn man die Parameter der Planeten (Massen,...) in gewissen Grenzen ändert.

Aber könnte es in anderen Planetensystemen solche Wechselplaneten wirklich geben? Bei den Trojanerplaneten weiß man zumindest, dass sie entstehen können. Aber bei Wechselplaneten ist diese Frage noch unbeantwortet. Ich würde vermuten, dass sich zwei Planeten nicht direkt in einer Wechselkonfiguration bilden können. Aber vielleicht könnte durch irgendein katastrophales Ereignis (große Kollision) ein Planet abrupt seine Bahn ändern und zufällig in einer Wechselbahn landen. Gewaltige Kollisionen zwischen Protoplaneten kommen bei der Planetenentstehung vor. Aber es müsste schon ein sehr großer Zufall sein, wenn sich dann 2 Planeten tatsächlich in so einer Konfiguration zusammenfinden. Zwei Wechselplaneten in einem extrasolaren Planetensystem zu finden, ist also sehr unwahrscheinlich.

Aber wie schon gesagt: Dieses Thema wurde bis jetzt noch so gut wie gar nicht erforscht - vielleicht stehen die Chancen auch nicht ganz so schlecht. Und wir können in unserem Sonnensystem zumindest ein reales Beispiel beobachten! (In meiner Zeit am Institut in Wien habe ich mal die Asteroiden im Hauptgürtel auf mögliche weitere Kandidaten für Wechselbahnen untersucht - leider ohne Erfolg). Wir wissen also, dass es prinzipiell möglich ist!

Ob dann auf so einem Wechselplaneten auch Leben entstehen kann, ist wieder eine andere Frage. Man müsste noch untersuchen, wie sich die regelmäßig stattfindenen nahen Begegnungen auf das Klima des kleineren Planeten auswirken (eventuell sind die hier auftretenden Gezeitenkräfte nicht zu vernachlässigen). Aber falls es dort Leben gibt, wäre es wohl ein Paradies für Astronomen und Planetlogen: man braucht keine Raumsonden mühsam durchs All zu schicken - der andere Planet kommt netterweise immer wieder von selbst vorbei ;)

Und wer dachte, dass es nicht mehr seltsamer werden kann, der wird sich beim nächsten Teil der Serie wundern. Denn dann erzähle ich was über eine wirklich außergewöhnliche Konfiguration...

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Janus und Epimetheus mit den Ringen des Saturn ( (c) NASA)

Ähnliche Artikel:
Seltsame Welten: Trojanerplaneten, Das erste Bild eines extrasolaren Planeten (diesmal wirklich)!, Planet bei Beta Pictoris gefunden, Die Sonne einpacken: auf der Suche nach Dyson-Sphären, Aus den astronomischen Archiven: Die Marskanäle, Unser seltenes Sonnensystem, Kommunizieren Außerirdische mit blinkenden Sternen?, Bilder von Exoplaneten, Interview mit den Planetenjägern, Neuer kleinster Exoplanet entdeckt, Weißt du wieviel Planeten stehen?

Autor: Florian Freistetter· 27.12.08 · 21:27 Uhr· 8 Kommentare

25. Dezember 2008

Die Prophezeiung 2009 - Wahrsagen auf RTL

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 94

Die unsägliche UFO-Sendung mit Uri Geller auf Pro 7 war offensichtlichnicht abschreckend genug. Auch RTL möchte mit dem Übernatürlichen Quote machen und strahlt am 3. Januar 2009 die Sendung "Die Prophezeiung 2009" aus.

Hier sollen Wahrsager, Astrologen und sonstige Zukunftsdeuter aus aller Welt zu Wort kommen, und ihre Prognosen für das kommende Jahr abgeben. Seltsamerweise meint RTL Sprecherin Yvonne Wagner aber:

"Es geht nicht darum, in irgendwelche Glaskugeln zu schauen"

Ach nein? Benutzen Wahrsager sowas heutzutage nicht mehr? ;)

"Wir wollen mit der Dokumentation auch die unterschiedlichen Facetten der Zunft beleuchten"

Ja - das klingt auch gleich viel besser und seriöser.

"Die meisten Medien sehen sich nicht als Wahrsager, sondern als Wissenschaftler."

Wissenschaftler - ist klar... Vielleicht sollte irgendwer der Frau Wagner mal erklären, was "Wissenschaft" bedeutet. Muss ja nicht sonderlich kompliziert und ausführlich sein - die absoluten Grundbegriffe müssten reichen, um feststellen zu können, dass "Wahrsagen" absolut nichts mit Wissenschaft zu tun hat.

387px-John_William_Waterhouse_-_The_Crystal_Ball.JPG

Auf sonderlich originelle Prophezeiungen wird man allerdings nicht zu warten brauchen. Alte Bekannte - wie z.B. Elizabeth Teissier - werden ihre altbekannten vagen Prognosen stellen. Frau Teissier ist damit ja schon u.a. bei der Galileo-Sendung über Astrologie auf die Nase gefallen. Eigenltich sollte sie die Zukunftsdeutung ja schon längst aufgegeben haben: sie so fest davon überzeugt, dass die Raumsonde Cassini sollte anläßlich der Sonnenfinsternis 1999 auf Paris stürzen wird. Sollte das nicht passieren, würde sie die Astrologie aufgeben und keine Prognosen mehr abgeben. Das hat sie leider nicht getan und erzählt den Leuten weiterhin Unsinn (sie behauptet z.B. man könnte Krebs- oder AIDS-Erkrankungen im Horoskop vorhersehen).

Nun darf sie also auch bei RTL auftreten und dort vermutlich bekanntgeben, dass es 2009 Erdbeben, Vulkanausbrüche und Überschwemmungen geben wird. Natürlich ohne genau Orts- oder Zeitangabe. Solche tollen Prophezeiungen hat auch die in Österreich bekannte Seherin Rosalinde Haller im Angebot. Für 2009 sagt sie unter anderem voraus, dass die Malediven Probleme mit dem steigendem Meeresspiegel haben werden und das es in den USA Brände und Hurrikans geben wird. Diese Erkenntnisse sind selbstverständlich das Ergebnis ihrer "starken medialen Fähigkeiten"! Das jeder andere Mensch mit ein bisschen Ahnung vom Weltgeschehen die gleichen "Prophezeiungen" machen kann, spielt für sie keine Rolle.

Auch der "Seher und Visionär" Lennart Wolff wird bei RTL auftreten ("Prominente vertrauen seinen Vorhersagen ebenso, wie Entscheider aus Wirtschaft und Industrie. Selbst Behörden bitten ihn häufig um Mithilfe bei der Aufklärung von Straftaten und Vermisstenfällen - mit Erfolg.").

Man darf also gespannt sein, ob es diese Sendung an Dummheit und Unwissenschaftlichkeit mit Uri Gellers UFO-Wahnsinn aufnehmen kann. Die Voraussetzungen dafür sind auf jeden Fall gegebene. Sollte ich am 3. Januar Zeit haben, werde ich vielleicht wieder ein Live-Blog dazu eröffnen (hat ja bei der Pro 7 Sendung recht gut funktioniert). Vielleicht lässt sich ja auch Michael Kunkel vom Wahrsagercheck dazu überreden, sich da als Mit-Blogger anzuschließen (ich werde ihn jedenfalls fragen).

Nachtrag: Der Live-Blog zur Sendung ist hier zu finden.


Autor: Florian Freistetter· 25.12.08 · 12:24 Uhr· 94 Kommentare

24. Dezember 2008

Fröhliche Weihnachten!

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 9

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern von Astrodicticum Simplex ein schönes Weihnachtsfest und entspannende Feiertage!

weihnachten1.jpg Wer genau schaut, wird vielleicht den besonderen Weihnachtsschmuck des Baumes bemerkt haben ;) Mehr tolle astronomische Weihnachtsbilder- und karten gibt es bei der HubbleSite. Vielleicht braucht ja jemand noch schnell ein paar ;)

Autor: Florian Freistetter· 24.12.08 · 08:34 Uhr· 9 Kommentare

21. Dezember 2008

Der Stern von Bethlehem

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 15

Über was schreibt ein Astronom drei Tage vor Weihnachten? Natürlich über den Stern von Bethlehem. Diese Himmelserscheinung ist ja in der Weihnachtsgeschichte prominent vertreten - auch wenn die Beschreibung in der Bibel astronomisch gesehen etwas dürftig ist:

"Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen." (Mat, 2,1)

[...]

"Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen." (Mat, 2,9)

Das gibt, wissenschaftlich gesehen, erstmal nicht viel her. Aber die Bibel ist ja auch wahrlich kein wissenschaftliches Werk. Es gibt (unabhängig von diversen religiösen Überzeugungen) keinen Grund, ihren Inhalt als Tatsachenbericht anzusehen. Trotzdem haben die Menschen das natürlich schon immer getan (und tun das auch weiterhin). Im Laufe der Zeit sind also einige Theorien entstanden, mit denen die Herkunft des Sterns von Bethlehem erklärt werden soll.

In der Antike und im Mittelalter war die Kometentheorie sehr beliebt. Man hielt den Stern von Bethlehem für einen Kometen und so wurde er auf damaligen Darstellungen auch oft abgebildet. Zum Beispiel auf dem Fresko "Anbetung der heiligen drei Könige" von Giotto di Bodone (1267-1337), das Giotto malte, nachdem er 1301 den Halleyschen Kometen beobachtete:

Giotto_-_Scrovegni_-_-18-_-_Adoration_of_the_Magi.jpgMit dem Kometen gibt es allerdings ein paar Schwierigkeiten. Eigentlich galten die unregelmäßig am Himmel auftauchenden Kometen immer als Unglücksboten - warum sollte ein Komet plötzlich die "Geburt eines Königs" verkünden? Warum finden sich nirgendwo anders Berichte über das Erscheinen des Kometen?

Aber es gibt ja noch andere außergewöhnliche Himmelserscheinungen: z.B. eine Supernova. Eine Supernova tritt auf, wenn ein schwerer Stern sein Leben beendet. So eine Sternexplosion hat eine gewaltige Helligkeit - das kann dazu führen, dass man plötzlich für kurze Zeit ein extrem helles, "neues" Objekt am Himmel beobachten kann. Man hat deswegen auch eine Supernova als Ursprung des Sterns von Bethlehem in Betracht gezogen.

600px-Keplers_supernova.jpgBekanntester Vertreter dieser Theorie war Johannes Kepler. Der hatte 1604 eine Supernova beobachtet ("Keplers Supernova", siehe Bild rechts, (C) NASA). Natürlich wusste er damals noch nichts von den astrophysikalischen Vorgängen im Inneren der Sterne und hatte keine Ahnung, dass es sich dabei um eine gewaltige Explosion zum Ende eines Sternenlebens handelte. Er sah nur einen neuen hellen Stern (mit einer Helligkeit von -2,5 Größenklassen war er der hellste Stern am Nachthimmel), der plötzlich auftauchte und nach einiger Zeit wieder verschwand. Er beobachtete aber auch noch etwas anderes: die Supernova befand sich in der Nähe der Stelle, an der er ein Jahr zuvor eine Konjunktion der Planeten Jupiter und Saturn beobachtet hatte: das bedeutet, dass Jupiter und Saturn sich (scheinbar) sehr nahe kommen und am Himmel fast am selben Platz erscheinen. Und aus seinen Rechnungen folgte, dass es auch im Jahr 7 v. Chr. so eine Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn gegeben hatte1.

Kepler vermutete, dass die Konjunktion der beiden Planeten die Ursache für das Auftreten der Supernova war und dass der selbe Vorgang auch fast 1600 früher zum kurzfristigen Erscheinen eines neuen Sterns geführt haben könnte: der Stern von Bethlehem.

Diese Theorie ist astronomisch gesehen natürlich vollkommen falsch - die zeitliche Abfolge von Konjunktion im Jahr 1603 und Entdeckung der Supernova im Jahr 1604 war reiner Zufall. Aber die Sache mit der Konjunktion im Jahr 7 v. Chr. ist es Wert, weiterverfolgt zu werden.

Auch später wurde eine Supernova als Quelle für den Stern von Bethlehem in Betracht gezogen. Der Historiker Werner Papke will eine Supernova in einem babylonischen Sternbild als Stern der Weisen identifiziert haben (siehe sein Buch: "Das Zeichen des Messias. Ein Wissenschaftler identifiziert den Stern von Bethlehem"). Auch hier ist die Quellenlage aber sehr dünn.

occhieppo.jpgAls ehemaliger Doktorand und Mitarbeiter an der Unisternwarte Wien, muss ich hier natürlich die Theorie von Konradin Ferrari d'Occhieppo erwähnen. Er war von 1954 bis zu seiner Emeritierung 1978, Professor am Institut für Astronomie der Uni Wien (und hat auch danach, bis zu seinem Tod 2007, noch teilweise dort gearbeitet und geforscht). Er hat sich mit theoretischer Astronomie, astronomischer Chronologie und antiker Astronomie beschäftigt. Bei so einer Themenwahl muss man ja fast zwangsläufig irgendwann mal beim Stern von Bethlehem landen - und darum ist es auch nicht verwunderlich, dass d'Occhieppo sich auch mit diesem Problem ausführlich beschäftigt hat.

Seine Ergebnisse sind u.a. in dem Buch "Der Stern von Bethlehem in astronomischer Sicht. Legende oder Tatsache?" zusammengefasst.

d'Occhieppo verknüpfte dort die Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn im Jahr 7 v. Chr. mit historischen Quellen über babylonische Astronomie/Astrologie zu einer plausiblen Geschichte:

7 v. Chr. fand eine dreifache Konjunktion zwischen Jupiter und Saturn statt. Dreimal in einem Jahr kamen sich die beiden Planeten sehr nahe: am 27. Mai, 6. Oktober und am 1. Dezember. Mit aktuellen Planetariusmprogrammen (wie z.B. Stellarium) kann man den Himmel über Jerusalem zu dieser Zeit leicht visualisieren. Ich habe das Mal für den Abendhimmel des 12. November 7 v. Chr. gemacht an dem die beiden Planeten im Süden über Jerusalem gut zu sehen waren:

himmeljerusalem.jpg
Bild: Stellarium (zum Vergrößern anklicken)

Man sieht deutlich, wie nahe Jupiter und Saturn am Himmel bei einander stehen. In der babylonischen Astrologie stand Jupiter für den König/Gott Marduk; Saturn symbolisierte Israel. Beide stehen außerdem im Sternbild der Fische. Laut d'Occhieppo würde so ein Ereignis als Ankündigung der Geburt eines großen Königs der Juden im Westen (im Sternbild Fische) interpretiert werden.
Nur damit kein falscher Eindruck entsteht: das impliziert keineswegs, die babylonischen Sterndeuter hätten tatsächlich die Geburt Jesu vorhergesehen. Aber die Bibel ist ja, wie schon gesagt, kein Tatsachenbericht - die entsprechenden Passagen wurden erst viele Jahre nach den eigentlichen Ereignissen geschrieben. Und es ist durchaus möglich, dass die Sterndeuter die entsprechende Konstellation später in oben genannten Sinn interpretiert haben.

Auch wenn diese Theorie im Moment am stärksten akzeptiert wird, gibt es auch hier einige Unklarheiten: warum wird im Matthäus-Evangelium nicht von Planeten gesprochen, sondern von Sternen? Einem gebildeten Menschen müsste der Unterschied klar sein - fraglich ist, ob Matthäus (oder wer immer den Text auch verfasst hat), dieses astronomische Wissen auch hatte. Auch andere Feinheiten des Textes deuten nicht darauf hin, dass der Verfasser von Planeten gesprochen hat. Außerdem ist die astrologische Gleichsetzung von Saturn und Israel umstritten.

Es gibt noch mehr Theorien bzw. Variationen der Theorien, die ich schon ausgeführt habe. Alle sind mehr oder weniger glaubwürdig und wirklich absolut überzeugend ist keine davon. Aber es ist eben auch schwierig, konkrete astronomische Tatsachen aus einem zweitausend Jahre altem Text abzuleiten (bei dem nur sehr bedingt davon ausgegangen werden kann, dass er die Tatsachen exakt beschreibt). Man kann auch nichtmal davon ausgehen, dass tatsächlich irgendeine besondere Himmelserscheinungen stattgefunden hat. Genauso gut kann das erst nachträglich eingefügt worden sein, um die Ereignisse bedeutungsvoller erscheinen zu lassen.

Wer sich weiter zu diesem Thema informieren möchte, der kann z.B. ein Planetarium besuchen. In der Zeit vor Weihnachten findet man eigentlich fast überall spezielle Programme, die u.a. die Theorie der Planetenkonjunktion schön anschaulich darstellen.


1: Es mag seltsam klingen, wenn man vermutet, Jesus wurde im Jahr 7 vor Christus geboren. Aber wenn eines sicher ist, dann, dass Jesus nicht am 24. Dezember des Jahres 1 (ein Jahr Null gab es nie) geboren ist. Der 24. 12. hat sich erst später eingebürgert, als die Geburt Christi mit den römischen Sol Invictus-Feiern zusammengelegt wurde. Auch die Grundlagen unseres heutigen Kalendes (und damit den Zeitpunkt des Jahres 1) wurde erst Jahrhunderte nach Christi Geburt festgelegt - und dabei haben sich zwangsläufig ein paar Fehler eingeschlichen. 7 v. Chr. ist also ein durchaus plausibles Geburtsjahr für Jesus.


Autor: Florian Freistetter· 21.12.08 · 20:50 Uhr· 15 Kommentare

19. Dezember 2008

Perpetuum Mobile, Lichkörperstufen und Dimensionstherapeuten: 7 völlig absurde Links

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Medizin·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 164

thestupiditburns.jpg

In den letzten Tagen sind mir einige ziemlich schräge Homepages und Meldungen begegnet. Da sich aber meistens kein eigener Artikel dazu gelohnt hätte, kommt hier nun eine schöne bunte Mischung des Absurden:

  • Gerald Berger, ein Erfinder aus dem österreichischen Pinkfeld, hat ein Perpetuum Mobile gebaut. Ungeachtet der physikalischen Unmöglichkeit, hat er eine Maschine konstruiert, die angeblich mehr Energie erzeugt, als für ihren Betrieb benötigt wird. Leider wollen die österreichischen Behörden seine Arbeit nicht fördern - dafür bekommt er Besuch von Scheichs aus Dubai. Die hat Berger aber schnell wieder rausgeschmissen - wollen sie seine Erfindung, die kostenlose Energie für alle liefern könnte, doch wahrscheinlich nur in irgendeiner Schublade verschwinden lassen. Mehr zu dieser absurden Story steht im Kurier
  • Es gibt einen eigenen Mobilfunk-Tarif für Esoteriker: "Die Nutzer können unterwegs auch ihr persönliches Tageshoroskop lesen, Tarotkarten ziehen und Infos zu Yoga, Meditation und Homöopathie abrufen. Die einmalige Anschlussgebühr kostet 19,90 Euro, die monatliche Grundgebühr liegt bei 9,90 Euro. Dafür lassen sich viele Tarotkarten ziehen. Die Mindestlaufzeit für Qiwani mobil beträgt zwölf Monate."
  • Im Jahr 2013 wird unser gesamtes Sonnensystem zum Sirius versetzt! Das behauptet zumindest die "spirituelle Lebensberaterin Claudia Bottelberger". Neben wichtigen Infos über Engel und Homöopathie, erklärt sie auf ihrer Homepage auch die verschiedenen "Lichtkörperstufen". Stufe 1 ist noch nicht so toll: "Muskel und Gelenkschmerzen, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall, Akne, Ausschlägen, Hautjucken, feurigem Brennen an einzelnen Körperteilen oder am ganzen Körper, unerklärlichem Fieber, dem Gefühl, unter Strom zu stehen, nadelstichartigen Schmerzen, Verdauungsstörungen und Gewichtsveränderungen.". Später dann, auf Stufe 7 "beginnen auch Zirbeldrüse und Hirnanhangdrüse zu wachsen, und so können Druckgefühle hinter der Stirn und im Hinterkopf sowie stechende Schmerzen im Scheitelbereich auftreten. Beide Drüsen dehnen sich von Erbsen zu Walnussgröße. Neben dem Dritten Auge (Zirbeldrüse) entwickelt sich auch das sogenannte Vierte Auge im Scheitelbereich bei der Fontanelle das Sinnesorgan für die multidimensionale Sicht." Und schließlich, auf der letzten Stufe 12 "strebt ein Menschenwesen seiner Vollendung als wahrer Galaktischer Mensch zu". Und "alle Menschen richten sich in der nun erreichten fünften Dimension ein und entwickeln eine völlig neue Bewusstseinsbeziehung zu Mutter Erde. Eine neue Menschheit ist erblüht, die als Galaktische Hüterzivilisation sowohl ihrer Verantwortung gegenüber Mutter Erde wie auch gegenüber der Galaktischen Föderation des Lichts nachkommt. Die Menschheit nimmt das lemurische Erbe wieder auf, denn sie verbindet nun den Himmel mit der Erde und ist dem Schöpfer so nahe wie niemals zuvor in ihrer Geschichte. Jetzt ist die Menschheit erwachsen.
    Dies ist im Jahre 2 0 1 2 zu erwarten, und im folgenden Jahr, im Jahre 2 0 1 3, wird die Erde mit dem gesamten Sonnensystem in das SiriusSternsystem versetzt. Hier, im Schwingungsfeld der Großen Blauen Loge der Schöpfung, wird die Erdenmenschheit gemeinsam mit Lady Virgo, unserer Mutter Erde, ein Dasein im Licht führen, das anderen Zivilisationen einstmals zum Vorbild gereichen soll."
    Na hui! Ich persönlich hätte ja nichts gegen ne kleine Reise zum Sirius einzuwenden. Astronomisch wird das sicher interessant (die Astrologen hingegen werden wohl Probleme kriegen - auf dem Sirius wird das mit den Horoskopen dann leider nicht mehr so richtig klappen).
  • Sind sie Ein- oder Ausatmer? Wer dachte, dass man eigenlich beides möglichst gleich stark machen sollte, irrt. Jeder Mensch hat einen speziellen "Atemtyp". Das behauptet zumindest die "Wissenschaft" der Terlusollogie: "Die Terlusollogie® geht von der Beobachtung aus, dass es zwei Atem- bzw. Konstitutionstypen gibt. Diese Atemtypen unterscheiden sich in ihrer Art zu atmen und als Folge davon in Körperhaltung, Motorik, Stoffwechsel und Kreislauf.  In mehr als 40jähriger erfahrungswissenschaftlicher Arbeit wurde das Phänomen einer Prägung des Atemzentrums zum Zeitpunkt der Geburt erforscht und immer wieder eindrucksvoll bestätigt." Höchst wissenschaftlich lässt sich der Atemtyp aus dem Geburtstdatum und dem Geburtsort berechnen - ob man eher Ein- oder Ausatmer ist, hängt nämlich irgendwie vom Einfluss der Sonne und des Mondes ab. Das alles ist tatsächlich kein Scherz - das wird ernst gemeint und ernst genommen! Es gibt zu diesem Thema Bücher und man kann sich für viel Geld atemmäßig beraten lassen. 
  • Wer hat Lust, ein paar Engeln, Jesus, Judas, Buddha oder sonstigen höheren Wesen ein Mail zu schreiben? Das lässt sich beim New Energy Team erledigen. Die channeln einem dann die Antworten (und das vermutlich auch nur gegen Bares).
  • Gute Nachrichten für Biochemiker und Genetiker: bald haben wir 12 DNA-Stränge anstatt nur 2. Jede Menge neue Forschungsfelder tun sich auf. Natürlich müssen wir drauf achten, dass der spirituelle Transformationsprozess der Erde nicht aufgehalten wird - ansonsten wird es nix mit der Super-DNA. Dieser Transformationsprozess ist sowieso ne tolle Sache: wir nähern uns einem "Photonenring"; die ganzen Naturkatastrophen auf der Erde sind nicht etwa nur tragische Ereignisse - nein, sind gehören zum "Reinigungsprozess der Erde", diverseste Schwingungen erhöhen sich ("die Schwingung der Erde"), wir bekommen Indigo-Kinder, danach Kristallkinder, die Zeit hat sich beschleunigt und am Ende (in etwa 2012) leben wir alle glücklich und zufrieden in der neuen fünfdimensionalen Welt. Bis auf die, die spirituell nicht reif genug waren - die sind dann wohl einem der vielen "Reinigungsprozesse" zum Opfer gefallen. Die ganze absurde Geschichte wird hier erzählt. 
  • Und zu Peter und Dagmar, DimensionstherapeutenTM (außerdem können sie noch "Energieklärung auf Seelenebene,Schamanismus,psychische Sensibilität, glykämischer Index,Tierkommunikation,Energiearbeit, Medium,Jenseits,Lichtwesen,Talente, Lebensaufgaben,Lichtarbeit,Volltrance, Reiki, aufgestiegene Meister,Rituale"), fällt mir echt nichts mehr ein.

Autor: Florian Freistetter· 19.12.08 · 22:50 Uhr· 164 Kommentare

17. Dezember 2008

EURO-VO: ein virtuelles Observatorium für Europa

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 11

Seit einiger Zeit arbeite ich ja nun schon an der Universität Heidelberg. Mein Arbeitsgebiet dort ist das europäische virtuelle Observatorium EURO-VO. Virtuelles Observatorium? Klingt so, als hätten sich das die Politiker ausgedacht, um sich die Kosten für eine Sternwarte sparen zu können ;) Ein virtuelles Observatorium hat aber in Wirklichkeit natürlich nichts mit Einsparungen zu tun - sondern eher mit einer Erweiterung der Möglichkeiten für beobachtende Astronomen.


euro_vo_aida.jpg


Wenn Astronomen den Himmel beobachten, dann tun sie das ja schon lange nicht mehr nur mit freiem Auge. Auch durch die Teleskope sieht man nur noch sehr selten. CCD-Kameras machen die Aufnahmen und Astronomen können sie später auf einem Computer betrachten und analysieren. Und was passiert mit diesen Daten, wenn man mit der Arbeit fertig ist?

Nun, am besten ist es, man bewahrt sie auf. Denn vielleicht tauchen später noch weitere Fragen auf - und dann ist man froh, wenn die Daten noch da sind. Außerdem sollten die einer wissenschaftlichen Arbeit zugrunde liegenden Rohdaten sowieso immer verfügbar sein um sie im Zweifelsfall überprüfen zu können.

Also liegen an den Sternwarten und Instituten überall auf der Welt Unmengen an astronomischen Daten herum. Wenn sich dabei z.B. um Himmelsdurchmusterungen und große Kataloge (wie z.B. 2MASS oder Hipparcos) handelt, dann sind die Daten meistens veröffentlicht und frei zugänglich. Bei vielen Beobachtungen ist das aber nicht der Fall - und das ist schade. Denn was für den einen alte, nicht mehr nützliche Daten sind, ist für den anderen vielleicht genau die Information, die benötigt wird um ein bestimmtes Problem zu lösen. Wenn man allerdings nicht weiß, dass diese Informationen und Aufnahmen schon irgendwo existieren, dann bleibt einem nichts anderes übrig, als selbst noch einmal zu beobachten. Das kostet dann oft viel Zeit, viel Geld und viel Mühe (und wenn man Pech hat und spezielle Instrumente benötigt für deren Benutzung man erst einen Antrag stellen muss, dann kann es passieren, dass man gar keine Beobachtungserlaubnis bekommt).

alad-orion.jpgUnd hier kommen jetzt virtuelle Observatorien ins Spiel. Ein virtuelles Observatorium (VO) ist eine Infrastruktur (ein Computerprogram, eine Homepage), die möglichst viele astronomische Daten auf sinnvolle Art und Weise zur Verfügung stellt. Wenn ich dann z.B. dringend eine Infrarot-Aufnahme des Orionnebels benötige, dann kann ich einfach dort nachsehen und spare mir eine eigene Beobachtung.

Ein virtuelles Observatorium ist idealerweise aber mehr als eine reine Datenbank. Es sollte auch die Möglichkeit bieten, die Daten untereinander zu vernetzen (z.B. mit Informationen aus Sternkatalogen), sie zu bearbeiten und zu analysieren (ein Beispiel dafür ist das Computerprogram Aladin, über das ich vor einiger Zeit schon mal geschrieben habe).

Viele Länder haben mittlerweile nationale virtuelle Observatorien eingerichtet und diese in der IVOA (International Virtual Observatory Alliance) vernetzt. Auch Deutschland hat ein virtuelles Observatorium: GAVO - das German Astrophysical Virtual Observatory (hier arbeite ich im Moment). Aber natürlich macht es wenig Sinn, wenn hier jedes Land sein eigenes Süppchen kocht. Wünschenswert wäre eine einheitliche Datenbank, die alle verfügbaren Informationen zusammenfasst und eine einheitliche Infrastruktur, die allen den Zugang zu diesen Daten ermöglicht.

ivoa-members.jpgUnd genau das ist das Ziel des Europäischen Virtuellen Observatoriums - hier soll ein gesamteuropäisches VO aufgebaut werden. Dazu reicht es natürlich nicht, einfach nur Daten zu sammeln. Hier müssen u.a. jede Menge neue Methoden entwickelt werden, die Daten so zu beschreiben, dass man sie auch wiederfindet und vernünftig nach ihnen suchen kann (man hat zum Beispiel, basierend auf der Datenbanksprache SQL, eine Astronomical Data Query Language (ADQL) entwickelt). Und natürlich gibts dann noch jede Menge andere Fragen, die zu lösen sind, wenn mehrere Länder gemeinsam ein Vorhaben bearbeiten (wer schon mal an einem EU-Projekt mitgearbeitet hat, weiß, was ich meine).

Virtuelle Observatorien sind also eine gute Sache - aber trotzdem haben sie noch mit einem gewissen Popularitätsproblem zu kämpfen. Anscheinend wollen viele Forscher doch lieber eigene Daten haben, anstatt mit fremden zu arbeiten. Und viele Beobachter haben wohl Hemmungen, ihre Aufnahmen an ein virtuelles Observatorium weiterzugeben. Dabei würde es den Daten in einer betreuten und gut organisierten Datenbank sicher viel besser gehen, als auf selbstgebrannten CDs oder DVDs (deren Lebenszeit ja sowieso begrenzt ist). Die Daten lassen sich auf Wunsch natürlich auch mit einem Passwort schützen - falls nur bestimmte Leute Zugriff dazu bekommen sollen.

Zum Abschluß daher ein Aufruf an alle (Amateur)Astronomen unter meinen Lesern: wenn ihr astronomische Daten habt, dann überlegt doch mal, ob ihr die nicht einem virtuellen Observatorium zur Verfügung stellen wollt. Das müssen keine Bilder sein - auch theoretische Daten von z.B. Simulationen sind gerne gesehen (das deutsche virtuelle Observatorium GAVO hat sehr viele theoretische Daten gesammelt - z.B. die der Millenium-Simulation). Oder Spektren, Lichtkurven, Aufnahmen von Planeten und Asteroiden - alles ist von Interesse. Wie ich oben schon gesagt habe: was für den einen schon längst nicht mehr interessant ist, wird woanders vielleicht dringend benötigt! Einfach eine Nachricht an mich schicken - dann können wir die Details besprechen.

Übrigens sind virtuelle Observatorien nicht nur für Forscher interessant. Man kann sie auch wunderbar in der Lehre einsetzen - an Universitäten, an Schulen oder in der Öffentlichkeitsarbeit. Im Moment arbeite ich gerade daran, verschiedene Projektbeispiele auszuarbeiten, die dann z.B. im Physik- oder Astronomieunterricht an Schulen eingesetzt werden können. Auch dafür suche ich noch interessierte Lehrer - aber zu diesem Thema werde ich sicher noch einen eigenen Beitrag schreiben.

Autor: Florian Freistetter· 17.12.08 · 14:43 Uhr· 11 Kommentare

Wissenschaftsblog-Auslese 2008

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur·Naturwissenschaften

Marc Scheloske (Wissenswerkstatt) und Lars Fischer (Fischblog) haben - gerade noch rechtzeitig ;) - das Projekt "Wissenschaftsblogs-Auslese 2008" gestartet. Gesucht werden die besten, interessantesten, gelungensten Blogposts des Jahres 2008.


Auslese2008_500.jpg

So eine Aktion gibt es in der englischsprachigen Blog-Welt schon seit ein paar Jahren. Hier werden die besten Posts jedes Jahr in der Open-Lab-Anthologie sogar in Buchform veröffentlicht.

Sehr schön jedenfalls, dass es diese Aktion jetzt auch für die deutschsprachigen Blogs gibt.
Ich bastel gerade an meiner persönlichen Hitliste für 2008 und kann nur alle aufrufen, sich ebenfalls zu beteiligen und ihre eigenen Favoriten zu nominieren!

Die Vorschläge mit Namen des Bloggers/Blogs, Titel des Postings und Permalink einfach per Mail an: auslese2008@wissenschafts-cafe.net schicken (und wer selbst ein Blog schreibt, kann dort ja auch nochmal auf den Wettbewerb hinweisen - je mehr sich beteiligen, desto interessanter wird es).


P.S. Ganz uneigennützig weise ich noch auf die Zusammenfassung aller meiner Blogposts der ersten 6 Monate von Astrodicticum Simplex hin ;-). Und wer sich nicht mehr erinnert, was in den anderen Astroblogs so alles passiert ist, der kann sich die alten Ausgaben des Blog-Teleskops ansehen. Dort findet sich genug Material, das es wert ist, nominiert zu werden.


Autor: Florian Freistetter· 17.12.08 · 11:18 Uhr· 0 Kommentare

16. Dezember 2008

12 Milliarden Jahre in 6 Minuten: Das Leben eines Sterns

Kategorie: Naturwissenschaften

Mark Hammonds hat in seinem Blog Supernova Condensate heute ein tolles Video veröffentlicht. In 6 Minuten und 29 Sekunden wird das Leben eines Sterns gezeigt - von der Entstehung bis hin zu seinem Tod. Tolle Bilder und tolle Visualisierung. Im Blogeintrag dazu kann man die Erklärungen dazu und die Quellen der Bilder nachlesen.


Autor: Florian Freistetter· 16.12.08 · 20:18 Uhr· 0 Kommentare

Traurig, aber wahr

Kategorie: Naturwissenschaften·Politik  ·  Kommentare: 6

Traurig, aber wahr. Der aktuelle Comic bei PHD Comics beschreibt den Stellenwert, den die Lehre an Universitäten hat, leider ziemlich gut:


Meine Meinung zum diesem Thema und Gründe, warum ich es absolut für nötig halte, die aktuelle Einstellung an den Universitäten zur Lehrtätigkeit massiv zu überdenken, finden sich u.a. in diesen Artikel:


Autor: Florian Freistetter· 16.12.08 · 11:12 Uhr· 6 Kommentare

15. Dezember 2008

Seltsame Welten: Trojanerplaneten

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 6

Unsere Erde ist ja (rein himmelsmechanisch gesehen) erstmal ein recht unauffälliger Planet. Annähernd kreisförmig zieht sie ihre Bahn um die Sonne und sonst passiert nicht viel. Auch die anderen Planeten in unserem Sonnensystem verhalten sich so (natürlich stimmt das auch nicht ganz - dass es auch mal chaotisch zugehen kann, habe ich hier beschrieben).
Es könnte aber auch Planeten in anderen Sonnensystemen geben, die sich ganz anders verhalten: sogenannte Trojanerplaneten.

Was sind Trojaner?

Über die Trojaner habe ich ja schon vor einiger Zeit einen langen Artikel geschrieben. Damals ging es allerdings um Asteroiden. Diese Asteroiden umkreisen die Sonne (annähernd) auf der selben Bahn wie der Planet Jupiter - befinden sich aber 60° vor bzw. hinter ihm. Auch wenn sich die Asteroiden die Bahn mit dem Riesenplaneten Jupiter teilen müssen, gibt es keine Probleme. Joseph-Louis Lagrange hat im 18. Jahrhundert gezeigt, dass es 5 spezielle Punkte gibt, an denen sich die Anziehungskräfte der Sonne und eines Planeten auf einen Asteroiden gerade so aufheben, dass sie keinen störenden Einfluss ausüben können. 2 dieser 5 Lagrangepunkte sind stabil. Das bedeutet, dass Asteroiden, die sich in oder in der Nähe dieser Punkte befinden, dort auch für lange Zeit bleiben können - also eine stabile Bahn um die Sonne verfolgen. Und das sind genau die beiden Punkte vor und hinter Jupiter auf dessen Bahn, an denen wir im Sonnensystem bis heute tausende Asteroiden entdeckt haben: die Trojaner. In diesem Bild sind die stabilen Punkte mit "L4" und "L5" bezeichnet (Gelb: Sonne, Blau: Jupiter):


lagrange2.jpg

Aber das sind, wie gesagt, nur Asteroiden. Könnte es nicht auch Planeten geben, die sich in einer Trojanerkonfiguration befinden?

2 Planeten auf einer Bahn

Nun, zumindest nicht in unserem Sonnensystem. Hier kennen wir nur die Trojaner-Asteroiden des Jupiter (auch Mars und Neptun haben Trojaner) und ein paar Saturnmonde die sich in Trojanerkonfigurationen befinden (auch einige Weltraumobservatorien wurden in den Lagrangepunkten der Erde stationiert). Aber was ist mit extrasolaren Planetensystemen?

Wir wissen mittlerweile, dass solche Trojanerplaneten durchaus entstehen können. Erst vor kurzem sind wieder zwei wissenschaftliche Arbeiten erschienen, die deutlich machen, dass in anderen Sonnensystemen durchaus auch Trojanerplaneten entstehen könnten.
Wir wissen auch, dass diese Planeten für sehr lange Zeiten stabilen Bahnen folgen können. Arbeiten zur Stabilität von Trojanerplaneten wurden (und werden) unter anderem von der Astrodynamik-Arbeitsgruppe der Unisternwarte Wien durchgeführt (und auch ich habe vor einigen Jahren dort über dieses Thema gearbeitet).

Trojanerplaneten könnten also entstehen und wenn sie entstanden sind, können sie für sehr lange Zeiten stabile Bahnen haben. Warum haben wir bis jetzt dann noch keine entdeckt?

Unter anderem deswegen, weil noch nicht wirklich intensiv danach gesucht wird. Im Vergleich zur Suche nach "normalen" Exoplaneten ist das Auffinden von Trojanerplaneten etwas knifflig. Man kennt zwar mittlerweile schon Methoden, um sie zu entdecken - aber die wurden noch nicht systematisch umgesetzt (zumindest nicht, wenn man es mit dem Aufwand vergleicht, der sonst in der Exoplanetenforschung betrieben wird).

Wozu das Alles?

445px-Planet_HD_189733b.jpgDabei wäre eine Entdeckung eines Trojanerplaneten ein wirklicher Fortschritt! Nicht nur, weil man damit eine neue, stabile Konfiguration für Planetenbahnen auch tatsächlich in der Natur verifizieren könnte. Man könnte damit auch einige offene Fragen aus dem Bereich der Planetenentstehung lösen. Hier gibt es nämlich immer noch verschiedene Theorien, die miteinander konkurrieren. Besonders schwierig ist die Erklärung, wie die sg. "Hot Jupiters" entstanden sind. Das sind extrasolare Planeten, die sehr groß sind (vergleichbar mit Jupiter in unserem Sonnensystem oder größer), die sich sehr nahe an ihrem Stern befinden (viel näher als der Merkur an der Sonne). Die Theoretiker probieren immer noch, herauszufinden, ob diese Planeten wirklich so nahe am Stern entstanden sind oder ob sie im Laufe der Zeit von weit entfernteren Orten in Richtung des Sterns "migriert" sind.

Viele Forscher halten die Migrationshypothese für wahrscheinlicher - aber auch hier gibt es verschiedene konkurrierende Variationen. Einige gehen davon aus, dass der große Planet früher eine sehr exzentrische (also stark elliptische) Bahn hatte, die sich dann durch Wechselwirkungen mit interplanetarem Material (Staub, Gas, Kleinkörper) schnell zu einer kreisförmigen, sternnahen Bahn geändert hat. Und diese Hypothese würde für solche Planeten keine Trojaner zulassen! (Damit Trojanerplaneten stabile Bahnen haben können, darf die Bahn des größeren Partnerplaneten nicht zu exzentrisch sein).

Nun lassen sich praktischerweise Trojanerplaneten dann am einfachsten nachweisen, wenn sie sich ihre Bahn mit einem "Hot Jupiter" teilen. Würde man bei so einem Planeten einen kleineren Trojanerpartner entdecken, dann wäre die oben beschriebene Art der Migrationshypothese falsifiziert.

Gute Gründe also, um nach Trojanerplaneten zu suchen. Ich selbst hatte eigentlich vor, ein Forschungsprojekt zu genau diesem Thema zu beginnen. Zuerst wollte ich durch theoretische Simulationen diejenigen Sterne identifizieren, bei denen die Chancen am besten stehen, Trojanerplaneten zu entdecken. Und danach genau diese Sterne auch wirklich beobachten um so meine Vorhersagen entweder zu bestätigen oder zu falsifizieren. Selbst wenn ich keinen Trojanerplaneten entdecken würde, hätten wir immer noch jede Menge neue theoretische und experimentelle Daten gewonnen, die für spätere Arbeiten wichtig sein können.

Ich habe das eigentlich für ein recht gutes und interessantes Thema gehalten - die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fand das Projekt aber dann leider doch nicht so gut und hat mir vor ein paar Wochen mitgeteilt, dass sie eine Förderung abgelehnt.1

Tja - so läufts in der Forschung... aber man konnte in den letzten Jahren beobachten, dass auf diesem Gebiet immer mehr geforscht wird und dass sich auch immer mehr Wissenschaftler beteiligen. Als wir damals in Wien begonnen haben, uns damit zu beschäftigen, wurde das von vielen Kollegen als unnütze Spielerei betrachtet. Trojanerplaneten seien eine nette theoretische Konfiguration - aber in der Realität könne es sowas wahrscheinlich nicht geben und selbst wenn, würde man sie wohl in naher Zukunft kaum entdecken. Mittlerweile wissen wir, dass es sie sehr wohl geben kann und das wir auch (jetzt schon) in der Lage sind, sie zu entdecken, wenn sie existieren.

Ich würde mich wirklich freuen, wenn so eine Entdeckung gemacht werden würde! Vielleicht ein erdähnlicher Exoplanet, der sich die Bahn um seine Sonne mit einem Gasriesen teilt. Man stelle sich vor, wie es wäre, auf so einer seltsamen Welt zu Leben. Die Raumfahrt müsste dort eine interessante Angelegenheit sein...

Aber das ist noch nicht einmal die seltsamste Konfiguration, die sich Himmelsmechaniker ausdenken können. Es gibt noch welche, die sind noch viel außergewöhnlicher! Doch dazu dann mehr in einem anderen Artikel.


1: Einer der Hauptgründe für die Ablehnung des Antrags war übrigens die Arbeit meiner Wiener Kollegen. Die DFG meinte, dass meine Arbeit deswegen nicht mehr wirklich nötig wäre. So ein Argument ist dann natürlich extra bitter. Natürlich kenne ich die Arbeit meiner Freunde aus Wien sehr gut (ich habe ja teilweise selbst daran mitgearbeitet) und weiß genau, dass sie meinerm Projekt zwar ähnlich ist, aber in eine ganz andere Richtung zielt und auch keine der Fragen beantworten kann, die ich hätte beantworten wollen. Aber bei DFG-Projekten kann man leider kaum Einspruch einlegen - abgelehnt ist abgelehnt...

Autor: Florian Freistetter· 15.12.08 · 20:07 Uhr· 6 Kommentare

14. Dezember 2008

Blog-Teleskop #15

Kategorie: Blog-Teleskop·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 2

Heute steht die fünfzehnte Ausgabe des Blog-Teleskops schon zum zweiten Mal bei den Himmelslichtern von Jan Hattenbach.

blogteleskop.jpg


Und wer auch mal eine Ausgabe des Teleskops beherbergen möchte, der soll mir Bescheid sagen.

Autor: Florian Freistetter· 14.12.08 · 22:21 Uhr· 2 Kommentare

12. Dezember 2008

Über den Umgang mit Pseudowissenschaften und Esoterik

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 151

Wie verhält man sich als Wissenschaftler, wenn man mit Pseudowissenschaft oder Esoterik konfontiert wird? Soll man so was einfach ignorieren? Gar nicht drauf eingehen? So tun, als gäbe es das nicht?

Wer mein Blog schon länger liest, wird wissen, dass ich hier anders denke. Hier wurde oft, lange und heftig über Homöopathie, Astrologie, Verschwörungstheorien und anderen Unsinn diskutiert. Natürlich besteht immer die Gefahr, dass man so Leuten eine Bühne bietet, die diese eigentlich gar nicht verdient hätten. Das Internet bietet ja sowieso genug Raum für jede noch so absurde Idee - da muss man das doch nicht auch noch unter dem Label "ScienceBlogs" abhandeln, oder?

Doch - muss man! Will man Wissenschaft und Wissenschaftlichkeit vermitteln, dann gehört dazu nicht nur, über die Schönheit und Faszination z.B. der Astronomie zu berichten. Dann muss man auch das thematisieren, was diese Schönheit und Faszination direkt angreift! Dann muss man Pseudowissenschaft, Esoterik und Wissenschaftsfeindlichkeit ansprechen.

Den für jemanden, der mit Wissenschaft nicht so oft zu tun hat, ist es oft nicht auf Anhieb ersichtlich, ob etwas Wissenschaft ist, oder nicht. Homöopathie z.B. hat mit ernsthafter Medizin nicht viel zu tun und ist nichts anderes, als alter Aberglaube in modernem Gewand. Gleiches gilt beispielsweise für "Global Scaling". Beide "Theorien" geben sich aber den Anschein von Wissenschaftlichkeit und z.B. die Homöopathie hat sich mittlerweile schon so in der Gesellschaft festgesetzt, dass die meisten Leute sehr überrascht sind, wenn sie erfahren, dass es sich dabei nicht um seriöse Medizin handelt (und das dann auch meistens gar nicht glauben wollen).

Insofern ist es also von großer Bedeutung, dass hier klar ausgesprochen wird, um was es sich handelt. Tut man das, sieht man sich aber meist schnell in hitzige Diskussionen mit den Anhängern der jeweiligen "Theorie" verwickelt. Und die sind meistens extrem anstrengend und unbefriedigend. Ein schönes Beispiel ist die aktuelle Diskussion um die "Mondlandungslüge".
Solche Leuten wollen dann meistens nicht diskutieren, sondern missionieren.

Einen überzeugten Anhänger einer Pseudowissenschaft, einer Verschwörungstheorie oder einer esoterischen Richtung durch Gespräch oder Argumentation überzeugen zu wollen, ist so gut wie unmöglich. Wer an etwas glaubt - und an solche Dinge kann man eben nur glauben, weil sie keine Basis in der Realität haben - der ist sowieso nicht auf Fakten und Beweise angewiesen. Dann müsste man ja auch nicht glauben.

Warum tut man sich dann solche Diskussionen an? Hmm - ich mache das, weil man ja vielleicht doch irgendwann mal Erfolg hat. Ganz selten schafft man es eben doch, zu solchen Gläubigen durchzudringen. Und dann gibt es ja nicht nur Diskutanten - sondern auch viel mehr Leute, die die Artikel und die Kommentare einfach nur lesen, ohne sich selbst beteiligen zu wollen. Und für die bieten solche Diskussion nochmal zusätzliches Material, um die Gültigkeit und Glaubwürdigkeit der jeweiligen pseudowissenschaftlichen "Theorien" zu beurteilen. Die meisten Gläubigen entlarven sich nämlich im Zuge einer Diskussion sehr schnell und demonstrieren, dann sie keine echten Argumente liefern können.

Ein zweite wichtige Frage ist die folgende: wie weit soll/kann man sich von Pseudowissenschaften und Esoterik instrumentalisieren lassen? Sollen Wissenschaftler sich z.B. an Veranstaltungen von Esoterikern beteiligen um so vielleicht ein ausgewogene Diskussion gewährleisten zu können? Oder verleiht man der Veranstaltung dadurch erst Recht eine Glaubwürdigkeit, die sie nicht hat?

Ein gutes Beispiel für dieses Dilemma war die grauenhaft schlechte "UFO-Show" von Uri Geller, die vor einem Monat auf Pro 7 ausgestrahlt wurde. Diese Sendung war ein Parade-Beispiel für Unwissenschaftlichkeit und esoterischen Unsinn. Trotzdem trat in dieser Sendung der Astronom Heino Falcke auf, Professor für Radioastronomie an der Universität Nijmegen.

Für diesen Auftritt wurde er von vielen Kollegen (unter anderem von mir) kritisiert. Auf seiner Homepage äußert er sich dazu:

"Zumindest unser Part würde ein einfaches Demonstrationsexperiment geben, ohne Manipulationen, Fakes, oder Raum für mystische Spekulationen. Wer weiß, wie manche Fernsehshows gemacht werden, versteht, dass das nicht selbstverständlich ist. Es sollte zumindest eine kleine "Ecke der Vernunft" in der Sendung geben.
Darüberhinaus bin ich überzeugt, dass sich Wissenschaftler auch in solchen Sendungen nicht zu verstecken brauchen oder sich eine "Igittigitt"-Haltung zulegen müssen."
Prinzipiell kann ich hier zustimmen. Das entspricht im Wesentlich dem, was ich weiter oben selbst geschrieben habe. Man muss aber doch realistisch genug sein, um einschätzen zu können, ob diese Ansprüche auch umgesetzt werden können. Die Sendung auf Pro-7 wurde von Uri-Geller (mit)moderiert. Als Gäste waren u.a. Nina Hagen und Erich von Däniken geladen. Ein "Experte" für Kristallschädel tritt auf. Man sendet eine Nachricht an Außerirdische und wartet - ungeachtet der wissenschaftlichen Unmöglichkeit - während der Sendezeit auf eine Antwort. Bei so einem Sendekonzept und den Teilnehmern, hätte jedem klar sein müssen, dass hier nicht der geringste Anspruch an Wissenschaftlichkeit zu erwarten sein wird.

Wenn man dann als Wissenschaftler in die Sendung gehen kann, um klar und deutlich zu sagen, dass das was hier gemacht wird, in keinster Weise seriös und schon gar nicht wissenschaftlich ist, dann ist das in Ordnung! Das wäre eine wichtige und gute Sache gewesen. Aber so etwas wird wohl kaum stattfinden - Pro-7 wird ja kaum seine eigene Sendung schlechtmachen.

Und so wirkte leider auch der Auftritt von Heino Falcke in keinster Weise ausgleichend - von einer "Ecke der Vernunft" war nichts zu sehen. Natürlich: Prof. Falcke hat in dieser Sendung nichts gesagt oder getan was falsch/unwissenschaftlich gewesen wäre. Er hat ein paar Messungen durchgeführt, ein paar Diagramme und Bilder gezeigt (man kann das auf seiner Homepage nachlesen). Aber außer der Aussage, dass er UFOs für "ziemlich ausgeschlossen" hält, war keine Kritik zu hören. Ein unbedarfter Zuschauer musste zu dem Schluß kommen, dass die Sendung vielleicht doch nicht so absurd und unseriös war, wie sie wirkte. Immerhin hat doch ein echter Professor mitgemacht! Und wenn das alles nur Blödsinn wäre, wäre der ja gar nicht erst gekommen, oder? Durch seinen Auftritt in der Sendung hat Heino Falcke ihr leider eine Glaubwürdigkeit verliehen, die ihr absolut nicht zukommt.

Prof. Falcke schreibt weiter:

"Ich habe versucht mir anzugewöhnen allen diesen Menschen mit Respekt zu begegnen, ihnen zuzuhören und Rede und Antwort zu stehen anstatt sie arrogant abzublocken. Das kann schon mal emotional anstrengend sein, besonders wenn man die Meinung des Gegenübers nicht teilt und man mit sehr wilden Aussagen überschüttet wird. Manchmal kann das dazu führen, dass man wie Herr Bublath einfach die Flucht ergreift."
Erst mal würde ich sagen, dass es zwischen "Rede und Antwort stehen" und "arrogant abblocken" noch einige Zwischenstufen gibt. Ich würde auch nicht sagen, dass Joachim Bublath in der "Maischberger"-Sendung die "Flucht ergriffen hat". Er hat meiner Meinung nach das getan, was in dieser Situation angebracht war: klar und deutlich kund getan, dass an dieser Diskussionsrunde nichts Wissenschaftliches mehr ist und daher auch keine sinnvolle Möglichkeit für ein Wissenschaftler, sich zu beteiligen.

Diese Frage lässt sich wohl nicht so einfach beantworten, Als Wissenschaftler hat man in den Medien immer noch eine gewisse Glaubwürdigkeit. Und damit sollte man sehr sorgfältig umgehen!



Autor: Florian Freistetter· 12.12.08 · 21:55 Uhr· 151 Kommentare

Beobachtungstipp: der größte Vollmond des Jahres

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 7

mond.jpg

Heute Nacht ist Vollmond. Das ist kein Grund beunruhigt zu sein oder irgendwelchen esoterischen Tätigkeiten nachzugehen. Aber wenn das Wetter es zulässt, dann sollte man heute Nacht mal zum Himmel sehen. Denn heute erreicht der Mond in seiner Bahn das Perigäum - also seinen erdnächsten Punkt.

Die Bahn des Mondes um die Erde ist natürlich kein exakter Kreis. Genaugenommen ist die Bahn sogar sehr kompliziert. Manchmal ist er der Erde deswegen näher als zu anderen Zeiten. 

Heute Nacht können wir den Vollmond also in seiner ganzen Pracht betrachten: 14 Prozent größer als sonst und gut ein Drittel mal heller als normal!

Besonders beeindruckend sieht der Mond aus, wenn er gerade erst aufgegangen ist. Denn je näher der Mond am Horizont steht, desto größer erscheint er uns. Das ist allerdings kein physikalischer Effekt sondern eine Sinnestäuschung. Wie genau diese "Mondtäuschung" zustande kommt, ist bis jetzt noch nicht abschließend geklärt (Die oft gelesen Erklärung, dass der Mond wegen der am Horizont sichtbaren Vergleichsobjekte wie Bäume oder Häuser größer erscheint, stimmt nicht - zumindest erklärt sie das Phänomen nicht komplett).

Wie auch immer: wer Glück mit dem Wetter hat, wird heute Abend vielleicht einen besonders tollen Vollmond sehen können. Hier bei mir in Jena schaut es schlecht aus - aber vielleicht ist es woanders ja besser. Über Beobachtungsmeldungen oder Fotos würde ich mich freuen! (Hier kann man sich Auf- und Untergangszeiten des Mondes anzeigen lassen)


Autor: Florian Freistetter· 12.12.08 · 17:45 Uhr· 7 Kommentare

Wer lächeln will muss zahlen: ;-) patentiert

Kategorie: Kultur·Politik·Technik  ·  Kommentare: 18

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Auf Patentämtern werden ja gerne mal ziemlich absurde Dinge patentiert. In Russland hat sich nun der Chef der Firma Superfone, Oleg Teterin, die Zeichenkombination ;-) patentieren lassen. Die russische Patentbehörde habe ihm schon das Markenrecht an dieser Zeichenkombination zugeteilt. Netterweise darf man den augenzwinkerden Smiley privat allerdings weiter kostenlos verwenden; nur Unternehmen müssen eine jährliche Lizengebühr zahlen, wenn sie das Zeichen verwenden wollen. Auch der lachende Smiley :-) - und vermutlich auch andere ähnliche Kombinationen - könnten wegen der Verwechslungsgefahr seine Ansprüche berühren, meint Teterin.

Manchmal frage ich mich wirklich, was auf Patentämtern so abläuft. Was kommt als nächstes? Wer lässt sich als erstes die Rechte am Punkt, am Beistrich/Komma oder am Buchstaben "e" sichern? Oder besser gleich am ganzen Alphabet und allen Kombinationen daraus... Markenschutz ist ja prinzipiell in Ordnung - aber so etwas ist nicht mehr normal.

Ich geh mal davon aus, dass europäische/amerikanische Patentämter hier anders entscheiden würden. Falls nicht, wäre es aber sicher interessant zu sehen, wie ein entsprechender Gerichtsprozess ausgehen würde.

Wenn sich solche Praktiken durchsetzten, dann möchte ich gleich vorsorglich ein Patent auf die Verwendung von "+", "-" und "=" anmelden. Mit den Lizenzgebühren dafür sollte ich dann eigentlich ausgesorgt haben. Nein, das ist natürlich nicht ernstgemeint. ;-)

Nachtrag: Mittlerweile hat die russische Patentbehörde die ganze Angelegenheit beendet. Den Smiley kann sich niemand schützen lassen.


Autor: Florian Freistetter· 12.12.08 · 11:20 Uhr· 18 Kommentare

09. Dezember 2008

Lost in Translation

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 42

Im Rahmen des EU-Projekts, an dem ich gerade arbeite, ist es nötig, eine deutsche Version der astronomischen Software Aladin zu erstellen. Das ist ein nettes Program, mit dem es möglich ist, auf eine Riesenmenge an astronomischen Bildern und Katalogen zuzugreifen. Mit diesen Daten kann man dann alle möglichen Dinge machen, man kann sie analysieren, auswerten, bearbeiten, mit anderen Daten verknüpfen (oder auch einfach nur ansehen ;) ).

Jedenfalls brauchen wir davon eine Version auf deutsch - und daran arbeite ich gerade. Und stelle wieder einmal fest, dass eine vernünftige Übersetzung gar nicht so einfach ist. Englisch ist eine sehr kompakte Sprache - deutsche Texte sind meist länger als ihre englische Entsprechung. Das führt dann natürlich zu Problemen, wenn dann auf einmal die Beschriftung eines Buttons oder Menü-Eintrags im Program auf deutsch wesentlich länger ist als auf Englisch.

Und dann sind da noch Unmengen englischer Fachausdrücke, bei denen ich genau weiß, was gemeint ist - wo mir aber absolut keine vernünftige deutsche Version einfallen will. Ein paar Beispiele:

  • Catalog Column Calculator: Katalogspaltenrechner?? Ich erfinde hier gerade ständig solche Wortungetüme - aber so richtig zufrieden bin ich damit nicht.
  • Pan Mode: Ich weiß, was dieser Knopf tut: damit kann ich das gesamte Bild in allen Richtungen durch die Gegend schieben. Aber wie sag ich das in 8 Zeichen?
  • Change the screen area proportions (drag it): Zieh es?
  • Automatical pan synchronization (only in multiview mode): Automatische Bildfeldsynchronisation - nur im Mehrfachansichtsmodus verwendbar. Ja, das klingt so richtig schön einfach und verständlich...
  • Crossmatch Catalogs: Kataloge kreuzweise vergleichen??

Und von diesen Beispielen hätte ich noch ne ganze Menge mehr. Man merkt hier schön, dass englisch sich als Wissenschaftssprache wirklich durchgesetzt hat. Für viele Ausdrücke existieren einfach keine entsprechend weit verbreiteten deutschen Übersetzungen - weil man ja sowieso fast nur auf englisch darüber redet und schreibt.

Naja - irgendwie werd ich das Ding schon übersetzt kriegen - zur Not lass ich es einfach maschinell übersetzen. Dann haben die Nutzer wenigstens etwas zu lachen ;)

translation.jpg

Bild: Flickr, by-nc-sa 2.0


Autor: Florian Freistetter· 09.12.08 · 14:42 Uhr· 42 Kommentare

08. Dezember 2008

Die Sonne einpacken: auf der Suche nach Dyson-Sphären

Kategorie: Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 25

Wow, es gibt tatsächlich ein Suchprogramm für Dyson-Sphären1. Aber vielleicht sollte ich zuerst mal erklären, was eine Dyson-Sphäre überhaupt ist.

Das ist eine Möglichkeit, wie man die Energie, die von einem Stern abgestrahlt wird, maximal ausnutzen kann. Für uns auf der Erde ist die Sonne die Energiequelle Nummer 1. Jede Energieform lässt sich auf Sonnenenergie zurückführen. Allerdings steht uns trotzdem nur ein winzig kleiner Teil der Kraft, die die Sonne abgibt, zur Verfügung.

Die Sonne strahlt ihre Energie kugelförmig in jede Richtung ab - wir nutzen aber nur den winzigen Teil davon, der auf unsere Erde trifft. Der Physiker Freeman Dyson hat sich 1960 überlegt, dass man das ja eigentlich auch besser machen könnte. Man müsste "nur" eine Hülle bauen, die den Stern komplett einschließt - dann kann keine Energie mehr verloren gehen.

dyson-sphaere.jpg
Wie man das nun aber genau macht, ist eine ganz andere Geschichte. Mit der tatsächlichen Konstruktion von solcher Sphären hat sich Dyson nicht wirklich auseinandergesetzt. Man müsste auf jeden Fall eine Menge Material zur Verfügung haben. Vielleicht könnte man einen kleinen Planeten auseinandernehmen und damit die Sphäre bauen. Oder haufenweise Asteroiden zur Sonne schaffen und die Hülle daraus konstruieren.

Oft liest man auch (in Science-Fiction-Büchern) dass so eine Dyson-Sphäre tatsächlich als Welt genutzt wird. Die Menschen würden dann auf der Innenseite der Hohlkugel leben. Eine zukünftige Zivilisation hätte so zwar reichlich Energie und jede Menge Platz zur Verfügung - allerdings würde man dann ein paar Probleme mit der Gravitation bekommen. Auf der Innenseite der Kugel gäbe es nur dann eine vernünftige Gravitation, wenn die Sphäre rotiert (was die Konstruktion enorm erschweren würde). Und selbst dann würde das nur in Äquatornähe funktionieren. Ansonsten könnte man sich auf der Aussenseite der Kugel ansiedeln - dort hat man dann aber wieder nichts von der Sonnenenergie.

Es gibt deswegen auch einige Varianten: so kann man z.B. einen riesigen Schwarm aus Sonnenkollektoren um die Sonne kreisen lassen. Die Abdeckung wäre dann zwar nicht komplett und neuer Lebensraum wäre damit auch kaum geschaffen - aber es wäre zumindest ein wenig realistischer als eine komplette Sphäre. Oder man kann eine "Ringwelt" bauen - also anstatt einer Sphäre nur einen Ring um die Sonne herum. Wer dazu Details wissen möchte, der sollte auf jeden Fall mal eine Blick in  die äußerst lesenswerten Ringwelt-Romane von Larry Niven werfen.

Dyson-Sphären sind zwar etwas ziemlich unvorstellbares - gehören aber zu denjenigen der SciFi-nahen Visionen, bei denen es kein prinzipielles Problem gibt. Es wäre eben nur wahnsinnig aufwendig, so ein Ding zu bauen. Aber machbar auf jeden Fall. Und wenn nicht für uns, dann vielleicht für eine außerirdische Zivilisation, die schon ein bisschen weiter entwickelt ist?

Das scheint sich auch Richard A. Carrigan Jr. gedacht zu haben. Er ist Physiker am Fermilab und beschäftigt sich (u.a.) schon länger mit den Dyson-Sphären. Wenn sie denn irgendwo in unserer Galaxis existieren würden, könnten wir das unter Umständen von der Erde aus feststellen! Und das wäre dann ein deutlicher Beweis für die Existenz von intelligentem außerirdischen Leben.

So ein Stern wird nämlich nicht einfach unsichtbar, wenn er von einer Dyson-Sphäre umgeben ist. Die Sphäre selbst heizt sich natürlich auch auf und gibt dann Infrarotstrahlung ab. Und danach kann man suchen. Das hat Carrigan getan - und zwar mit Hilfe des Katalogs des Infrarot-Satelliten IRAS, der knapp 250000 Infrarotquellen enthält und 96% des Himmels abdeckt. Die Ergebnisse dieser Suche hat Carrigan vor kurzem in seiner Arbeit "IRAS-based whole-sky upper limit on Dyson Spheres" veröffentlicht. Leider mit negativem Ergebnis.

Aber das muss ja noch nicht das Ende der Suche sein. Auch IRAS hat nicht alles beobachtet, was in unserer Galaxie vorhanden ist - vielleicht versteckt sich irgendwo da draußen ja noch ein Stern hinter einer Dyson-Sphäre. Wer selbst Lust hat, auf die Suche zu gehen, findet hier Tipps, wie man sich auch als Amateur an der Suche beteiligen kann (ein Teleskop wird dazu nicht benötigt).

Zum Abschluß noch ein kleiner Ausflug in einen weiteren Grenzbereich von Physik und Science-Fiction: die Kardaschow-Skala. Die wurde vom russischen Astronomen Nikolai Semjonowitsch Kardaschow - einem der Pioniere der russischen SETI-Forschung - aufgestellt. Seine Skala dient dazu, außerirdische Zivilisationen anhand ihrer technologischen Entwicklungsstufe zu klassifizieren.

Eine Zivilisation vom Typ I wäre demnach in der Lage, den kompletten Energieoutput ihres gesamten Planeten zu nutzen. Typ II wäre fähig, die gesamte Energie eines Planetensystems zu nutzen - und dazu wäre eben im Prinzip eine Dyson-Sphäre nötig. Eine Zivilisation vom Typ III wäre schließlich in der Lage, die komplette Energie einer ganzen Galaxie nutzbar zu machen.

Wir Menschen haben bis jetzt noch nicht mal die erste Stufe erreicht. Carl Sagan hat die Menschheit auf dieser Skala einmal mit 0,7 eingestuft. Wir haben also noch einiges vor uns!



1: Diesen Satz habe ich aus dem Timeblog geklaut ;) Aber er ist so passend und entspricht genau dem, was mir selbst durch den Kopf gegangen ist, dass ich ihn einfach übernehmen musste.


Autor: Florian Freistetter· 08.12.08 · 21:00 Uhr· 25 Kommentare

05. Dezember 2008

Die Mondlandungslüge

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 595

Vor kurzem ist die neue Ausgabe des Skeptikers erschienen. Das Schwerpunktthema sind diesmal die Verschwörungstheorien. Auch ich durfte einen Artikel schreiben - und welches Thema bietet sich da für einen Astronom besser an, als die Verschwörungstheorien rund um die Landung auf dem Mond im Jahr 1969. Selbst heute noch sind viele Leute davon überzeugt, dass die Amerikaner damals nur geschwindelt haben und bis jetzt noch nie ein Mensch den Mond betreten hat. In meinem Artikel habe ich mich bemüht, die wichtigsten Argumente der Verschwörungstheoretiker zu entkräften und einige der vielen deutlichen Beweise für eine bemannte Mondlandung darzustellen.
Meinen Artikel kann man auch hier im Blog lesen - im aktuellen Skeptiker sind aber noch jede Menge weitere interessante Themen zu finden. Neben allgemeinen Untersuchungen zum Entstehen und zur Verbreitung von Verschwörungstheorien findet sich auch eine genaue Analyse der neuesten Weltverschwörung: der Angriff auf das World Trade Center am 11. September 2001. Anläßlich des neuen James-Bond-Filmes ("A Quantum of Solace") werden die bisherigen Filme über den Geheimagenten aus wissenschaftlicher Sicht unter die Lupe genommen. Und es wird über den jährlichen PSI-Test der GWUP berichtet (bei dem auch diesmal keiner der Probanden seine übersinnlichen Fähigkeiten unter Beweis stellen konnte). Ich kann eine Lektüre also nur empfehlen (und das nicht nur wegen meines Artikels ;) ).


Die Mondlandungslüge

In knapp sechs Monaten feiern wir das 40jährige Jubiläum einer der größten technischen und wissenschaftlichen Leistungen der Menschheit: der erste bemannten Landung auf dem Mond. Am 20. Juli 1969 setzte Neil Armstrong als erster Mensch seinen Fuß auf den Boden eines außerirdischen Himmelskörpers. In den folgenden drei Jahren brachte die amerikanische Weltraumbehörde NASA weitere zehn Menschen auf den Mond und sicher wieder zurück zur Erde. Die bemannten Missionen zum Mond zählen immer noch zu den Höhepunkten der Raumfahrt. Doch es gibt Menschen, die das alles für eine große Lüge halten. Kein Mensch habe bis jetzt den Mond betreten. Die Fernsehbilder die im Juli 1969 Millionen vor den Fernsehapparaten verfolgten, waren gefälscht und stammten aus einem Filmstudio. Alles sei nur eine große Verschwörung der amerikanischen Regierung gewesen, um der Welt eine erfolgreiche Landung auf dem Mond vorzuspielen. Und für diese Behauptungen sollen sogar Beweise existieren!

Die Motivation

Wie kann es zu so einer absurden Theorie kommen? Welchen Grund könnte die US-Regierung haben, solch eine groß angelegte Verschwörung durchzuziehen? 1969 herrschte noch Kalter Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion. Nachdem der amerikanische Präsident John F. Kennedy 1961 angekündigt hatte, bis zum Ende des Jahrzehnts einen Mann auf den Mond zu bringen, waren die USA in Zugzwang. Die Sowjetunion hatte schon den ersten Satellit in eine Erdumlaufbahn und den ersten Menschen ins Weltall gebracht. Um im Wettlauf um die Vormacht im Weltall nicht den Anschluss und gegenüber dem Gegner nicht das Gesicht zu verlieren, musste die NASA bei der Mondlandung erfolgreich sein. Einen Misserfolg konnten sich die USA nicht leisten. Aber die Technik war bei weitem nicht ausgereift genug, um eine Landung auf dem Mond zustande zu bringen. Also gingen sie auf Nummer Scher und fälschten die Mondlandung. Zusätzlich konnte man mit der Mondlandung die Bevölkerung noch vom unpopulären Vietnamkrieg ablenken. Das behaupten zumindest die Anhänger der Verschwörungstheorie.

Populär wurde die Theorie der vorgetäuschten Mondlandung vor allem durch das 1976 erschienene Buch „We never went to the Moon. America's Thirty Billion Dollar Swindle" von Bill Kaysing. In Deutschland sind es vor allem die Bücher von Gernot Geise und Gerhard Wisnewski, welche die Verschwörungstheorie der gefälschten Mondlandung verbreiten. Aber welche „Beweise" haben die Verschwörungstheoretiker für ihre Behauptungen?

Die „Beweise"

Es ist leider nicht möglich alle angeblichen Beweise für die vorgetäuschte Mondlandung hier vorzustellen. Ich möchte deshalb auf die wichtigsten und bekanntesten davon eingehen und verweise für den Rest auf Internetseiten wie zum Beispiel das Apollo Projekt oder Clavius, die alle „Beweise" der Mondlandungsgegner im Detail betrachten.

Viele der Behauptungen der Verschwörungstheoretiker basieren auf den fotografischen und filmischen Aufnahmen, die während der Mondmissionen gemacht wurden. Auf diesen Fotos und Filmen glaubt man unwiderlegbare Beweise für eine gefälschte Mondlandung gefunden zu haben. Ein Beispiel sind die fehlenden Sterne: betrachtet man die Fotos, die von den Apollo-Astronauten während ihrer Missionen gemacht wurden, dann sieht man darauf keine Sterne.
Das wird als Beweis dafür gedeutet, dass die Fotos nicht auf dem Mond entstanden sind, sondern in einem Filmstudio. Natürlich sind die fehlenden Sterne alles andere als ein Beweis für eine gefälschte Mondlandung. Auch wenn wir mit unseren Augen am Himmel leicht Sterne sehen können - sie auf einen Film zu bannen ist etwas schwieriger. Die von der Sonne beleuchtete Mondoberfläche und die Astronauten in ihren weißen Anzügen waren sehr hell. Die Sterne am Himmel dagegen leuchten nur schwach. Man kann mit dem Fotoapparat also entweder lange belichten und die schwach leuchtenden Sterne abbilden. Dann wären allerdings die Astronauten und die Mondoberfläche überbelichtet. Oder man belichtet nur kurz - dann sind die Apollo-Astronauten bei ihrer Arbeit auf dem Mond gut zu erkennen, nicht aber die Sterne am Himmel.
Selbstverständlich war man damals nicht an astronomischen Aufnahmen des Sternenhimmels interessiert. Die konnte man auch von der Erde aus machen. Die Kameras der Astronauten waren daher auf kurze Belichtungszeiten eingestellt und deswegen sieht man keine Sterne auf den Aufnahmen. Das kann jeder leicht selbst überprüfen. Man muss dazu nur nachts ein Foto des Himmels mit kurzer Belichtungszeit machen. Der Unterschied zwischen der Erde mit ihrer Atmosphäre und dem luftlosen Mond lässt sich hier vernachlässigen: die Erdatmosphäre ist für Licht weitestgehend durchlässig. Auf diesen Aufnahmen werden - so wie bei den Fotos der Apollo-Missionen - keine Sterne zu sehen sein.

Neben den fehlenden Sternen sind für die Verschwörungstheoretiker auch angeblich falsche Schattenwürfe auf den Apollo-Bildern ein Beweis für eine gefälschte Mondlandung. Auf vielen Bildern sieht man Schatten, die nicht parallel verlaufen. Das soll beweisen, dass die Szene nicht von der Sonne beleuchtet wird, sondern von mehreren Studioscheinwerfern. Dabei vergessen die Anhänger der Verschwörungstheorie allerdings, dass es dabei immer auf die Perspektive ankommt. So wie z. B. Eisenbahnschienen so aussehen, als würden sie in einem fernen Punkt zusammenlaufen, können auch verschiedene Schatten so erscheinen, als seien sie nicht parallel. Hinzu kommt, dass die Mondoberfläche nicht eben ist. Durch Unebenheiten im Gelände kann der Schattenwurf verzerrt werden.
aldrin.jpgAuch auf einem der bekanntesten Bilder vom Mond glauben Verschwörungstheoretiker falsche Schatten zu sehen (siehe Bild rechts, (c) NASA). Neil Armstrong hat hier Buzz Aldrin abgelichtet. Der Schatten von Aldrin und der sich in seinem Helm spiegelnde Schatten von Armstrong laufen in verschiedene Richtungen. Das liegt aber nicht an Studioscheinwerfern - sondern einfach daran, dass Aldrins Helm gekrümmt ist, wodurch der abgebildete Schattenwurf verzerrt wird.
Außerdem: Wären die Szenen am Mond tatsächlich von mehreren Scheinwerfern beleuchtet worden, dann müsste auch jedes Objekt am Filmset mehrere Schatten werfen.

Die Szene, in der Armstrong auf dem Mond die amerikanische Flagge aufstellt, ist berühmt. Und auch die Verschwörungstheoretiker führen diesen Film immer wieder als Argument für ihre Theorie an. Denn die Flagge scheint zu wehen! Wie kann das sein, wo doch auf dem Mond keine Atmosphäre existiert? Im Vakuum kann eine Fahne nicht wehen - die Aufnahmen müssen daher in einem Studio auf der Erde entstanden sein. Allerdings „weht" die Flagge nicht wirklich. Als Armstrong den Flaggenmast in die Mondoberfläche rammt, werden diese Erschütterungen an die Flagge weitergeleitet und sie beginnt zu vibrieren. Auf dem Mond existiert keine Luft und daher kann auch das durch die Vibrationen ausgelöste Schwingen der Flagge nicht so einfach gebremst werden und sie vibriert lange weiter: wir sehen also eine Flagge, die zu wehen scheint.
Bilder der Apollo-Mission zeigen auch ganz klar, dass die Flagge nach diesen anfänglichen Vibrationen ihre Form nicht mehr verändert. Und wenn die Szene wirklich im Studio oder auf der Erde im Freien nachgestellt worden wäre, dann müsste der Wind, der die Flagge zum Wehen bringt, auch den Staub auf dem Boden aufwirbeln. Davon ist auf den Aufnahmen nichts zu sehen.

Neben den fotografischen und filmischen Aufnahmen sind es auch physikalische Missverständnisse, die zu falschen Behauptungen der Verschwörungstheoretiker führen. Sie behaupten zum Beispiel, dass am Landeplatz der Mondfähre eigentlich ein großer Krater zu sehen sein müsste. Als der Lander sich der Mondoberfläche näherte, hätte der Ausstoß der Triebwerke den Staub weiträumig beiseite blasen müssen. Davon ist auf den Bildern aber nichts zu sehen.
Hier missverstehen die Verschwörungstheoretiker allerdings die physikalischen Gegebenheiten auf dem Mond. Wenn man physikalische Effekte am Mond untersucht, muss man sich immer im Klaren sein, dass die Dinge dort nicht so ablaufen wie auf der Erde. Unsere Alltagserfahrung ist dort nicht anwendbar. Für die Erde wäre das Argument der Verschwörungstheoretiker gültig. Würde die Mondlandefähre in einer Wüste auf der Erde landen, dann bekäme man tatsächlich einen größeren Krater. Der Ausstoß der Triebwerke wird dort den Sand beiseite blasen und gleichzeitig die Luft in der Umgebung des Landers bewegen. Diese zusätzlich bewegte Luft wird ebenfalls Sand wegblasen und es entsteht ein Krater, der die Landefähre weiträumig umgibt. Auf dem Mond gibt es allerdings keine Luft. Dort kann allein der Ausstoß der Triebwerke den Mondstaub (der außerdem auch nicht vergleichbar mit irdischem Staub oder Sand ist) beiseite blasen. Umgebungsluft, die bewegt werden kann, gibt es nicht.
Es wird also wirklich nur der Staub direkt unter den Triebwerken weggeblasen. Hinzu kommt der relativ schwache Ausstoß der Triebwerke der Landefähre. Am Ende der Landephase musste nicht mehr mit vollem Schub gebremst werden. Außerdem wurde die Kraft über einen größeren Bereich verteilt. Bei der Landung der Fähre wirkte auf einen Quadratzentimer Mondboden weniger Druck als durch die Stiefel der Astronauten.

Die Verschwörungstheoretiker behaupten auch, es wäre generell unmöglich, lebendig in einem Raumschiff zum Mond zu gelangen. Kein Mensch würde die Reise durch den sogenannten Van-Allen-Gürtel überstehen. Beim Van-Allen-Gürtel handelt es sich um eine 1958 entdeckte Zone erhöhter Strahlung die die Erde umgibt. Sie entsteht durch geladene Teilchen, die von der Sonne ständig abgestrahlt und dann im Magnetfeld der Erde eingefangen werden. Dabei gibt es einen schmaleren Gürtel mit starker Strahlung und einen weiter außen liegenden Gürtel mit schwächerer Strahlung. Diese Strahlungszonen können tatsächlich gefährlich sein. Elektronische Geräte, die der Strahlung ungeschützt ausgesetzt sind, würden sehr schnell kaputt gehen. Deswegen müssen auch alle Raumsonden und Satelliten die diese Zonen durchqueren, extra geschützt werden. Normale Shuttleflüge - beispielsweise zur internationalen Raumstation ISS - durchqueren die Gürtel übrigens nicht. Will man allerdings zum Mond, dann führt daran kein Weg vorbei. Die NASA-Techniker wussten aber natürlich über den Van-Allen-Gürtel Bescheid. Alle Instrumente und die Raumfähre wurden entsprechend geschützt. Und die Flugbahn zum Mond wurde so geplant, dass die Astronauten nur sehr wenig Zeit im inneren Gürtel, in dem die stärkere Strahlung herrscht, verbrachte. Während dieser 90minütigen Durchquerung waren die Astronauten einer Strahlungsdosis von 4,3 Millisievert ausgesetzt. Das ist nur doppelt soviel wie die jährliche natürliche Strahlungsdosis in Deutschland. In andern Gegenden der Erde kann es aber auch zu natürlichen Strahlendosen von bis 20 Millisievert kommen. Mit einer Erkrankung durch die Strahlung ist erst ab einer Dosis von 500 Millisievert zu rechnen. Die Durchquerung des Van-Allen-Gürtels stellte also kein Hindernis für die Astronauten auf ihrem Weg zum Mond dar.

Die Wahrheit

Die „Beweise" der Verschwörungstheoretiker lassen sich also mit ein bisschen Logik und Physik sehr schnell widerlegen. Genauso wie bei den oben angeführten Beispielen kann man auch die restlichen hier nicht genannten Argumente schnell ad absurdum führen. Selbst die eigentliche Idee einer vorgetäuschten Mondlandung ist bei näherer Betrachtung absurd.
Eine bemannte Landung auf dem Mond ist selbst als Täuschung ein gewaltiges Unterfangen. Hunderte Leute müssen hier eingeweiht sein und das Spiel mitspielen - Geheimhaltung scheint hier fast unmöglich.. Das Ereignis wurde weltweit von Millionen Menschen verfolgt - die alle erfolgreich getäuscht werden müssen. Auch der große Gegner im Kalten Krieg - die Sowjetunion - durfte keinen Zweifel an der Echtheit der Mondlandung haben. Die UdSSR hätte sicherlich nicht gezögert, auch nur die kleinste Unstimmigkeit öffentlich zu machen. Und schließlich: wenn sich die Vereinigten Staaten von Amerika tatsächlich zu so einer großangelegten Täuschung entschlossen hätten, dann wäre es extrem unwahrscheinlich, dass ihnen dabei solch simple Fehler unterlaufen wären, wie es die Verschwörungstheoretiker behaupten. Wenn man schon mit viel Mühe eine Mondlandung im Filmstudio nachstellt und gefälschte Fotos veröffentlicht, dann würde man sicherlich nicht vergessen, zum Beispiel die angeblich fehlenden Sterne nachträglich einzubauen.

Es gibt also weder einen vernünftigen Grund, von einer gefälschten Mondlandung auszugehen - noch gibt es dafür irgendwelche stichhaltigen Beweise. Aber viele echte Beweise sprechen dafür, dass die Mondlandung tatsächlich stattgefunden hat: Der Mond ist deutlich anders als die Erde. Es gibt dort keine Atmosphäre und die Schwerkraft beträgt nur ein Sechstel der Erdanziehungskraft. Die Masse der Astronauten ist allerdings auf Mond und Erde identisch. Die Bewegungsabläufe, die man auf den Filmaufnahmen der Apollo-Missionen sieht, unterscheiden sich daher grundlegend von denen die auf der Erde möglich wären: die Astronauten können sich aus dem Liegestütz mit ein wenig Schwung in den Stand aufrichten oder trotz schwerer Raumanzüge und Rücksäcke weite Sprünge absolvieren. Als das wäre auf der Erde so nicht möglich und auch nicht durch die damaligen Möglichkeiten durch Spezialeffekte vortäuschbar. So, wie sich die Astronauten auf den Filmaufnahmen bewegen, ist das nur auf dem Mond möglich.

Die Kommunikation der Apollo-Astronauten erfolgte per Funk und konnte daher weltweit von Funkamateuren und anderen „Lauschern" empfangen werden. Diese Funkgespräche konnten also nicht erst nachträglich in die Aufnahmen eingefügt werden - sie mussten live stattfinden. Verschwörungstheoretiker behaupten allerdings, dass sich die Astronauten während der Apollo-Mission auf der Erde befanden und die Gespräche nur über einen Satelliten umgeleitet wurden, um ein Gespräch zwischen der Apollo-Kapsel und der Bodenstation zu simulieren. Da sich Funksignale mit Lichtgeschwindigkeit bewegen, lässt sich leicht berechnen, wie lange die Signale vom Mond bis zur Erde brauchen: etwa 1,3 Sekunden. Das entspricht auch genau der Verzögerung die bei den Gesprächen gemessen wurde. Würde das Signal von der Erde zu einem Satelliten und dann wieder zurück laufen, dann müsste es den doppelten Weg zurücklegen und würde dementsprechend länger brauchen. Diese Annahme widerspricht aber dem, was tausende Menschen auf der ganzen Welt am 20. Juli 1969 an ihren Funkgeräten gehört haben.

Auch der größte Gegner der Vereinigten Staaten im Kampf um die Vorherrschaft im All - die Sowjetunion - bestätigt die Echtheit der Mondlandung. Als die Astronauten von Apollo 11 Filmaufnahmen auf dem Mond machten, befand sich auch die sowjetische Raumsonde Luna 15 in einer Umlaufbahn um den Mond. Auf den Filmaufnahmen von Apollo 11 kann man für kurze Zeit sehen, wie Luna 15 über der Mondlandefähre vorbeifliegt. Überprüft man heute die Dokumente der Luna-15-Mission und vergleicht sie mit den Aufzeichnungen von Apollo 11 dann passen sie wunderbar zusammen und bestätigen genau den zeitlichen Ablauf der Landung auf dem Mond. (Nachtrag: Das stimmt nicht. Wie sich herausgestellt hat, existieren keine Aufnahmen von Apollo 11, die Luna 15 zeigen. Es gibt eine entsprechende Szene in einer BBC-Dokumentation. Die wurde aber von der BBC selbst produziert. Mehr dazu findet sich weiter unten in den Kommentaren.)

lunarlaser.jpg Einer der deutlichsten Beweise für die bemannte Mondlandung sind die auch heute noch regelmäßig stattfindenden Laserabstandsmessungen. Die Astronauten von Apollo 11 haben während ihres Aufenthalts auf dem Mond unter anderem einen Reflektor auf der Oberfläche platziert, der von der Erde aus mit Laserstrahlen anvisiert werden kann. Auch die späteren Missionen platzierten solche „Laser Ranging Retroreflektoren". Von Observatorien auf der Erde werden diese Reflektoren regelmäßig mit Laserstrahlen angepeilt (siehe Bild rechts, (c) McDonalds- Observatorium). Man versucht dann, die vom Reflektor gespiegelten Strahlen mit Teleskopen auf der Erde wieder aufzufangen. Aus der Zeit, die das Signal von der Erde bis zum Mond und zurück braucht, lässt sich er Abstand zwischen den beiden Himmelskörpern sehr exakt berechnen. Würden die Reflektoren nicht existieren bzw. nicht exakt dort stehen, wo sie von den Astronauten platziert wurden, dann könnte man keine reflektierten Signale empfangen.

Viele Verschwörungstheoretiker fordern von der NASA auch einen direkten Beweis: mit den leistungsstarken Teleskopen der heutigen Zeit und speziell mit dem Hubble-Weltraumteleskop müsste man doch sehr einfach ein Bild von den Landestellen der Apollo-Missionen machen können. Die Tatsache, dass so ein Bild bis heute nicht veröffentlicht wurde, wird von ihnen als weiterer „Beweis" für eine Verschwörung angesehen. Aber auch hier lässt sich mit ein bisschen Physik schnell die Wahrheit herausfinden. Astronomische Teleskope sind prinzipiell nicht dazu da, um weit entfernte Dinge zu vergrößern. Die Sterne sind so weit weg, dass sie in jedem Teleskop der Welt nur als Punkte erscheinen (ausgenommen bei ein paar sehr nahen Sternen). Teleskope dienen dazu, möglichst viele Photonen einzusammeln: man versucht, immer schwächer leuchtende Objekte sichtbar zu machen.
Der Mond ist der Erde zwar nahe genug, um mit dem Teleskop vergrößerte Strukturen erkennen zu lassen. Die Mondlandefähre kann man aber leider selbst mit den stärksten Fernrohren nicht sehen. Die größten auf dem Mond zurückgelassenen Gegenstände bzw. Fahrzeuge sind kleiner als zehn Meter. Diese kleinen Einzelheiten kann kein Teleskop auflösen, Auch das Hubble-Teleskop nicht. Dieses im Weltraum stationierte Teleskop liefert zwar wunderbare Bilder weit entfernter Objekte - aber das liegt nicht an seiner außergewöhnlichen Größe, sondern daran, dass im Weltraum keine störende Erdatmosphäre existiert. Der Teleskopspiegel von Hubble hat nur einen Durchmesser von 240 Zentimetern - das ist viel zu wenig um so etwas Kleines wie die Mondlandefähre auf der Mondoberfläche aufzulösen (man würde damit eine Auflösung von etwa 30 Metern erreichen).
Zukünftige Raumsonden, die zum Mond fliegen bzw. neue größere Teleskope werden allerdings tatsächlich Bilder der Landestelle liefern können. Aber selbst dann werden die Verschwörungstheoretiker wahrscheinlich behaupten, dass diese Aufnahmen nur Fälschungen sind.
Die Behauptung, dass die bemannte Landung auf dem Mond nur eine großangelegte Täuschung sei, ist nach Betrachtung aller Tatsachen und Argumente unhaltbar. Keiner der „Beweise" der Verschwörungstheoretiker hält einer genaueren Überprüfung stand. Im Gegensatz dazu zeigen viele stichhaltige Beweise eindeutig, dass Menschen zum Mond geflogen sind.

Wir können uns sicher sein: am 20. Juli 1969 setzte Neil Armstrong als erster Mensch seinen Fuß auf den Boden eines außerirdischen Himmelskörpers. Die bemannte Mondlandung hat stattgefunden - und stellt eine der größten und außergewöhnlichsten Leistungen der Menschheit dar!

Autor: Florian Freistetter· 05.12.08 · 21:05 Uhr· 595 Kommentare

03. Dezember 2008

Schlechtes Karma für Guy Lafarge oder: Fantasiereise Wiedergeburt

Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften  ·  Kommentare: 115

Ich bin ja im Moment immer noch damit beschäftigt, mich in Heidelberg einzuleben und -arbeiten (falls jemand in Heidelberg wohnt und Möbel oder sonstigen Hausrat abzugeben hat: bitte Bescheid sagen!). Deswegen freut es mich auch sehr, dass mir andere die Arbeit abnehmen und Artikel schreiben ;) Heute hat mir Roswitha Trimmel, Stammleserin und -kommentatorin bei Scienceblogs, einen sehr schönen Text zugeschickt denn ich hier gerne als Gastbeitrag veröffentlichen möchte.

Es geht um Wiedergeburt. Immer wieder liest und hört man ja von Leuten, die sich unter Hypnose an ein früheres Leben erinneren. Und das sehr oft sehr detailreich. Roswitha berichtet von so einem Fall - und auch von der Überprüfung der Details. Daraus ergibt sich ein schönes Fallbeispiel für esoterische Methodik und Denkweise (etwas, über das hier in diesem Blog ja schon öfters diskutiert wurde):



Reincarnation_AS.jpg

Sie wissen nicht, wer Guy Lafarge ist? Und erst recht quält Sie die Frage, worin dessen schlechtes Karma bestehen könnte? Nun, der Mann hat ein handfestes Problem mit seiner Inkarnation. Warum das so ist und was Wissenschaftsjournalist und Autor Holdger Platta damit zu tun hat, das erfahren Sie hier!

Der Abend des 3.Juni 1968 sollte für Thorwald Dethlefsen lebensentscheidend werden. Der Psychologe und Psychotherapeut - heute einer der bekanntesten Vertreter der esoterischen Psychologie - führt in entspannter Runde ein paar Psychoexperimente vor, „age regressions", in deren Verlauf die Versuchspersonen in hypnotischen Tiefschlaf versetzt und dann vom Therapeuten in frühere Lebensalter zurückdirigiert werden. Mittendrin kommt Dethlefsen der grandiose Einfall, nicht bei der Geburt stehen zu bleiben, sondern gleich noch weiterzusurfen, zurück in das frühere Leben seiner Medien.
Als der 25-jährige Technik-Student Rudolf T. tatsächlich in die Haut eines Elsässers aus dem 19. Jahrhundert zu schlüpfen scheint, ist der Hypnotiseur schockiert. Und zwar so sehr, dass er den Versuch nochmals, und zwar nach genauem Plan und per Tonbandmitschnitt dokumentiert, wiederholt, freilich ohne dem Medium sein Vorhaben zu verraten. (Die Abschrift dieses Tonbands ist nachzulesen in Thorwald Dethlefsen: "Das Leben nach dem Leben. Gespräche mit Wiedergeborenen". München: Bertelsmann 1974, S.17-40)

Dethlefsen hält sich nicht lange mit der zeitgenössischen Biographie seiner Versuchsperson auf, überspringt alsbald die Geburtsschranke auf dem Weg zurück in das Dunkel früherer Zeiten und erteilt seinem Medium den Auftrag, so lange zurückzugehen, bis ein markantes, beschreibbares Ereignis auftauche.
Schon bald wird er fündig - der junge Mann in Hypnose (M für Medium) berichtet plötzlich von einem Marktplatz - und nun wird Dethlefsen (H für Hypnotiseur) hellhörig:

H: In welchem Land befinden wir uns?
M: In Frankreich.
H: Welches Jahr schreiben wir?
M: 1870.
H: Was tust du auf diesem Marktplatz?
M: Isch verkaufe Gemise. (S.21)

In der Folge entlockt der Hypnotiseur Rudolf T. eine ganze Reihe erstaunlich konkreter Angaben: Guy Lafarge heißt der junge Mann, der in Wissembourg/ Weißenburg im Elsass lebt, 1852 geboren wurde, zwei Geschwister hat, in der Rue du Connétables wohnt und davon lebt, auf Marktplätzen Gemüse, z,B. Weißkraut zu 8 Centime das Stück, zu verkaufen. Lafarge kann die Einwohnerzahl Wissembourgs beziffern (250), ist katholisch und besucht regelmäßig die „Eglise de la Sainte Marie". Sogar seinen Todeszeitpunkt im Februar 1880 vermag er zu nennen.
Nach ausgiebigster Befragung zu weiteren Lebensumständen und -gewohnheiten wird das Medium auf die Rückreise in die Gegenwart geschickt - mit Zwischenstadien des Schwebezustandes, die Dethlefsen in Dialogperlen wie der folgenden auslotet:

H: Kannst du die Menschen auf der Erde beobachten?
M: Nein.
H: Weißt du von der Existenz der Menschen etwas?
M: Nein.
H: Nein?
M: Nein. (S.36)

Am Ende der Sitzung ist Dethlefsen nach eigenen Angaben „erschüttert". Gleichwohl zwingt er sich tapfer in die Position eines Skeptikers und fragt furchtlos: „Welche Zweifel waren möglich?"(S.40)

Den Einwand, das Medium hätte bei den Suggestionen des Hypnotiseurs bereitwillig mitgespielt, wischt er vom Tisch, denn dieses sei absolut ahnungslos in die zweite Hypnosesitzung gegangen und hätte von seiner Absicht nichts gewusst.
Zu schockiert sei er selbst außerdem gewesen, um den jungen Mann auf telepathischem Wege mit den nötigen Informationen zu versorgen.
Dass Guy Lafarges biographische Details von Rudolf T. irgendwo gelesen oder aufgeschnappt worden wären, schließt Dethlefsen kategorisch aus: „Das unbedeutende Leben des Guy Lafarge kann nicht aus einem Buch stammen, dazu ist das Ganze zu unliterarisch, zu banal"(ebd.). Nachdem der Meister der Hypnose also solcherart scharf nachgedacht hat, sind für ihn alle Zweifel beseitigt - Rudolf T. hat schon einmal als Guy Lafarge gelebt und Reinkarnation ist eine Tatsache.

Heute gehört die Reinkarnationstherapie zum Methodenrepertoire der New- Age-Therapieverfahren - und ausgerechnet bei deren kritischer Analyse tritt nun Holdger Platta auf den Plan.
In seinem - überaus informativen - Buch „New-Age-Therapien. Rebirthing, Reinkarnation, Transpersonale Psychologie: pro und contra"(Hamburg: Rowohlt 1997) lässt er Befürworter wie Kritiker ausführlich zu Wort kommen und steuert zur Guy Lafarge-Episode ein erhellendes Recherche-Ergebnis bei.

Mit der für Skeptiker typischen „Kleinlichkeit" stieß sich Platta an der im Protokoll genannten falschen Einwohnerzahl Wissembourgs (250 statt tatsächlich 5400 Einwohner). 1984 fuhr er daher im Auftrag der WDR-Wissenschaftsredaktion nach Wissembourg, um Guy Lafarges Angaben vor Ort zu überprüfen:

"Gemeinsam mit dem Weißenburger Lokalhistoriker, Orientalisten und langjährigen Leiter des dortigen Fremdenverkehrsamtes Auguste Schaaf überprüfte ich die Angaben aus diesem Tonbandmitschnitt. Das Ergebnis: Sämtliche Angaben der hypnotisierten Versuchsperson Rudolf T. waren falsch. Eine Sichtung von Straßenplänen, Adreßverzeichnissen und Stadtansichten, von Zeitungsberichten und Tauf-, Heirats- und Sterberegistern bei Kirche und Standesamt (=vollständig erhalten seit dem Jahre 1793) ergab eine hundertprozentige „Falsifikation" der unter Hypnose zutage geförderten „Fakten". (S.85)

Platta fragt sich zu Recht, warum sich Dethlefsen nicht für die einzig wasserfeste Überprüfung seines ersten „Reinkarnationsfalles" interessierte, und zitiert die Bilanz Auguste Schaafs angesichts der Guy Lafarge-Biographie: „Ich bin der Verwahrer der meisten Dokumente zur Geschichte Weißenburgs und kann nur feststellen: alles reine Fantasie." (Ebd.)

Was wird sichtbar an diesem exemplarischen Fall?
Einmal mehr der Unterschied zwischen wissenschaftlichem und esoterischem Denken: Vermeintlich scharfes Nachdenken innerhalb des eigenen Bezugssystems genügte Dethlefsen, um felsenfest an seine Reinkarnations-Hypothese zu glauben. Wozu noch ein Reality-Check?
Dass Enthüllungen wie jene Plattas - wiewohl sie bereits über 20 Jahre zurückliegen - jemals eine breitere Öffentlichkeit erreichen werden, ist fraglich: Bunte fantasievolle Luftballons mit spektakulären Fantasien über Leben und Sterben sind sichtlich attraktiver als zerplatzte Illusionen vor dem Hintergrund mühsamer Detailrecherche.

Das Geschäft mit der Reinkarnationstherapie boomt unterdessen. Und auch ein Dethlefsen-Adept wie Rüdiger Dahlke hat mit der Tatsächlichkeit von Reinkarnation nur ein theoretisches Synchronizitäts-Problem, wie er im Gespräch mit Holdger Platta einräumt:

"Für mich ist Zeit, prinzipiell betrachtet, eine Illusion. Davon geht die Esoterik aus - und auch die heutige Physik, die Relativitätstheorie zum Beispiel oder überhaupt die moderne Physik. Das bedeutet jedoch: Wenn Zeit eine Illusion ist, ist natürlich auch Reinkarnation eine Illusion. (S.66)"

(Was wohl die mitlesenden Physiker und Physikerinnen dazu sagen?)

Verstehen Sie nun, worin die karmische Last des Guy Lafarge liegen dürfte?
Andererseits - hat diese fiktive Figur nicht doch einen edlen Daseinszweck erfüllt?
Schließlich hat sie mir als falsifizierte parawissenschaftliche Behauptung einen interessanten Erkenntnisgewinn beschert.
Und noch etwas verdanke ich dieser Episode - das befreiende Lachen über die bedeutungsschwangeren Fantasiegebilde der Esoterik: „Alles reine Fantasie".


Autor: Florian Freistetter· 03.12.08 · 12:47 Uhr· 115 Kommentare

02. Dezember 2008

Bier aus dem Weltraum

Kategorie: Naturwissenschaften·Umwelt  ·  Kommentare: 4

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Gerade rechtzeitig zum 10-Jahres-Jubiläum der Internationalen Raumstation ISS gibt es nun das passende Getränk, um darauf anzustossen: Weltraum-Bier!

2006 wurde in einem russischen Labor auf der ISS Gerste gezüchtet. Die japanische Sapporo-Brauerei hat in Zusammenarbeit mit der Okayama Universität diese Gerste (bzw. einen Teil davon) nun verwendet, um daraus 100 Flaschen Bier zu brauen. Kaufen kann man das Weltraum-Bier leider nicht. Per Los wird im Januar darüber entschieden, wer ein paar Schlucke kosten darf.

Übrigens: entgegen dem was in einigen Zeitungen (z.B. hier) zu lesen ist, ist die Gerste natürlich nicht direkt auf der ISS gewachsen. Dort ist es sowieso schon ziemlich eng - für Getreidefelder ist dort kein Platz mehr. Die Samen, aus denen später dann auf der Erde die besagte Gerste gezüchtet wurde, war für 6 Monate auf der ISS. Dort hat man Möglichkeiten untersucht, wie sich Astronauten in Zukunft eventuell selbst versorgen können.

Die Gerste selbst unterscheidet sich nicht von der "normalen" Gerste, die ihr ganzes Leben auf der Erde verbracht hat. Auch das Bier wird also nicht sonderlich außergewöhnlich schmecken.

Aber es ist trotzdem gut zu wissen, dass die Astronauten der Zukunft, die dann vielleicht zum Mars fliegen werden, sich bei ihrer Ankunft auf ein schönes kühles Bier freuen können (mit der Kühlung sollte es ja keine Probleme geben).

Autor: Florian Freistetter· 02.12.08 · 14:55 Uhr· 4 Kommentare

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