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03.11.08 · 23:57 Uhr
Bücher! Ganz viele Bücher!
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Kultur·Naturwissenschaften · Kommentare: 21
Ich habe in letzter Zeit jede Menge Bücher gelesen, bei denen ich mir dachte: Da sollte ich einen Blogeintrag dazu schreiben. Irgendwie hab ich es aber nie geschafft - deswegen kommen hier jetzt gleich mehrere Kurzberichte über verschiedene Bücher.
Botanik

Ich habe ja die Botanik sehr gerne. Natürlich nur als Laie - wissenschaftlich gesehen habe ich keine Ahnung davon. Ich habe zwar kurzfristig mal überlegt, Botanik zu studieren - schlußendlich ist es aber dann doch Astronomie geworden. Aber ich freue mich jedesmal, wenn ich ein gutes, populärwissenschaftliches Buch zu diesem Thema finde (was leider nicht sehr oft ist). Letztens habe ich in der Jenaer Bücherei genau so eines gefunden: "Pflanzenjäger: In fernen Welten auf der Suche nach dem Paradies" von Kej Hilscher und Renate Hücking. Die Autoren beschreiben hier das Leben und die Arbeit von acht deutschen "Pflanzenjägern". In diesen sehr spannenden und unterhaltsamen Biografien von Alexander von Humboldt, Adelbert von Chamisso, Phillipp Franz von Siebold, Georg Schweinfurth, Paul Hermann, Amalie Dietrich, Wilhelm Micholitz und Curt Backeberg erfährt man, woher viele der Pflanzen eigentlich kommen, die heute in unseren europäischen Gärten herumstehen und die großen Mühen, die diese Leute auf sich genommen haben, um die unbekannten Pflanzen aufzuspüren und nach Europa zu bringen. Auf jeden Fall sehr lesenswert.

Auch interessant war das Buch "Die Botanik der Begierde" von Michael Pollan. Es hat mir allerdings nicht ganz so gut gefallen wie "Pflanzenjäger". Pollan wirft hier einen speziellen Blick auf vier verschiedene Pflanzen: Apfel, Tulpe, Cannabis und Kartoffel. Besonders interessiert er sich für deren Einfluß und Interaktion mit dem Menschen. Seine These: nicht nur wir haben diese Pflanzen domestiziert; sie haben genauso uns "abgerichtet", ihnen zu Diensten zu sein. Würden wir Tulpen nicht so schön finden oder Äpfel so schmackhaft, dann hätten sich die Menschen nie die Mühe gemacht, diese Pflanzen zu kultivieren oder so viele verschiedene Arten zu züchten. Auch wenn mir diese biologischen Thesen manchmal etwas zweifelhaft vorgekommen sind: interessant zu lesen waren die Geschichten auf jeden Fall. Ob das nun die ausführliche Geschichte des Johnny Appleseed war oder - höchst aktuell - der "Tulpencrash" in Holland.
Sollte zufällig jemand noch andere gute Bücher über Botanik kennen: immer nur her damit!
Paläontologie

Nicht nur über Pflanzenjäger gibt es Bücher - auch über "Dinosaurierjäger". Deborah Cadburys Buch: "Dinosaurierjäger. Der Wettlauf um die Erforschung der prähistorischen Welt." kann ich absolut empfehlen! Die Geschichte um die Entdeckung der ersten Dinosaurierfossilien und deren Erforschung liest sich wie ein Krimi. Von Mary Anning, der Sammlerin, die 1811 die ersten Fossilien fand, geht die Erzählung weiter zum packenden "Duell" zwischen Gideon Mantell und Richard Owen - ein höchst ungleiches Paar. Mantell, Sohn armer Eltern, musste sich als Landarzt seinen Lebensunterhalt verdienen und konnte seine große Leidenschaft - die Paläontologie - nie hauptberuflich betreiben. Owen hingegen hatte niemals Geldsorgen und stieg zu einem der angesehensten Naturforscher Europas auf. Die beiden Männer verband eine lebenslange Feindschaft (die hauptsächlich von Owen auszugehen schien). Owen wollte die Forschungsergebnisse unbedingt mit der Religion in Einklang bringen während Mantell den frühen Ideen der Evolution anhing und seine wissenschaftliche Arbeit unabhängig von religiösen Ideen betrieb.
Dieses Buch hab ich fast in einem Rutsch durchgelesen - eine wirklich spannende Geschichte!
Geologie

Ebenso rar wie gute Bücher über Botanik sind gute Bücher über Geologie (zumindest ich kenne wenige). Das Buch "Schneeball Erde. Die Geschichte der globalen Katastrophe, die zur Entstehung unserer Artenvielfalt führte" von Gabrielle Walker gehört leider auch nicht unbedingt dazu. Das Thema an sich wäre hoch interessant: es geht um die "Schneeball-Erde"-Hypothese, die besagt, dass unser Planet in der Frühzeit der Erdgeschichte mindestens einmal komplett vereist war. Es gibt gute geologische Hinweise, dass diese Hypothese tatsächlich stimmt - es gibt aber auch Hinweise, die dagegen sprechen. Auf jeden Fall eine sehr spannende Geschichte.
Leider erfährt man im Buch nicht allzu viel darüber. Walker widmet dem Leben von Paul Hoffman (einem der prominensten Verfechter dieser Theorie) unverhältnismäßig viel Zeit. Das Buch beginnt gleich mit einer seitenlangen Beschreibung eines Marathonrennes, an dem Hoffmann einmal teilnahm und immer wieder werden die geologischen Erklärungen durch ausführliche Szenen aus Hoffmans Leben, die sich seitenlang hinziehen, unterbrochen. Auch alle anderen auftretenden Wissenschaftler werden in langen biografischen Beschreibungen eingeführt. Und zu allem Überfluss liest sich die Hoffmansche Biografie wie eine Heldensage - von Objektivität keine Spur.
Ich habe ja prinzipiell nichts dagegen, auch etwas über die Wissenschaftler hinter der Theorie zu erfahren. Ganz im Gegenteil: solche Informationen sind oft enorm nützlich um ein Gefühl für das Thema zu bekommen. Aber das, was Walker hier macht, ist völlig überzogen.
Leider bin ich nach diesem Buch immer noch nicht schlauer, was den aktuellen Stand der Schneeball-Hypothese angeht. Aber vielleicht weiß ja Paul Hoffmans Namensvetter Georg dazu mehr?

Auch geologisch motiviert ist der Roman "Magma" von Thomas Thiemeyer. Die Story wird viele ein bisschen an "Der Schwarm" von Frank Schätzing erinnern - ich finde sie aber doch sehr originell. Geologen finden überall auf der Welt millionenjahre alte seltsame Kugeln aus unbekannten Material. Bei dem Versuch, sie näher zu untersuchen, kommt es zu katastrophalen Folgen. Gleichzeitig gibt es überall auf der Welt verstärkt Erdbeben und Vulkanausbrüche - und es scheint ein Zusammenhang zu den mysteriösen Kugeln zu bestehen. Eine Vulkanologin probiert, diesem Rätsel auf den Grund zu gehen - bevor die weltweiten Vulkanausbrüche die Erde unbewohnbar machen. Der Schluß - den ich hier nicht verraten möchte - ist, im Vergleich zu anderen Büchern dieser Art, doch einigermaßen originell.
Auch wenn "Magma" keine große Literatur ist und mit "Der Schwarm" nicht mithalten kann, bietet es doch eine sehr kurzweilige Lektüre. Die Wissenschaft im Buch ist nicht allzu falsch (soweit ich das als geologischer Laie beurteilen kann). "Magma" ist ein typisches Buch, dass man für eine lange Zugfahrt in einer Bahnhofsbuchhandlung kaufen sollte - genau so hab ich es gemacht ;)
Zum Schluß auch hier mein Aufruf: wer gute Bücher über Geologie kennt - bitte Bescheid sagen!
Mathematik

Bei meinem letzten Besuch in der Bibliothek des Mathematik-Insituts der Uni Jena habe ich ein sehr nettes Buch von Robert Kanigel gefunden: "Der das Unendliche kannte: Das Leben des genialen Mathematikers Srinivasa Ramanujan". Ramanujan war der Sohn einer armen indischen Familie der Anfang des 20. Jahrhunderts lebte und war ein mathematisches Genie. Autodidaktisch brachte er sich die höhere Mathematik bei und lebte ausschließlich für seine mathematische Leidenschaft. Durch diese enge Fokussierung und seine schwierige Persönlichkeit schaffte er es lange nicht, an einer Universtät unterzukommen und endete schließlich als Verwaltungsbeamter des Hafens von Madras. Dort schrieb er Briefe mit seinen mathematischen Erkenntnissen an englische Mathematiker. Einer von ihnen - der große Godfrey Hardy aus Cambridge - erkannte die Genialität seiner Arbeit und lud ihn nach England ein. Dort begann eine höchst fruchtbare Zusammenarbeit der unterschiedlichen Charaktere: Hardy war ein extremer Formalist; Ramanujan verließ sich auf seine Intuition und war weniger an strengen Beweisen interessiert. In England war Ramanujan endlich erfolgreich - er wurde Fellow des Trinity Collge und sogar in die Royal Society aufgenommen. Leider wurde er während des ersten Weltkriegs schwer krank; kehrte nach Indien zurück und starb dort. Aber seine Arbeit dauert bis heute an; immer noch sind Mathematiker damit beschäftigt, seine Notizbücher auszuwerten und gewinnen daraus neue Erkenntnisse.
Ramanujan war wirklich eine Ausnahmeerscheinung in der Welt der Mathematik. Genauso außergewöhnlich wie seine Arbeit war auch sein Leben. Kanigel schafft es hervorragend, dieses Leben spannend zu beschreiben. Vor allem macht er nicht den Fehler, in seinem Buch auf Mathematik zu verzichten. Will man Ramanujan auch nur ein wenig verstehen, dann muss man auch einen Blick auf seine Arbeit werfen, der er sein ganzes Leben gewidmet hat.
Nach langer Zeit habe ich es auch endlich geschafft "Der Gotteswahn" von Richard Dawkins zu lesen. Sollte jemand dieses Buch noch nicht gelesen haben: unbedingt nachholen! Das Dawkins es wie kein anderer versteht, einfach und verständlich zu schreiben ist ja spätestens seit seinem Buch "Das egoistische Gen" bekannt (meiner Meinung nach eines der allerbesten Wissenschaftsbücher überhaupt!). In "Der Gotteswahn" betrachtet Dawkins die Religion aus allen möglichen Blickwinkeln. Er legt sehr überzeugend dar, wieso nicht nur Fundamentalisten und Fanatiker gefährlich sind, sondern wieso die Religion ganz allgemein negativ einzuschätzen ist. Er geht auf die verschiedenen Arten von "Gottesbeweisen" ein und zeigt, wie leicht diese zu wiederlegen sind und bringt dann seinerseits Gründe dafür, dass Gott nicht existiert. Als Fachmann für Evolution untersucht er auch die Frage, wie sich Religion überhaupt entwickelt hat und wie die evolutionären Grundlagen dafür aussehen.
Dawkins wird ja in der Öffentlichkeit von seinen Kritikern gern als "aggresiver Atheist" oder "fundamentalistischer Atheist" bezeichnet. Dieses Buch ist weder aggresiv noch fundamentalistisch. In der selben klaren und verständlichen Sprache die schon aus seinen biologischen Büchern bekannt ist, spricht Dawkins hier über Religion. Natürlich sehen viele Menschen jegliche Kritik an (nicht fundamentalistischer) Religion generell als unpassend und schlechten Stil an - aber auch dazu hat Dawkins in seinem Buch einiges zu sagen.
Jeder der sich für das Spannungsfeld zwischen Religion und Wissenschaft interessiert, sollte dieses Buch lesen. Selbst für überzeugte Atheisten enthält es noch jede Menge Neues - und auch schon Bekanntes liest sich in Dawkins klaren Worten gerne nochmal.
Science-Fiction

Gerade habe ich ein Buch zugeschlagen, über das ich hier schon einmal geschrieben habe: "Credo" von Douglas Preston. Es geht um den Teilchenbeschleuniger ISABELLA - größer und stärker als selbst der LHC des CERN. Der wurde von der amerikanischen Regierung gebaut und soll neue Erkenntnisse über das Universum (und seltsamerweise auch neue Energiequellen) liefern. Bei der ersten Kollision der Teilchen kommt es zu einem Zwischenfall: plötzlich kommt aus dem Teilchenbeschleuniger eine Nachricht: "Seid gegrüßt!". Im weiteren "Gespräch" bezeichnet sich dieses seltsame Wesen als "Gott".
Soweit, so absurd. Die Wissenschaftler kommunizieren weiter mit "Gott", der überraschende Erkenntnisse über das Universum mitzuteilen hat. Verkompliziert wird die Story noch durch einen Fernsehpfarrer, der ISABELLA für die Ausgeburt Satans hält und einen Pastor, der zu einem bewaffneten Kreuzug gegen den Teilchenbeschleuniger aufruft. Auch die Regierung will wissen, was dort los ist und fällt mit Armee und Sonderkommandos dort ein.
Dieses Buch würde ich nicht empfehlen - zumindest sollte niemand Geld dafür ausgeben. Wer es sonst irgendwie in die Hände bekommt, soll es ruhig lesen. Die Story ist an sich nicht schlecht - aber leider total schlecht umgesetzt. Figuren und Handlung sind völlig unglaubwürdig: da ist z.B. der Leiter von ISABELLA - ein Genie, das mit 30 Jahren schon den Nobelpreis (!), eine Fields-Medaille und den Pulitzer-Preis bekommen hat. Der riesige Teilchenbeschleuniger wird von nur 12 Leuten (unter strengster Geheimhaltung) betrieben. Ein unbekannter Pfarrer kann einfach per Kettenmail im Internet tausende Christen für einen bewaffneten Angriff gegen ISABELLA rekrutieren. Von den vielen physikalischen Fehlern will ich gar nicht erst sprechen. Eigentlich schade - die Geschichte wäre wirklich spannend gewesen. Leider hat sich Preston mehr auf die Action-Szenen konzentriert. Aber über Spezialeinheiten, die irgendwo Krieg führen, kann ich auch in anderen Büchern lesen.
Schade, dass diese Geschichte nicht von einem echten Science-Fiction Autor aufgegriffen wurde. Die Grundidee - "Wissenschaft als Religion" anstatt "Wissenschaft gegen Religion" - wäre sehr vielversprechend gewesen.
So - das war der Überblick über meine Lektüre der letzten Woche. Jetzt muss ich mich auch die Suche nach neuen Büchern machen ;)
Autor: Florian Freistetter· 21 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (21)
Danke für den Warnhinweis mit Credo.
Eigentlich hat Preston auch sehr gute wissenschaftliche SF Romane vorzuweisen. Cobra ist sehr sehr klasse gemacht, auch wissenschaftlich bis zu einem gewissen Grad OK. Aber das waren die Anfänge, Superpox ist schon recht durchschnittlich gewesen.
Danke für diese nette Zusammenstellung an lesenswerten Büchern, vorallem Dawkins möchte ich unbedingt mal lesen.
Ein Buch welches mir sehr gefallen hat, war "Die Suche nach dem Anfang und Ende des Kosmos" von Charles Seife. Für mich als interessierten Laien bietet es einen guten Überblick zum momentanen Wissenstand in der Kosmologie. Wäre mal nett zu wissen, was ein Astronom wie du von dem Buch hält.
@Markus: Dawkins lohnt sich auf jeden Fall! Nicht nur "Der Gotteswahn" - auch seine anderen Bücher sind lesenswert (insbesondere "Der entzauberte Regenbogen" und "Das egoistische Gen"). Ich komme gerade aus dem Bücherladen und hab mir dort "Der Gipfel der Unwahrscheinlickeit" von Dawkins und "Der Stoff, aus dem der Kosmos ist" von Brian Greene besorgt. Bin schon gespannt. Das Buch von Seife klingt auch interessant - mal schauen, ob ich es irgendwo auftreiben kann.
@Florian: "Der Stoff, aus dem der Kosmos ist" von Brian Greene ist mit Abstand eines der besten Bücher der letzten Zeit zum Thema Kosmologie und Quantenmechanik, dass ich in die Finger bekommen habe. Sehr zu empfehlen!
Die Credo-Warnung kommt gerade recht, das hätte ich sonst gekauft!
Naja, ich kauf mir dann doch lieber eine DVD mit dem Geld (Starship Troopers 3: Marauder mit der unvergleichbaren Jolene Blalock). Ist auch wunderbare SciFi.
Zu Dawkins: Also ich habe das Buch selbst noch nicht gelesen aber mir wurde immer gesagt, das sei ein praktisch unmögliches Werk voller Radikalität und Fundamentalistisch-Antireligiöser Eiferei.... nuja, hier in der Provinz sind die Leute halt noch sehr religiös... ich werd mir das Buch mal antun, wenn ich Zeit habe :)
@Andylee: Ja, das mit der Radikalität und Eiferei hört man oft. Keine Ahnung, wo das herkommt - es stimmt jedenfalls überhaupt nicht. Ein vernünftigereres und unaufgeregteres Buch zu diesem Thema habe ich selten gelesen. Solltest es auf jeden Fall mal lesen!
Dawkins kann ich wärmstens empfehlen. Er trifft den Nagel auf den Kopf. Gerade religiöse Leute sollten das Buch lesen. Ich machs umgekehrt auch und habe die Bibel und den Koran gelesen.
Aber während in Bibel/Koran nur Geschichten erzählt und Dogmen aufgestellt werden versucht Dawkins zu ergründen und zu erklären.
Botanik der Begierde hört sich auch gut an.
Hallo Florian,
ich habe gerade "Auf der Suche nach Schrödingers Katze" (John Gribbin) gelesen. Kennst du das und kannst du mir ein kurzses Statement dazu geben? Ein Tipp, was aktueller und besser verständlich wäre? Danke und lg
@Jörg: Tut mir leid, das habe ich noch nicht gelesen. Aber wenns um QM geht, da gibts einige gute und verständliche Bücher. Ludmila kennt da ein paar, soweit ich mich erinnere. Ich werde mal nachsehen.
@Joerg,
Schrödingers Katze ist gut, Schrödingers Kätzchen (auch Gribbin, nur 10 Jahre später) auch. Sehr gut gefällt mir auch 'Verborgene Welten' von Lisa Randall. Da gehts nicht nur um QM sondern auch um Theorien zu Extradimensionen.
Was interessiert dich speziell ?
Die Feynmann Bücher sind auch ganz nett zu lesen und zur Teilchenphysik habe ich ein Buch von Markus Fritsch (oder so ähnlich, muss ich noch nachsehen).
Das Buch von Anton Zeilinger habe ich nicht so gut empfunden, sehr langatmig.
@Ronny
Herzlichen Dank, werde mich nach deinen Buchtipps umsehen. Ich bin mathematisch denkbar unbegabt und trotzdem interessieren mich die philosophischen Konsequenzen, die sich aus der Quantenphysik tatsächlich ergeben. So fern ich Gribbin verstanden habe, war ich mit seinen Interpretationen nicht ganz glücklich. Speziell die Rolle die er dem Beobachter gibt scheint mir problematisch zu sein.
Viel problematischer ist allerdings, dass ich viel zu wenig darüber weiß um philosophische Schlüsse zu ziehen und nur aus Büchern ist schwierig, weil die Gefahr etwas falsch zu verstehen sehr groß ist. Und es macht einen niemand darauf aufmerksam.
@Joerg,
Die philosophischen Konsequenzen wirst du in den von mir beschriebenen Büchern nicht wirklich finden. In diesen geht es eher um die Grundlagen der QM. Wenn du was in Richtung Philosophie suchst, kann ich dir leider nicht weiterhelfen :(
Bei Lisa Randall zum Beispiel wird dem Phänomen des Beobachters kaum Bedeutung beigemessen. Nachdem ich mit dem Buch durch war fragte ich mich: Was ist jetzt wirklich so toll am Doppelspaltexperiment ?
Ich fands nur interessant wie sich die Meinung von Gribbin zwischen seinen beiden Büchern geändert hat. Schon allein das macht das zweite Buch interessant :)
Aber du musst das frei nach Feynmann sehen: Wenn Sie glauben dass sie die Quantenmechnik verstanden haben, dann haben sie sie nicht verstanden :))
@Ronny
Auf die Idee, QM verstehen zu wollen, würde ich nie kommen ;-)
Ich kann nichts dafür, dass ich mir dennoch über ihre Konsequenzen den Kopf zerbreche - unnütz, aber Neugier ist nun mal so. Werde mir den zweiten Gribbin zulegen - ich mags, wenn Leute ihre Meinung ändern.
@Joerg
Wenn ich dich richtig verstehe, dann suchst du Bücher in der Richtung: Ist der Mond noch da wenn keiner hinsieht ? oder macht der Baum einen Lärm wenn er umfällt wenn keiner zuhört.
Da musst du aufpassen, denn die Effekte der QM kann man nicht so einfach in die Makrowelt übertragen. Ist aber ein interessantes Thema.
Dawkins "Gotteswahn" hat mir auch gut gefallen, aber "The End of Faith" von Sam Harris ist noch weitaus besser. Ein Feuerwerk an interessanten Gedanken und Einwänden gegen Religiosität. Harris ist weniger akademisch, dafür aber pointierter und treffender als Dawkins. Kostprobe gefällig?
"There are sources of irrationality other than religious faith, of course, but none of them are celebrated for their role in shaping public policy. Supreme court justices are not in the habit of praising our nation for its reliance upon astrology, or for its wealth of UFO sightings, or for exemplifying the various reasoning biases that psychologists have found to be more or less endemic to our species."
Außerdem hat er einen feinen Vorschlag, religiöse Menschen auf die Absurdität ihres Glaubens hinzuweisen - einfach das Wort "Gott" an passenden Stellen durch einen anderen Gottesnamen ersetzen.
So wahr mir Poseidon helfe!
@Tim (So wahr mir Poseidon helfe)
Das benutze ich immer wenn jemand meint, dass es keine 100%igen Atheisten gibt. Ich frage dann immer: Glaubst du an Zeus ? Meist kommt ein überzeugtes Nein. Ich antworte dann immer, dass ich nur einen Gott weiter bin :)
@ronny
Keine Angst, ich komme nicht in Verlegenheit QM ähnlich zu missbrauchen wie so viele Esoteriker. Genau das "nicht so einfach" ist der Punkt - ich habe eine (wenn auch wirklich nur eine) Gemeinsamkeit mit Einstein - ich bin mit der Kopenhagener Deutung nicht glücklich (da gibts ja auch kein anrecht darauf). Jetzt suche ich etwas, dass mir folgende Fragen beantwortet: Ist die überhaupt aktuell? Was sind die Alternativen? Hab ich überhaupt die Deutung auch nur ansatzweise verstanden? Ich muss echt mehr lesen ;-)
@Jörg W.
Ein meiner Ansicht nach sehr interessanter Ansatz zur Erklärung der QM ist die Theorie der Führungswelle (De-Broglie-Bohm Theorie).
http://de.wikipedia.org/wiki/De-Broglie-Bohm-Theorie
Sie liefert die selben Ergebnisse, die auch nach der Kopenhagener Deutung zu erwarten sind, interpretiert diese jedoch ganz anders.
Nach der Führungswellentheorie treten Teilchen und Welle gleichzeitig auf, die Welle beschreibt zusammen mit der Konfiguration die Aufenthaltswahrscheinlichkeit des Teilchens. (Nach meinem rudimentärem Verständnis).
Fazinierend finde ich vor allem, dass dadurch der Welle-Teilchen-Dualismus erklärt werden kann, der in der Kopenhagener Deutung schon recht merkwürdig anmutet.
Leider sind meines Wissens die Gleichungen ungleich schwerer zu lösen, da man für den Teilchenweg alle Interferenzen der Führungswellen berechnen muss, was in ziemlich viel Rechenaufwand ausartet.
@Jörg: Die Fragen, die du stellst, werden alle in dem Buch "Der Stoff, aus dem der Kosmos ist" von Brian Greene (über das ich weiter oben schon geschrieben habe) sehr gut besprochen.
@florian
Perfekt, danke.
@Jörg,
Da wars was ich bei den Griffin Büchern mit umschwenken meinte. In seinem ersten Buch bevorzugte er die Vielwelttheorie in seinem zweiten die Theorie, dass es Teilchen gibt die in der Zeit zurückreisen. Obwohl die zweite These sehr bestechend ist, gefallen mir persönlich beide nicht. Ich werde mir auch mal das Buch von Florian ansehen, vielleicht gibts da noch ein paar Ideen.