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Florian Freistetter promovierte am Institut für Astronomie der Universität Wien und hat danach an der Sternwarte der Universität Jena und dem Astronomischen Rechen-Institut in Heidelberg als Astronom gearbeitet. Zur Zeit lebt er in Jena, bloggt über Wissenschaft und schreibt manchmal Bücher:

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21.10.08 · 15:45 Uhr

Indien macht sich auf den Weg zum Mond

Kategorie: Naturwissenschaften·Technik  ·  Kommentare: 11

chandrayaan1.jpgWas Deutschland nicht schaffte, passiert heute Nacht in Indien: in einigen Stunden startet die Indian Space Research Organization (ISRO) ihre Sonde Chandrayaan-1 (rechts) die den Mond untersuchen wird.

2 Jahre lang wird sie den Mond umkreisen. Neben der wissenschaftlichen Datensammlung soll die Mission auch dazu dienen, Indiens Weltraumprogramm zu überprüfen und weiterzuentwicklen.

Mit an Bord sind Instrumente der europäischen Raumfahrtagentur ESA, der NASA und der bulgarischen Raumfahrtorganisation BSA. Der Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeit liegt bei der Untersuchung des Mondbodens, der Analyse seiner Zusammensetzung und der Suche nach Wassereis in den Polarregionen.

Der Start erfolgt voraussichtlich heute Nacht um 00:20 UT 00:50 UT (02:50 MESZ) vom Satish Dhawan Space Center in Sriharikota. Die Trägerrakte, eine PSLV (Polar Satellite Launch Vehicle), wurde ebenfalls von Indien entwickelt. Die Reise zum Mond wird laut Plan fünfeinhalb Tage dauern. Diese Grafik der ISRO zeigt den Weg von Chandrayaan-1 zum Mond:


chandrayaan1.gif

Genauso wie China hat Indien große Pläne für den Weltraum. Eine Nachfolgemission ist schon geplant: Chandrayaan-2 soll 2010/2011 zum Mond fliegen und diesmal auch einen ferngesteuerten Mondrover absetzen.

Wenn alles erfolgreich verläuft, dann soll als nächster Schritt sogar eine bemannte Landung auf dem Mond folgen. Das meint auf jeden Fall G.K. Menon, ehemaliger Leiter der ISRO.

Auch Japan plant übrigens für 2020 eine bemannte Landung auf dem Mond und China wird wohl ebenfalls solche Pläne haben.

Bis vor kurzer Zeit war Raumfahrt fast ausschließlich eine Domänie der USA und von Russland (bzw. der UdSSR). Europa hat mit seiner ESA ebenfalls erfolgreich mitgemischt. Aber wenn man sich die Fortschritte des chinesischen Weltraumprogramms - nach den USA und Russland das dritte Land das aus eigener Kraft Menschen ins All bringen kann - und die Pläne der anderen asiatischen Länder ansieht, dann fragt man sich, ob die Zukunft der Raumfahrt nicht in Asien liegt.

Der Westen, und vor allem Europa, sollte aufpassen, hier nicht den Anschluß zu verlieren! Aktionen wie die Streichung der deutschen Mondmission LEO (aus finanziellen Gründen) sind hier nicht wirklich förderlich.


Der Start von Chandrayaan-1 heute Nacht wird auf der Homepage der ISRO übertragen werden. Bis dahin informiert Daniel Fischer über seine Twitterseite über alle wichtigen Entwicklungen.

 

Autor: Florian Freistetter· 11 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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Trackbacks (3)

Das Blog-Teleskop #12 · Wissenswerkstatt · 04.11.08 · 00:51 Uhr

Morgentau am Mond · Astrodicticum Simplex · 25.09.09 · 10:04 Uhr

Noch mehr Wasser auf dem Mond! · Astrodicticum Simplex · 03.03.10 · 11:23 Uhr


Kommentare (11)

Kommentar-Direktlink buchstaeblich· 21.10.08 · 16:23 Uhr

Hoffen wir nur, dass künftige Kriege um Mondterritorium dann auch dort oben abgehalten werden und nicht hier unten.

Kommentar-Direktlink Daniel Fischer· 21.10.08 · 18:10 Uhr

Der einstündige Webcast der ISRO beginnt um 2:20 MESZ, gestartet wird um 2:50 MESZ, berichten mehrere indische Quellen.

Kommentar-Direktlink florian· 21.10.08 · 18:14 Uhr

@Daniel: Danke für die Info. Was den Starttermin angeht bin ich sowieso ein wenig verwirrt. Laut dem Countdown der hier läuft gehts schon kurz vor 21:00 MESZ los.

Kommentar-Direktlink Andylee· 21.10.08 · 19:43 Uhr

Florian, das ist wohl der Countdown zum Countdown des Countdowns oder so ;)

Kommentar-Direktlink isnochys· 22.10.08 · 12:01 Uhr

Wann soll die Sonde denn in Mondumlauf eintreten?

Kommentar-Direktlink florian· 22.10.08 · 12:28 Uhr

@isnochys: Etwa 5 Tage nach dem Start.

Kommentar-Direktlink harry· 22.10.08 · 13:39 Uhr

na toll, wir geben Indien p.a. fast 400 Mio Entwicklungshilfe und die machen damit solchen Scheiß. Was ist das für ne Art von Krisenbewältigung? Wenn sie wenigstens einen Planeten finden würden, auf dem sie einen guten Teil ihrer hungrigen 1300 Millionen und die Gesamtheit ihrer hirnrissigen Politiker unterbringen könnten ... Gier frißt nun mal Hirn, was einmal mehr bewiesen wäre ...

Kommentar-Direktlink florian· 22.10.08 · 13:44 Uhr

@harry: Forschung und Entwicklung zu fördern ist keine schlechte Strategie, um ein Land vorwärts zu bringen.

Vielleicht interssiert dich auch dieser Bericht (die 400 Millionen sind etwas übertrieben).

Kommentar-Direktlink Ronny· 22.10.08 · 14:12 Uhr

Unsere Firmen sind ja förmlich erpicht drauf möglichst viel Know How nach Indien und China zu pumpen. Ist klar das uns die mal abhängen werden, wenn sie alles abgesaugt haben. Die können arbeiten ohne Hinderungsgründe wie Menschenrechte, Umweltschutz oder Gewerkschaften.
Aber wir geben ja viel zu viel Geld für Forschung aus (Sarkasmus Ende).

Kommentar-Direktlink Ludmila· 22.10.08 · 16:38 Uhr

@florian: Forschung und Entwicklung sind aber auch keine Heilsbringer und reichen alleine aus, damit die Dinge besser werden. Das Problem ist doch um einiges komplexer.

Dazu gehört eben auch soziale und politische Entwicklung.

Aber wer weiß? Der Mondorbiter bringt vielleicht etwas für das Selbstbewusstsein der Menschen. Manchmal braucht es nur die Hoffnung, etwas sinnvolles zustande zu bringen, damit sich etwas bewegt.

Kommentar-Direktlink florian· 22.10.08 · 16:50 Uhr

@Ludmila: ja, das ist klar. Natürlich brauchts da mehr. Hat man ja schon in der UdSSR gesehen. Die hatten zwar ein Spitzen-Weltraum Programm - aber sonst nicht viel. Aber neue Technologien sind sicher ein wichtiger Teil jeder Entwicklung. Zu sagen: "Wir geben euch Entwicklungshilfe, aber macht ja keine großen Forschungsprojekte!" ist sicher auch nicht der richtige Weg.

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