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Jörg Friedrich wurde 1965 geboren. Er studierte Meteorologie und Physik an
der Humboldt-Universität Berlin und ist Diplom-Meteorologe. In seiner Diplomarbeit beschäftigte er sich mit der Simulation von Konvektionsstrukturen mit Zellulären Automaten.
Seit 1994 ist er Software-Unternehmer und berät Großunternehmen bei Sourcing-Projekten.
Seit dem Frühsommer 2009 ist er nach einem Philosophie-Studium an der FernUni Hagen Master of Arts in Philosophie. Er schrieb seine Masterarbeit über die Existenz theoretischer Entitäten in den Wissenschaften.
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27.07.10 · 08:16 Uhr
Teilnehmerzahlen
Kategorie: Kultur · Kommentare: 6
Egal, ob Ostermarsch oder Open-Air-Festival, der Satz in den Nachrichten ist immer der gleiche: "Die Veranstalter sprechen von über XYZ Teilnehmern, die Behörden gehen von einer deutlich niedrigeren Zahl aus." Es gibt scheinbar zwei Methoden, nach denen Teilnehmerzahlen geschätzt werden: Die eine ist die der Veranstalter: sie schlagen, je nach Konjunkturlage ihres Themas, auf die Schätzung des Vorjahres einen gerade noch vertretbaren Prozentsatz auf und scheren sich nicht um die Wahrheit. Die andere ist die der Behörden, und die ist offenbar geheim.
Ich habe ein wenig recherchiert, aber ich habe keinerlei Hinweise gefunden, wie man eine Teilnehmerzahl seriös schätzt. Wir können alles mögliche messen, aber wir wissen offenbar nie, wie viele Menschen zu einer Veranstaltung kommen, für die keine Tickets verkauft werden. Jede Zahl, die in solchen Fällen von irgendwem genannt wird ist offenbar von eigenen Interssen bestimmt und möglichst wenig von Plausibilitäten getrübt (und es werden im Brustton der Überzeugung ja immer sehr genaue Zahlen genannt, niemals Von-Bis-Spannen, immer mit einer Nachkommastelle).
Das fällt nur dann auf, wenn die Interessen sich plötzlich ändern. Dann wird darüber spekuliert, wie viel Platz ein Mensch bei einer Großveranstaltung eigentlich braucht. Reicht ein Quadratmeter Demo-Fläche für 4 Menschen? Wie oft kommen und gehen Besucher? Wie reisen sie eigentlich an? Wieviele Würstchen werden von jedem Teilnehmer gegessen, wie viele Liter Flüssigkeit in den Dixi-Hütten gesammelt?
Es gibt Zahlen, die kennen wir einfach nicht. Die Zahl der Menschen, die bei den Montags-Demos in Leipzig waren, die gegen den Nato-Doppelbeschluss marschiert sind, die am 04.11.1989 auf dem Alexanderplatz standen. Trotzdem stehen diese Zahlen in Geschichtsbüchern. Da sie keiner ändern will, sind sie sicher.
Autor: Jörg Friedrich· 6 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (6)
Ab sofort sollte sich jeder TN eine Demonstration persönlich bei der Polizei anmelden, damit das nicht wieder passiert.
Anmeldungen sind doch mit RFID-Chips in den Ausweisen völlig unnötig - einfach ein paar Lesegeräte an die Zugangswege stellen...
Bei Groß-Veranstaltungen werden Videoaufnahmen ausgewertet und auf die Fläche hochgerechnet, Momentaufnahmen sozusagen.
[1] Stgt 21
[2] Anfrage Berlin
Wer eine Großveranstaltung durchführt, die immer für eine bestimmte Maximalzahl von Personen zugelassen ist, MUSS zu jeder Zeit ausreichend genau wissen, wieviele Personen sich auf dem Veranstaltungsgelände befinden. Wer das nicht weiß, hat es offensichtlich versäumt, die Zählung der Teilnehmer zu organisieren und handelt damit streng fahrlässig!
Bei der Loveparade schienen die es ja durchaus zu wissen, deswegen haben sie dann auch, als das Gelände voll war, selbiges geschlossen. Nur ab da haben sie nicht weitergedacht.
Bei den Demonstrationen in Leipzig haben das, zumindest in der gefährlichen Zeit (also September und Oktober '89) die Bürgerrechtler selbst organisiert. Und zwar so:
Sie suchten sich eine Stelle, an der eine gute Übersicht über den Demonstrationszug bestand. Das war die Fußgängerbrücke (inzwischen abgerissen) am Friedrich-Engels-Platz (jetzt Goerdelerring), da der Demonstrationszug darunter durchkam. Es wurde in der "Vorderansicht" die Zahl der Demonstranten in der Breite gezählt, welche Breite in Personen der Demonstrationszug hatte. Anschließend wurden aus der Obersicht von der Brücke durch mehrere Personen die "Reihen" gezählt, linke Seite des Demonstrationszuges, Mitte und rechte Seite.
Der Rest war Mathematik: Länge mal Breite, danach Bildung des Durchschnittswertes aus den jeweiligen Zählungen links, Mitte, rechts.
Anders als bei den meisten heutigen Demonstrationen, bei denen es sehr schwankende "Dichtegrade" im Demonstrationszug gibt, standen und gingen wir damals dicht aneinandergedrängt, da wir alle eine verdammte Angst hatten.
Die berühmten 70.000 Demonstrationsteilnehmer des 9. Oktober 1989 in Leipzig sind zwar eine Schätzung, aber wahrscheinlich eine sehr gute.
Das MfS hat sicher auch gezählt, aber das war damals tatsächlich geheim. Sowohl die Zählung als auch deren Ergebnis.