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Jörg Friedrich wurde 1965 geboren. Er studierte Meteorologie und Physik an
der Humboldt-Universität Berlin und ist Diplom-Meteorologe. In seiner Diplomarbeit beschäftigte er sich mit der Simulation von Konvektionsstrukturen mit Zellulären Automaten.
Seit 1994 ist er Software-Unternehmer und berät Großunternehmen bei Sourcing-Projekten.
Seit dem Frühsommer 2009 ist er nach einem Philosophie-Studium an der FernUni Hagen Master of Arts in Philosophie. Er schrieb seine Masterarbeit über die Existenz theoretischer Entitäten in den Wissenschaften.
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20.05.10 · 19:28 Uhr
Kriege gewinnen mit Sozialwissenschaften?
Kategorie: Politik · Kommentare: 8
Das Pentagon verteilt seine Mittel für die Forschung und Entwicklung neu. Wie in der nature vom 15.04.2010 (Band 646, Seite 970) zu lesen war, wird die Finanzierung der angewandten Forschung, die der Entwicklung neuer Waffensysteme dient, zurückgefahren, statt dessen werden die „weichen Wissneschaften" Biologie, Computerwissenschaften und Sozialwissenschaften stärker bedacht.
In der Biologie geht es vor allem um die Erzeugung von Lebewesen, die auf bestimmte Stimuli (Chemikalien, Ionen, Metalle oder elektrische, mechanische oder magnetische Impulse) besonders reagieren. Bei der Computerwissenschaft geht es um alles rund um den Krieg im Netz. Das alles könnte man auch als moderne Waffentechnik ansehen. besonders interessant ist aber die verstärkte Förderung der Sozialwissenschaften.
Offenbar setzt sich im Pentagon verstärkt die Erkenntnis durch, dass man Kriege nicht mehr mit Waffen gewinnen kann. Eigentlich hätte man das schon aus dem Vietnam-Krieg lernen können, aber der Irak und Afghanistan führen Jahrzehnte später auch die amerikanischen Militärs zu dieser Einsicht.
Nun will man „die kulturelle Dynamik" in Krisengebieten besser verstehen lernen. man macht soziologische Experimente, um den Opiumhandel in Afghanistan zu simulieren. Das klingt gut. Fraglich ist allerdings, ob die Forschung, die da konkret unterstützt wird, nicht nur der Rechtfertigung der bisherigen Strategie dienen soll.
Schon warnt David Price, ein Antropologe der Uni in Lacey, dass die Modelle, mit denen die militärische Forschung arbeitet, zu simplifiziert sind, zu geglättet, dass sie die Komplexität der Situation nicht abbilden.
Vielleicht ist das auch gar nicht vermeidbar. Man will eine andere Wissenschaft fördern, aber keine andere Forschung. Man will die klaren Aussagen der Naturwissenschaft und Technik, klare Fakten, Ursache-Wirkung, Input-Outcome. Das aber wird man von einer Sozialwissenschaft, die ihrem Namen gerecht wird, nicht bekommen. Nicht nur die Namen der geförderten Wissenschaften müssen verändert werden, sondern auch das Denken und die Kommunikation.
Autor: Jörg Friedrich· 8 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
Trackbacks (1)
Strategiewechsel im Pentagon? Mehr Geld für Sozialwissenschaften im US-Verteidigungsbudget · ScienceBlogs · 21.05.10 · 06:30 Uhr
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Kommentare (8)
Wb·
20.05.10 · 23:42 Uhr
Anders formuliert: Das "Gewinnen" hat sich in der Bedeutung geändert.Hat der Webbaer das richtig verstanden, man schicke 10-100k Sozialfuzzies zum Konfliktort und versuche vor Ort dann einen klar zu machen?
Hmm, denke schon, dass das einen echten Impact hätte, einerseits wäre die Heimatfront personell erleichtert, Ressorucen und neue Kräfte würden frei, anderseits wäre der Gegener langfristig gelähmt und in quälende Debatten verwickelt. (Namen sollen hier nicht genannt werden, aber in D gäbe es schon prädestinierte enervierende Kräfte im Sozialbereich.) - Ganz schön mephistophelisch dieser Vorschlag!
MFG
Wb
PS: Oder doch falsch verstanden? Hmm, egal, Wb geht jetzt SimCity spielen.
> 10-100k Sozialfuzzies zum Konfliktort
Und verkauft der Gegenseite einen Haufen Leistungsträger. Die führen dann beim Gegner qualitätssichernde Massnahmen ein, leistungsbezogene Zahlung der Kämpfer, outsourcen unrentable Truppenteile, stellen für einzelne Gefechte Subunternehmer ein, ersteigern ihre Waffen bei Ebay, ... .
Spätestens nach zwei Jahren muss der Gegner dann Insolvenz anmelden.
> Aber in D gäbe es schon prädestiniert .....
Was nölt denn der Webbaer hier in dreister Weise herum; der hat doch Europa verlassen , weil hier der Sozialismus ausgebrochen ist.
@JF
>Fraglich ist allerdings, ob die Forschung, die da konkret unterstützt wird, nicht nur der Rechtfertigung der bisherigen Strategie dienen soll.
Glaub ich nicht, die bisherige Strategie war ja in Afghanistan und woanders nicht gerade erfolgreich.
Das können nicht nur die Amis: http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57815
"Eine Forschungsgruppe des sozialwissenschaftlichen Instituts der Universität Oldenburg entwickelt Strategien für westliche Militärinterventionen in Entwicklungsländern. Das völkerrechtlich bindende Prinzip der staatlichen Souveränität sei längst "ad acta gelegt", weshalb Verstöße dagegen als "legitim" zu gelten hätten, erklären die Wissenschaftler."
Alles Ablenkung, es geht bei diesen Forschungen vor allem um die Kontrolle besetzter Gebiete und den Einsatz des Militärs "im Inneren".
Die Kriegswaffentechnik wird massiv hin zu autonomen Systemen entwickelt. Man hat die Nase voll von menschlichen Soldaten, selbst wenn man ihnen durch Drill einen Großteil der Menschlichkeit abtrainieren kann.
Und mit welchen Mittel wollen wir unseren nächsten Krieg gewinnen?
Ganz einfach, in dem wir diesen erst gar nicht beginnen.
Es braucht in der Tat regelmäßig mehr als Waffen, um einen Krieg (dauerhaft) zu gewinnen. Allerdings können Kriege immer noch mit überwiegend Waffengewalt gewonnen werden. Nordvietnam hat den Vietnamkrieg im wesentlichen durch militärische Mittel gewonnen. Der erste Irak-Krieg wurde rein militärisch gewonnen. Vietnam hat den Krieg gegen China militärisch gewonnen. Das Patt zwischen Irak und Iran, besser gesagt der Sieg des Irans, hatte mit Sozialwissenschaft nicht wirklich viel zu tun.
Dass die Unterstützung der eigenen und der unterworfenen Bevölkerung für den (längerfristigen) Erfolg extrem wichtig ist, ist trivial und seit Jahrhunderten, wenn nicht seit Jahrtausenden bekannt, auch wenn gegen diese 'Weisheit' immer wieder massiv verstoßen wurde. Auch das 3.Reich hätte gegen die Sowietunion einen erheblich besseren Stand gehabt, wenn es sich die Unterstützung der dortigen, zahlreichen Sowietgegner gesichert hätte.
Der wesentliche Punkt ist der, dass man dauerhafte, politisch gewollte Veränderungen NACH einem militärischen Sieg i.d.R. nur mit sozialen Maßnahmen (im weitesten Sinne) durchsetzen kann. Militärisch wurden die Taliban in Afganistan schnell geschlagen, ein dauerhafter Sieg dort ist jedoch nur mit sozialen Veränderungen möglich.
Und wenn das andere tun?