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Jörg Friedrich wurde 1965 geboren. Er studierte Meteorologie und Physik an
der Humboldt-Universität Berlin und ist Diplom-Meteorologe. In seiner Diplomarbeit beschäftigte er sich mit der Simulation von Konvektionsstrukturen mit Zellulären Automaten.
Seit 1994 ist er Software-Unternehmer und berät Großunternehmen bei Sourcing-Projekten.
Seit dem Frühsommer 2009 ist er nach einem Philosophie-Studium an der FernUni Hagen Master of Arts in Philosophie. Er schrieb seine Masterarbeit über die Existenz theoretischer Entitäten in den Wissenschaften.
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09.10.09 · 15:40 Uhr
Physik-Nobelpreis für Peter Higgs!
Kategorie: Politik · Kommentare: 12
Würde man der Logik der Vergabe der Friedensnobelpreise auch bei den Wissenschaftspreisen folgen, dann hätte spätestens in diesem Jahr der Nobelpreis für Physik an Peter Higgs gehen müssen. Zwar ist das nach ihm benannte Elementarteilchen noch nicht nachgewiesen und damit der auch nach ihm benannte Mechanismus noch nicht experimentell bestätigt - aber was soll's? Seit Barack Obamas Amtsantritt als US-Präsident wurde auch noch kein Soldat aus Afghanistan oder dem Irak abgezogen, die Zahl der Toten ist noch nicht gesunken, die Anzahl der Atomsprengköpfe auf der Welt wurde noch nicht reduziert - trotzdem ist er der Träger des diesjährigen Friedens-Nobelpreises.
Sehnsüchtig warten die Physiker auf den Neustart des LHC und darauf, dass das Higgs-Teilchen dort endlich nachgewiesen werden möge und damit das Standard-Modell der Elementarteilchen endlich seine entscheidende und krönende experimentelle Bestätigung erfährt. Zeigt sich das Boson nicht, gerät das ganze Modell in Schwierigkeiten - aber das ist eine andere Geschichte.
Wenigstens ebenso sehnsüchtig warten die Physiker gemeinsam mit dem Rest der Menschheit auf friedlichere Zeiten am Hindukusch, im Zweistromland und auch im Rest der Welt. Die Hoffnungen, die auf die neue Politik Obamas gesetzt werden, sind etwa ebenso groß wie die Hoffnungen in den Higg'schen Mechanismus der Wechselwirkung zwischen Eichbosonen und Higgs-Feld.
Aber es sind bisher eben nur Hoffnungen, wenn sie auch realistisch sind. Und deshalb gibt's - wie Lee Smolin in seinem Buch "Die Zukunft der Physik" so schön anmerkt, dafür auch noch keinen Nobelpreis.
Da stellt sich doch die Frage, um wieviel hoffnungsärmer die politische Welt eigentlich gegenüber der wissenschaftlichen ist, wenn es für Politiker schon einen Preis gibt weil sie uns nur ein bisschen Hoffnung geben, und der Erfolg noch gar nicht sichtbar ist.
Autor: Jörg Friedrich· 12 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (12)
Al Gore und der UN-Klimarat haben weder den Klimawandel gestoppt, geschweige denn rückgängig gemacht, noch haben sie großartig Frieden in die Welt gebracht.
Dennoch gab es auch für sie den Friedensnobelpreis.
Wenn schon nichts wirklich belohnenswertes an Friedenspolitik stattfindet, ist der Nobelpreis doch eine wunderbare Möglichkeit, den Leuten die für wichtige Themen werben (sei es Klimaschutz oder Frieden) dadurch Aufmerksamkeit und Mittel zu schenken, denken Sie nicht?
Natürlich kann man den Preis für Obama als verfrüht kritisieren. Im Gegensatz zur Wissenschaft sind Hoffnungen in der Politik aber durchaus etwas wert. Nicht so gut wie konkrete Aktionen, aber immerhin kann man von einem Mentalitätswechsel sprechen, der zu größerer Dialogbereitschaft und langfristig auch zum Konfliktabbau auf der Weltbühne führen kann. Und wie dora treffend bemerkte, geht es hier auch darum, diesem Politikstil den Rücken zu stärken. Das Nobelpreiskomitee hat sich heute bemüht, nicht nur gute Politik auszuzeichnen, sondern auch Politik zu machen. Darüber lässt sich trefflich streiten, aber es ist eben doch etwas anderes als Physik, wo nur harte Beweise zählen.
Ich sehe das auch so wie Jörg Friedrich. Einen aktiven Politiker, der eigentlich noch nichts wirklich Greifbares geleistet hat schon einen Preis zu geben, verdreht irgendwie den Sinn des Nobelpreises. Natürlich finde ich Obama tausendmal besser als George W. und natürlich ist mir auch die Intention des Komitees klar, aber ich bin mir sicher, es gibt viele Menschen, die in ihrem Leben schon mehr für den Frieden getan haben, als er. Ein Preis drückt eben nicht nur Hoffnung aus, sondern ist auch ein Dankeschön und zieht Leute ins Rampenlicht, die wir sonst zu schnell vergessen würden, obwohl sie gute Vorbilder abgeben. Diese Chance wurde (mal wieder) vertan.
Meiner Meinung nach klingt alles plausibel, haben alle Recht. Doch sollte eine Analyse tiefer greifen, als zwei "Disziplinen" (insofern man "Frieden" als Disziplin betrachten darf) zu vergleichen, deren momentane einzige Gemeinsamkeit im Nobelpreis besteht.
Eine Anregung dazu hier:
http://www.scienceblogs.de/wissenschaftsfeuilleton/2009/10/namen-die-keiner-mehr-kennt.php
Die Naturwissenschaftler gehoeren mit ihrem Glauben an die Uebermacht der Vernunft zu den Naiven. Obwohl der Nobelpreis auch Wissenschaftler foerdert, ist die eigentliche Absicht die Foerderung des Weltfriedens und damit das Unmoegliche in der Politik. Es ist ein Wunder, dass es simmer noch uns Menschen gibt. Ein Fortschritt der Menschheit ist bei allem, was in der Geschichte passiert ist, nur noch fuer naïve Wissenschaftler und religioese Menschen zu erkennen. Der Klimawandel, den zugegebenermassen die Wissenschaftler entdeckt haben, ist der beste Beweis fuer das Ende der species Mensch. Eigentlich haette das Leben schon vor Jahrhundertenmillionen von Jahren sowieso schon durch Uebertemperaturen und Vereisungen verschwinden koennen.
Nun gibt es diese einzelne Stimme in der Politik, Barack Obama, die das Unmoegliche fordert: eine Welt ohne Atomwaffen, Toleranz unter Religionen, Dialog statt Krieg. Man koennte noch mehr fordern: z.B. Demokratie auf der ganzen Welt, aber jetzt schon ist die Welt ueberfordert. Selbst diese Miniforderungen rufen schon die naiven Kritikaster auf den Plan. Moege Weltpraesident Obama weiterwirken bei allem angebrachten Skeptizismus!
Carter-Gore-Obama, konsequent ist man in Schweden schon.
Zum Glück hauptsächlich nur im politischen Bereich, da wo Frieden "gemacht" wird.
Den (auch hier) behaupteten Realismus sieht Old Webbaer allerdings nicht bei den Obamaschen [1] Vorhaben.
Zufällig gerade zur Hand.
MFG, WB
[1] Kollege Obama gelangte anscheinend 12 Tage nach Amtsantritt auf die Kandidatenliste. Hier darf und muss spekuliert werden warum.
Don't forget Guralnik, Hagen, Kibble, Brout, and Englert. All just won the Sakurai Prize.
http://www.aps.org/units/dpf/awards/sakurai.cfm
Auf die Frage, warum man ihm den Preis nicht später verliehen hätte, wenn sich Resultate zeigen sollten, antwortete der Sprecher des Komitees mit Recht:
„Some people say – and I understand it – ‘Isn’t it premature? Too early?’ Well, I’d say then that it could be too late to respond three years from now,“ Thorbjoern Jagland, chairman of the Norwegian Nobel Committee, told the AP. „It is now that we have the opportunity to respond – all of us.“
Ob nicht eher einige Physik-Nobelpreise zu früh vergeben wurden? Den Frieden dürften sie jedenfalls nicht fördern.
Der Friedensnobelpreis ist ein Preis von Politikern für Politiker. Mit Reden und Visionen amerikanischer Präsident zu werden und das Politikgetöse der Welt zu dominieren ist eine erstrangige politische Leistung, die man würdigen muss.
BTW, wer so aussieht wie Gerd Müller, der muss einfach recht haben.
SCNR + MFG!
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