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Profil
Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com
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08.12.08 · 19:29 Uhr
Ein gefährliches Spiel mit Planck
Kategorie: Kultur
In Deutschland gibt es einen Orden für Verdienste - den Orden Pour Le Mérite -, der öffentliche Sitzungen abhält, an denen wahrscheinlich keinerlei Öffentlichkeit vertreten ist. Wie dem auch sei - zum Jahresende verschickt der Kanzler des Ordens, der so eine Art Adelsgesellschaft darstellt, einen Band mit den Reden, die auf der öffentlichen Sitzung gehalten worden sind, und ein Exemplar davon ist mir in diesen Tagen zugegangen (warum ich zu den Empfängern gehöre, ist mir unbekannt). Eine der Reden stammt von einem Betriebswirt aus Bonn, der meint, sich in dem Jahr, in dem die 150. Wiederkehr des Geburtstages von Max Planck gefeiert werden konnte, sich über diesen großen Mann äußer zu können, der auch einmal Ordenskanzler war. Der Betriebswirt hält es für angemessen, die Frage zu stellen, "War das Verhalten des ... Ordenskanzlers Max Planck in den Jahren von 1933 bis 1945 rational?" Mehr zu diesem unsinnigen Ansatz und seiner hochnotpeinlichen Durchführung im erweiterten Text.
Der Betriebswirt wagt nicht nur, solch eine unsinnige Frage zu stellen - er kann doch nur wissen, was Planck nach außen gemacht hat, aber nicht, wonach sich Planck im Inneren orientiert hat -, er behauptet sogar, eine innovative Lösung dieser Frage zu haben, was erneut Unsinn ist, da sie niemand vorher gestellt hat. Dramatisch peinlich wird die Antwort des Betriebswirts auf seine eigene Frage, als er sie nach einem unsinnigen Rekurs auf den Philosophen Popper in den Bereich der Spieltheorie überführt und davon faselt, daß Planck mit Hitler und den Nationalsozialisten gespielt habe. Das Führen eines Ordens - seine mögliche Auflösung - als Spiel mit dem Gegenspieler Göring, der sicher seinen Spaß daran hatte! Man hält nicht für möglich, was uns Mitglieder des Ordens pour le mérite als Rationalität vorsetzen. Aber wir haben ja inzwischen gelernt, daß die Spieltheorie nicht mehr annimmt, daß Rationalität von Bedeutung ist. Der Betriebswirt, der sein Spiel mit Planck betreibt, zeigt, daß das stimmt. Er hat die Verdienste des Ordens für die Verdienste geschmälert.
Autor: Ernst Peter Fischer· 0 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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