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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com
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05.08.08 · 17:44 Uhr
Habermas am Handy
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften · Kommentare: 3
Der französische Philosoph Descartes hat als Grundprinzip seiner Philosophie den Zweifel eingeführt. Man soll bei allen Behauptungen, die jemand aufstellt, erst einmal Zweifel anmelden, um so besser zu verstehen, ob sie stimmt. An allem soll gezweifelt werden - nur am Zweifel selbst nicht. Der ist unbezweifelbar.
Die modere Philosophie hat - etwa in Form der Frankfurter Schule - als Grundprinzip der Philosophie die Kritik erhoben. Alles muss kritisiert werden - vor allem die sogenannten Verhältnisse, nur die Kritik selbst natürlich nicht.
Mir leuchet ja ein, daß man die Kritik von der Kritik ausnimmt. (Es ist auch zu komisch, wenn ein Autor seinen Rezensenten rezensiert). Aber was jetzt im Umfeld des kritischen Philosophen Jürgen Habermas passiert, ist komisch bis beschämend, wie weiter unten erläutert wird.
Die deutsche Kultur nähert sich dem 80. Geburtstag des Philosophen Jürgen Habermas, und die Denker gehen schon einmal in Anbetungshaltung. Bereits ein Jahr vor dem Fest teilen sie uns mit, daß sie ihr Nachdenken aufgeben, wenn er vorgedacht hat. "Ich würde mir alles sechsmal überlegen, wenn das, was ich denke, von dem differiert, was Haberman denkt." So der Intellektuelle Alexander Kluge, und das FAZ Feuilleton klatscht begeistert in die Hände.
Wer schon mal mit einem Flugzeug geflogen ist, wird wissen, daß kurz nach der Landung alle wichtig aussehenden Männer (und Frauen) ihre Handys rausholen. Sie können offenbar ohne Anweisungen nicht weiter. Die bekommen sie jetzt per Telefon, und so stehen sie da, unsere kritischen Denker - ratlos ohne Habermas am Handy, der ihnen sagt, was sie sagen sollen. Im Augenblick warnt er vor dem Renditedruck von Finanzinvestoren. Das muss einem ja erst einmal gesagt werden.
Autor: Ernst Peter Fischer· 3 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (3)
Ach, dass angesichts eines 80ten Jubiläums mal ein paar merkwürdige Grussformeln auftauchen, sollte doch nicht verwundern. Zumal Alexander Kluge doch selbst ein Kind des Geistes der Frankfurter Schule ist.
Ansonsten lösen wir einfach alles in kommunikatives Handeln auf und die Welt wird bunt. ;-)
Der Habermas kommt einem doch vor wie ein "alter, konservativer Knochen", der an den modernen Naturalismus immer nur grade so viele Zugeständnisse macht, wie er gerade nicht vermeiden kann, wenn er sich nicht gänzlich unmöglich machen will, wenn er will, daß ihm überhaupt noch jemand zuhört.
Da wünschen natürlich viele Meinungsmacher ihm und seinem Taktieren im "ideologischen Raum" ein möglichst langes Leben.
Es wird doch aber immer unwahrscheinlicher, daß unsere Gesellschaft die heute notwendigen Anpassungsleistungen wird vollbringen können, wenn sie sich nicht vor allem und auf voller Breite mit dem naturwissenschaftlichen Erkenntnisstand unserer Zeit auseinandersetzt. Wirklichkeitsfremdes "Philosophieren" und "Ideologisieren" kann doch in keiner Weise Zukunft haben.
Schade das hier kein Gästebuch zu finden ist. Dann nutze ich halt diesen Weg.
Werde öfters mal rein schneien,