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Profil
Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com
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02.06.08 · 11:21 Uhr
Die Liebe zum Buch
Kategorie: Kultur · Kommentare: 1
Wir leben in seltsamen Zeiten - ein Satz, den wahrscheinlich jede Generation einmal das Gefühl hatte, aussprechen zu müssen. Nachdem wir Jahrhunderte hindurch Bücher von Brockhaus in der Hand hielten, gibt es jetzt die dazugehörigen Informationen immer mehr Online. Und zur gleichen Zeit fängt die Internet Enzyklopädie Wikipedia an, sich gedruckt unter die Leute zu begeben. Wir sieht sie also auch, "The Library in your Future", so fragt Robert Darnton, der Direktor der Bibliothek an der Harvard Universität in einem Essay, der im NEW YORK REVIEW OF BOOKS (Ausgabe vom 12. Juni 2008) erschienen ist. Der Büchernarr bekennt sich auch als Gogglefan, nur beantwortet diese doppelte Liebe nicht die Frage, wie wir denn in Zukunft lesen werden. Klar ist, daß derjenige irrt, der meint, mit Googles Plan, alle Bücher im Netz verfügbar zu machen - GOOGLE BOOK SEARCH -, sei so etwas wie die ultimative Lösung des Aufbewahrungsproblems von Texten gekommen. Der Irrtum zeigt sich sofort, wenn man an die Mikrofilme denkt, die vor Jahren denselben Anspruch erhoben und die heute kaum noch jemand kennt oder nutzt. Die nötigen Apparate gehen kaputt, und das wird bei Google & Co. nicht anders sein.
Ein Problem mit der Vergoogelung der Bücher steckt darin, daß bei den Netzsuchmaschinen zwar alle möglich Leute arbeiten - Ingenieure, Techniker, Softwareentwickler und andere -, nur keine Bibliographen. Und bei Büchern, die es in vielen Auflagen und Ausgaben gibt, ist es überhaupt nicht klar, welches davon zu nehmen ist.
Ein zweites Problem steckt in der Beobachtung, daß - jedenfalls unter französischen Studenten - fast die Hälfte von Lesern den Geruch von Büchern schätzen. Wir lieben Bücher nicht nur, weil sie Informationen enthalten, sondern weil sie uns so schön in der Hand liegen, weil sie gut riechen, weil wir sie nicht nur besitzen, sondern auch durch unsere Bearbeitung erwerben können. Bücher bekommen ihre persönliche Note und wir werden sie immer haben. Wir können sie in Zukunt auf jeden Fall besser finden - dank Google und Co. Ich finde beides wunderbar und freu´ mich also doppelt. Wenn der Text dann noch gut ist, sogar dreifach.
Autor: Ernst Peter Fischer· 1 Kommentar· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (1)
Ich würde Ihnen da widersprechen. Ich glaube schon, dass wir mit der Digitalisierung der Bücher das ultimative Aufbewahrungstool für Bücher gefunden haben, schließlich bieten sie etwas, was keine bisherige Technik (auch und besonders nicht Mikrofilme) leisten konnte: Den Zugriff auf Daten von jedem Ort der Welt. Gerade als forschender (Geistes-)Wissenschaftler sind Tools wie Google Book Search äußerst wertvoll, sparen sie doch die Fernleihe oder den Weg in die Uni-Bibliothek der Nachbarstadt.
Allerdings sind ihre Einwände durchaus berechtigt, ich glaube aber, dass das erste Problem vor allem dadurch gelöst wird, dass es in Zukunft echte digitale Bibliothekare geben wird, die eben dafür sorgen werden, dass immer die aktuellste Auflage etc. im Speicher ist.