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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com
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07.05.08 · 14:31 Uhr
Die heilige Vierzahl
Kategorie: Kultur · Kommentare: 2
"Das vierte Element" - so der Titel eines Kommentars in NATURE (Ausgabe vom 1.5.08, S. 42), in dem die Entdeckung eines neuen elektronischen Schaltelements gefeiert wird, das in derselben Ausgabe der Zeitschrift auf S. 80 vorgestellt wird. Hier erfährt man auch, wie das Schaltelement heißt, nämlich Memresistor. Der Name stammt dabei aus dem Jahre 1971, als Leon Chua aus Symmetriegründen die Idee kam, daß elektronische Schaltkreise neben einem normalen Widerstand, einem Kondensator und einer Induktionssspule noch über ein viertes Element verfügen könnten. Es sollte sich um einen Widerstand (englisch resistance) handeln, dessen Effekt von der Vorgeschichte der an ihm angelegten Spannung abhängt. Daher der Name Memresistor, in dessen erster Silbe das englische Wort für Gedächtnis (memory) zu erkennen ist.
Die Elektronikfachleute sind fasziniert, weil sie nun sehen, wie es gelingen kann, das seit 1965 funktionierende Mooresche Gesetz mit der permanenten Verdopplung der Leistungsfähigkeit von Chips in die Zukunft hinein zu verlängern. Es gibt aber noch einen weiteren Grund der Frohlockens.
Die Zahl VIER - sie war einmal heilig, weshalb Pythagoras ihr den Namen Tetraktys gab. Mit der Zahl 4 verstand man die Welt - vier Säfte im Körper, vier Elemente auf der Welt, vier Himmelsrichtungen, vier Elementartugenden, vier Rechenoperationen und viele Viertel mehr - beim Wein, in der Musik und in den Städten. Dann löste das christliche Denken die Vorherrschaft der 4 ab und setze die Dreifaltigkeit durch. Seit der Neuzeit - nach Kepler und Co - denken wir trinitaristisch, was heißt, daß wir diem Dinge und alles andere durch Kombination aus drei Elementen erklären - die Farben, den Raum, die ganze Physik, wenn wir das Materielle mit dem Immaterielle unter- und miteinander durch Kausalität (und sonst nichts) verbinden. Zwar weiß man spätestens seit dem Aufkommen der Quantenmechanik, daß die Trinität nicht ausreicht (und zum Beispiel der Zufall auf sein Recht pocht), aber das hat man noch nicht überall verstanden. Als die Atome zugänglich wurden, machte der große (wenn auch kaum bekannte) Wolfgang Pauli die Prognose, daß die Wissenschaft erst wieder richtig gut (kreativ) wird, wenn sie quartärnär vorgeht und an Pythagoras anknüpft. Einstein hat das getan, dem er eine vierdimensionale Raumzeit als unseren Wohnort identifizoerte. Die Molekularbiologie hat das nebenbei getan, als sie VIER Bausteine in den Genen fand, die zudem aus VIER Atomen bestehen. Und wenn jetzt die Elektronik ankündigt, daß es das vierte Element und mit ihm eine neue Zukunft der Chips gibt, dann sollte man vielleicht doch einmal Zahlenmystik ernst nehmen. Immerhin leben wir im Jahr der Mathematik.
Autor: Ernst Peter Fischer· 2 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (2)
Und das fünfte Element ist die Liebe, wie in meinem Lieblingsfilm am Ende klar wird ;-))
Memresistor?
Steht das so in der Nature? Klingt, als wolle der Speicher Widerstand leisten... Ich kenne dieses vierte Element nur als Memristor. So stehts auch im Wiki:
http://de.wikipedia.org/wiki/Memristor
Aus ökonomischen Gründen bevorzuge ich die Bezeichnung "Memristor", da spart man immerhin zwei Buchstaben. Und zwei mal zwei ist wieder VIER.
Mit besten Grüßen!