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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com

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25.05.08 · 21:01 Uhr

Der Blick in den Raum

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 1

Der vielfach gelobte und geehrte Kunsthistoriker Hans Belting hat ein vielfach gelobtes und bestauntes Buch mit dem Titel "Florenz und Bagdad" vorgelegt, in dem er eine "westöstliche Geschichte des Blicks" erzählt. Der Anstoß zu diesem Buch verdankt sich einer wissenschaftshistorischen Entdeckung ersten Ranges, mit der klargelegt wurde, daß die Erfindung der Perspektive in der europäischen Renaissance nicht aus dem Nichts heraus passierte, sondern in der islamischen Naturwissenschaft - in den in der islamischen Welt Jahrhunderte zuvor aufgestellten optischen Theorien - vorbereitet worden ist. Wie wir im Westen die Welt sehen, hat uns also der Osten zu lernen geholfen. Der westöstliche Blick - ein wunderbares Thema für einen bildungswilligen Menschen in politisch unruhigen Zeiten, und so öffnet man das Buch von Belting sehr gespannt.

Kunsthistoriker wie Belting blicken kaum in die (dreidimensionale) Welt und mehr auf (zweidimensionale) Bilder. Die Renaissance wollte - aus was für Gründen auch immer - keine Madonnen mehr malen, sondern die wirkliche Welt. Wie wird aus dem Raum so eine Fläche, daß man den Raum richtig erkennen kann? Das ist die Frage, die mit der Konstruktion der Perspektive gelöst werden konnte, und sie konnte das, weil sie kein Problem mit dem Raum hatte. Es gab nur einen. Das das hat sich geändert. Heute wissen wir, daß es viele Räume gibt - den Raum der Mathematiker mit ihren Beweisen, den der Physiker mit ihren Messungen, den der Psychologen mit ihren Wahrnehmungen, und so weiter. Alles klar, alles klar zu erklären, aber nicht bei Belting zu finden. Da geht es nur um Namedropping, wenn er ziemlich vorne systemische, homogene und physiologische Räume aufmarschieren läßt, um uns mitzuteilen, daß die (unerklärt bleibende) Struktur der mathematischen Raums unserer (unerklärt bleibenden) Raumwahrnehmung entgegengesetzt ist. Wie kann eine Struktur einer Wahrnehmung entgegengesetzt sein?
Das Geschwafel mag ja Kunst sein. Wissenschaft ist es nicht. Und wer bei Belting als Naturforscher etwas lernen wollte, kann nur in den Ofen blicken. Wann lernen die Geisteswissenschaftler so zu schreiben, wie sie es von den Naturwissenschaftlern verlangen?

 

Autor: Ernst Peter Fischer· 1 Kommentar· Permalink· Trackback-URL

Trackbacks (1)

Der abenteuerliche Blick · ScienceBlogs · 29.05.08 · 01:20 Uhr


Kommentare (1)

Kommentar-Direktlink ali· 25.05.08 · 23:51 Uhr

Kunsthistoriker wie Belting blicken kaum in die (dreidimensionale) Welt und mehr auf (zweidimensionale) Bilder.

In der Politik zumindest erscheint die Realität manchmal auch nur in einer Dimension.

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