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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com

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04.04.08 · 11:04 Uhr

Nichts im Fernsehen

Kategorie: Kultur·Naturwissenschaften

Neulich war wieder Wissenschaft im Fernsehen - in den Hauptnachrichten -, und wieder ging es um Dinge, bei denen sich leicht die Stirn runzeln ließ. Irgendwelche Briten haben menschliche und viehische Embryonen kombiniert, zum Glück ohne uns vorzuführen, wie das Kuhmenschlein oder die Menschenkuh umherläuft.

Zuletzt waren die Wissenschaften in den Hauptnachrichten, als eine Sekte ankündigte, einen Menschen zu klonen (ohne daß wir erfahren haben, wer der Unglückliche sein sollte).
Was lernen wir daraus? Wenn die Wissenschaft ins Fernsehen kommen will, dann muss sie Lärm machen und/oder Lügen verbreiten. So wird sie populär. Soll sie das werden? Oder sollte sie lieber gar nicht im TV erscheinen?
Wer diese Frage stellt und zu ihrer Antwort überlegt, wer überhaupt im Fernsehen auftritt, macht eine merkwürdige Beobachtung, die im erweiterten Text steht.

Die Beobachtung besteht darin, daß im Fernsehen - in den Talkrunden - vor allem Leute erscheinen, die man dadurch kennt, daß sie im Fernsehen auftreten. Ich bin sicher, daß das System sich der Begriffsstutzigkeit der Zuschauer angepaßt hat, die nur eine bestimmte Menge an Gesichtern und Meinungen ertragen. Irgendwann wird es gelingen, das Fernsehen dabei von der Welt abzukapseln. Im Medium gibt es dann nur noch das Medium, was den alten Traum des Journalismus erfüllt, der in der Reduktion der Komplexität besteht. Dann gilt, was wir heute schon durch den Satz ausdrücken, "Es ist nichts im Fernsehen", wobei wir dann auch das Wort - Fernsehen - abschaffen können, denn wir sehen ja nichts mehr und erst recht nichts, was uns fern ist. Vielleicht gibt es bis dahin das Wesen, das einem Menschen-Kuh-Embryo entwachsen ist. Glotzen wird es doch wohl können. Das reicht, und alles ist gut.

 

Autor: Ernst Peter Fischer· 0 Kommentare· Permalink· Trackback-URL

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