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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com
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10.04.08 · 13:02 Uhr
Das Atomium wird Fünfzig
Kategorie: Kultur · Kommentare: 1
Während sich das intellektuelle Volk daran macht, die Revolution der 68er zu feiern - wobei diese Bewegung in meinen Augen die Bezeichnung "Revoluton" nur durch ihr Marketing verdient hat, das bis heute funktioniert -, übersieht man erneut, was wirklich wichtig ist, nämlich unsere Einstellung zum Atom. Vor fünfzig Jahren wurde in Brüssel ein Eisenkristall in 160milliardenfacher Vergrößerung aufgestellt und als "Atomium" bekannt. Damals dachte man noch schön fortschrittlich, und auch wenn wir gerne die 1950er Jahre als miefig deuten, so haben sie doch mehr Einfluss auf unsere Gegenwart, als wir uns klarmachen. Damals wurde dem technischen Fortschritt die Rolle bei der Aufrechterhaltung des Wirtschaftswachstums zugewiesen, die er bis heute hat. Damals begannen Bayern und Bden-Württemberg sich als Hochburgen der neuen Technologien zu profilieren, und das hat Folgen bis heute, wie die Verteilung der Elitehochschulen zeigt. Sie sind da, wo die 1950er Jahre sie haben wollten. Und wir sind auch da. Allerdings ...
Allerdings haben wir eines jetzt besser verstanden, ohne zu wissen, was daraus folgt. Wir haben verstanden, daß die politische Devise der 1950er Jahre, das "Keine-Experimente"-Plakat, mit dem die CDU (unter Adenauer) die absolute Mehrheit gewinnen konnte, vollkommen verlogen war. Dann was damals tatsächlich passierte, war das Gegnteil, nämlich das größte Experiment der Menschheit, bei dem sie der Natur die Frage stellte, wie seit ihre Ausplünderung ohne Folgen bleibt. Das Atom steht symbolisch für das rücksichtslose und scheinbar unaufhaltsame Vorwärwärstreben - und zwar mit sehr breiter Zustimmung des Volkes. Diesen Gedanke des ewigen Bessermachens haben die 68er nicht abgeschafft, sondern nur auf ihre Mühlen geleitet. Sie wollten ja nicht nur die Bedingungen für den Menschen, sondern diesen selbst verbesseren bzw. erneuern.
Wie feiern wir jetzt das Atomium? Vielleicht am besten dadurch, daß wir endlich zu verstehen versuchen, was der Prediger Salomon vor Tausenden von Jahren uns mitzuteilen versuchte, als er schrieb: "Alles Irdische ist eitel." Der Blick nach Brüssel zeigt es deutlich.
Autor: Ernst Peter Fischer· 1 Kommentar· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (1)
"Alles Irdische ist eitel", wie wahr auch in diesem Zusammenhang! Auch der Blick über die Wirkung der 50er Jahre bis heute ist ein interessanter Aspekt. Aus kunsthistorischer Sicht ist das Atomium auch einen Besuch wert.