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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com

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13.02.08 · 13:24 Uhr

Lichter bei Lichtenberg

Kategorie: Kultur  ·  Kommentare: 1

Zu den schönen Sätzen von Georg Christoph Lichtenberg gehört der Hinweis, daß dann, wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es hohl klingt, man nicht sofort auf das Buch zeigen soll. Heute würde er vielleicht sagen, wenn ein Blogg und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, daß dann vielleicht doch ... Aber lassen wir diese Variante und denken an den wirklich wichtigen und zutreffenden Satz, daß jemand, der nur die Chemie versteht, auch diese Disziplin nicht recht versteht. Tatsächlich - so meine feste Überzeugung - kann man Kultur zwar in ihren Einzelteilen rezipieren und besichtigen, man kann sie aber nur als Ganzes verstehen. Die Reise in die Abstraktion, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts begonnen hat, haben die Künstler doch nicht alleine gemacht. Die Naturwissenschaftler waren mit dabei und haben vielleicht sogar den Weg freigemacht.

Die gemeinsame Reist von Kunst und Wissenschaft in das Reich der Abstraktion begann spätestens mit der Entdeckung der Röntgenstrahlen. Mit dieser Beobachtung unsichtbarer Strahlen und mit anderen Einsichten (etwa in die Radioaktivität) wurde klar, daß die Welt anders IST als sie AUSSIEHT. Wer jetzt malen (darstellen) will, wie die Welt IST, muss sie anders zeigen, als sie AUSSIEHT. Er oder sie muss also die Form der elt neu erfinden, und genau das mussten die Physiker auch machen, als sie merkten, daß die Atome nur das Aussehen haben, daß wir ihnen geben.

Man kann natürlich Kunst treiben, ohne Wissenschaft zu kennen. Aber ich wüsste nicht, warum mich das interessieren sollte.

 

Autor: Ernst Peter Fischer· 1 Kommentar· Permalink· Trackback-URL

Kommentare (1)

Kommentar-Direktlink Marcus Kober· 22.02.08 · 13:30 Uhr

Dem kann ich nur beipflichten.
Erst durch die anregende Verknüpfung von Wissen kann wirklich Neues und Überraschendes geschehen. Kunst (ganz gleich welcher Art), die ohne die Würze der Wissenschaft getrieben wird, lässt einen sehr wichtigen Aspekt unseres Lebens einfach aus. Die Grenzen zwischen den Bereichen Kunst, Kultur und Wissenschaft sollten in den Köpfen der Menschen abgebaut werden, um wirklich im Kontext unserer Zeit zu bestehen, in dem so viele etablierte Weltbilderfragmente umgeworfen werden.

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