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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com
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07.01.08 · 16:00 Uhr
Wessen Kinder?
Kategorie: Kultur · Kommentare: 2
Am Jahresende bzw. zu Beginn eines neuen Jahres werden gerne große Worte beschworen. Viel zu lesen war unter anderem die Behauptung, daß wir Kinder der Aufklärung sind, und dann folgt das fröhliche Schulterklopfen. Wie haben wir es doch so herrlich weit gebracht, denkt so mancher, bevor er sich überlegt, warum sich dann trotzdem sehr viel mehr Leute für Astrologie als für Astronomie interessieren, und zwar trotz der wissenschaftlich abgesicherten Versuche, uns zu "Kindern des Weltalls" zu machen, wie ein früher Bestseller von Hoimar v. Ditfurth betitelt war.
Warum riskiert niemand, uns auch zu Kindern der Romantik zu erklären, die doch in den aktuellen Bestsellerlisten unübersehbar ist? Wessen Kinder wollen wir denn sein?
Ein "Kind der Aufklärung" zu sein, heißt, den Mut zu haben, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, wie Immanuel Kant es formuliert hat. Leider hat er kein Ziel genannt, das der Verstand anstreben soll, und so neben wir eines, das nahe liegt, nämlich das eigene Leben. Es in seine Hände zu nehmen - sich zu entwerfen -, nannte man "Selbsttverwirklichung" im 18. Jahrhundert, und daß der Mensch das tun soll, ist eine Idee der Kulturepoche, die nach der Aufklärung kam und Romantik heißt. Romantiker waren (und sind) der Ansicht, daß es kein Naturgesetz des Lebens gibt, das ein aufgeklärter Forscher entdecken und als Beweis für unsere Unfreiheit proklamieren würde. Romantiker sind der Meinung, daß man sein Leben so entwerfen kann, wie es ein Künstler tut, der bekanntlich nicht beliebig operiert, sondern sich an Rahmen und Vorgaben hält (wie jeder Blogger, der seine Kästchen füllt). Wir sind also eher Kinder der Romantik, und die Frage ist, warum sich so wenig Leute dazu bekennen. Die klassische Antwort lautet, daß die Romantik (in Reinkultur) gescheitert ist, aber das gilt auch für die Aufklärung, und der Grund steckt in beiden Fällen darin, daß wir eigentlich beide Traditionen in uns vereinen. Wir stammen immer aus zwei Quellen - das stimmt in der Biologie, wo es Vater und Mutter gibt; das stimmt in der Kultur, die uns aufgeklärt und romantisch gemacht hat, und das stimmt kosmisch, weil wir als Kinder des Weltalls unter einem Himmel leben, der sowohl sky als auch heaven ist.
Autor: Ernst Peter Fischer· 2 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (2)
Das passt sehr gut zur aktuellen Uri-Geller-Diskussion (auf Plazeboalarm und Hinterm Mond gleich links) hier auf ScienceBlogs. Warum interessieren sich mehr Menschen für Astrologie als Astronomie? Warum geben wir uns so unwissenschaftlich unaufgeklärt? Weshalb hat ein Kreationismus-Museum nun auch in Europa eine Chance (Darwinjahr)
und das stimmt kosmisch, weil wir als Kinder des Weltalls unter einem Himmel leben, der sowohl sky als auch heaven ist.
Und das heißt was genau?
Die Aussage wir seien "Kinder des Weltalls" ist in etwa gleich wie die Aussage wir sind Kinder des Schlammes oder Kinder des Meeres. Alle drei Aussagen haben in etwa den gleichen Inhalt. Nur, welcher ist dass? (Ich weiss es nicht, desshalb frage ich...)
Und was meinst du mit, "einem Himmel.., der sowohl sky als auch heaven ist"?
Ist diese Aussage theologisch gemeint? Präzisierung gewünscht. :)