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Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com
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15.12.07 · 16:04 Uhr
Zahlen sprechen - aber richtig
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften · Kommentare: 7
Wenn mir jemand eine Telefonnummer im Zweierpack durchgibt, bekomme ich Panik. Ich kann "zweiundachtzig-vierunddreißig-siebenundfünfzig" nicht mitschreiben. Ich könne das nur, wenn jemand "achtzigzwei-dreißigvier-fünfzigsieben" sagt. Dann kann ich in derselben Reihenfolge mitschreiben: 823457, wobei man diese Nummer auch so aussprechen kann: Acht-zwei-drei-vier-fünf-sieben". Die letzten beiden Weisen des Sagens gehen, nur die erste nicht. Warum ist dann diese Art der Sprechens die, die wir lernen müssen? Warum sagen wir zweiundachtzig statt achtzigzwei oder einundzwanzig statt zwanzigeins? Kann das nicht im kommenden Jahr der Mathematik besser gemacht werden?
Die Idee oben stammt nicht von mir. Sie wird von einem Verein propagiert, der "Zwanzigeins" heißt und meine Sympathien hat, wie oben erläutert. Er möchte dafür sorgen, daß wir dann, wenn wie Zahlen aussprechen, uns so eng wie möglich an dem Stellenwertsystem orientieren, in dem wir sie notieren. Wir schreiben auch längst keine römischen Ziffern mehr, bei denen manches Zeichen hin- und her geht (XIX vs. XXI zum Beispiel). Wir haben uns arabische Ziffern mit festen Stellen nicht aus Liebe zum Islam angewöhnt, sondern weil unser Kopf dadurch eine maßgebliche Rechenhilfe bekommt (für die er sich nie oder zu selten bedankt). Jetzt brauchen wir das System nur noch in die Sprache zu übertragen, dann könnten wir erstens besser rechnen, hätten zweitens mehr Freude an der Mathematik und würden drittens bei kommenden PISA-Tests besser abschneiden (sagen Ergebnisse der Kognitionsforschung). Also - was hindert uns, die Zahlen mit Vernunft auszusprechen? Der Hinweis, daß es die Franzosen noch komplizierter treiben, wird nicht akzeptiert - außer von einem Franzosen, der zugleich sagen kann, welche Vorteile sich für ihn und seine Mitsprechenden ergeben.
Autor: Ernst Peter Fischer· 7 Kommentare· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (7)
Achtzigzwei? Vierzigdrei? Hmmm ... Natürlich wäre es noch viel einfacher, Telefonnummern ziffernweise zu "buchstabieren" (eins-zwei-drei-vier-fünf-), denn es sind ja keine Zahlen, sondern Ziffern. Vielleicht sollten wir lieber konsequent bei der arabischen Schreib- und Leseweise bleiben (von links nach rechts), und erst die Einer, dann die Zehner, dann die Hunderter etc. sagen – dann wären selbst große Zahlen unproblematisch zu lesen. Für 15841 also
Einsachtzigvierhundertfünfzehntausend statt
Fünfzehntausendvierhunderteinundachtzig?
"Zweiundachtzig" ist nach dem Prinzip der arabischen Zahlen (die von links nach rechts gelesen werden) ja ganz logisch. Dass wir die Hunderter, Tausender, Zehnausender etc. dann wieder voran stellen, anstatt uns konsequent von den Einern zur höchsten Position vorzuarbeiten, ist das Unlogische. Also: Statt "Achthundertdreiundzwanzigtausendvierhundertsiebenundfünfzig" für 823457
"Siebenundfünfzigvierhundertdreiundzwanzigachthunderttausend". Logisch ...
Wenn man Zahlen uebertragen moechte, ist es sinnvoll, die Ziffern der Reihe nach durchzugeben. Wenn man aber Zahlen zu addieren hat, ist es oft bequem, Zahlenpaare in einser-zehner Ordnung zu verarbeiten. Beide Betrachtungsweise finden ihre Anwendung.
Während meinem Studium im französischsprachigen Raum gab es wenig komplizierteres als eine Vorlesung mit vielen Jahreszahlen. Es artete immer in kleine Rechenübungen aus. Wie soll man den auch 1998 notieren wenn gesagt wird: Tausendneunhundertviermalzwanzigzehnacht. Bis ich soweit war, habe ich normalerweise das eigentliche Ereignis in besagtem Jahr verpasst.
Interessant wäre einmal herauszufinden, warum die Franzosen Telefonnummern in aller Regel im Zweierpack servieren. Ist das eine Art Konspirativität?
Meine Telefonnummer (hier in Hamburg) lautet 76757273; so sage ich jedem, der danach fragt "siebensechs siebenfünf siebenzwo siebendrei", und ich schäme mich dessen nicht.
Das hindert mich aber nicht daran, das französische Zählen für idiotisch zu halten; lachhaft: vierzwanzig = achtzig!
Gruß von der Waterkant,
Peter
Diese bisherigen Darlegungen sind mir zu theoretisch und nicht praxisgerecht. Ich möchte gern die offizielle Meinung der Fachleute dazu wissen.
Ich komme aus einem Beruf, der es ausschließlich mit Zahlen, auch und vor allem mit vielstelligen Werten, zu tun hatte. Bei der Ansage "achthundertdreiundzwanzigtausendvierhundertsiebenundfünfzig" ist sofort der Stellenwert klar (achthunderttausend oder zehnmillionen....). In dieser Form sind auch die "Beträge in Worten" auf Zahlungsbelegen zu schreiben. Bei einer mündlichen Ansage dieser Zahlen weiß der Schreibende sofort etwas mit der Stelligkeit des Wertes anzufangen, denn es geht ja nicht in erster Linie um das Notieren von Rufnummern, sondern meistens um sehr viel Geld und hier sind keine sprachlichen Experimente erlaubt. Sie würden m. E nur zu großen Missverständnissen führen.
Aber - was sagen die wirklichen "Fachleute" dazu?
Wird die deutsche Sprache, wie sie es auf anderen Gebieten bereits ist (z. B. der unbedingte Ersatz eindeutiger deutscher Begriffe durch englische Ausdrücke auf wirklich allen Gebieten des täglichen Lebens) auch hier mehr und mehr zum Experimentierfeld?