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Profil
Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com
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17.12.07 · 12:19 Uhr
Primadonnen des Lebens
Kategorie: Naturwissenschaften · Kommentare: 1
Mit den Primadonnen des Lebens sind die kleinen Wunderwerke in den Zellen gemeint, die Biochemiker als Proteine bezeichnen. Sie geben hier den Ton an, sie sind die Stars des Ensembles, aber sie sind höchst empfindlich und müssen ganz vorsichtig behandelt werden. In der jüngsten Ausgabe von "Nature" (erschienen am 13.12.07) wird den Primadonnen eine eigene Sektion gewidmet. In Dynamic personalities of proteins von Katherine Henzler-Wildman & Dorothee Kern sowie in The molecular sociology of the cell von Carol V. Robinson, Andrej Sali & Wolfgang Baumeister zeigen die Autoren gehörig Respekt vor ihren Gegenständen. Da ist davon die Rede, daß Proteine "Persönlichkeiten" haben, deren Berücksichtigung eine "Soziologie der Zelle" nach sich ziehen könnte, und mehr. Warum ich das alles aufschreibe? Das steht im erweiterten Text, der böse wird.
Wie gesagt - Proteine sind dynamische Persönlichkeiten, die in komplexen Netzwerken eine Soziologie der Zelle zustande bringen. Proteine sind höchst empfindliche und äußerst raffinierte Gebilde, die nach genetischen Vorgaben auf elegante Weise angefertigt werden. Proteine sind die Wunderwerke des Lebens - und was fällt den deutschen Wissenschaftsjorunalisten zu dem Thema ein? Weniger als nichts. Sie reden von Eiweißen oder die besonders gebildet klingen wollenden sogar von Einweißstoffen, die das Leben antreiben. Was für ein Unsinn, der unentwegt wiederholt wird. Natürlich besteht das Eiweiß zum Frühstück aus Proteinen, aber ich weiß doch nichts, wenn ich jedes Protein als Eiweiß bezeichne. Könnte man endlich mit diesem Unfug aufhören und anfangen, sich beim Verfassen wissenschaftlicher Beiträge Gedanken zu machen? "I never met dull enzyme" - so heißt die Autobiographie des kürzlich verstorbenen Roger Kornberg. Es gibt keine blöden Proteine, sondern nur Journalisten, die das nicht wissen. Ihnen sei dringend die Lektüre der zitierten Nature-Beiträge gestattet. Primadonnen reagieren beleidigt, wenn man sich falsch anspricht. Sie erweisen sich als großzügig, wenn man ihre Qualität erkennt und feiert.
Autor: Ernst Peter Fischer· 1 Kommentar· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (1)
Wie sollte man denn die Proteine besser beschreiben?