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Profil
Ernst Peter Fischer studierte Mathematik, Physik und Biologie und promovierte 1977 am California Institute of Technology in Pasadena, USA. Im Jahr 1987 habilitierte er in Wissenschaftsgeschichte. Heute ist er Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Universität in Konstanz. Als Autor zahlreicher Bücher wie Einstein für die Westentasche (2005) oder Die Andere Bildung (2003) will er Wissenschaft spannend für jederman präsentieren. Als Wissenschaftsautor schreibt er für die Zeitschriften GEO, Bild der Wissenschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung. epfischer.com
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18.12.07 · 19:12 Uhr
Die Frauen des Lebens
Kategorie: Geistes- & Sozialwissenschaften·Naturwissenschaften · Kommentare: 1
Neulich habe ich mich darüber beklagt, daß die raffinierten Proteine als dumpfe Eiweisse beschrieben werden und manche Leute das für eine Erklärung halten. Ja, wie sollen wir die Proteine denn nennen? So wurde jetzt nachgefragt, und zwar von Männern. Das wundert mich nicht. Denn die Proteine sind die Frauen der Zellen, die rennen, wenn es die Männer, die Gene, befehlen, die eigentlich nur herumliegen und sich bedienen lassen. Wer Proteine besser beschreiben will, braucht eine Metapher, in der Schönheit und Qualität zugleich ausgedrückt und eingefangen werden. Eine lohnende Aufgabe! Übrigens - der im letzten Blog zitierte Aufsatz, der den Proteinen eine "personality" bescheinigt, stammt von zwei Frauen!
Hier soll noch einmal auf den Artikel hingewiesen werden, der den Proteinen zutraut, so etwas wie eine Persönlichkeit zu werden (Nature 450, Bd. 7172, S. 964-972). "Persönlichkeit" soll ausdrücken, daß Proteine viele Konfigurationen einnehmen und dadurch eine Menge Qualitäten zur Schau stellen können. Fast hat man den Eindruck, diese versatilen Biokatalysatoren hätten ihren Namen von Proteus bekommen, dem antiken Meergreis, der sich in verschiedene Gestalten verwandeln konnte. Übrigens - Proteine haben ihren Namen nach dem griechischen Ausdruck für die deutschen Worte "ich nehme die erste Stelle ein." Das tun die Proteine in einer Zelle wirklich, und es könnte sogar sein, daß sie dies auch in der Evolution tun. Denn wenn die Selektion auf Funktionen aus ist, dann muß sie Proteinkonformationen auswählen. Wie dies gelingen kann, bleibt offen. Es bleibt nur dann verschlossen, wenn wir uns belehren lassen, daß die Proteine Eiweißstoffe sind, wie ich in den letzten Tagen mindestens zweimal an prominenter Stelle gelesen habe. Sofort damit aufhören und die Primadonnen des Lebens bewundern.
Autor: Ernst Peter Fischer· 1 Kommentar· Permalink· Trackback-URL
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Kommentare (1)
Einerseits liebe ich die Darstellung der rennenden Frauen (Proteine) und faulen Männer (Gene). Andererseits stoße ich mich sowohl an den befehlenden Machos als auch der impliziten, längst vergessenen Aussage, dass der Mann der Lebensspender, Genträger, Vererber sei.
Aber das ist hier sicher nicht so gemeint?!